1. Chiemgauer Alpen
  2. Rupertiwinkel

Große Höglrunde (765 m)

Wanderung von Ainring zur Stroblalm

Mit seiner prachtvollen Aussicht, den malerisch gelegenen Gasthäusern und der großen Auswahl an Wander­wegen ist der Högl eines der schönsten Ausflugs­ziele im Ruperti­winkel. Auch für historisch, naturkundlich und geologisch Interessierte gibt es einiges zu entdecken. Der leichte, gemütliche Aufstieg geht eigentlich immer. Er eignet sich insbesondere für die Übergangs­zeit oder eine schnelle Feierabendtour.
Stand:

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Ehemalige Schmiede auf der Stroblalm
Die aus Högler Sandsteinen gemauerte alte Schmiede beim Stroblhof diente auch als Schleif- und Wetzstein­macher­werkstatt.

Der Högl ist ein gut 800 Meter hoher, unscheinbarer Bergrücken zwischen Teisen­dorf, Freilassing und Piding im Ruperti­winkel im Südosten von Bayern. Sein einzig auffälligeres Merkmal aus der Ferne bildet der Sendemast oben.
Geologisch gehört er zur so genannten Flyschzone, die den Übergang vom Alpen­vorland zum Kalkalpin markiert. Trotz ihres hügeligen Charakters zählt die Flysch­zone naturräumlich noch zu den Alpen. Die sandigen, tonigen und mergeligen Gesteins­schichten des Flyschs sind überwiegend weich und nur schlecht miteinander verbunden. Die eiszeitlichen Gletscher, die den Högl über­flossen, hatten daher leichtes Spiel. Sie machten aus ihm eine Art Rund­buckel mit flacher Südseite und steiler Nord­seite, eben entsprechend der Fließ­richtung des Eises.
Während die steilen, für die Land­wirtschaft ungeeigneten Nordhänge dicht bewaldet sind, erstreckt sich über die Südseite eine Streu­siedlung mit idyllisch gelegenen Einzel­gehöften und Weilern, jeweils innerhalb von noch deutlich erkennbaren Rodungs­inseln. Wir werden auf der Wanderung beide Aspekte des Högls kennenlernen.

Beim Namen Högl, früher Hegl geschrieben und bis heute auch so gesprochen, denkt man unwillkürlich an Hügel. Trotz der Wort­ähnlichkeit besteht aber keine sprachliche Verwandt­schaft, obwohl Högl ebenfalls Anhöhe bedeutet. Mehrere Dörfer und Weiler ringsum sind nach dem Högl benannt, darunter Steinhögl, Kleinhögl und Ulrichshögl, außerdem der Höglwörther See mit der malerischen Klosteranlage, eine der Top-Sehens­würdig­keiten der Gegend.

Tourcharakter und Schwierigkeit

370 m 15 km3:40 h

Anspruch ■■■■■■ T2
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Die Wanderung ist insgesamt recht einfach, vom Bahnhof Ainring aus unternommen jedoch ein wenig weit. Auf der Nordseite sind die Steige teils schmäler und im Winter nicht zu empfehlen. Auch bei Nässe sollte man die Runde besser lassen, weil einige Abschnitte dann ziemlich rutschig und batzig werden. Das Durcheinander aus Forst­straßen, Rückewegen, Steigen und Trampel­pfaden sorgt stellenweise für Verwirrung. Die Beschilderung könnte genauer sein.

Wegbeschreibung

Durch Mitterfelden nach Ainring

Untersberg
Der Untersberg mit dem Salzburger Hochthron und der Mittagscharte.

Der Bahnhof Ainring befindet sich östlich des Ortsteils Mitterfelden. Wer mit dem Zug anreist, muss daher zunächst durch Mitterfelden hindurch.
Vom Bahnhof geht es einige Schritte nord­wärts bis zur ersten Quer­straße und danach links über die wenigen noch unbebauten Felder. In Mitterfelden1 folgt man am besten immer geradeaus der Heuberg­straße.
Die Siedlung Mitterfelden entstand auf dem Gelände eines ehemaligen Flughafens aus der NS-Zeit. Hitler nutzte ihn ab 1933 für die Anreise zu seinem zweiten Regierungs­sitz am Obersalzberg bei Berchtes­gaden. Auch Göring hatte dort ein Flugzeug stationiert. Im Zweiten Weltkrieg war der Flughafen zudem ein Fliegerhorst der Luftwaffe. Nach dem Krieg gab man ihn auf.

Zwischen Mitterfelden und Ainring durch­wandern wir einen kleinen Feldstreifen. Im Süden ist der wuchtige Untersberg schön zu sehen mit dem Salzburger Hochthron ganz links.

Ins Ainringer Moos

Ainringer Moos
Der Weg passiert das wiedervernässte Ainringer Moos.

