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Hochplatte (1587 m) über Steinlingalm

Lange Rundwanderung im Chiemgau

Das Gebiet um die Chiemgauer Hochplatte ist geradezu gespickt mit Almen, von denen viel zu einer kleinen oder auch großen Stärkung einladen. Auf der hier vorgeschlagenen Rundwanderung dauert es zwar, bis mit der Steinlingalm die erste Einkehr kommt, doch ab da folgen sie dann in regelmäßigen Abständen.
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Kampenwandgebiet
Rückschau von der Hochplatte auf den zurückgelegten Weg und die bekannten Gipfel des Kampenwandgebiets.

Natürlich wäre die Hochplatte samt der umliegenden Almen am schnellsten vom Achental aus zu erreichen. Mit der Hochplattenbahn ließe sich der Aufstieg sogar noch zusätzlich erleichtern.
Betrachtet man dagegen den Weg als das eigentliche Ziel, darf man ruhig etwas weiter ausholen. Überaus idyllisch und sogar ein wenig abenteuerlich präsentiert sich der Steig aus dem Rottauer Tal zu Steinlingalm. Ebenfalls sehr lohnend ist später der Höhenweg an der Kampenwand vorbei zur Piesenhausener Hochalm. Besonders erstaunt dabei, dass trotz des ansonsten hohen Wander­aufkommens relativ wenige diesen Übergang von der Steinlingalm zur Hochplatte nutzen.

Die lange Rundtour führt durch insgesamt vier verschiedene Almkomplexe. Im Rottauer Tal liegen die Weiden der Bauern aus Rottau. Rings um die Kampenwand gruppieren sich die Aschauer Almen, darunter die Gedereralm und die Steinlingalm. Bei der Piesenhausener Hochalm ist klar, wohin sie gehört. Die vielen kleinen Almen im Norden der Hochplatte schließlich sind Grassauer Gebiet. Die meisten der Almen entstanden im Mittelalter, wobei man in der Regel davon ausgehen kann, dass die höheren Almen die älteren sind. Ihren Höhepunkt erreichte die Almwirtschaft im 19. Jahrhundert. Seither wurden viele Almen aufgelassen und die Anzahl der aufgetriebenen Tiere nahm stetig ab.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1300 m 22 km6:40 h

Anspruch ■■■■■■ T4
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Die Wanderung verläuft größtenteils auf einfachen Bergwegen und Forststraßen, doch einige Passagen erfordern auch Trittsicherheit. Vom Rottauer Tal zur Gedereralm und an der Hochplattenscharte gibt es kurze, einfache Kraxelstellen und jeweils ein paar Meter mit Seilsicherung. Außerdem beachten, dass die Strecke weit und anstrengend ist.

Bei Nässe ist der Steig von der Hochplattenscharte zur Piesenhausener Hochalm nicht nur gefährlich, sondern kann so stark aufweichen, dass er praktisch unpassierbar wird. Daher möglichst trockene Bedingungen abwarten.

Wegbeschreibung

Ins Rottauer Tal

In Rottau starten fast alle Wanderwege gemeinsam im Mühlwinkel. Am Eingang zum Rottauer Tal gibt es gleich eine wichtige Gabelung. Für das Rottauer Tal hält man sich rechts. Links werden wir beim Rückweg von der Hochplatte herabkommen.
Auf einer schattigen Kiesstraße geht es am Rottauer Bach eine geraume Zeit ins Tal hinein. Rechter Hand liegt der Reifenberg mit dem Gasthaus Adersberg, der ebenfalls eine Wanderung wert ist. Bald nach den Vorderen Rottauer Almen1 taucht eine große Kreuzung auf. Dort muss man aufpassen und sich schräg links in den untergeordneten Schotterweg zur Hintere Rottauer Alm einfädeln. Bisher war es eine ziemliche Hatscherei, aber nun wird es netter. Der Schotterweg endet im Talschluss an der Hinteren Rottauer Alm2.

Wilder Steig zur Gedereralm

Rottauer Tal
Blick vom Rottauer Talschluss zum Hochalpenkopf und Raffen.

