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Wanderung zur Finzbachklamm und Finzalm

Abwechslungsreiche Runde im Estergebirge

Im Südosten des Estergebirges befindet sich zwischen Klais und Wallgau die wild­romantisch zerklüftete Finzbachklamm. Ein landschaftlich wunderschöner Wanderweg führt teils direkt am Bach, teils hoch über der schwindel­erregenden Schlucht hinein ins ruhige Finzbachtal, wo die bewirtete Finzalm liegt.
Stand:

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Nahe am Abgrund verläuft der Steig oberhalb der Finzbachklamm zur Finzalm.

Das Estergebirge ist bekannt für seine eindrucksvollen, aber auch überwiegend unzugänglichen Klammen und Schluchten. Man denke nur an die Archtalschlucht bei Eschenlohe oder die Kuhflucht bei Farchant. Auch die Finzbachklamm wurde nur im unteren Bereich mit einem Wanderweg erschlossen, doch keine Angst, man sieht trotzdem einiges und es bieten sich außerdem von oben tolle Tiefblicke.Von allen anderen Klammen der Gegend unterscheidet die Finzbachklamm eine geologische Besonderheit.In ihr treten nämlich die im Estergebirge ansonsten meist verborgenen Raibler Schichten zu Tage. Diese Gesteins­formation bildet den Sockel des Gebirgsstocks und wird von dem dominanteren Hauptdolomit überlagert. Typisch für die Raibler Schichten ist die löchrige Rauwacke mit ihren zahlreichen, oft in Galerien auftretenden Halbhöhlen. Sie entstehen durch die Auswitterung weicher Gips­einlagerungen. Ein leicht erreichbares Beispiel für eine Rauwackenhöhle ganz in der Nähe ist die Bärenhöhle bei Wallgau.

Tourcharakter und Schwierigkeit

575 m 22 km5:20 h

Anspruch ■■■■■■ T2
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Die Wanderung ist ziemlich weit und anstrengend. Es geht immer wieder auf und ab. Alle Wege sind gut beschildert. Alpine Schwierigkeiten gibt es keine. In der Finzbachklamm muss man auf den rutschigen Holzstegen vorsichtig sein. Wer nicht schwindelfrei ist, sollte sich oben von den exponierten Aussichts­punkten fernhalten.

Wegbeschreibung

Von Klais zum Grubsee

Ein reizvoller Wanderweg verläuft von Klais über den Grubsee zum Barmsee.
Wir starten die Wanderung bei Klais, um von der idyllischen Landschaft am Grubsee und Barmsee mit ihren schönen Bade­plätzen zu profitieren. Alternativ könnte man aber auch in Wallgau oder Krün loswandern, was ein Stück kürzer wäre.
Östlich des Klaiser Bahnhofs gibt es einen Bahn­übergang. Auf der anderen Seite links durch die Unterführung. In der Klaiser Straße beginnt neben dem Haus mit der Nummer 5 ein beschilderter Fußweg zum so genannten Sonnenhügel am Geißschädel. Wenig später trifft man auf den Weg zum Grubsee. Er führt über ein paar kleine Lichtungen mit den typischen Werdenfelser Buckelwiesen. Der Grubsee1 liegt in einer länglichen, grabenartigen Senke. An der Westseite geht er in ein Niedermoor über. Die festen Uferpartien werden von einem Bad beansprucht, das Eintritt kostet.

Um den Barmsee

Barmsee
Einmaliger Blick über den Barmsee zur Soierngruppe im Karwendel.
Eine Forststraße leitet im Norden am Grubsee vorbei. Nach einigen Minuten wechseln wir an einer Kreuzung über die Anhöhe linker Hand zum Barmsee2 hinüber. Wie beim Grubsee verlandeten die flachen Uferbereiche des Barmsees ebenfalls zu einem artenreichen Niedermoor. Der großartige Weitblick über den See zur Soiern­gruppe lockt viele Spaziergänger an. Am Steilufer auf der Nordseite verläuft der Weg durch den Wald und kommt am Ende noch an einem beliebten Badeplatz vorbei. Anschließend geradeaus Richtung Krün und Wallgau halten.

