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Jenbachsteig und Wasserfälle bei Bad Feilnbach

Wanderung um die Farrenpoint

Das Jenbachtal mit seinem rauschenden Wildbach, den romantischen Wasserfällen und der beeindruckenden Großrutschung am Brechries ist die vielleicht spannendste Wanderroute an der Farrenpoint. Abwechslung verspricht auch der Rückweg über Litzldorf, wo es einen im Wald versteckten Lost Place zu entdecken gibt. Mit dem Wilhelm-Leibl-Weg und schönen Ausblicken ins Alpenvorland klingt die Tour dann gemütlich aus.
Stand:

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Jenbachfall
Im oberen Jenbachtal kommt man an diesem netten Wasserfall vorbei.

Wie kaum ein anderes Tal der Bayerischen Alpen verdeutlich das Jenbachtal an der Farrenpoint die bedrohliche Urgewalt der alpinen Natur­gefahren in Form von Hang­rutschungen, Muren und Über­schwemmungen. Ein 2020 eingerichteter Themenweg bereitet die geologischen Hintergründe sowie die ergriffenen Schutz­maßnahmen leicht verständlich auf. Er gehört zu den so genannten Wendelstein-Streifzügen, welche die fünf attraktivsten Routen am Wendelstein in ein Themenkonzept zusammenfassen. Ebenfalls zu den Streifzügen zählen beispielsweise der Wendelstein-Gipfelsteig von Bayrischzell und der Meditations­bergweg von der Wallfahrts­kapelle Birkenstein.

Während die markanten Felsgipfel des Wendelstein­gebiets aus festem Kalkgestein bestehen, liegt die Farrenpoint vollständig in der Flyschzone. Der Flysch bildet am Alpennordrand die kuppigen Vorberge. Rutschungen sind wegen des instabilen Aufbaus des Gesteins häufig.An der Westseite der Farrenpoint ist beim Brechries eine Hangfläche von ungefähr vier Hektar in Bewegung.Schon vor 200 Jahren taucht der selbsterklärende Flurname Brechries in den Landkarten auf. Die Rutschung war damals aber noch deutlich kleiner. Aktuell gilt das Brechries als eine der größten Massen­bewegungen Bayerns. Im Gegensatz zu vergleichbaren Massen­bewegungen, man denke etwa an den Rißberg im Hörnlegebiet bei Bad Kohlgrub, bedroht das Brechries direkt die Siedlungen im Tal. Umfangreiche Felsstürze ereigneten sich 1998. Sie stauten den Jenbach zeitweise auf. Im Tal verursachten sie keine Schäden. Seitdem steht der Bereich unter ständiger geologischer Beobachtung, um bei Gefahr sofort Alarm schlagen zu können. Eine Mess­station mit Tachymeter am gegenüber­liegenden Hang registriert selbst gringste Verschiebungen.

Tourcharakter und Schwierigkeit

680 m 13 km3:30 h

Anspruch ■■■■■■ T2
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Im Großen und Ganzen ist die Wanderung einfach. Sie verläuft auf gut beschilderten, überwiegend breiten Wegen und bietet viel Schatten. Der feuchte, schmale Steig bei den Wasserfällen am Jenbach erfordert Trittsicherheit. Nach Regenfällen oder während der Schneeschmelze sollte man die Tour besser nicht unternehmen, denn einige Abschnitte können selbst nach längerer Trockenheit noch morastig sein.

Wegbeschreibung

Auf dem Jenbachsteig ins Jenbachtal

Geschiebesperre am Jenbach
Seit 2010 schützt diese massive Geschiebesperre am Jenbach den Talort Bad Feilnbach vor Muren.

Der Aufstieg von Bad Feilnbach zum Wendelstein wird in seiner Gesamtheit als Jenbachweg bezeichnet, dessen unterer Teil bis zum flachen Talgrund der Maieralm heißt traditionell auch Jenbachsteig. Dieser bildet den ersten Abschnitt unserer Wanderung.
Der Jenbachsteig verläuft am orografisch linken Ufer nahe am Bachbett. Nach einem knappen Kilometer taucht eine massive Geschiebe­sperre1 auf. Das eindrucksvolle Bauwerk schützt Bad Feilnbach seit 2010 erfolgreich vor Muren. Dass der Jenbach schon immer eine Gefahr darstellte, beweist sein Name, welcher jäher Bach bedeutet. An der Geschiebe­sperre steht die erste Infotafel des Themenwegs. Ein Stück bachaufwärts befindet sich ein Treibholz­rechen aus dicken Metallstempen, der neben Baumstämmen auch große Felsbrocken abfangen soll. Später folgen weitere Bachverbauungen älteren Datums. In diesem Bereich läuft rechts am Hang stark kalkhaltiges Wasser herab und lässt interessante kleine Sinter­stufen aus Kalktuff entstehen.

