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Brünnstein (1619 m) über das Hocheck

Lange Bergtour bei Oberaudorf

Von Oberaudorf im Inntal führt diese abwechslungsreiche Wanderung über das Hocheck zum Brünnstein. Auf dem gesicherten Dr.-Julius-Mayr-Weg schlüpft man dabei durch einen originellen Felsspalt. Ausdauernde können anschließend den nicht minder schönen Rückweg durch das Gießenbachtal nehmen.

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Am Brünnsteingipfel steht eine Kapelle.

Der Brünnstein ist einer der elegantesten Berge im bayerischen Unterinntal. Von Osten betrachtet sieht er wie ein versteinerter Schiffsbug aus. Das Gestein des Brünnsteins besteht vorwiegend aus Riffkalk, der im Zeitalter der Trias vor 200 Millionen Jahren entstand. Riffkalk ist sehr hart und widerstandsfähig, so dass er typischerweise aus den weicheren Gesteinen seiner Umgebung herauswittert. Berge aus Riffkalk sind dadurch oft besonders markant.

Bestiegen wird der Brünnstein sehr häufig. Gründe dafür gibt es genug, wie etwa den prachtvollen Kaiserblick vom Gipfel, den spannende Dr.-Julius-Mayr-Weg und die idyllischen Almen in seinem Umkreis. Unterhalb des Gipfels liegt zudem das sympathische Brünnsteinhaus (DAV).
Die meisten Wanderer brechen vom Tatzelwurm oder der Rosengasse zum Gipfel auf, was jeweils relativ kurz ist.
Auf der hier vorgestellten, längeren Strecke vom Hocheck durch das Brunntal sind deutlich weniger unterwegs. Der Abstieg ins Gießenbachtal ist ebenfalls recht einsam. Schließlich muss man von dort ja auch durch das ganze Tal hinauslaufen.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1240 m 23 km7:20 h

Anspruch■■■■■■T4 A/B
Kondition■■■■■■
Orientierung■■■■■■

Die einzig anspruchsvollere Passage ist der Dr.-Julius-Mayr-Weg (siehe Topo) am Brünnsteingipfel. Der exzellent abgesichert, anfängertaugliche Klettersteig stellt schwindelfreie und trittsichere Wanderer eigentlich vor keine Probleme. Trotzdem kommt es mitunter zu Unfällen. Ein Steinschlaghelm kann nicht schaden. Geübte benötigen kein Klettersteigset.

Während der Zustieg von Oberaudorf von der Länge her noch im Rahmen ist, sollten nur sehr stramme Geher oder Trailrunner den Rückweg durch das Gießenbachtal nach Kiefersfelden in Betracht ziehen. Gerade wegen der langen Forststraßen­abschnitte braucht man eine wirklich gute Kondition. Sonst macht es keinen Spaß.

Wegbeschreibung

COVID-19-Maßnahme: Die Gießenbachklamm darf derzeit coronabedingt nur bergauf begangen werden, damit der Sicherheitsabstand eingehalten werden kann. Wer die komplette Tour machen möchte, sollte deshalb entgegen der Beschreibung in Kiefersfelden starten. Sonst gibt es beim Abstieg an der Gießenbachklamm einen unschönen Umweg.

Zum Hocheck

Das erste Etappenziel ist das Hocheck. Dazu vom Bahnhof Oberaudorf zur Hauptstraße vor und dann links. In der Ortsmitte entsprechend der Beschilderung für die Hocheckbahn rechts wenden. Die Talstation der Hocheckbahn wäre aber ein Umweg, außer man möchte sich die ersten 300 Höhenmeter sparen.
Für den Aufstieg mit Muskelkraft bleibt man etwa 400 Meter auf der Bad-Trißl-Straße und läuft anschließend links zum Waldrand hinter. Dort beginnt die Kiesstraße Richtung Hocheck, die mit ihren steilen Kehren im Winter eine beliebte Rodelbahn ist. An einigen Höfen vorbei, Wald und Wiesen im Wechsel wird auf ihr bequem das Hocheck1 erreicht. Der Aussichtspunkt bietet einen schönen Blick über das Inntal. Bei klarem Himmel sind sogar die Zentralalpen zu sehen.

Brünnsteinhaus via Brunntal

Westwärts vom Hocheck genießen wir noch ein Stück im Freien. Dabei liegt das Gipfelziel bereits vor Augen, wenngleich es noch fern ist. Die Abzweigung zur Ramsauer Alm am Schwarzenberg bleibt links liegen. Bald taucht der Weg an einem Sattel in den Wald ein und quert mit etwas Höhenverlust durch den Nordhang des Schwarzenbergs.
An einem großen Wegedreieck im Ramgschöß2 geht es links hinauf in den Fleckgraben. Wenig später muss man von der Forststraße rechts auf den Steig Nr. 652 wechseln. Nicht geradeaus die längere Strecke über Rechenau nehmen! Sehr abwechslungsreich führt der Steig nun entlang der Fritzenwand durch das Brunntal Richtung Brünnsteinhaus. Gegen Ende auf die Abzweigung rechts zum Brünnsteinhaus3 achtgeben, sonst dreht man eine Extrarunde über den Fahrweg.

