Gießenbachklamm und Thiersee

Naturidylle zwischen Kiefersfelden und Kufstein

Die einfache Wanderung durch die wildromantische Gießenbachklamm bei Kiefersfelden hinauf zur freundlichen Schopperalm ist vor allem bei Familien beliebt. Ausdauernde können die Tour noch über das Wachtl, den Thiersee und das Dreibrunnenjoch bis zur Festungsstadt Kufstein verlängern.

Der schön gelegene Thiersee lädt zum Flanieren und Baden ein.

Anders als bei den meisten Klamm- und Schluchtsteigen wurde die Vordere Gießenbach­klamm nicht zum Zwecke der Holztrift oder aus touristischen Gründen erschlossen, sondern für den Bau des Gießenbach­kraftwerks. Deshalb zieht sich der Steig relativ weit oben durch die Felswand und gewährt keinen so guten Einblick.
Sehenswert sind in der Klamm vor allem die besonders schönen Sinterbildungen. Der wie ein Baldachin überhängende Kalktuff mit dem herabrieselnden Wasser erinnert an die Schleierfälle in der Ammerschlucht.
Bei dem Gestein der Gießenbachklamm handelt es sich übrigens um Hauptdolomit. Dieser begünstigt wegen seiner Sprödigkeit eigentlich eher die Bildung zerklüfteter Schluchten. Enge Klammen sind im Hauptdolomit dagegen eine Seltenheit.

Die erste Hälfte der Wanderung verläuft teilweise entlang der Wachtlbahn. Auf dieser Schmalspurstrecke wurde früher das Material aus den Steinbrüchen von Wachtl in Tirol nach Kiefersfelden transportiert. Heute wirken die herunter­gekommenen Anlagen und Gebäude am Wachtl wie ein Lost Place. Doch die Abbaukonzession ist noch nicht erloschen. Im Berg klafft eine gigantische, nicht gerade schön anzusehende Wunde. Hoffentlich ruht der Abbau dauerhaft, wobei irgendwo muss der Kalkstein für den Zement ja herkommen. Ob die beliebten Museumsfahrten mit der Wachtlbahn irgendwann wieder stattfinden, ist derzeit ungewiss.

Tourcharakter und Schwierigkeit

510 m 18 km4:40 h

Anspruch■■■■■■T2
Kondition■■■■■■
Orientierung■■■■■■
Die Wanderung besteht überwiegend aus einfachen, breiten Wegen. Steile oder schmale Stellen gibt es nur ganz vereinzelt. Während die Höhenmeter im Rahmen bleiben, ist die Streckenlänge für weniger Trainierte oder Familien mit kleinen Kindern bereits recht weit. Wem es zu viel wird, der kann es bei der Klammwanderung belassen oder vom Thiersee den Bus nach Kufstein nehmen.

Wegbeschreibung

Wanderweg am Kieferbach

Wir verlassen den Bahnhof in Kiefersfelden Richtung Norden und folgen der Hauptstraße bis zur Brücke über den Kieferbach1. Anschließend geht es auf einem Fußweg im Waldschatten am orografisch rechten Ufer bachaufwärts. Nach zwei Kilometern kommt eine Brücke, bei der man auf die andere Seite wechseln muss. Doch zuvor sollte man aber beim Wasserfall2 vorbeischauen, der vom Hechtsee herabkommt. Leider wächst er immer mehr zu. Vom Wasserfall führt übrigens eine lohnende Wanderung über die Thierbergseen zur Burgruine Thierberg. Wir bleiben stattdessen im Tal und laufen nun ein Stück weit auf der wenig befahrenen Thierseestraße bis zum Wasserrad.

Gießenbachklamm

Die Gießenbachklamm ist der Höhepunkt der Wanderung.

Der Weg zur Gießenbach­klamm zweigt bei dem riesigen Wasserrad der ehemaligen Bleiersag ab. Dort mündet auch der Gießenbach in den Kieferbach. Im Sommer hält beim Wasserrad der Oberaudorfer Wanderbus, der allerdings nur selten fährt.
Hinter dem Wasserrad bleibt die Wander­route ein paar Hundert Meter neben dem Gießenbach, bis sich das Tal plötzlich verengt und es über viele Stufen zum Klammsteig hinaufgeht. Wer aufmerksam ist, sieht das Fallrohr des Gießenbach­kraftwerks. Die Klamm3 ist leider recht kurz. Am oberen Ende sperrt die Staumauer des Kraftwerks den Bach ab. Von da sind es nur mehr wenige Minuten zur Einkehr auf der Schopperalm.

