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Überschreitung der Ehrwalder Sonnenspitze (2417 m)

Klettertour am Seebensee

(aktualisiert am )

Die anspruchsvolle Überschreitung der Ehrwalder Sonnespitze gehört zu den schönsten Routen im Mieminger Gebirge und begeistert durch eine überwältigende Aussicht. Mit der Coburger Hütte am Drachensee steht ein gemütlicher Stützpunkt zur Verfügung, so dass sich die Tour bei Bedarf auch auf zwei Tage verteilen lässt.

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Die Südflanke der Ehrwalder Sonnenspitze. Der Aufstieg erfolgt in der linken Wandhälfte.

Egal, aus welcher Perspektive man die Ehrwalder Sonnenspitze betrachtet, sie ist immer eine markante Erscheinung. Ganz zu schweigen von ihrer großartigen Umgebung mit der Südfront des Wettersteins, der schroffen Mieminger Hauptkette und den zwei zauberhaften Bergseen zu ihren Füßen. Bei diesem Anblick verspürt jeder Bergbegeisterte unwillkürlich ein Kribbeln in seinen Stiefeln.
Doch bei aller Vorfreude sollte man nicht übersehen, dass der erste Eindruck von unten nicht trügt und es sich bei der Sonnenspitze um eine ernsthafte Unternehmung für erfahrene Bergsteiger handelt.

Tourcharakter und Schwierigkeit

950 m 1340 m 12 km6:40 h

Anspruch■■■■■■T6 II A/B
Kondition■■■■■■
Orientierung■■■■■

Die Kletterei an der Sonnenspitze ist anhaltend, etwas verwickelt und weist Stellen im II. Grad auf. Da in der Regel recht viele unterwegs sind, muss mit Steinschlag gerechnet werden, zumal der Fels teilweise brüchig ist. Unbedingt den Helm einpacken!Der Aufstieg erfolgt üblicherweise über die schwierigere Südseite.Dort befindet man sich längere Zeit in einer nahezu senkrechten Felswand. Beim Abstieg zum Seebensee ist das Gelände zwar im oberen Abschnitt ebenfalls stark ausgesetzt und gefährlich, insgesamt aber weniger anspruchsvoll.
Wer die Sonnenspitze trotzdem in die entgegen­gesetzte Richtung überschreiten möchte, nimmt besser die Kletterausrüstung zum Abseilen mit. Denn die Südseite abzuklettern gestaltet sich deutlich mühsamer als zum Seebensee hin. Solide Standplätze mit Bohrhaken sind vorhanden.

Ein schneller Rückzug, wenn Schlechtwetter naht, ist an der Sonnenspitze nicht möglich. Bei Nässe oder Schnee gar nicht erst einsteigen!

Wegbeschreibung

Coburger Hütte über Seebensee

Das erste Etappenziel ist der Seebensee. Von Beginn an beste Aussicht gibt es, wenn man an der Bergstation der Ehrwalder Almbahn1 startet. Außerdem spart man sich so einige Höhenmeter.
Der Weg ist ausreichend beschildert. Er holt in einem weiten Bogen nach Osten aus. Nach Überqueren des Geißbachs führt er auf eine Anhöhe. Von dort geht es wieder leicht bergab. Die Abzweigung ins Gaistal bleibt links liegen. Bald danach trennen sich Biker und Wanderer, denn die Fußgänger wählen schöner den schattigen Steig links des Fahrwegs. Aufpassen und nicht ins Brendlkar aufsteigen. Nach einiger Zeit wird die Seebenalm2 erreicht, von der wir in wenigen Minuten zum Seebensee hinaufwandern. Der überaus reizvolle See zieht an manchen Tagen Hunderte von Ausflüglern an. Die Biker müssen den Drahtesel nun parken.

Vom Seebensee windet sich dann ein steiniger Steig im Zickzack recht anstrengend bergauf zur Coburger Hütte3. Dieser wichtigste Stützpunkt in den Miemingern begeistert mit seiner einmaligen Lage direkt neben dem tiefblauen Drachensee.

Bike & Hike: Die Strecke bis zum Seebensee eignet sich gut zum Mountainbiken. Sie ist einfach zu fahren und insgesamt eher flach. Fahrräder können in der Kabine der Ehrwalder Almbahn mitgenommen werden.

Zum Einstieg

Der Beschilderung folgend wandert man von der Coburger Hütte nach Westen in Richtung Biberwierer Scharte. Bald entfernt sich links der Steig zum Drachenkopf. Zwischen Latschen hindurch rückt die Sonnenspitze langsam näher. An ihrem Sockel sind drei Schuttkegel zu erkennen. Wir verlassen den Weiterweg zur Biberwierer Scharte und queren den südlichsten der drei Schuttkegel auf deutlichen Spuren. Der Einstieg befindet sich in den Schrofen links des Gerölls bei einer breiten Rinne. Wer keine Haken sieht, ist falsch!

Südroute auf die Sonnenspitze

Ausgesetztes Gehgelände wechselt sich mit Kletterstellen ab.

Die Kletterei beginnt mit moderatem Ier Gelände. Nach etwa einer Seillänge spaltet sich die Rinne auf. An dieser Stelle dem Pfeil entsprechend in die rechte Verästelung hinein. Es wird nun langsam etwas schwerer, bis ein Absatz kurz für Entspannung sorgt. Steigspuren leiten dann extrem ausgesetzt in eine schluchtartige Rinne, die sich von unten deutlich sichtbar durch die Flanke zieht.
Die nun folgende Schlüsselstelle wurde mit Eisentritten und Drahtseil entschärft. Nach wenigen Metern endet die technische Unterstützung bereits wieder.
Dahinter geht es bei abnehmender Kletter­schwierigkeit, aber stets in steilem Fels über den gut mit Steinmandln markierten Südgrat auf den Vorgipfel. Von diesem führt die Route noch einmal etwas schwieriger und sehr exponiert durch eine Scharte hinüber zum geräumigen Nordgipfel4 mit Kreuz.

Nordostgrat zum Seebensee

Die Abstiegsroute startet wenige Meter nördlich des Kreuzes. Die Haken helfen abermals bei der Orientierung. Gleich auf den ersten Metern kommt eine hohe Stufe (II). Dahinter quert man über Schrofen mit Schotterauflage vorsichtig nach rechts zu einer Rippe (II) hinüber, die noch einmal kräftiges Zupacken erfordert. Später geht das Terrain von den Felsen in einen steilen Grashang über. Auf einem gut ausgetretenen Pfad gelangt man so wieder hinab zum Seebensee.

Hoher Gang

Wer beim Rückweg zur Abwechslung den teils gesicherten Steig (A/B) durch den Hohen Gang absteigen möchte, wendet sich am Nordende des Seebensees links. Im Vergleich zur Sonnenspitze ist der Hohe Gang5 keine Herausforderung mehr. Wenn viel los ist, kann auch mal der ein oder andere Stein fliegen. Den Helm haben wir ja dabei. Unterhalb der Felsen folgt ein kleines Geröllfeld, das sich gut abfahren lässt. Im Wald zweigt später rechts der Weg zurück zur Talstation ab, der zum Schluss entlang des Geißbachs verläuft.