1. Allgäu
  2. Allgäuer Alpen

Großer Widderstein (2533 m)

Schwere Bergtour im Kleinwalsertal

(aktualisiert am )

Als höchster Gipfel der Walsertaler Berge hat der Große Widderstein eine enorme Anziehungskraft und begeistert mit seiner großartigen Aussicht. Die Bergtour eignet sich aber nur für erfahrene und ausdauernde Bergwanderer, die auch mit leichtem Klettergelände zurechtkommen. Eine einfache Alternative wäre die Widderstein-Umrundung.

Zur Galerie (10)
Morgendlicher Blick aus dem Bärgunttal zum Großen Widderstein.

Wuchtig erhebt sich der Große Widderstein im Süden des Kleinwalsertals. Mit gut 2500 Metern kann er sich von der Höhe her mit den meisten Gipfeln ringsum messen und so genießt man von oben ein Panorama sondersgleichen.
Bestiegen wird der Widderstein überwiegend vom Hochtannbergpass im Süden. Hier geht es allerdings um die längere Tour aus dem Kleinwalsertal. Sie hat den Vorteil, dass man den Widderstein dabei komplett umrunden kann.

Der geologische Aufbau des Widdersteins ist exemplarisch für die Verhältnisse in den Allgäuer Alpen. Sein Sockel besteht aus Fleckenmergel der fruchtbaren Allgäuschichten. Auf diesen gedeihen üppige Almweiden mit einer vielfältigen Flora. Überlagert werden die Allgäuschichten vom Hauptdolomit der Lechtaldecke, welcher die schroffen und kargen Felsgipfel aufbaut. Hauptdolomit ist eigentlich grau. Bei den schwarzen oder braunen Streifen an den Felsen, auch Tintenstriche genannt, handelt es sich um Blaualgen. Diese siedeln sich an feuchten, schattigen Stellen an.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1320 m 1400 m 15 km7:30 h

Anspruch■■■■■T5 I
Kondition■■■■■
Orientierung■■■■■■

Während die Umrundung des Widdersteins wie gesagt einfach ist, muss für die Gipfelbesteigung eine solide Bergerfahrung vorhanden sein. Nicht von der blau-weißen Markierung täuschen lassen! In den Allgäuer Alpen steht diese für schwere alpine Touren.
Die sehr gut markierte Aufstiegsroute führt durch eine tiefe Rinne mit vielen kleinen Kletterstellen. Eigentlich stellt das Ier-Gelände kein großes Problem dar, und doch kommt es in der Rinne immer wieder zu tödlichen Abstürze. Wegen des brüchigen Gesteins unbedingt den Steinschlaghelm mitnehmen.

Bitte beachten, dass der Widderstein wirklich nur bei trockenen Verhältnissen Freude bereitet, denn die Wege weichen sehr schnell auf. Außerdem am besten warten, bis die gefährlichen Altschneefelder verschwunden sind.

Wegbeschreibung

Aufstieg durch das Bärgunttal

Von Baad bis zur Bärgunthütte kann man sich auf einem Fahrweg gemütlich warmlaufen. Dabei besser nicht die längere Variante links über den Panoramaweg nehmen.
Hinter der Bärgunthütte1 verjüngt sich der Weg und überwindet problemlos eine Felsbarriere, von der nette Wasserfälle herabplätschern. Darüber dreht er im Kessel der Bärgunt-Hochalpe nach links. Auffällig ist, dass es dort überall viele Schäden an der Grasnarbe gibt. Der erosionsanfällige Mergelboden verträgt die starke Überweidung nicht. Selbst der Wanderweg leidet darunter. Bei Nässe weicht alles schnell auf, so dass man knöcheltief einsinkt.
Vorbei an den Mauerresten einer ehemaligen Almhütte geht es weiter in den Hochalppass2 und von da steil hinauf zur heutigen Almhütte. Ursprünglich stand in diesem Bereich ein Zollhäusl, weil das Kleinwalsertal 1891 zum deutschen Zollgebiet kam. Die Zollgrenze verläuft also kurioserweise innerhalb des österreichischen Staatsgebiets.

Großer Widderstein

Im Abstieg erfordert die Südrinne noch mehr Umsicht als bergauf.

Wir passieren bald nach der Hütte der Bärgunt-Hochalpe den kleinen Hochalpsee und zweigen schließlich zum Widderstein ab. Der Steig quert zunächst die grasbewachsenen Schuttkegel unter den zerklüfteten Felsen des Widdersteins und schwenkt dann in die Südrinne. Stöcke sind ab da hinderlich. Die Hände werden viel am Fels gebraucht, wobei der größte Teil schrofiges Gehgelände ist. Weiter oben orientiert sich die Route mehr nach links und erreicht neben dem westlichen Vorgipfel den Grat. Das letzte Stück am Grat entlang zum Widderstein­gipfel3 ist noch ein wenig ausgesetzt und eröffnet erstaunliche Tiefblicke auf den Kleinen Widderstein.

Rückweg durch das Gemsteltal

Am unteren Ende der Rinne halten wir uns links und treffen so auf den Weg zur Widdersteinhütte4. Vom Unterkunftshaus führt ein ausgetrampelter Steig über den Gemstelpass hinab ins gleichnamige Tal. Der Untergrund ist fester und weniger morastig als auf der anderen Seite im Bärgunttal. Währenddessen folgt Einkehr auf Einkehr. Als Erstes kommt die Obergemstelalpe5, dann wenig später die Hintere Gemstelhütte und schließlich noch Bernhards Gemstelalpe. Dazwischen liegt die kleine Gemstelbachklamm. Ab der Hinteren Gemstelhütte wird es etwas hatschert. Wenn sich der Fahrweg gabelt, die linke, kürzere Variante nehmen. Unten an der Breitach zuerst links und gleich darauf rechts über die Brücke zur Hauptstraße, wo der Bus hält.
Autofahrer wandern dagegen neben der Breitach flussaufwärts nach Baad zurück.