Das Wasserkraftwerk am Gießenbach bei Kiefersfelden nahm 1910 den Betrieb auf und ist damit eines der ältesten in Bayern. Zum Vergleich, das Walchenseekraftwerk wurde erst 14 Jahre später fertig. Der Steig durch die Gießenbachklamm diente ursprünglich dem Materialtransport für den Bau der Staumauer. Über Druckrohre fließt das Wasser vom Stausee zu den beiden Turbinen am unteren Ende der Klamm.Mehr Info

Rundweg über den Bergbauernhof Trojer

Von der Schopperalm wandern wir dem Rundweg folgend weiter Richtung Bergbauernhof Trojer und gelangen über eine schöne Holzbrücke wieder auf die Südseite des Gießenbachs. Große Kiesbänke laden in diesem Bereich zum Rasten ein. Bis zum Trojer4 muss man noch etwas bergauf. Die Lage des historischen Anwesens mit zwei Wohnhäusern sowie einer Hauskapelle aus dem 17. Jahrhundert ist einmalig. Vom Trojer verläuft ein ziemlich steiles, schmales Sträßchen zurück ins Tal.

Filmtipp: Die sehenswerte Dokumentation Bayerns ältester Bergbauernhof berichtet über die Geschichte des Trojerhofs und vermittelt einen guten Einblick, wie das Leben auf einem abgelegenen Bergbauernhof aussieht.

Thiersee über das Wachtl

Beim Wachtl an der bayerisch-tirolischen Grenze wurde das Abbaumaterial aus den Steinbrüchen in die Schmalspurbahn nach Kiefersfelden verladen.
Nach dem Rundweg über die Gießenbachklamm bietet sich noch eine Verlängerung der Wanderung zum Thiersee an. Dazu folgt man der Strecke der Wachtlbahn bis zu der gigantischen Verladeanlage an ihrem Ende. Eine luftige Stahlstiege überbrückt dort den Kieferbach, der am Mittellauf ab der Grenze allerdings Thierseer Ache heißt. Ein Stück oberhalb der Stiege steht das geschlossene Gasthaus Wachtl5.
Von da laufen wir auf einer Kiesstraße mal durch den Wald und mal über Wiesen um die gigantischen Steinbrüche herum zum Thiersee. Ein mäßig interessanter Themenweg zur Tiroler Traumfabrik informiert über die Filme, welche in den Nachkriegsjahren rund um den Thiersee gedreht wurden.

Ins Dreibrunnenjoch

Beim Thiersee6 kann man je nach Belieben rechts oder links herum. Am Nordufer gibt es ein Strandbad, entlang des Westufers existieren kleine Badestellen. An der Südspitze verlassen wir den See und steigen auf einem schmalen Weg durch den Wald bergauf. Nach der kurzen Anstrengung flacht das Gelände bald wieder ab. Bei einem Bächlein trifft man dann auf die Forststraße zum Dreibrunnenjoch7. Das Dreibrunnenjoch ist ein sympathischer Ort, an dem neben einer Rastbank ein Laufbrunnen vor sich hin plätschert.

Nach Kufstein

Ab dem Dreibrunnenjoch geht es nur noch abwärts, wobei verschiedene Varianten existieren. Am besten nimmt man den Steig, der nach kurzer Zeit oberhalb eines kleinen Stausees links den Rochenbach überquert. Hinter der nächsten Biegung kann man zum Stimmersee absteigen oder geradeaus weiter. In jedem Fall werden schließlich die paar Häuser von Maistall8 erreicht.
Unterhalb von Maistall müssen wir unter der Autobahnbrücke hindurch und auf der anderen Seite einige Meter an der Straße entlang, bis rechts ein Fußweg den Hang hinaufführt. Oben gelangt man über eine Wiese in den Stadtteil Zell mit der sehenswerten Wallfahrtskirche Maria Hilf. Zuletzt immer geradeaus zum Bahnhof Kufstein.
Wer trotz der langen Tour noch Lust auf einen Stadtbummel hat, die Besichtigung des überschaubaren Zentrums mit dem herausgeputzten Marktplatz, der gotischen Pfarrkirche und der malerischen Römergasse erfordert nicht viel Zeit. Ein Besuch auf der monumentalen Festung Kufstein kann dagegen leicht zwei Stunden in Anspruch nehmen.