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Osterfelderkopf (2057 m) vom Höllental

Montanhistorische Bergtour bei Hammersbach

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Das Höllental ist eigentlich ein schwer zugängliches Tal. Der einzig natürliche Zugang führt vom Osterfelderkopf über das Höllentor. Alle anderen Steiganlagen wurden mit Dymanit, Beton und Stahl eingerichtet. Und nicht alle waren von vorneherein für den Tourismus gedacht. Einige dienten ursprünglich nämlich dem Bergbau.

Inhalt

  1. Tourcharakter und Schwierigkeit
  2. Wegbeschreibung
    1. Stangensteig und Knappensteig
    2. Übers Hupfleitenjoch zum Osterfelderkopf
    3. Abstieg vom Höllentor
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarten und Literatur
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Abstieg vom Höllentor über den Rinderweg ins Höllental.
Beim Namen Hammersbach klingt schon an, dass die Gegend auf eine lange Bergbaugeschichte zurückblickt. Trotz vieler Versuche war der Bergbau im Werdenfelser Land jedoch nie von dauerhaftem Erfolg gekrönt. Bei Hammersbach gibt es zwei bedeutende ehemalige Reviere: Im Hupfleitenkessel wurde mindestens seit dem Mittelalter Eisenerz gewonnen. Im Höllental baute man im 18. Jahrhundert Blei und Zink ab, zu Beginn des 20. Jahrhunderts dann Molybdän. Daneben sind vereinzelt weitere Stollen wie beispielsweise am Waxenstein bekannt. Noch heute trifft man im Höllental allenthalben auf die mehr oder weniger deutlichen Spuren des Bergbaus. Ja wir verdanken ihm sogar diese Tour. Denn ein essenzieller Teil ist der alte und stark verfallene Knappensteig von der Klammbrücke zu den Knappenhäusern. Die Drahtseile hängen dort lose herum und sind nicht mehr verlässlich. Aus diesem Grund ist er nur wirklich Bergerfahrenen anzuraten. Alle übrigen Wege sind sehr gut ausgebaut und gesichert. Wer den ausgesetzten und gefährlichen Knappensteig vermeiden will, muss einen gewaltigen Umweg über die Höllentalangerhütte in Kauf nehmen. Die meisten lassen deshalb den Abstieg sausen und fahren mit der Alpspitzbahn ins Tal zurück.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1450 m17 km7:20 h

Anspruch■■■■■■ T4 I
Kondition ■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Wegbeschreibung

Stangensteig und Knappensteig

Von Hammersbach folgt man dem Weg zur Höllentalklamm bis kurz vor den Eingang, wo der Stangensteig rechts abzweigt. Einige Serpentinen führen im Wald recht steil nach oben. Anschließend quert der Stangensteig1 auf einem Felsband durch die Nordostwand des Waxensteins. Diese Passage ist originell und bietet eine schöne Aussicht ins Tal. Nach dem Band geht es zur Eiserne Brücke etwas bergab. Von der Brücke hat man einen interessanten Blick in die Höllentalklamm und auf die Karstquelle in der Ostwand.
Drüben bleibt man noch ein wenig auf dem bezeichneten Weg, bis sich nach ca. 50 Höhenmetern linker Hand ein unscheinbarer, fußbreiter Pfad findet. Das ist der Knappensteig zu den Knappenhäusern. Der Steig ist immer gut erkennbar und wird bald anspruchsvoller. Mehrere Felsriegel werden auf offenbar künstlich in den Fels geschlagenen Stufen überwunden. Die Drahtseile sind marode. Daher ein echtes Ier-Gelände. Weiter oben wird die ehemalige Beladestation des Molybdänbergwerks passiert. Ein ziemlicher Schrottplatz. Die Stollen sind teilweise eingestürzt. Von dort ist es nicht mehr weit zu den Knappenhäusern2, bei denen wieder der reguläre Wanderweg erreicht wird.

Übers Hupfleitenjoch zum Osterfelderkopf

Die Strecke von den Knappenhäusern zum Hupfleitenjoch ist breit ausgebaut. Vom Hupfleitenjoch3 wäre ein kleiner Gipfelabstecher zum Schwarzenkopf möglich. Auf der anderen Jochseite steigt man in den Hupfleitenkessel ab. An der kleinen Felswand im Kessel ist ein Stolleneingang zu sehen. Es gibt noch mehrere Stollen, die allerdings versteckter liegen. Zum Osterfelderkopf folgt nun nochmals ein kräftiger Anstieg. Unterm Längenfelderkopf stößt der Weg von der Hochalm hinzu und es wird immer belebter. Tafeln informieren unterwegs über die Geologie des Wettersteingebirges sowie den Bergbau. Der Osterfelderkopf4 ist ein typischer Touristengipfel, da er bequem mit der Alpspitzbahn erreichbar ist. Gleich nebenan befindet sich die umstrittene Aussichtsplattform AlpspiX.

Abstieg vom Höllentor

Südlich des Osterfelderkopfs erhebt sich der Höllentorkopf, hinter dem das Höllentor liegt. Dort beginnt der Abstieg auf dem Rinderweg ins Höllental. Auch dieser Weg ist sehr bequem ausgebaut. Es ist aber offensichtlich, dass der Rinderabtrieb über das steile Geröll einst schwierig gewesen sein muss. Er findet heute nicht mehr statt. Im Höllental weiden nur noch Schafe, die über den Stangensteig getrieben werden.
Viele Hundert Höhenmeter tiefer, an der Abzweigung zu den Knappenhäusern, könnte man zum Hinweg über den Knappensteig abkürzen. Ansonsten links die lange Querung zur Höllentalangerhütte5 nehmen. Die Hütte ist erst zu sehen, wenn man kurz davor steht.
Der Rest des Wegs ist stark überlaufen. Vor der Höllentalklamm fallen ein Stollenausgang und die Überbleibsel eines Wasserkraftwerks auf. Wieder Zeugen des Molybdänbergbaus. In der Höllentalklamm6 kann es nachmittags so voll werden, dass sich die Besucher an den Engstellen stauen. Am Ende müssen wir an der Kasse für den Austritt bezahlen. Die Kosten für den Unterhalt der Klamm sind hoch. Am Eingang steht auf einem Felsvorsprung die winzige Höllentalangerhütte. Von da wie gehabt nach Hammersbach zurück.