In die Finzbachklamm

Finzbachklamm
Auf Holzstegen führt der Wanderweg in die Finzbachklamm hinein.

Einen guten Kilometer hinter dem Barmsee muss man zur Finzbachklamm wie beschildert spitz links abzweigen. Gleich darauf bei einer Gabelung rechts. Nun wird es ausgesprochen schön. Bei einem kleinen Stauwehr führt eine Brücke über den Finzbach3. An dieser Engstelle verlässt der Bach das Estergebirge und fließt hinaus in die Ebene zur Isar. Holzstege leiten auf dem orografisch linken Ufer tiefer in die Klamm hinein. Doch bald muss der Steig nach oben ausweichen. Über viele Stufen geht es in Serpentinen anstrengend empor. Dabei passiert man in der dort anstehenden Raibler Rauwacke eine kleine Auswitterungs­höhle. Sie erinnert stark an die Bärenhöhle bei Wallgau.

Nicht nur der Bach, sondern das gesamte Gebiet wird als Finz bezeichnet. Das Wort tritt in einigen weiteren Flurnamen auf, wie beispiels­weise der Jungfinz, der Hinterfinz oder dem Finzgraben. Finz dürfte vom lateinischen FINES für Grenze abstammen. Aus Sicht der bis 1802 existierenden reichs­unmittelbaren Grafschaft Werdenfels bildete die Finz das Grenzland zum Herzogtum Bayern.

Finzalm über das Soiernkreuz

Finzbachklamm
Tiefblick in den unzugänglichen Teil der Finzbachklamm.
Oberhalb der Finzbachklamm verläuft der Steig nah an der Abbruch­kante entlang. Für Tritt­sichere und Schwindel­freie gibt es ein paar luftige Aussichts­punkte. Sehr gut erkennbar ist in den Schlucht­wänden die Schicht­grenze von der Raibl-Formation zum Haupt­dolomit.
Nach einiger Zeit mündet der Steig in die Forststraße zur Finzalm. Bis zur Wegkreuzung am Soiernkreuz muss man noch moderat bergauf wandern. Hinter dem Altgraben steht dann auf einer Geländeschulter die 2018/19 errichtete neue Finzalmhütte4, ein stattlicher Blockbau, der die winzige, über hundert Jahre alte Hirtenhütte ersetzt.

Abstieg auf der Forststraße am Rindberg

Finzbachtal
Das obere Finzbachtal nahe der Finzbrücke ist ziemlich abgeschieden.
Hinter der Finzalm verjüngt sich der Weg zu einem Steig. Der Finzbach fließt dort durch ein breites Kiesbett und lädt zu einem Fußbad ein. Bald gelangt man an die abgeschiedene Finzbrücke5, wo ein großer Schilder­baum steht. Es gibt reichlich Auswahl. Man käme von da unter anderem zur Esterbergalm oder zum Wirtshaus nach Gschwandt. Wir überqueren den Finzbach und schlagen nun den zugegebener­maßen etwas letscherten Forstweg über den Rindberg ein mit knapp hundert Höhenmetern Gegenanstieg. Am höchsten Punkt für heute kreuzt die Forststraße den Bauerngraben6.Von da ginge es über den Weiler Gerold ebenfalls nach Klais, falls man noch beim Geroldsee vorbeischauen möchte. Das sind zwei Kilometer weniger als über den Barmsee, allerdings muss man zuletzt an der stark befahrenen Bundesstraße entlang.Die Forststraße quert jenseits des Bauerngrabens den Nordhang des Rindbergs7 und schlängelt sich dann hinab zum Finzbach, wo wieder der Hinweg erreicht wird.