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Jenbachsteig und Wasserfälle bei Bad Feilnbach

Wanderung um die Farrenpoint

Das Jenbachtal mit seinem rauschenden Wildbach, den romantischen Wasserfällen und der beeindruckenden Großrutschung am Brechries ist die spannendste Route an der Farrenpoint. Beim Rückweg kann man zur Abwechslung über Litzldorf wandern, wo es einen im Wald versteckten Lost Place zu entdecken gibt. Mit dem Wilhelm-Leibl-Weg und schönen Ausblicken ins Alpenvorland klingt die Tour dann gemütlich aus.
Stand:

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Jenbachfall
Im oberen Jenbachtal kommt man an diesem netten Wasserfall vorbei.

Das Jenbachtal verdeutlich wie kaum ein anderes in den Bayerischen Alpen die bedrohliche Urgewalt der alpinen Natur­gefahren durch Hang­rutschungen, Muren und Über­schwemmungen. Ein 2020 eingerichteter Themenweg bereitet die geologischen Hintergründe und die Schutz­maßnahmen leicht verständlich auf. Er gehört zu den so genannten Wendelstein-Streifzügen, welche die fünf attraktivsten Routen am Wendelstein in ein Themenkonzept zusammenfassen. Weitere Streifzüge sind beispielsweise der Wendelstein Gipfelsteig und der geologische Rundweg.

Während die markanten Felsgipfel des Wendelstein­gebiets aus festem Kalkgestein bestehen, liegt die Farrenpoint vollständig in der Flyschzone. Der rutschungs­anfällige, instabile Flysch bildet am Alpennordrand die kuppigen Vorberge. An der Westseite der Farrenpoint ist beim Brechries eine Hangfläche von ungefähr vier Hektar in Bewegung, eine der größten Massenbewegungen Bayerns. Der Bereich steht unter ständiger geologischer Beobachtung, um bei einer Gefahr sofort Alarm schlagen zu können.

Tourcharakter und Schwierigkeit

680 m 13 km3:30 h

Anspruch ■■■■■■ T2
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Im Großen und Ganzen ist die Wanderung einfach. Sie verläuft auf gut beschilderten, überwiegend breiten Wegen und bietet viel Schatten. Der feuchte, schmale Steig bei den Wasserfällen am Jenbach erfordert Trittsicherheit. Nach Regenfällen oder während der Schneeschmelze sollte man die Tour besser nicht unternehmen, denn einige Abschnitte können selbst nach längerer Trockenheit noch morastig sein.

Wegbeschreibung

Jenbachsteig über das Brechries

Hangrutschung am Brechries
Das Brechries im Jenbachtal zählt zu den aktivsten und größten Rutschungen Bayerns.

Der Aufstieg von Bad Feilnbach zum Wendelstein wird in seiner Gesamtheit als Jenbachweg bezeichnet, dessen unterer Teil bis zum flachen Talgrund der Maieralm heißt traditionell auch Jenbachsteig. Dieser bildet den ersten Abschnitt unserer Wanderung. Der Jenbachsteig verläuft am orografisch linken Ufer nahe am Bachbett.
Nach einem knappen Kilometer taucht eine massive Geschiebe­sperre1 auf. Das eindrucksvolle Bauwerk schützt Bad Feilnbach seit 2010 erfolgreich vor Muren. Dass der Jenbach schon immer eine Gefahr darstellte, beweist sein Name, welcher jäher Bach bedeutet. An der Geschiebe­sperre steht die erste Infotafel des Themenwegs. Ein Stück bachaufwärts befindet sich ein Treibholzrechen, der neben Baumstämmen auch große Felsbrocken abfangen soll. Später folgen weitere Bachverbauungen älteren Datums. In diesem Bereich läuft rechts am Hang stark kalkhaltiges Wasser herab und lässt interessante kleine Sinter­stufen aus Kalktuff entstehen.

Als erstes Anzeichen der Rutschung am Brechries2 kommt dann eine weite Kiesfläche. Beim Brechries muss der Steig am gegenüber­liegenden Hang vor der Gefahrenstelle nach oben ausweichen. Keinesfalls unten weiterlaufen, man hat ohnehin von oben den besseren Blick auf das Brechries.