Eilige könnten von Ainring2 dann gleich direkt über Ulrichshögl zum Högl hinauf­laufen. Ich empfehle dagegen eine etwas längere Runde über die Nord­seite. Dazu ab Ainring vorerst an die Beschilderung zu den Moos­rund­wegen halten und dement­sprechend rechts zur Kreisstraße. Drüberhalb der Straße leitet ein Feldweg ins Moor3Um das Ainringer Moos verläuft ein lohnender Rundweg mit zwei Aussichts­türmen, einer Moor­kneip­anlage und zahlreichen Informations­tafeln. Weil man dafür aber ausreichend Zeit braucht, ist es zusammen mit dem Högl etwas viel. Besser macht man das Moor als eigene Wanderung.

Nach Thundorf

Högl
In der Ferne ist schon der Högl mit dem Sendemast oben zu sehen.
Im Ainringer Moos wenden wir uns an der Gabelung vor der Wasser­fläche nach links. Durch die Renaturierung steht das Niedermoor inzwischen größten­teils unter Wasser. Die neu entstandene Seen­land­schaft mit den weiten Schilf­flächen sieht wirklich wunder­schön aus.
Wir wandern nun auf einem schattigen Pfad am Südrand des Moors entlang. Nachdem der Weg um die Südwest­ecke biegt, kommt bald links eine Abzweigung nach Thundorf4, wo man ein Stück neben der Straße laufen muss.
Der barocke Kirchturm in Thundorf mag nicht so recht zum wuchtigen Kirchenschiff passen. Tatsächlich blieb er als einziges Element stehen, als die Kirche 1921 abgerissen und durch einen größeren Neubau ersetzt wurde. Um den Denkmal­schutz machte man sich damals offenbar noch keine Gedanken.

Auf den Högl

Hochstaufen
Vom Högl hat man eine wunderbare Perspektive auf den Staufenkamm mit dem pyramidenförmigen Hochstaufen.
In Thundorf muss man kurz nach der Kirche rechts, dann über die Kreisstraße und geradeaus zum Waldrand hinauf. Am einfachsten ist es, bis hinter der ersten Spitz­kehre auf der Forst­straße zu bleiben. Dort zweigt links ein steiler, holpriger Weg auf den Högl ab. Es gibt vereinzelt rote und gelbe Punkte sowie den ein oder anderen Weg­weiser zur Stroblalm. Zwischendrin kreuzt ein Forstweg, auf dem es links nach Ulrichshögl ginge. Gleich danach bei der nächsten Gabelung rechts, nicht links zur Lichtung hinaus. Der Weg beschreibt noch einen Bogen und fädelt sich anschließend in den Rund­weg um die Stroblalm ein. Kurz darauf öffnet sich endlich der Wald und gibt ein unerwartet schönes Panorama auf die Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen frei.

An der Stroblalm

Stroblalm
Einkehr mit Panoramablick auf der Stroblalm.

Die Stroblalm5 liegt am oberen Ende einer weit­läufigen Lichtung mit fantastischem Ausblick gen Süden. Direkt vis-a-vis erhebt sich der alpine Staufen­kamm. Dessen Über­schreitung von Inzell nach Bad Reichen­hall gehört zu den ganz großen Touren der Gegend.
Weiter links steht der Untersberg mit der markanten Mittag­scharte. Über der 150 Meter tief eingeschnittenen Scharte steht die Sonne von Norden aus betrachtet genau zur Mittagszeit. Die Menschen nutzten die Berge früher häufig zur Bestimmung der Tageszeit. Namen wie Mittag, Zwölfer oder Elfer sind verbreitet.
Eine echte Alm ist die Stroblalm natürlich nicht, sondern ursprünglich ein Bauernhof, auf dem bereits seit 1888 eine Wirtschaft betrieben wird. Die Bezeichnung als Alm soll wohl Touristen anlocken und den rustikalen Charakter hervorheben. Den Fremden kann man ja alles als Alm verkaufen.

Schleifsteine
Alte Schleifsteine aus Högler Sandstein vor der ehemaligen Schmiede von Oberhögl.

Wie auch andere Höfe am Högl hat die Stroblalm ihre eigene Kapelle.
Beachtenswert ist außerdem die aus unverputzten Sand­steinen gemauerte ehemalige Schmiede. Laut der Denkmal­liste für das Berchtes­gadener Land des Bayerischen Landesamts für Denkmal­pflege diente sie auch als Schleif- und Wetz­stein­macher­werkstatt. Vor dem Gebäude liegen schwere alte Schleifsteine herum. Früher besaß fast jeder Hof und jeder Handwerker so einen. Neben der Tür erläutert eine leider nicht mehr komplett lesbare Tafel die Geschichte der Steinbrüche am Högl.