Am Brechries

Hangrutschung am Brechries
Das Brechries im Jenbachtal zählt zu den aktivsten und größten Rutschungen Bayerns.

Als erstes Anzeichen der Rutschung am Brechries2 kommt dann eine ausgedehnte Kiesfläche. Unter ihr begraben liegt ein meter­hohes Sperren­bauwerk, das bei dem Fels­sturz­ereignis von 1998 komplett verschüttet wurde. Beim Brechries weicht der Steig auf der Gegenseite vor der Gefahren­stelle nach oben aus. Keinesfalls unten zum Fuße der Rutschung laufen. Das wäre extrem riskant. Man hat ohnehin bald eine sehr gute Sicht auf das Brechries. Dass es sich an einem Prallhang befindet, kann kein Zufall sein und trägt sicher mit zu seiner Instabilität bei. Noch besser als vom Wanderweg ist die Sicht von der Mess­station aus. Das ist natürlich wichtig, damit die optischen Geräte genaue Aufzeichnungen machen können. Man erreicht die Mess­station nach dem Anstieg rechts auf einem Forstweg in ein paar Minuten.

Jenbachfall im oberen Jenbachtal

Jenbach
Senkrecht gestellte Schichten von Rhenodanubischem Flysch am Jenbach.
Vor dem Parkplatz Oberes Jenbachtal mündet der Jenbachsteig in ein Sträßchen. Kurz darauf zweigt er schon wieder links zu den Wasserfällen3 ab, wobei es eigentlich nur ein einziger echter Wasserfall ist, dem ein paar kleinere Kaskaden vorgelagert sind. Der Jenbach fließt über senkrecht gestellte Kalkplatten, die man auf den ersten Blick fast für künstliche Bach­befestigungen halten könnte. Das Ganze erinnert stark an das Lainbachtal bei Benediktbeuern.
Metallstege überbrücken die etwas schwierigeren Stellen. Nach ein paar Felsstufen stürzt der Jenbach in einem schönen Wasserfall einige Meter über einen Flysch­aufschluss herab. Die Hohlräume zwischen den dort waagerecht liegenden Kalkbänken entstanden durch Auswaschung weicher Tonsteine.
Oberhalb des Jenbachfalls treffen wir dann erneut das Sträßchen von vorhin.

Nigglsteig

Breitenstein
Unterwegs am Nigglsteig mit Blick zum Breitenstein.

Wir laufen nach den Jenbach­fällen nicht südwärts zur Wirtsalm, sondern halten uns an die Beschilderung links Richtung Farrenpoint und zwar an diejenige für den Nigglsteig. Die Strecke über die Walchalm und Hansenalm wäre aber ebenfalls okay. Der Nigglsteig zweigt wenige Meter vor der Hillsteineralm4 links vom Fahrweg ab. Die Alm gehörte früher zum Hof von Höllenstein bei Brannenburg. Almen wurden häufig nach Hofnamen benannt.
Durch teils batziges Weideland schlängelt sich der Nigglsteig anstrengend bergauf. Unbedingt gelegentlich umsehen. Der Blick zum Breitenstein ist nämlich überragend.

Gipfelziele

Farrenpoint
Die Farrenpoint ist ein typischer Flyschberg mit kuppigem Gipfel und fruchtbaren Almweiden.

Oben erreicht man unterhalb des Mitterbergs einen breiten Querweg. Wer Lust auf einen Gipfel hat, könnte nun in wenigen Minuten zum Mitterberg5 hinauf­wandern. Er bietet eine gute Aussicht. Die Kühe lagern allerdings gerne direkt am Gipfel und hinterlassen überall Kuhfladen, um die lästige Fliegen schwirren. Zur Rampoldplatte im Süden wäre es ein ziemliches Stück, dafür gäbe es unterwegs mit der Schuhbräualm und der Rampoldalm zwei Brotzeit­stationen. Die beste Wahl ist auf jeden Fall die Farrenpoint mit Almeinkehr direkt am Gipfel und einer weiten Ausschau über das Alpenvorland.

Abstieg Richtung Litzldorf

Schwefelquelle Litzldorf
Schwefelquellen sind in den Bayerischen Alpen immer ein Indiz dafür, dass im Untergrund gipshaltige Raibler Schichten vorkommen.