Jenbachfälle

Jenbach
Senkrecht gestellte Schichten von Rhenodanubischem Flysch am Jenbach.
Vor dem Parkplatz Oberes Jenbachtal mündet der Jenbachsteig in ein Sträßchen. Kurz darauf zweigt er schon wieder links zu den Wasserfällen3 ab. Der Jenbach fließt dort über senkrecht gestellte Kalkplatten, die man auf den ersten Blick fast für künstliche Bach­befestigungen halten könnte. Metallstege überbrücken die schwierigen Stellen. Nach ein paar kleineren Stufen stürzt der Jenbach in einem schönen Wasserfall einige Meter über einen Flysch­aufschluss herab. Die Hohlräume zwischen den Kalkbänken am Jenbachfall entstanden durch Auswaschung weicher Tonsteine.
Oberhalb des Haupt­wasserfalls treffen wir erneut das Sträßchen von vorhin.

Nigglsteig

Wir laufen nach den Jenbach­fällen nicht südwärts zur Wirtsalm, sondern halten uns an die Beschilderung links Richtung Farrenpoint und zwar an diejenige für den Nigglsteig. Die Strecke über die Walchalm und Hansenalm wäre aber ebenfalls okay. Der Nigglsteig zweigt wenige Meter vor der Hillsteineralm4 links vom Fahrweg ab und schlängelt sich im Freien durch teils batziges Weideland bergauf. Der Blick zum Breitenstein ist überragend.

Beim Mitterberg erreichen wir einen breiteren Querweg. Wer Lust auf einen Gipfel hat, könnte nun in wenigen Minuten zum Mitterberg5 hinauf. Er bietet eine gute Aussicht. Die Kühe lagern allerdings gerne direkt am Gipfel und hinterlassen überall Kuhfladen, um die lästige Fliegen schwirren. Zur Rampoldplatte im Süden wäre es ein ziemliches Stück, dafür gäbe es unterwegs mit der Schuhbräualm und der Rampoldalm zwei Brotzeit­stationen. Die beste Wahl ist auf jeden Fall die Farrenpoint mit Einkehr direkt am Gipfel und Ausschau über das Alpenvorland.

Abstieg zum Lost Place nach Litzldorf

Zementwerk Litzldorf
Am Litzldorfer Bach steht mitten im Wald ein ehemaliger Zementofen.
Der Abstieg nach Litzldorf beginnt im Sattel zwischen Mitterberg und Farrenpoint auf dem steinigen, manchmal knöcheltief aufgeweichten Waldweg zur Schlipfgrubalm. Das zieht sich eine Weile. Beim Weide­durchlass kurz vor der Lichtung der Schlipfgrubalm muss man links auf einen Steig abzweigen, außer natürlich man möchte vorher noch einkehren. Der Steig mündet bald in einen breiteren Weg und dieser dann in eine Forststraße.
Wir folgen der Forststraße entweder nach links über die Schwefelquelle6 oder geradeaus. Unten treffen sich die Varianten wieder.
Ein paar Hundert Meter vor Litzldorf liegt links hinter Bäumen versteckt ein 1894 erbautes ehemaliges Zementwerk7. Es fällt vor allem durch seinen gewaltigen Ofen auf. Das Werk verfügte über eine eigene Zementmühle, die damals ganz modern von einer Lokomobile angetrieben wurde. Wegen logistischer Probleme gab man den ungünstigen Standort schnell wieder auf. Dank einer Sanierung in den 1990er Jahren ist der Ofen relativ gut erhalten, mittlerweile aber dennoch stark baufällig. Vom übrigen Werk stehen nur mehr wenige Mauerreste. Der fotogene Lost Place zieht viele Besucher an.

Wilhelm-Leibl-Weg zum Jenbach

Der Wilhelm-Leibl-Weg ist sehr gut beschildert, was angesichts der zahlreichen Abzweigungen auch nötig ist. Er beginnt am Einödhof Schittwein, von wo man eine schöne Aussicht über das Rosenheimer Land genießt. Anschließend verläuft er längere Zeit mit leichtem Gegenanstieg durch den Wald. Beim Marterl für einen Litzldorfer Schmied rechts. Bald darauf folgt der Seltengraben, hinter dem der Wilhelm-Leibl-Weg wieder etwas abfällt. Später führt er oberhalb von Kutterling über mehrere kleine Lichtungen mit Viehweiden. Dort genau auf die Markierungen achten. In diesem Bereich stand die verschwundene Burg Gschlößl, von der man außer der Position nichts mehr weiß. Am Ende geht es die Kohlstattleiten zum Jenbach hinab und zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung.