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Osterfelderkopf (2057 m) vom Höllental

Montanhistorische Bergtour bei Hammersbach

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Beim Aufstieg über die Knappenhäuser zum Osterfelderkopf trifft man überall auf die Hinterlassen­schaften des ehemaligen Bergbaus im Höllental. Besonders spannend sind in dieser Hinsicht der Stangensteig oberhalb der Höllentalklamm und der alte Knappensteig. Aktualisiert am

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Inhalt

  1. Tourcharakter und Schwierigkeit
  2. Wegbeschreibung
    1. Stangensteig ins Höllental
    2. Alter Knappensteig
    3. Osterfelderkopf über Hupfleitenjoch
    4. Abstieg vom Höllentor
    5. Durch die Höllentalklamm
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarten und Literatur
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Abstieg vom Höllentor über den Rinderweg ins Höllental.

Das Höllental ist von Natur aus sehr unzugänglich. Lange Zeit war es am einfachsten über das so genannte Höllentor bzw. die Rinderscharte erreichbar. Alle anderen Zugänge wurden teilweise oder komplett künstlich angelegt. Zunächst geschah dies für den Bergbau. Ende des 19. Jahrhunderts begann dann die touristische Erschließung durch den Alpenverein. Die Höllentalklamm wurde 1905 eröffnet.

Am Ortsnamen Hammersbach, dem Ausgangspunkt unserer Tour, hört man schon, dass in der Gegend Bergbau betrieben wurde. Trotz vieler Versuche war der Bergbau im Werdenfelser Land jedoch nie von dauerhaftem Erfolg gekrönt. Das Erz war wegen seiner minderwertigen Qualität und des kostspieligen alpinen Abbaus nicht konkurrenzfähig.

Bei Hammersbach gab es zwei bedeutende Reviere. Im Gebiet des Hupfleitenkessels wurde seit dem Mittelalter im Tage- und Grubenbau Eisenerz gewonnen. Die Spuren davon sind aber nicht ohne Weiteres im Gelände auszumachen. Anders im Höllental, wo man im 18. Jahrhundert Blei und Zink, zu Beginn des 20. Jahrhunderts Molybdän abbaute. Von diesen Aktivitäten zeugen nicht nur die zahlreichen Stolleneingänge oder die ehemaligen Knappenhäuser, sondern auch die Fundamente der Materialseilbahn, die Reste des Wasserkraftwerks am Hammersbach und der Knappensteig.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1550 m17 km7:20 h

Anspruch■■■■■■ T4 I
Kondition ■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Die schwierigste Passage stellt der alte, stark verfallene Knappensteig dar. An ihn sollten sich nur wirklich Bergerfahrene heranwagen. Die Drahtseile hängen dort lose herum und sind nicht mehr verlässlich. Daher ist das eine echtes Ier-Gelände.
Wer den ausgesetzten und gefährlichen Knappensteig vermeiden will, muss den Umweg über die Höllental­angerhütte in Kauf nehmen.
Doch auch ohne Knappensteig erfordert die Tour Schwindelfreiheit und solide Trittsicherheit.

Wegen der vielen Höhenmeter wird außerdem die Kondition gehörig strapaziert. Merkt man am Osterfelderkopf, dass es zu viel wird, gäbe es die Möglichkeit, mit der Alpspitzbahn zurückzufahren.

Wegbeschreibung

Stangensteig ins Höllental

Von Hammersbach folgt man eine knappe Stunde dem breiten Weg zur Höllentalklamm. Kurz vorm Klammeingang zweigt dann der Stangensteig1 rechts ab. Er führt zunächst in Serpentinen im Wald recht steil nach oben. Anschließend quert der Stangensteig auf einem Felsband durch die Nordostwand des Waxensteins. Diese Passage ist originell und bietet eine schöne Aussicht ins Tal.
Zu Zeiten des Bergbaus diente der Stangensteig als Transport- und Arbeitsweg. Um ihn auch im Winter sicher vor Lawinen benutzen zu können, wurden 1916 an den gefährdeten Stellen enge Tunnel durch den Fels gesprengt.
Bald nach dem Band geht es bergab zur Eisernen Brücke. Von der Brücke hat man einen interessanten Blick in die Höllentalklamm und auf die Karstquelle in der Ostwand.

Alter Knappensteig

Drüberhalb der Eisernen Brücke bleibt man noch ein wenig auf dem markierten Weg. Nach ca. 50 Höhenmetern zweigt linker Hand ein unscheinbarer, fußbreiter Pfad ab. Das ist der alte Knappensteig zu den Stollen und den Knappenhäusern.
Der Knappensteig verläuft durch absturzgefährdetes Gelände und wird zusehends anspruchsvoller. Wenigstens lässt er sich immer gut erkennen. Mehrere Felsriegel werden auf künstlich in den Fels geschlagenen Stufen überwunden. Die Drahtseile sind marode. Keinesfalls daran festhalten. Weiter oben wird die ehemalige Beladestation des Molybdänbergwerks passiert. Ein ziemlicher Schrottplatz. Die Stollen sind teilweise eingestürzt. Von dort ist es nicht mehr weit zu den Knappenhäusern2, bei denen wieder der reguläre Wanderweg erreicht wird.

Osterfelderkopf über Hupfleitenjoch

Die Strecke von den Knappenhäusern zum Hupfleitenjoch ist breit ausgebaut. Am Hupfleitenjoch3 wäre ein kleiner Gipfelabstecher zum Schwarzenkopf möglich.
Auf der anderen Seite des Hupfleitenjochs steigt man in den Hupfleitenkessel ab. An der kleinen Felswand im Kessel ist ein Stolleneingang zu sehen. Es existieren noch mehrere Stollen, die allerdings versteckter liegen.
Zum Osterfelderkopf folgt nun nochmals ein kräftiger Anstieg. Unterm Längenfelderkopf stößt der Weg von der Hochalm hinzu und es wird immer belebter. Tafeln informieren unterwegs über die Geologie des Wettersteingebirges sowie den Bergbau.
Der Osterfelderkopf4 präsentiert sich als typisch lautes Touristenziel. Wenige Meter von der Bergstation der Alpspitzbahn entfernt befindet sich die umstrittene Aussichtsplattform AlpspiX.

Abstieg vom Höllentor

Südlich des Osterfelderkopfs erhebt sich der Höllentorkopf, hinter dem das Höllentor liegt. Dort beginnt der Abstieg auf dem bequem ausgebauten Rinderweg ins Höllental. Der Viehtrieb über das steile Geröll muss mühsam und gefährlich gewesen sein. Heute findet er nicht mehr statt. Im Höllental weiden nur noch Schafe, welche über den Stangensteig getrieben werden.
Viele Hundert Höhenmeter tiefer kommt eine Abzweigung zu den Knappenhäusern. Den Knappensteig bergab zu nehmen, ist aber nicht empfehlenswert. Also besser nach links mit etwas auf und ab zur Höllental­angerhütte5 queren. Die Hütte ist erst zu sehen, wenn man kurz davor steht.

Durch die Höllentalklamm

Von der Höllentalangerhütte wandern wir talauswärts zur Höllentalklamm. Gleich nach der Hütte stürzt von links ein imposanter Wasserfall herab. Er wird von der Karstquelle Mariensprung hoch oben in der Wand gespeist.
Vor der Höllentalklamm fallen ein großer Stolleneingang und die Beton­fundamente des ehemaligen Wasserkraft­werks am Hammersbach auf. Wieder Zeugen des Molybdänbergbaus.
In der Höllentalklamm6 kann es nachmittags so voll werden, dass sich die Besucher an den Engstellen stauen. Am Ende müssen wir an der Kasse für den Austritt bezahlen. Die Kosten für den Unterhalt der Klamm sind hoch. Am Eingang steht auf einem Felsvorsprung die winzige Höllental­eingangshütte. Von da geht es wie gehabt nach Hammersbach zurück.