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Großer Stein und Bärenhöhle

Geologische Wanderung bei Wallgau

Diese gemütliche Rundwanderung bei Wallgau führt zum Naturdenkmal Großer Stein und zur Bärenhöhle, beides interessante Geotope. Unterwegs kommt man zudem an der jungen Isar vorbei, die mit ihren Schotterbänken zum Rasten einlädt. Und ein kleiner Wasserfall steht ebenfalls noch auf dem Programm.

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Der Große Stein bei Wallgau ist ein Gneisfindling, der vermutlich aus dem Ötztal stammt. Er soll um die 50 Tonnen wiegen.
Gletscher sind in der Lage, unglaubliche Lasten über weite Strecken zu transportieren. Der Große Stein bei Wallgau ist mit seinen schätzungsweise 50 Tonnen noch ein Leichtgewicht unter den Findlingen, wiegt aber bereits deutlich mehr, als für einen Schwertransport in Deutschland normalerweise zulässig ist. Die größten bekannten Findlinge wiegen Tausende von Tonnen.Früher stellten die verirrten Blöcke die Menschen vor ein großes Rätsel.Sie erkannten zwar, dass das Gestein nicht aus der näheren Umgebung stammte, doch wie die riesigen Felsblöcke dorthin gelangt waren, konnten sie sich nicht erklären. Also vermuteten sie, dass dabei übernatürliche Kräfte am Werk gewesen sein mussten und erfanden allerlei Geschichten. Damit die Orte im Volksglauben nicht zu sehr ins Magische abdrifteten, wurden an den Findlingen häufig Wegkreuze angebracht. Der Wallgauer Findling liegt aber wohl zu abseits, als dass er eine derartige Bedeutung gehabt hätte.
Erst im Zuge der Gletscher­forschung setzte sich im 19. Jahrhundert langsam die Erkenntnis durch, dass wir in einem seit fast drei Millionen Jahren andauernden Eiszeitalter leben, das von Perioden großräumiger Vergletscherung geprägt ist. Die Findlinge lieferten dazu wichtige Hinweise.

Tourcharakter und Schwierigkeit

320 m 12 km3:00 h

Anspruch■■■■■■T2
Kondition■■■■■■
Orientierung■■■■■■
Die moderate Wanderung verläuft auf breiten, bestens beschilderten Wegen und lässt sich mühelos an einem halben Tag bewältigen. Das zweimalige Auf und Ab könnte dem ein oder anderen allerdings missfallen. Da sich die Aussicht in Grenzen hält und die Wege überwiegend befestigt sind, eignet sich die Runde auch für eher durchwachsenes Wetter.

Wegbeschreibung

Zur Maxhütte

Die oft stark befahrene Hauptstraße in Wallgau sollte man möglichst meiden und begibt sich am besten erst einmal zum Kurpark. Östlich des Kurparks geht es zunächst links in die Flößerstraße und gleich darauf an der nächsten Ecke rechts in die Schöttlstraße. Nach wenigen Zehnermetern zweigt man am Dorfrand dann wie beschildert links auf einen Fußweg ab, also nicht geradeaus zum Golfplatz weiterlaufen.
Es gibt dort zwei unauffällige Hügel1, deren eigenartige Form von der anderen Seite besser zu erkennen ist. Beide entstanden durch die Ablagerungen eines Schmelzwasserbachs im Gletscher. Bei dem südlichen, pyramidenförmigen Hügel handelt es sich um eine Kame, die vermutlich zwischen zerfallenden Gletscherteilen entstand. Der nördliche, kegelförmige Hügel ist ein Tumulus bzw. eine Mühlenkame, die am Boden einer Gletschermühle gebildet wurde.
Hinter dem Geotop kommen nochmals ein paar Straßenmeter, bis schließlich der kurze, steile Aufstieg Richtung Maxhütte2 beginnt.

Großer Stein

Die Maxhütte bleibt bald links liegen, außer man möchte jetzt schon einkehren. Bei den Abzweigungen am Fahrenberg hält man sich nun stets rechts, der Findling ist aber ohnehin überall ausgeschildert. Ein paar Rastbänke gibt es unterwegs auch. Zum Filzmoos hin verläuft die Forststraße längere Zeit leicht bergab.
Bei der Lichtung am Filzmoos heißt es dann an einer Kreuzung mit mehreren Wegen aufpassen. Gleich der erste linker Hand, ein ziemlich ausgewaschner und holpriger Rückeweg, führt zum Großen Stein3 hinauf. Das sind nur wenige Minuten. Eine Hinweistafel erklärt Details zu dem erratischen Block. Auf der Rückseite gravierte jemand die Jahreszahl 1914 ein. Ob das etwas mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs zu tun hatte?

Abstieg zur Isar

Als Filze werden eigentlich Hochmoore mit Latschen- oder Moorspirken­bewuchs bezeichnet. Das Filzmoos ist aber eindeutig ein nährstoffreiches Niedermoor, leicht erkennbar an der gegenüber einem Hochmoor viel üppigeren und artenreicheren Vegetation. Wir wandern auf einer Kiesstraße ein Stück am Moor entlang und später durch den Wald zur Isar hinab. Schon relativ weit unten kreuzt die Mautstraße nach Vorderriß. Über karge Schotterbänke, auf denen typische Pionierpflanzen wie die Silberwurz wachsen, erreichen wir nach einer Weile den Isarsteg4. Vom Steg hat man einen relativ freien Blick auf die umliegenden Berge.

Kleiner Wasserfall und Bärenhöhle

Die Bärenhöhle bei Wallgau entstand in der verwitterungs­anfälligen Raibler Rauwacke. Durch den talwärts geneigten Boden räumt sich die Höhle von selbst und kann somit weiter in die Tiefe wachsen.
Direkt beim Isarsteg mündet der Finzbach, welcher oben im Estergebirge entspringt, in die Isar. Bekannt ist der Bach vor allem wegen der sehenswerten Finzbachklamm, doch das ist eine andere Wanderung. Wir folgen nun dem meist trockenen Bett des Finzbachs. Am besten bleibt man anfangs auf der linken Seite und wechselt erst bei der Finzbrücke auf die rechte. Einen guten Kilometer nach dem Wallgauer Spiel- und Freizeitplatz zweigt schließlich der Weg zur Bärenhöhle ab. Bei einem Anwesen endet die Ausbaustrecke und es geht auf einem Pfad steil im Wald bergauf. Wenig später kommen nacheinander die beiden kurzen Abstecher zum Kleinen Wasserfall und zur Bärenhöhle5. Die kleine Auswitterungs­höhle überrascht mit ihren eigenartigen aneinandergereihten Nischen.
Nach der Höhle folgt man weiter dem bisherigen Pfad. Er durchquert den Steglegraben und mündet bald in eine Kiesstraße, die zurück nach Wallgau führt.