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Hochkalter-Überschreitung (2607 m)

Außergewöhnliche Bergtour am nördlichsten Alpengletscher

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Die Hochkalter-Überschreitung zählt zu den großen Paradetouren der Berchtesgadener Alpen. Mit seinem anspruchsvollen Grat und den zahlreichen Kletterstellen verlangt der Hochkalter eine solide Bergerfahrung. Viel Kondition ist obendrein nötig. Trainierte schaffen die Bergtour aber durchaus an einem Tag.

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Inhalt

  1. Tourcharakter und Schwierigkeit
  2. Wegbeschreibung
    1. Vom Hintersee zur Blaueishütte
    2. Schöner Fleck
    3. Nordgrat zum Hochkalter
    4. Abstieg ins Ofental
    5. Rückweg durchs Klausbachtal
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarten
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Blick von der Blaueishütte Richtung Blaueisgletscher. Der Hochkalter befindet sich rechts oberhalb des Gletschers.

Der Hochkalter bietet ein sehr ursprüngliches Bergerlebnis. Zwar ist die Tour perfekt markiert, doch an den Kletterstellen wurde ganz auf technische Hilfen verzichtet.
Obwohl der Hochkalter ebenso beeindruckt wie der Watzmann gegenüber, geht es um einiges ruhiger zu. Selbst in der Hochsaison sind kaum mehr als ein Dutzend Gipfelaspiranten unterwegs.

Am Hochkalter befindet sich mit dem Blaueis der nördlichste Gletscher der Alpen. Das Blaueis ist sehr stark vom Klimawandel betroffen und zog sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurück. Schon in wenigen Jahren könnte es ganz verschwunden sein.
Der wegen vieler schwerer Unfälle berüchtigte Eistourenklassiker über das Blaueis dürfte also bald Geschichte sein.
Im heißen Sommer 2015 wurde die ehemalige Gletscherzunge vom Hauptgletscher abgetrennt. Sie ist dadurch nur noch ein Stück Toteis und schmilzt besonders schnell dahin.
Genaue geologische Informationen zum Blaueisgletscher bekommt man beim Bayerischen Landesamt für Umwelt.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1880 m19 km8:50 h

Anspruch■■■■■■ T6 II
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Wetter, Kondition und Kletterkönnen sollten auf jeden Fall stimmen, damit man die Tour auch so richtig genießen kann. Vor allem der letzte Gratabschnitt vorm Gipfel darf nicht unterschätzt werden.
Als Alternative wäre die landschaftlich genauso herrliche, aber deutlich einfachere Schärtenspitze zu empfehlen.

Wegbeschreibung

Vom Hintersee zur Blaueishütte

Vom Hintersee wandert man zunächst auf einem Fahrweg gemütlich zur bewirtschafteten Schärtenalm1. Wer mag, kann davor eine Schleife abkürzen. Von der Alm geht es noch ein Stück auf dem Fahrweg weiter. Bei der Materialseilbahn dann wie beschildert links hinauf zur Blaueishütte2.

Schöner Fleck

Ein bezeichneter Weg führt hinter der Blaueishütte Richtung Blaueisgletscher, biegt aber bald nach rechts ab. Wer zur Schärtenspitze will, verabschiedet sich nach links. Zwischen den großen Blöcken eines Bergsturzes hindurch gelangt man zu einer steilen, unangenehmen Geröllreise. Sie endet an einem mehrere Meter hohen Plattenschluss (I-II). Wer dort Probleme hat, sollte umkehren. Darüber befindet sich der Schöne Fleck3, der seinem Namen alle Ehre macht.

Nordgrat zum Hochkalter

Von der Scharte am Schönen Fleck geht es durch ein wildes Felslabyrinth mit einem markanten Durchschlupf. Gut auf die Markierungen achtgeben. Anschließend kommt die heutige Schlüsselstelle, wieder eine kleine Wand (II). Danach folgt vorwiegend Gehgelände. Hinter dem Rotpalfen4, auch Wasserwandkopf genannt, bleibt der Steig immer mehr oder weniger in Gratnähe. Wir haben währenddessen einen großartigen Blick auf den Blaueisgletscher. Nach dem unauffälligen Kleinkalter zieht sich der Grat zusammen. Das letzte Stück entlang der ausgesetzten Schneide zum Gipfel des Hochkalters5 erfordert noch einmal Klettergeschick.

Abstieg ins Ofental

Anfangs weist uns eine steile, mit Geröll gefüllte Rinne den Weg. Einzelnen Felsstufen (I) sind dabei zu bewältigen. Im weiteren Verlauf schwenkt die Route nach links und quert auf abfallenden Bändern in die Ofentalscharte6. Auf Seiten des Wimbachtals bricht die Ofentalscharte mit gewaltigen Platten ab.
Durch eine Rinne und über kleinere Geländestufen wird das langgezogene Kar des Ofentals7 erreicht. Dieses beginnt mit viel Geröll, wobei stellenweise ein wenig abgefahren werden kann. Der Aufstieg durchs Kar wäre sehr mühsam, weshalb die Tour meist in der beschriebenen Richtung durchgeführt wird. Der Weg hält sich am rechten Rand des Ofentals und taucht nach schier endlosem Schotter in die Latschen ein. In ausladenden Serpentinen steigt man ab zur Lahnwald-Diensthütte8.

Rückweg durchs Klausbachtal

Unten im Klausbachtal folgt dann noch ein längerer Hatscher. Man passiert dabei die Infostelle des Nationalparks, die im Klausbachhaus9 untergebracht ist.
Beim Gasthof Auzinger könnte man bereits in den Linienbus einsteigen. Andernfalls bis zum Hinterssee laufen und an seinem Südufer entlang. Am Hintersee gibt es nochmals eine Bushaltestelle. Wer zum Auto am Holzlagerplatz zurück muss, läuft die letzten Meter neben der Straße.