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Grafenloch und Auerburg

Ruinen und Höhlen bei Oberaudorf

Diese kurze, leichte Wanderung von Oberaudorf im Inntal zur Höhlenburg im Grafenloch hält viele Überraschungen bereit. Man kommt unter anderem an der Ruine Auerburg, dem Höhlenhaus beim Weber an der Wand und dem Luegsteinsee mit Naturbad vorbei. Immer wieder gibt es schöne Aussichts­punkte. Wer mag, hat verschiedene Möglichkeiten, die Tour anschließend noch zu verlängern.
Stand:

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Grafenloch
In den Höhlenburg im Grafenloch dürfte es ziemlich dunkel gewesen sein, wenn man bedenkt, dass das Portal auch noch mit einer Mauer verbaut war.

Durch seine Lage an einer wichtigen über­regionalen Straße durch das Inntal besaß Oberaudorf einst große strategische Bedeutung. Immer wieder kam es in der Gegend zu kriegerischen Auseinander­setzungen, bei denen sowohl innerbayerische als auch europäische Konflikte ausgetragen wurden. Noch heute trifft man überall auf die steinernen Zeugen dieser Vergangenheit.
Im Hochmittelalter war im bayerischen Inntal das Grafen­geschlecht der Falkensteiner ansässig. Die mächtigen Grafen besaßen die Brannenburg, die Burg Falkenstein bei Flintsbach, auch Rachelburg genannt, und die Burg Kirnstein zwischen Fischbach und Oberaudorf. Die Höhlenburg im Luegstein, besser bekannt unter dem Namen Grafenloch, dürfte ihnen ebenfalls gehört haben. Im Verlauf des 13. Jahrhunderts verschwand das Geschlecht der Falkensteiner. Ihren Besitz übernahmen die Wittelsbacher.Die Befestigung der Höhle im Luegstein reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück.Ob die Grafen von Falkenstein die Erbauer der Burg im Luegstein waren, ist unklar. Möglicherweise wurde die Höhle schon in vorgeschichtliche Zeit genutzt, wobei die archäologischen Funde für eine genauere Bestimmung zu spärlich sind. Das Grafenloch ist eine der wenigen Höhlenburgen Bayerns und gilt unter Forschern allgemein als Vorgängerbau der Auerburg auf dem Schloßberg. Nach der Errichtung der Auerburg im 13. Jahrhundert könnte die Höhle im Luegstein noch eine Zeit lang als geheimer Zufluchtsort fungiert haben.

Der Name des Grafenlochs basiert auf einer Sage, die wahrscheinlich nichts mit den Falkensteiner Grafen zu tun hat, sondern jüngeren Datums ist.Die Sage berichtet von einem grausamen jungen Grafen, der seine Eltern ermordete und dem eine Zigeunerin deshalb als Strafe den Tod durch Blitzschlag weissagte. Aus Furcht davor verließ er die Auerburg und zog mit seinem Diener in die Höhlenburg. Dort wähnte er sich sicher. Die Pferde brachten sie in der kleineren Nachbar­höhle unter, die seitdem Roßstall heißt. Bei einem seiner Ausritte überraschte den Grafen trotz aller Vorsicht ein Gewitter. Er kehrte fluchtartig zurück, wurde aber auf der Leiter zur Höhle tödlich vom Blitz getroffen.

Tourcharakter und Schwierigkeit

260 m 7 km1:40 h

Anspruch ■■■■■■ T2
Kondition ■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Die Wege sind überwiegend einfach und gut beschildert. Nur auf den letzten Metern zum Grafenloch muss man aufpassen, vor allem mit kleinen Kindern. Der etwas ausgesetzte, schmale Steig dort ist mit Drahtseil gesichert. Hinauf zur Höhle gibt es eine sehr steile Stahlstiege bzw. -leiter.
Da die Strecke nicht weit ist, reicht für die Wanderung ein halber Tag leicht aus. Man hat also genug Zeit, die vielen Schautafeln in Ruhe zu lesen.

Wegbeschreibung

Zum Burgtor

Burgtor Oberaudorf
Das 1492 fertiggestellte Burgtor kontrollierte die Straße durch das Inntal und diente als Mautstelle. Heute ist darin das Audorfer Heimatmuseum untergebracht.

Wir begeben uns zunächst in den schmucken Ortskern von Oberaudorf, der südlich des Bahnhofs liegt. Die stolzen alten Gasthöfe im Zentrum erinnern daran, dass in Oberaudorf früher viele Reisende auf dem Weg nach oder von Italien Station machten.
Man orientiert sich am besten an der sehenswerten barocken Pfarrkirche Zu Unserer Lieben Frau. An der Kirche geht es geradeaus vorbei und dann auf dem Oberfeldweg zum Audorfer Museum im Burgtor. Das interessante Heimatmuseum befasst sich unter anderem mit der prähistorischen Besiedlung der Gegend, der bewegten Geschichte der Auerburg, der Innschifffahrt und den Anfängen des Fremdenverkehrs. Leider hat es selten geöffnet.

Das Burgtor hat übrigens nichts mit der Auerburg zu tun, sondern ist eine ehemalige Mautstation, an der Wegezoll verlangt wurde. Die Einnahmen an dieser wichtigen Verkehrs­verbindung waren bestimmt einträglich. Die Befestigung kontrollierte die Straße an einer natürlichen Engstelle, dem so genannten Hals. Früher beanspruchte der Inn viel mehr Platz als heute und reichte bis zu den Ausläufern des Florianibergs im Osten, so dass alle beim Hals hindurch mussten.

Schloßberg mit Auerburg

Ruine Auerburg
Die Auerburg war einst eine stolze bayerische Grenzfestung. Im Österreichischen Erbfolgekrieg wurde sie 1743 von österreichischen Truppen erobert und zwei Jahre später gesprengt.

Bevor wir weiter zum Grafenloch wandern, lohnt sich eine Besichtigung der Ruine Auerburg1. Dazu kurz vor dem Burgtor links wenden. Nach den letzten Häusern fällt ein alter Futterstall auf. Man hat ihn vor dem Verfall bewahrt und dort als Museumsstück aufgestellt.
Oben am Schloßberg führt eine Stahlbrücke über den Halsgraben in die Ruine. Es sind leider nur noch Reste der Grundmauern übrig geblieben. Der Weitblick über das Inntal zum Kaisergebirge ist fantastisch. Im Osten hat man außerdem das Kranzhorn schön im Blick, im Norden den Wildbarren.
Der nach allen Seiten steil abfallende Schloßberg war ein gut zu verteidigender Standort. Schon während der Bronzezeit gab es auf ihm laut dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege eine Höhensiedlung.

Die Auerburg taucht erstmals 1329 in den Quellen auf. Wegen ihrer strategisch wichtigen Lage kam es um sie immer wieder zu Kämpfen. Im 18. Jahrhundert, als sie festungs­technisch bereits längst überholt war, wurde sie zweimal erobert. Das erste Mal 1704 im Zuge des Spanischen Erbfolgekriegs und erneut 1743 im Österreichischen Erbfolgekrieg. Im Jahr 1745 erfolgte die vollständige Zerstörung durch Sprengung.

Bergab nehmen wir dann einen anderen Weg. Dazu nach der Brücke beim Halsgraben geradeaus halten und östlich unterhalb der Ruine vorbei. Anschließend leitet ein Steig die Südseite hinab. Unten rechts zum Burgtor zurück.

Ponorhöhle

Ponorhöhle
Die Ponorhöhle im Schloßberg von Oberaudorf ist tektonischen Ursprungs. Sie gehört zu einem Spalten­system, das den ganzen Berg durchzieht.

Den Oberaudorfer Schloßberg durchzieht eine weit­verzweigte Klufthöhle, die in ihrer Gesamtheit Obere Burg­berg­höhle oder Schloß­berg­höhle heißt. Vermutlich sprengte die Last des Inn-Gletschers den Fels auseinander. Ein einfacher Zugang zu dem System befindet sich am Westfuß. Dort verschwindet ein Bächlein in die so genannte Ponorhöhle, die Teil der Schloßberghöhle ist. Als Ponor bezeichnet man in der Geologie eine Art Gully, durch den ein Gewässer abfließt. In diesem Fall kommt das Wasser auf der anderen Seite beim Bahndamm als Schloßbach wieder zum Vorschein. Am Höhlen­eingang steht eine Schautafel zu den Inntaler Unter­welten. Das Erlebnis­konzept umfasst verschiedene Höhlen im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tirol. Weitere Stationen der Inntaler Unter­welten sind beispielsweise die Tischoferhöhle im Kaiser­gebirge und die Hundalm Eishöhle in den Brandenberger Alpen.
Wer die paar Meter in den schmalen Gang hinein­schlüpfen möchte, sollte eine Taschenlampe mitnehmen. Die darüber­liegenden Geistergänge sind von der Ponorhöhle aus nicht erreichbar. Deren Befahrung erfordert eine entsprechende Ausrüstung und Erfahrung. Laut der Sage von den drei heidnischen Jungfrauen auf der Auerburg spukt es darin.

Weber an der Wand und Luegsteinsee

Luegsteinsee
Bei warmem Wetter könnte man einen Badestopp am Luegsteinsee einplanen.

Nach der Ponorhöhle gelangen wir an die Südseite des Burgtors. Als Nächstes ist nun der Luegsteinsee dran. Von der Kufsteiner Straße zweigt ein beschilderter Fußweg ab.
Bereits nach wenigen Metern kommt ein Bildstock aus Nagelfluh. Er erinnert an das Kriegsjahr 1704, in dem die Auerburg fiel. Die Inschrift berichtet, dass es an dieser Stelle zwischen einer Österreichischen Husarenpatrouille und Bayerischen Soldaten zu einem blutigen Gemetzel gekommen sei.
Gleich nach dem Bildstock passiert der Weg das Höhlenhaus beim Weber an der Wand. Es schmiegt sich unter eine überhängende Felswand zu Füßen des Burgbergs und ist ein echtes Kuriosum. Das Höhlenhaus geht auf eine Eremitenklause zurück, die später zu einem bekannten Gasthaus ausgebaut wurde. Es ist seit Längerem geschlossen.

Hinter dem Weber an der Wand gelangen wir bald an den Luegsteinsee2. Das liebevoll gestaltete Naturbad verfügt über eine großzügige Liegewiese. Angelegt wurde der Luegsteinsee 1933 als Maßnahme zur Arbeitsbeschaffung. Zuvor war es ein sumpfiger, aus damaliger Sicht wertloser Fleck.

Grafenloch

Höhlenburg im Luegstein
Reste der Stützmauer unterhalb der Höhle. Die Lücke entstand vermutlich durch Frostsprengung.

An der Westecke mündet ein Bächlein in den Luegsteinsee. Von da geht es geradeaus im Wald an einem Graben aufwärts zu einer kleinen Lichtung. Auf dieser rechts wenden. Abermals im Wald schlängelt sich der Weg dann einige Minuten weiter bergauf. Hinter einem Warnschild wird es alpiner. Ein schmaler, mit Drahtseil versehener Steig leitet durch die Felswand zu der nahezu senkrechten, mehrere Meter hohen Stahlstiege in das Grafenloch3.
Es ist offensichtlich, dass der schwer zugängliche Ort hervorragend zu verteidigen war. Wegen der fehlenden Flucht­möglichkeit barg er jedoch auch die Gefahr, zur Falle zu werden. Mangels Wasser­versorgung konnte die Burg einer längeren Belagerung kaum standhalten. Der geräumige Hohlraum reicht gut zwanzig Meter in den Berg. Er entstand an einer tektonischen Bruchstelle, die durch Frostsprengung erweitert wurde. Theoretisch bietet das Grafenloch genug Platz für mehrere Familien, um kurzzeitig Unterschlupf zu finden. Ob das tatsächlich jemals vorkam, ist nicht bekannt.

Aus der Höhle im Luegstein hat man eine schöne Aussicht zum Kaisergebirge, wobei die Bäume etwas den Blick versperren. Zu Zeiten der Burg hielt man den Bewuchs sicher niedrig, um nahende Feinde sofort zu bemerken. Der Name Lueg bedeutet ja Ausschau halten.
An sonnigen Tagen sind im vorderen Bereich der Höhle häufig Mauereidechsen zu beobachten. Die gesamte Luegsteinwand gilt als bedeutendes Biotop für diese streng geschützte Art. Die Tiere lieben die warmen, südexponierten Felsen mit ihren Ritzen und Spalten, in denen sie sich vor Fressfeinden verstecken können.

Roßstallhöhle

Westlich des Grafenlochs liegt noch eine kleinere Höhle, die Roßstall oder seltener Gräfinloch genannt wird. Den ziemlich bröseligen, steilen Aufstieg kann man getrost auslassen. Es gibt nicht wirklich etwas Interessantes zu sehen. Die Benennung wurde von der Grafensage inspiriert. Eine irgendwie geartete Nutzung des winzigen Lochs im Zusammenhang mit der Höhlenburg erscheint höchst unwahrscheinlich.

Mögliche Verlängerungen

Luegsteinwand
Von der Mühlauer Straße in Richtung Gfaller Stausee hat man die beste Perspektive auf das Grafenloch in der Luegsteinwand.

Da die Wanderung recht kurz ist und es in der näheren Umgebung noch einiges mehr zu erleben gibt, drängt sich eine Verlängerung geradezu auf. In jedem Fall läuft man dafür erst einmal auf der wenig befahrenen Mühlauer Straße bergauf zum Gfaller Stausee. Dabei unbedingt zwischendrin zur Luegstein­wand umsehen.
Vom Gfaller Stausee könnte man dann über die Nord­seite den ruhigen Nußlberg besteigen. Oder man schlägt den Weg in die malerische Mühlau ein. Aus der Mühlau führt ein Wanderweg über das Hocheck zurück nach Oberaudorf. Ausdauernde machen am schönsten die reizvolle Runde über den Schwarzenberg.