Dr.-Julius-Mayr-Weg auf den Brünnstein

Unmittelbar hinter dem DAV-Haus zieht sich der Dr.-Julius-Mayr-Weg die Felsen empor. Stahlseile und sogar Treppen beseitigen jegliche Kletter­schwierigkeiten. Höhepunkt ist ein enger, mehrere Meter langer Felsdurchschlupf. Nach der unterhaltsamen Kletterei steht man recht unvermittelt auf dem schmalen Ostgipfel4, der mit seiner Kapelle ein bekanntes Fotomotiv darstellt.

Abstieg zur Gießenbachhütte

Wir wählen vom Brünnstein den Abstieg nach Südwesten zur Himmelmoosalm. Im oberen Bereich gibt es wieder einige Sicherungen, dann wird es schnell einfacher. Bei der zweiten Hütte der Himmelmoosalm entfernt sich links unser Steig ins Gießenbachtal. Jenseits der Herrnalm führt er durch steile, von vielen Viehgangeln gezeichnete Hänge. Unten kommt er beim Naturfreundehaus Gießenbachhütte5 heraus.

Gießenbachtal

Der Gießenbach kann im Hochsommer am Oberlauf austrocknen.

Von der Gießenbachhütte verläuft eine Kiesstraße mal auf der einen, mal der anderen Seite des Gießenbachs talauswärts. Zwischendrin wird die Engstelle der Hinteren Gießenbachklamm6 passiert, die allerdings nicht sonderlich beeindruckt. Bald danach kommt ein Wanderparkplatz, so dass man nun ein wenig Autoverkehr in Kauf nehmen muss.
Die Abzweigung Rechenau – Buchau, die eine Verbindung zum Aufstiegsweg herstellt, bleibt links liegen. Das wäre deutlich länger als nach Kiefersfelden. Die Kiesstraße entfernt sich dort etwas vom Gießenbach. Schließlich zweigt rechts der Weg zur Schopperalm ab. Nicht geradeaus weiterlaufen, sonst verpasst man die sehenswerte Untere Gießenbachklamm. Hinter einem Kreuzbichel mit Rastbank taucht auch schon die Schopperalm7 auf. Sie liegt auf einer großen Lichtung und ist besonders bei Familien mit kleinen Kindern beliebt. Der Trubel braucht jedoch vertragen.

Gießenbachklamm

Oberhalb der Gießenbachklamm8 befindet sich eine Staumauer. Bei dieser geht es über eine Stahlbrücke in die Klamm hinein. Leider erlaubt der Klammweg nur anfangs einen Blick bis zum Grund. Interessant sind die Sinterablagerungen an den Felswänden, die dort entstehen, wo kalkhaltiges Wasser oberhalb der Schluchtwände austritt. Nach einer langen Stiege wird schnell das untere Ende der Gießenbachklamm erreicht. Von da kann man am linken Rand auf einem schmalen Band einige Meter hinein und so noch etwas mehr vom Inneren erhaschen.

Das Wasserkraftwerk am Gießenbach bei Kiefersfelden nahm 1910 den Betrieb auf und ist damit eines der ältesten in Bayern. Zum Vergleich, das Walchenseekraftwerk wurde erst 14 Jahre später fertig. Der Steig durch die Gießenbachklamm diente ursprünglich dem Materialtransport für den Bau der Staumauer. Über Druckrohre fließt das Wasser vom Stausee zu den beiden Turbinen am unteren Ende der Klamm.Mehr Info

Am Kieferbach nach Kiefersfelden

Kurz nach der Klamm mündet der Gießenbach bei dem angeblich größten Wasserrad Bayerns in den Kieferbach. Müde Wanderer können dort in der Hochsaison den Wanderbus nehmen, der allerdings selten fährt. Ansonsten links und der Straße am Kieferbach folgen. Sie kreuzt bald die Gleisstrecke der Wachtlbahn, auf der früher das Material aus den Steinbrüchen zwischen Wachtl in Tirol und Vorderthiersee abtransportiert wurde. Heute finden nur mehr Museumsfahrten statt. An der Fußgängerbrücke beim Wasserfall9 des Hechtsee­abflusses überqueren wir den Kieferbach und laufen an seinem rechten Ufer bis Kiefersfelden. Im Ort auf der Hauptstraße südwärts und zuletzt links zum Bahnhof.