Im Sattel zwischen Mitterberg und Farrenpoint beginnt der Abstieg nach Litzldorf. Zunächst geht es auf einem steinigen, manchmal knöcheltief aufgeweichten Waldweg Richtung Schlipfgrubalm. Das zieht sich eine ganze Weile. Wegen eines Quellgebiets ist dieser Abschnitt sogar bei einer längeren Trockenperiode noch stellenweise schlammig. Auch die Befestigungs­maßnahmen mit Dachziegeln helfen nur bedingt.
Beim Weide­durchlass kurz vor der Lichtung der Schlipfgrubalm muss man links auf einen Steig wechseln, außer natürlich man möchte vorher noch auf der Schlipfgrubalm6 einkehren. Der Steig mündet bald in einen breiteren Weg und dieser dann in eine Forststraße.
Wir folgen der Forststraße entweder geradeaus oder nach links über die Schwefelquelle7. Unten treffen sich die Varianten wieder. Zwar ist die eingefasste Schwefelquelle äußerlich nicht sonderlich interessant, doch man gerät schon ins Rätseln, woher der Schwefel eigentlich stammt. Schließlich besteht der Flysch dort überwiegend aus Kalkmergel und enthält kein Sulfatgestein. Im Untergrund müssen also wohl irgendwo gipshaltige Raibler Schichten vorhanden sein. Oberflächlich treten diese erst weiter südlich am Mitterberg auf. Vielleicht fließt das Wasser auch von da unterirdisch zur Quelle.

Ehemaliges Zementwerk Litzldorf

Zementwerk Litzldorf
Am Litzldorfer Bach steht mitten im Wald ein ehemaliger Zementofen.

Ein paar Hundert Meter vor Litzldorf liegt links hinter Bäumen versteckt ein 1894 erbautes ehemaliges Zementwerk8. Es fällt vor allem durch seinen gewaltigen Brennofen auf. Das Werk verfügte über eine eigene Zementmühle, die damals ganz modern von einer Lokomobile angetrieben wurde. Der Standort schien ideal, weil in dem dortigen Flyschgestein reichlich Kalkmergel vorkommt. Für die Zement­herstellung werden Kalkstein und Tonstein verwendet. Beide Komponenten liegen im Kalkmergel bereits im richtigen Mischungs­verhältnis vor. Doch ein anderer Rohstoff machte Problemen, nämlich die Brennstoff­beschaffung. Mit Holzkohle lässt sich so ein Ofen kaum befeuern und der Koks­transport vom Bahnhof Raubling per Fuhrwerk war teuer, so dass man die Anlage schnell wieder aufgeben musste.
Dank einer Sanierung in den 1990er Jahren ist der Ofen relativ gut erhalten, mittlerweile aber dennoch stark baufällig. Vom übrigen Werk stehen nur mehr wenige Mauerreste. Der fotogene Lost Place zieht viele Besucher an.

Wilhelm-Leibl-Weg nach Jenbach

Wilhelm-Leibl-Weg
Der Wilhelm-Leibl-Weg verbindet Litzldorf mit Bad Feilnbach und bietet schöne Ausblicke ins Alpenvorland.

Von Litzldorf nach Jenbach bzw. Bad Feilnbach gibt es einen gemütlichen Höhenweg mit regelmäßigen Rastbänken und auch ein wenig Aussicht. Für die Tour der perfekte Ausklang! Der Weg ist dem Maler Wilhelm Leibl (1844 - 1900) gewidmet, einem bedeutenden Vertreter des Realismus. In seinen ausdrucks­starken Bildern porträtierte er vor allem einfache Menschen aus der ländlichen Bevölkerung, oft bei alltäglichen Tätigkeiten.
Leibl stammte aus Köln und lebte mehr als zwei Jahrzehnte bei und in Bad Aibling. Seine letzten Jahre verbrachte er in Kutterling. Der Ort liegt an dem nach ihm benannten Wanderweg. Mit dem Rosenheimer Arzt, Bergsteiger und Schriftsteller Dr. Julius Mayr (1855 - 1935) verband Leibl eine lange Freundschaft. Die beiden unternahmen auch zusammen Bergfahrten im Wendelstein­gebiet. Mayr verfasste sogar eine Biografie über seinen Freund.

Der Wilhelm-Leibl-Weg9 ist sehr gut beschildert, was angesichts der zahlreichen Abzweigungen auch nötig ist. Er beginnt am Einödhof Schittwein, von wo man einen schönen Blick über das Rosenheimer Land genießt. Anschließend verläuft er längere Zeit mit leichtem Gegenanstieg durch den Wald. Beim Marterl für einen Litzldorfer Schmied rechts. Bald darauf folgt der Seltengraben, hinter dem der Wilhelm-Leibl-Weg wieder etwas abfällt. Später führt er oberhalb von Kutterling über mehrere kleine Lichtungen mit Viehweiden. Dort genau auf die Markierungen achten. In diesem Bereich stand die verschwundene Burg Gschlößl, von der man außer der Position nichts mehr weiß. Am Ende geht es die Kohlstattleiten zum Jenbach hinab und zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung.