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Eggstätt-Hemhofer Seenplatte

Rundwanderung bei Bad Endorf

Im Nordwesten des Chiemsees erstreckt sich mit der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte eine ganz besonders schöne Eiszerfalls­landschaft. Das weitläufige Naturschutzgebiet der Eggstätter Seen mit seiner kleinteilig modellierten Oberfläche lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Auf der hier vorgestellten großen Rund­wanderung mit Startpunkt in Bad Endorf kommt man an dem buchtenreichen Langbürgner See, dem Schloßsee mit dem barocken Schloss Hartmannsberg, dem Hartsee und noch ein paar kleineren Toteislöchern vorbei.
Stand:

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Schloßsee
Blick vom Schlosspark Hartmannsberg auf den Schloßsee.

Unter den zahlreichen Eiszerfalls­landschaften im südbayerischen Alpenvorland stechen drei besonders hervor und zwar sowohl durch ihre Größe als auch ihren hervorragenden Erhaltungs­zustand. Neben der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte zählen dazu die benachbarten Seeoner Seen sowie die Osterseen im Süden des Starnberger Sees.Die Eggstätter Seenplatte und die Seeoner Seen bilden zusammen mit den dazwischen­liegenden Mooren einen großen Biotopverbund, der sowohl Kulturland als auch Wildnis umfasst.Durch den Biotopverbund sollen Wanderungs­möglichkeiten und genetischer Austausch zwischen den Naturschutz­gebieten verbessert werden. Die Populationen gefährdeter Arten sind in den Schutz­gebieten oft isoliert, so dass sie genetisch verarmen. Zu den Zielen des Biotop­verbunds gehören Renaturierungen, eine Extensivierung der Landwirtschaft und Pflegemaßnahmen, wie das Mähen der artenreichen Streuwiesen.

Bereits 1939 stellte man Teile der Eggstätt-Hemhofer Seen auf Grundlage des Reichs­naturschutz­gesetzes unter Schutz. Sie sind somit eines der ältesten Naturschutz­gebiete Bayerns. Da die entsprechenden Gesetze als weitgehend frei von nationalsozialistischem Gedankengut erachtet wurden, blieben sie nach 1945 weiterhin gültig.
Die Ausweisung der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte als Naturschutz­gebiet konnte leider das Verschwinden einiger Arten nicht verhindern. Zu den ausgestorbenen Arten auf der Seenplatte gehören das Birkhuhn und der Hochmoor­gelbling. Beide sind generell stark gefährdet. Negative Umwelt­einflüsse von außen lassen sich nicht einfach aussperren. Selbst dort, wo wir unsere Füße nicht direkt hinsetzen und die Natur scheinbar in Ruhe lassen, wird sie von unseren Aktivitäten indirekt trotzdem belastet.

Der Entstehungs­prozess der Eiszerfalls­landschaft im Nordwesten des Chiemsees lief stark vereinfacht folgendermaßen ab. Am Ende der Würm-Kaltzeit zogen sich die Gletscher während des Ölkofener Stadiums nach und nach aus dem Alpenvorland zurück.Eingezwängt zwischen dem mächtigen Inn-Chiemsee-Gletscher lag über dem Gebiet der heutigen Eggstätter Seenplatte die Zunge des Prien-Gletschers.Beim Zusammen­bruch des Prien-Gletschers löste sich vom Ende der Gletscherzunge eine riesige Toteismasse ab, die wiederum in einzelne Blöcke zerfiel. Schmelz­wasser­ströme füllten die Lücken zwischen den Eisblöcken mit Sedimenten auf. Nach ihrem endgültigen Abschmelzen hinterließen die Eisblöcke so genannte Toteislöcher. In diesen Vertiefungen bildeten sich Seen und durch die fortschreitende Verlandung auch Moore. Feiner Gletscherabrieb dichtet den Boden ab. Manche Seen werden vorwiegend durch Grundwasser, andere von Oberflächen­wasser gespeist. Am Grund des Thaler Sees und des Langbürgner Sees beispielsweise sind Quellen bekannt. Die meisten Seen stehen hydrologisch miteinander in Verbindung.

Filmtipp: Die gut 10-minütige Dokumentation Eiszeit im Rosenheimer Land befasst sich mit den glazialen Landschafts­formen und den Hinterlassen­schaften der Gletscher im Chiemgau. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Entstehung der Chiemgauer Seenlandschaft. Der Geologe Robert Draga, Leiter des Naturkunde- und Mammut-Museums in Siegsdorf, begleitete den Film inhaltlich.

Tourcharakter und Schwierigkeit

16 km3:50 h

Anspruch ■■■■■ T1
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Die gesamte Rundwanderung von Bad Endorf durch die Eggstätt-Hemhofer Seenplatte verläuft über breite, befestigte Wege. Auf der Seenplatte kann es stellenweise auch mal batzig sein. Einige Abschnitte sind etwas hatschert.
Die Beschilderung ist nicht immer ganz klar. Außerdem existieren oft mehrere Alternativen, so dass man nicht ohne Karte oder GPS-Track aufbrechen sollte.

Wem die Runde zu Fuß zu weit ist, kann sie übrigens gut mit dem Fahrrad zurücklegen. Nur am Langbürgner See muss man ein Stück schieben.

Wegbeschreibung

Von Bad Endorf zur Seenplatte

Hochmoor
Zwischen den Seen liegen ausgedehnte Moorflächen. Dieses Hochmoor scheint im Kern ausreichend durchfeuchtet zu sein, so dass darin nur vereinzelte Latschen und Moorspirken gedeihen können.

Vom Bahnhof in Bad Endorf folgen wir der Hauptstraße ein Stück nach Süden bis zur Bahnbrücke. Dort nicht über die Gleise, sondern links in den Chiemseeweg laufen. Einige Schritte weiter kommt eine Kapelle, bei der man auf den Waldweg abzweigt. Geradeaus über Rachental wäre ebenfalls möglich, ist aber weniger schön. Im Wald alle Seitenwege ignorieren. Nach einem knappen Kilometer führt der Waldweg beim Einödhof Klösterl1 ins Freie.
Von dem Anwesen Klösterl geht es in ein paar Minuten zur Bahnstrecke hinab, neben der man nun erst einmal entlangwandert. Die Beschilderung weist Richtung Langbürgner See. Bald taucht die Kiesstraße wieder in den Wald ein. Bei den Abzweigungen und Gabelungen am besten nicht auf einen der untergeordneten Weg wechseln, auch wenn die vielleicht netter erscheinen mögen.
Nach einiger Zeit wird eine Nebenstraße erreicht. Der Wanderweg setzt sich auf der anderen Seite fort. Wenig später schimmert dann endlich der Langbürgner See zwischen den Bäumen hindurch. Wir überqueren ein Bächlein, das den Thaler See mit dem Langbürgner See verbindet und passieren ein kleines Hochmoor. Wegen der extremen Nährstoff­armut wachsen in Hochmooren vor allem Seggen und Torfmoose, umgeben von einem Gürtel aus Latschen und Moorspirken. Am Rand stehen oft Fichten, Kiefern und Birken. Im Zentrum liegt manchmal ein Moorauge, in diesem Fall aber nicht.

Langbürgner See

Langbürgner See
Der Langbürgner See wirkt mit seinen zahlreiche Buchten recht unübersichtlich. Man würde deshalb gar nicht vermuten, dass er der größte auf der Seenplatte ist.
Beim Badeplatz neben der Wasserwacht gelangt man schließlich an den Langbürgner See2. Seine zahlreichen Buchten sind typisch für Eiszeitseen, weil oft mehrere Toteis­blöcke eng beieinanderlagen. Jede Bucht stammt letztlich von einem eigenen Block ab, so dass es sich eigentlich um eine Gruppe miteinander verschmolzener Toteislöcher handelt.
Wir wandern vom Badeplatz auf einem idyllischen Fußweg nordwärts am Ufer entlang. Am Nordende erstreckt sich ein breiter Schilfgürtel und dahinter ein Erlen­bruchwald. Während­dessen kündigt der Autolärm die viel befahrenen Traunsteiner Straße an, welche die Seenplatte durchschneidet.

Schloss Hartmannsberg

Schloss Hartmannsberg
Schloss Hartmannsberg kann nur von außen besichtigt werden. Die Anlage war ursprünglich größer, repräsentativer und von Wasser umgeben.
Auf der anderen Seite der Traunsteiner Straße steht Schloss Hartmannsberg3 am Schloßsee. Der Park ist öffentlich zugänglich und bietet einen freien Blick über den Schloßsee.
Das barocke Schloss geht auf eine Burg der Falkensteiner Grafen zurück. Ihr ältestes Macht­zentrum hatten die Grafen im Inntal. Wer bei Flintsbach im Gebiet der Hohen Asten wandert, kann dort die Ruinen ihrer Burgen besuchen. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde Hartmannsberg auf Befehl des Wittelsbacher Herzogs Ludwig dem Strengen erobert. Beide Geschlechter waren verfeindet.
Die Burg Hartmannsberg lag strategisch günstig neben einer Brücke an einer wichtigen Straßenverbindung durch die Eggstätt-Hemhofer Seenplatte. Ganz in der Nähe existierten auf zwei Halbinseln im Langbürgner See weitere mittelalterliche Befestigungen, vermutlich aus Holz. Zur Erbauungszeit waren es noch richtige Inseln. Die vom Wald überwachsenen Burgställe der Zickenburg und der Zinnenburg sind schwer zugänglich. Unterwasser­archäologen fanden bei Tauchgängen Pfahlreihen aus dem 11. Jahrhundert, vermutlich Reste von Stegen. Sie verbanden die Burgen untereinander und mit dem Ufer.

Römerstraße am Einbessee

Bruchwald
Die Seen sind umgeben von nassen Bruchwäldern.

Östlich von Schloss Hartmannsberg befindet sich ein Wanderparkplatz. Ab da hält man sich am einfachsten an die Schilder des Grenzenlos-Wanderwegs. Dieser passiert gleich nach dem Parkplatz zwei Tümpel, die von einem wundervollen Hochmoor umgeben sind, Überbleibsel eines einst größeren Gewässers.
Dahinter liegt im Wald der Kesselsee4. Mit seiner nahezu kreisrunden Form ist er ein Toteisloch par excellence. Der Hügel im Süden des Kesselsees dürfte eine Kame sein. Kames entstehen, wenn Gletscherbäche zwischen den Toteisblöcken Sand und Kies ablagern. Sie besitzen oft steile Seiten und ein flaches Plateau.

Nach dem Kesselsee treffen wir auf die ehemalige Trasse der Römerstraße Via Julia5, welche Salzburg mit Augsburg verband. Von Seebruck am Chiemsee kommend, kreuzte sie die Eggstätt-Hemhofer Seenplatte nördlich des Schloßsees.
Man läuft nun am besten rechts ein Stück die Römerstraße entlang. Sie führt am Einbessee vorbei, der sich allerdings hinter den Bäumen versteckt.

Hartsee-Uferweg

Biberbaum
Da war ein Biber am Werk.

Von der Römerstraße kann man bald links in den Hartsee-Uferweg6 einbiegen. Auf einer schmalen Landbrücke geht es romantisch zwischen den von Moorflächen umgebenen Seen hindurch. Kautsee und Hartsee sind hinter den breiten Schilfgürteln kaum auszumachen. Der Durchstich vom Kautsee zum Hartsee könnte künstlich geschaffen worden sein, um per Boot von dem einem in den anderen zu gelangen. Man sieht dort gut, dass sich an das Schilf die Schwimm­blattzone aus Teich- und Seerosen anschließt.
Den Schildern des Grenzenlos-Wanderwegs folgend, verlassen wir das Naturschutzgebiet vor dem Pelhamer See Richtung Westen. Nach ungefähr einem Kilometer wird beim Einödhof Gaben7 eine Lichtung erreicht. Sicher wäre es lohnend, noch den Hartsee komplett zu umrunden oder beim Pelhamer See vorbeizuschauen. Doch man muss ja auch wieder zurück nach Bad Endorf und das ist noch ganz schön weit.

Rankham

An der Kapelle bei Gaben schlagen wir zunächst den Weg nach Stephanskirchen ein, biegen dann jedoch bei der ersten Gelegenheit rechts in die Straße nach Rankham. Kurz darauf zweigt links der Wanderweg nach Bad Endorf ab. Diesen jedoch besser nicht nehmen! Denn die Strecke verläuft ab Rankham8 überwiegend auf Straßen. Stattdessen erst ein paar Hundert Meter weiter bei einem schmalen Waldgürtel rechts auf einen Feldweg wechseln. Das ist die Route der bereits bekannten Via Julia, die viele Radfahrer nutzen. Auch wenn das ein Umweg zu sein scheint, es lohnt sich landschaftlich. Außerdem hat man mehr Schatten und keinen Autoverkehr.

Zurück nach Bad Endorf

Nach einem längeren Abschnitt im Wald, dem so genannten Fichtenholz9, kreuzt eine Straße. Auf dieser rechts und gleich wieder links. Etwa 200 Meter weiter, kurz vor Eßbaum, erneut links wenden. Man kann sich aber ohnehin kaum vertun, weil überall Wegweiser nach Bad Endorf stehen. Die Strecke verläuft nun am Teisenberg10 zum letzten Mal durch den Wald. Wenn dieser verlassen wird, ist voraus schließlich Bad Endorf zu sehen. Auf einem Trampelpfad geht es über eine Wiese zum Ortsrand. In Bad Endorf dann grob südwärts orientieren und zuletzt über die Katharinen­heimerstraße zum Bahnhofplatz.