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Hirschberg (1660 m) über Eckleitengraben

Pfadfindertour bei Eschenlohe

Beim Hirschberg denkt jeder zuerst an den Tegernsee. Sein Namensvetter in den Walchenseebergen ist weit weniger bekannt. Er gilt als touristisch uninteressant und ist daher ein Rückzugsort für Menschen, die genug haben vom Rummel auf den Gipfeln der ersten Reihe.

Der Hirschberg steht etwas versteckt im hinteren Teil der Walchenseeberge zwischen dem Heimgarten und dem Estergebirge. Er kann sowohl von Eschenlohe als auch von Ohlstadt aus bestiegen werden. Die Wege sind in jedem Fall weit und überdies nicht bezeichnet. Deshalb wird der schöne Aussichtsgipfel kaum besucht.
Die spannendste Route auf den Hirschberg führt durch den weglosen Eckleitengraben. Mit etwas Klettergeschick ist der wilde Graben komplett begehbar. Mühsam gestaltet sich das freilich schon, so dass die Tour ausschließlich für echte Wildnisfans geeignet ist. Beim Rückweg vom Ölrain über den Eckleiten­rücken zur Osterfeuerspitze lernt man dann gleich noch einen weiteren Schleichweg kennen.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1200 m17 km7:10 h

Anspruch■■■■■■ T6 II
Kondition ■■■■■
Orientierung ■■■■■

Den anspruchsvollsten Abschnitt der Tour bildet der Aufstieg durch den Eckleitengraben. Es gibt darin viele Kletterstellen, von denen einige den II. Grad erreichen. Auf den nassen Felsen kann man leicht abrutschen und sich übel verletzen. Immerhin ist das Ganze nicht ausgesetzt.
Der Eckleitengraben verändert sich fortlaufend. Niemand räumt darin das Totholz weg. Felsstürze drohen ihn zu versperren. Man sollte also auf Schwierigkeiten gefasst sein und damit rechnen, umkehren zu müssen.

Für eine teilweise weglose und weitgehend unmarkierte Tour gestaltet sich die Orientierung vergleichsweise einfach. Im Eckleitengraben besteht im oberen Bereich allerdings die Gefahr, versehentlich in einen der steileren Nebengräben abzuzweigen.

Hirschlaine und Eckleitengraben sollten nicht während der Schneeschmelze oder nach starken Regenfällen begangen werden. Am besten kommt nur wenig Wasser herunter und die Felsen sind möglichst trocken. Keinesfalls bei Unwettergefahr in den Graben einsteigen.

Wegbeschreibung

Asamklamm

Wir laufen auf der Bahnhofstraße ins Dorfzentrum von Eschenlohe und überqueren die Loisachbrücke. Es gilt zunächst die Beschilderung zur Asamklamm1, die sich östlich des Orts befindet. Am Beginn der eigentlichen Klamm ist unten Schluss. Dort geht es zuerst rechts eine steile Stiege hinauf und danach links, ebenfalls über Stufen, zu einer Stahlbrücke hinab. Die Brücke überspannt die Kluft in luftiger Höhe und gewährt einen tollen Tiefblick. Auf der anderen Seite leiten Stufen wieder aus der Schlucht hinaus. Oben gibt es einen recht zugewachsenen Aussichtsplatz.

Wengwies

Gleich nach der Asamklamm gelangt man an ein Sträßchen, dem man nach rechts folgt. Bei der Abzweigung kurz hinter dem Wanderparkplatz nicht die übliche Route durch das Eschenlainetal zum Walchensee einschlagen, sondern links Richtung Schloss Wengwies2. Das Schlossareal ist großräumig abgesperrt. Ein Forstweg verläuft am Zaun entlang und dreht bald nordwärts zur Hirschlaine. Schilder an den Bäumen weisen auf eine Wildfütterung hin.

Das ursprünglich aus zwei Höfen bestehende Wengwies wurde 1879 vom Grafen Hermann von Stainlein-Saalenstein erworben. Der nächste Eigentümer war der Augsburger Patrizier Fritz von Stetten. Er ließ 1902 von Jack & Wanner das historisierende Schloss Wengwies erbauen. Später wurde Wengwies an den Textilunternehmer Fritz Rechberg aus Bad Hersfeld verkauft. Es befindet sich bis heute im Besitz der Familie Rechberg.

Hirschlaine

Vor der Brücke über die Hirschlaine3 beginnt links ein überwachsener Weg, dem wir bachaufwärts folgen. Wenig später wechseln wir über das Bachbett auf die andere Seite. Dort verzweigt sich der Weg. Der obere führt durch den Hang. Er war noch bis 1950 in den Karten verzeichnet. Der untere am Bachbett verfiel bereits lange davor. Weiter hinten gab es eine Hütte. Vermutlich diente das Ganze der Forstwirtschaft.
Teils am Ufer, teils im Bachbett geht es zunächst problemlos tiefer in die Schlucht der Hirschlaine hinein. Links fällt eine Bruchsteinmauer4 auf. Sie wurde eindeutig von Menschen aufgeschichtet. Vielleicht Reste einer Wegbefestigung oder einer Brücke. Die Seiten werden nun felsiger. Von links tröpfelt ein Rinnsal aus einem Seitengraben herab. Bei diesem handelt es sich um die Hirschlaine, während der Hauptstrang ab da Eckleitengraben heißt.

Eckleitengraben

Nach den ersten hundert Metern im Eckleitengraben gibt es links eine flache Stelle. Dort stand eine abgegangene Hütte5. Anschließend verengt sich der Graben. Wer Lust hat, steigt rechts ein paar Meter bergauf, wo der bereits erwähnte alte Weg verläuft. Er ist teilweise abgerutscht und endet schon bald im Bachbett gegenüber von einem markanten bogenförmigen Abbruch. Gleich danach kommt von links ein Steig im Zickzack herab. Er stellt die Verbindung zu einem Jagdsteig her, welcher sich durch die Flanke der Eckleiten zieht. Wir bleiben aber im Bach und müssen nun an einem Wasserfall die erste Felsstufe überwinden. Wenn der Fels sehr nass ist, kann man die Stelle zur Not auch links im Steilgras umgehen.
Kurz darauf klafft rechts im Hang eine riesige offene Wunde, aus der offenbar regelmäßig Felsbrocken herabfallen. Ab diesem beeindruckenden Felssturz folgen vermehrt Wasserfälle. Eine etwas höhere Stufe wird links umklettert. Dann spaltet sich die Schlucht beim so genannten Hohen Fall6 auf. Wir müssen links.
Es wird nun immer felsiger und die Kletterstellen häufen sich. Vor einer besonders hohen Barriere führen rechts Serpentinen bergauf. Diese stark verfallene Umgehung ist jedoch sehr gefährlich, während man links relativ leicht an dem überhängenden Felsen vorbeikommt. Nach ein paar letzten kleinen Fels­hindernissen flacht der Graben schließlich ab.

Hirschberg

Der Eckleitengraben verliert sich vor dem Sattel zwischen Ölrain und Hirschberg. Auf der kleinen Lichtung grasen manchmal Schafe. Aus dem Sattel schlängelt sich ein guter Steig durch eine Waldschneise dem Hirschberggipfel7 entgegen.

Ölrain und Osterfeuerspitze

Vom Hirschberg wandern wir wieder zurück in den Sattel und steigen am einfachsten geradewegs den Südhang zum Ölrain8 hinauf. Dann auf einem unmarkierten, aber deutlichen Pfad über den breiten, bewaldeten Rücken der Eckleiten nach Westen zur Osterfeuerspitze. Zwischendrin kommt eine Lichtung, wo sich früher die Schafalm befand. Zum Schluss hin wird der Rücken etwas schmäler. Am Gipfel der Osterfeuerspitze9 herrscht meist fröhliches Treiben. Ein gemütlicher Steig führt von der Osterfeuerspitze talwärts zum Parkplatz bei Wengwies. Ab da wie beim Hinweg.