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Höfats Ostgipfel (2258 m) über die Gufel

Bergtour für Erfahrene

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Die Höfats ist sicher der außergewöhnlichste Berg im Allgäu. Von Gerstruben zieht sich ein waghalsiger Steig über die Gufel zum Ostgipfel hinauf. Zurück führt unsere Bergtour auf dem Normalweg zum Älpelesattel, einer ebenfalls sehr heiklen Route.

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Inhalt

  1. Tourcharakter und Schwierigkeit
  2. Wegbeschreibung
    1. Über den Hölltobel ins Dietersbachtal
    2. Zur Höfatsgufel
    3. Auf den Ostgipfel
    4. Normalweg zum Älpelesattel
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarten
Zur Galerie (9 Fotos)
Von Osten erschließt sich die Höfatsgruppe am besten. In der Mitte befindet sich das so genannte Rote Loch. Rechts daneben steht die Kleine Höfats.

Egal ob am Laufbacher Eck, in Gerstruben oder im Oytal, die Höfats sticht überall sofort ins Auge. Mit ihren bis zu 80 Grad steilen Grashängen ist sie nicht nur die markanteste Berggestalt des Allgäus, sondern sucht in den ganzen Alpen ihresgleichen. Die Gruppe wirkt wegen ihrer zahlreichen Gipfel und Zacken unübersichtlich. Aus jeder Perspektive präsentiert sie sich wieder völlig anders, aber immer abweisend und respekteinflößend.
Leider lockte die bizarre Schönheit der Höfats schon manch erprobten Bergsteiger in den Tod. Angesichts der Gefahr will sich die Freude über diese schwere Bergtour daher erst nach dem sicheren Abstieg so richtig einstellen.

In früheren Zeiten war die Höfats durchaus Schauplatz bedeutender alpinistischer Leistungen. Um im Steilgras Halt zu finden, wurden teilweise Steigeisen und Pickel eingesetzt. Nach und nach bildeten sich so schmale Trittspuren heraus.
Später trieben sich an der Höfats Edelweißsucher in solcher Zahl herum, dass die Blume zu verschwinden drohte. Die Bergwacht setzte dem Sammeln der bedrohten Pflanze mit einem Beobachtungsposten an der Höfatsgufel ein Ende. Heutige Bergsteiger begnügen sich mit Fotos und sind froh, dass sich der Edelweißbestand mittlerweile erholte. Der Bergwachtposten mit Biwakschachtel wird nur noch sporadisch besetzt.

Für die Besteigung der Höfats müssen zuerst einmal die äußeren Bedingungen perfekt stimmen. Das heißt vor allem kein Schnee, keine Nässe, gute Sicht und eine stabile Wetterlage.
Auf der beschriebenen Route gibt es eine einzige echte Felskletterstelle (II) kurz unterm Gipfel. Die Schwierigkeit liegt vielmehr im Bewältigen der steilen Grasschrofen, in denen es nur kleine Tritte sowie kaum solide Griffpunkte gibt. Klettergeschick hilft dabei leidlich wenig. Umso mehr sind langjährige alpine Erfahrung, hohe Konzentration und Selbstvertrauen gefragt.

Filmtipp: Vom Bayerischen Fernsehen gibt es eine hervorragende Dokumentation über die Höfats. Der Film befasst sich unter anderem mit der Besteigungsgeschichte, den verschiedenen Kletterrouten und der einzigartigen Botanik. Interessant sind außerdem die historischen Aufnahmen über die mühsame Heuernte an den Steilgrasflanken.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1340 m13 km7:50 h

Anspruch■■■■■■ T6 II
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Wegbeschreibung

Über den Hölltobel ins Dietersbachtal

Die Tour beginnt mit dem Hölltobelweg1 vom Trettachtal nach Gerstruben. Aussichts­plattformen ermöglichen im Hölltobel beeindruckende Blicke in die enge Schlucht und auf ihre tosenden Wasserfälle. Oben marschiert man vom historischen Bergbauerndorf Gerstruben2 auf einem breiten Weg ins Dietersbachtal hinein.

Zur Höfatsgufel

Kurz nach der Gerstruber Alpe wird der Äußere Höfatstobel passiert, wo es früher einen Pfad zum Höfatsmähder gab. Ein Stück weiter, etwa auf halber Wegstrecke zwischen Gerstruber Alpe und Dietersbachalpe, wird der Ausläufer des Inneren Höfatstobels3 erreicht. Man überquert dessen Bachbett und verlässt dahinter sogleich den Fahrweg nach links ins Gras. Ein Pfad ist zunächst nicht unbedingt erkennbar. Als Orientierung dient der Wasserlauf des Höfatstobels, an dessen Ostseite es entlang geht, bis er sich zu einer Schlucht verengt. In dieser kann bis im Hochsommer Schnee liegen.
Nun wird der Graben des Höfatstobels durchquert, dessen erodierte Flanken vor allem abwärts Probleme bereiten. Auf der anderen Seite führt der gut ausgetretene Pfad noch etwas nach Nordwesten und steigt dann steil bergauf. Weiter oben folgt eine Querung zurück nach Osten, wobei man auch durch eine ausgespülte Felsrinne kommt, die bei Nässe ein echtes Hindernis darstellen kann. Im Anschluss daran dreht der Steig nach links in die baumlose Höfatswanne, wo es ordentlich gach bergwärts geht. Zwischendrin wird ein Graben gekreuzt.
Bei der Höfatsgufel4 gibt es die letzte, sichere Rastmöglichkeit vorm Gipfel. Dort steht unweit der Höhle auf einem kleinen Absatz die Bergwachthütte.
Die Stöcke nun gegebenenfalls wegpacken, denn sie sind ab da nur noch hinderlich.

Auf den Ostgipfel

Hinter der Hütte an der Höfatsgufel trennen sich die Routen zu West- und Ostgipfel. Zum Ostgipfel (auch Südostgipfel) hält man sich rechts der Höhle. Kleine, wenig solide Trittstufen ziehen sich nahe einer Abbruchkante zum schwindelerregenden Südwestgrat empor. Diese Passage ist extrem ausgesetzt. Der Südwestgrat überbietet danach alles Bisherige nochmals, mündet aber bald in den besseren Südostgratsteig vom Älpelesattel. In fortwährend anspruchsvollem Grasschrofengelände leitet eine dünne Spur bis knapp unter den Gipfel. Die letzten Meter muss noch eine sehr exponierte und abschüssige Platte (II) überwunden werden. Der Höfatsgipfel5 ist die erste ebene Stelle seit der Gufel.

Normalweg zum Älpelesattel

Der Südostgrat ist vom Anspruch mit dem Aufstieg über die Gufel vergleichbar, jedoch kürzer und ab dem Falkenberg unschwierig. Die Trittspuren sind oft nur fußbreit, aber immer deutlich zu erkennen. Kurz vorm Falkenberg wird noch ein unglaublich steiler Hang gequert, bevor man die letzten Meter über eine schmale Gratschneide balanciert. Dann ist es geschafft! Am Falkenberg6 steht ein kleines Kreuz, an dem ich meinen ersten Besteigungsversuch wegen Nässe abbrach.
Vom Falkenberg ist es nicht mehr weit zum Älpelesattel, dem beliebten Übergang zwischen Dietersbachtal und Oytal. Da der Abstieg durchs Oytal recht lang ist, empfiehlt sich nach der anspruchsvollen Tour der gemütlichere Rückweg ins Dietersbachtal. Unten wartet schon die bewirtete Dietersbachalpe7. Nach der Alm wird wenig später wieder der Hinweg erreicht.