Am Högel gibt es zahlreiche aufgelassene Steinbrüche. Über viele Jahrhunderte bestimmten sie das Leben der Högler. Oft starben die Steinbruch­arbeiter in jungen Jahren an einer Staublunge. Einer der größten Steinbrüche liegt direkt unterhalb der Stroblam. Er besteht aus einem breiten Abbaugraben mit wall­förmigen Abraum­halden zu beiden Seiten. Als letzter wurde um 1950 der Gschwendtner Bruch aufgegeben.
Der harte, feinkörnige Högler Quarz­sand­stein war begehrt. Er fand unter anderem für Schleifsteine, Kugelmühlen, Tür- und Fenster­stöcke, Radabweiser und Grab­steine Verwendung. Högler Sand­steine gingen bis nach München, Wien und Budapest, vor allem aber nach Salzburg, wo unter anderem die Erhard­kirche daraus erbaut wurde. Das Erzstift Salzburg war nämlich bis zu seiner Auflösung 1803 Grundherr des heutigen Rupertiwinkels. 1810 fiel der Ruperti­winkel zusammen mit dem Berchtes­gadener Land an Bayern.
Die schärfende Eigenschaft des Högler Sandsteins basiert auf seinem hohen Quarz­gehalt. Dadurch konnte er sogar zu qualitativ hochwertigen Sensen­wetz­steinen verarbeitet werden. Das Zentrum der bayerischen Wetzstein­produktion lag allerdings bei Ohlstadt und Unter­ammergau. Sehr interessant ist in diesem Zusammen­hang der Rundweg durch die Ohlstädter Wetzstein­brüche sowie ein Besuch in der Unter­ammer­gauer Schleifmühlklamm.

Filmtipp: In der Sendung Zwischen Spessart und Karwendel befasste sich der Bayerische Rundfunk 2013 ausführlich mit den Sandsteinen vom Högl im Berchtes­gadener Land. Der Film zeigt alte Stein­brüche, schaut einem Steinmetz bei der Arbeit zu und macht sich in Salzburg auf Spuren­suche nach dem dort an vielen Stellen verbauten Högler Sandstein.

Abstieg nach Ulrichshögl

Ulrichshögl
Der Rückweg führt durch Ulrichshögl, wo es eine sehr schöne Kirche zu besichtigen gibt.
Wir wandern von der Stroblalm ostwärts auf dem Sträßchen zum Sende­mast, zweigen aber kurz vorher rechts ab. Dabei nur ein paar Meter der Beschilderung nach Johannis­högl und zur Neubichler Alm folgen und schon bei der nächsten Gabelung links. Es kommt gleich ein steiler, rutschiger Abschnitt im dichten Fichten­wald. Bald kreuzt ein Steig. Wir halten uns geradeaus Richtung Ainring. Zeitweise gibt es einen Forstweg, der zweimal über den Mühlstätter Graben wechselt. Auf Höhe der Einöde Kohlstatt leitet ein weiterer Forstweg nach links und biegt schließlich aus dem Wald hinaus nach Ulrichshögl6, einem kleinen Bauerndorf. Die im Kern romanische Filialkirche St. Ulrich ist ein Kleinod. Das Kreuz­rippen­gewölbe entstand bei der spät­gotischen Umgestaltung. Die Altäre stammen aus dem Barock. Neben der Kirche steht ein Gasthaus.

Rückweg über Ainring

Salzburger Alpen
Beim Abstieg vom Högl blickt man in die Salzburger Alpen. Links ist der Gaisberg mit dem markanten Nockstein zu sehen und rechts der Ausläufer des Untersbergs.

Vor dem letzten Haus in Ulrichshögl geht es rechts hinunter nach Ainring, zuerst im Freien, dann im Wald.
Wer mag, kann dabei einen kleinen Umweg machen und im Mühl­stätter Graben bei der rekonstruierten Kugelmühle7 vorbei­schauen. Kugelmühlen zur Herstellung von Steinkugeln waren in der Gegend bis Ende des 18. Jahrhunderts sehr verbreitet. Die schnell fließenden Gebirgs­bäche, die harten Högler Quarz­sandsteine für die Schleif­steine und reichlich Roh­material aus den Marmor­brüchen machten es möglich. Bei der Kugel­mühle fällt auch eine Stele des Ainringer Franziskus­wegs auf, einem besinnlichen, drei Kilometer langen Dorf­spaziergang. Ansonsten wäre noch die Pfarrkirche sehenswert. Die einnehmende Atmosphäre der Kirche von Ulrichhögl besitzt sie jedoch nicht.

Zurück zum Bahnhof nimmt man dem Stadtweg, wandert dann links über die Felder nach Mitterfelden und läuft zuletzt noch ein paar Hundert Meter die Salzburger Straße entlang.