Von der Hinteren Rottauer Alm gäbe es einen direkten Aufstieg zur Hochplatte. Doch zunächst steht die Steinlingalm auf dem Programm. Dazu entsprechend der Beschilderung westwärts über die kleine Almlichte und in den Wald hinein. Ein uriger, recht rutschiger Pfad führt einen steinigen Hang hinauf. Bei einer ausgesetzten Querung läuft ein Drahtseil mit. Über der Querung wird der Kesselgraben gekreuzt. An seinem Bachlauf geht es über ein paar Felsstufen weiter bergauf. Die Markierungen reichen gerade so aus. Wohl auch deshalb ist es so einsam.
Wenn es flacher wird, trennen sich vor einer Lichtung die Routen zur Kampenwand und Gedererwand. Wir müssen links über den Bach, also Richtung Kampenwand und wandern am südlichen Saum der feuchten Lichtung entlang. Relativ unvermittelt dreht der Pfad dann scharf links und erklimmt einen steilen, erdigen Hang mit dichtem Nadelgehölz. Danach lichtet sich der Wald und bald schon wird die Gedereralm3 erreicht. Auf der einsamen Weidefläche rennen manchmal Murmeltiere umher.

Steinlingalm über Sultensattel

Hinter der verlassenen Hütte der Gedereralm zieht sich ein Graben nach Westen zum Sultensattel hinauf. Man wählt am besten die rechte Grabenseite und steigt weitgehend weglos durch das übersichtliche Weidegelände zum Sultensattel auf. Oben im Sattel ist es mit der Ruhe erst einmal vorbei. Ein paar Minuten später gelangt man über den Fahrweg zur Steinlingalm4, die direkt unterhalb der Kampenwand liegt.

Höhenweg zur Hochplatte

Hochplattenscharte
Die stille Seite der Kampenwand an der Hochplattenscharte.

An der Steinlingalm folgt man kurz dem Weg zum Ostgipfel der Kampenwand und zweigt dann wie beschildert links zur Hochplatte ab. Durch Latschen und über ein paar Felsen wird die Hochplattenscharte5 gewonnen. Bei klarer Sicht ist aus der Scharte der Chiemsee zu sehen. Seilsicherungen leiten auf der anderen Seite in den gerne mal morastigen Sattel zwischen Kampenwand und Raffen. Aus Westen stößt dort ein netter Steig hinzu, der von der Bergstation über die Südseite auf die Kampenwand führt.
Zur Piesenhausener Hochalm verliert man nun gut 200 Höhenmeter. Der Steig quert durch die abschüssigen, blumenreichen Südhänge unter dem Raffen und dem Hochalpenkopf. Von der Piesenhausener Hochalm ist die Hochplatte6 nicht mehr allzu weit. Bis zum Sattel am Haberspitz gibt es eine Kiesstraße, beim finalen Gipfelanstieg wieder einen Steig.

Abstieg über die Hefteralm

Hochgern
Im Osten der Hochplatte liegt das Hochgern­gebiet mit Hochlerch und Zwölferspitz. Das Dorf unten im Achental ist Marquartstein.

Wir wandern von der Hochplatte anfangs ein Stück auf dem Hinweg zurück. Etwa auf halber Strecke zur Piesenhausener Hochalm kommt rechts die Abzweigung Richtung Rottau, Grassau und Hochplattenbahn. Ab da hält man sich stets an die Wegweiser nach Rottau über Hefteralm. Der gemütliche Wanderweg weicht dem Felskopf des Friedenraths ostseitig aus und mündet später in eine Forststraße. In diesem Bereich gibt es auffällig viele Almhütten, die zum Grassauer Komplex gehören. Vor 200 Jahren waren es sogar noch mehr.
Die Forststraße führt um den bewaldete Staffen herum. Danach zweigen wir spitz rechts ab, passieren die bewirtete Rottauer Moieralm und laufen hinab zur Hefteralm7, auf der man ebenfalls einkehren kann. Die Hefteralm liegt nahe der Hochplattenbahn und ist dementsprechend beliebt.
Kurz hinter der Hefteralm trennen sich die Wege für Rottau und Grassau. Wir müssen links durch den Grießenbachgraben und landen nach einer Weile am morgendlichen Startpunkt beim Eingang ins Rottauer Tal.