1. Berchtesgadener Alpen
  2. Reichenhaller Berge

Burgenweg Bad Reichenhall

Karlstein, Hallthurm und Plainburg

Die erlebnisreiche Rundwanderung auf dem Reichenhaller Burgenweg führt durch eine traumhafte Landschaft zu Füßen der Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen. Wir kommen dabei unter anderem an der romantischen Ruine Karlstein, der Pass­befestigung Hallthurm und der mächtigen Plainburg vorbei. Schöne Aussichts­punkte laden zwischendrin immer wieder zum Verweilen ein.
Stand:

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Ruine Plainburg
Der Torturm in der äußeren Mauer der Ruine Plainburg.

Im Reichenhaller Talkessel gibt es etwa ein Dutzend Burgen, Burgruinen und Burgställe. Diese erstaunliche Dichte an Befestigungs­anlagen hängt damit zusammen, dass dort früher mehrere Herrschafts­gebiete aneinander­grenzten.Vor allem das Herzogtum Bayern und das Erzbistum Salzburg rangen im Hochmittelalter um die Vorherrschaft über Reichenhall.Außerdem entwickelte sich im 12. Jahrhundert das Klosterstift Berchtesgaden zu einem eigenständigen, reichsunmittelbaren Land.
Bis 1260 kamen noch die Grafen von Plain hinzu. Sie traten im Rupertiwinkel, in Berchtesgaden, in Salzburg und im Pinzgau als Machtfaktor auf. Die einstige Stärker der Grafen wird von der Ruine Plainburg eindrucksvoll demonstriert.

Der Salzreichtum der Gegend sowie überregionale Konflikte führten besonders vom 12. bis zum 13. Jahrhundert zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.Während des Alexandrinischen Schismas spitzte sich die Lage zu. Damals gab es gleichzeitig zwei Päpste. Der Salzburger Bischof hielt zu Papst Alexander III., Kaiser Friedrich I. Barbarossa seinerseits unterstützte den Gegenpapst Viktor IV. Im Auftrag des Kaisers griffen die Grafen von Plain im Jahr 1167 die Stadt Salzburg an und steckten sie in Brand.
Ein paar Jahrzehnte später wurde Reichenhall von den Salzburgern zerstört. Der Salzburger Bischof kontrollierte ab 1196 für einige Jahre die Stadt Reichenhall. Von dieser Episode zeugt noch der Burgstall Hallburg. Im Westen sicherte die heutige Burgruine Karlstein den Salzburger Machtbereich ab. Schon 1218 fiel Karlstein aber an den Bayernherzog, welcher zugleich die Burg Gruttenstein als Schutz vor den Salzburgern errichten ließ.

Auch zwischen Berchtesgaden und Reichenhall gab es Schwierigkeiten. Denn als Berchtesgaden ab 1193 damit begann, die eigenen Salz­vorkommen zu erschließen, betrachteten die Reichenhaller das als wirtschaftliche Bedrohung. Die verärgerten Reichenhaller Bürger zogen noch im selben Jahr Richtung Berchtesgaden und demolierten die Anlagen der Konkurrenz. Dieses Ereignis veranlasste das Klosterstift Berchtesgaden, eine Befestigung am Pass Hallthurm zu erbauen.

So wurden im Lauf der Jahrhunderte zahlreiche Wehranlagen errichtet und wieder geschliffen. Einige verschollene Burgställe konnten erst in den letzten Jahrzehnten eindeutig lokalisiert und archäologisch untersucht werden. Schautafeln informieren am Burgenweg über die Ergebnisse.

Tourcharakter und Schwierigkeit

570 m 23 km6:10 h

Anspruch ■■■■■ T1
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Der komplette Reichenhaller Burgenweg ist mit seinen über 33 Kilometern Länge kaum an einem Tag zu schaffen, außer man fährt ihn mit dem Fahrrad ab. Ich schlage deshalb eine verkürzte Variante vor. Doch auch bei dieser handelt es sich noch immer um eine sehr weite Wanderung. Angesichtes der Wegstrecke fallen die Höhenmeter schon kaum mehr ins Gewicht. Immerhin kommt man an mehreren Bahnhöfen und Bushaltestellen vorbei, so dass die Runde bei Bedarf problemlos abgebrochen werden kann.

Wegbeschreibung

Von Reichenhall nach Karlstein

Saalach
Bei Bad Reichenhall verlässt die Saalach das Gebirge. Im Hintergrund ist der Müllnerberg mit dem spitzen Müllnerhörndl zu sehen.

Wir starten am Bahnhof von Bad Reichenhall und folgen den Wegweisern zur Rupertus Therme. Bei der Therme1 geht es unter der B 21 hindurch, danach links und bei der Fußgängerbrücke über die Saalach. Der auffällige Kegel im Süden jenseits der Saalach gehört zum Müllnerberg, einem schönen, recht einsamen Wandergebiet. Besonders die Bürgermeisterhöhe und das Rabensteinhorn sind eine Wanderung wert.

Auf der anderen Flussseite liegt eine parkähnliche Grünanlage. Man hält sich darin schräg links und überquert den Hoswaschbach. Dort ist kurz der wuchtige Hochstaufen zu sehen, der uns noch den ganzen Tag begleiten wird. Es gibt nun einige Abzweigungen. Gut, dass die Wallfahrtskirche St. Pankraz und die Burgruine Karlstein überall ausgeschildert sind. So findet man problemlos über den Schönauer Weg und die Staufenstraße nach Karlstein.

Ruine Karlstein und Wallfahrtskirche St. Pankraz

Burgruine Karlstein
Der runde Bergfried der Burg Karlstein ist gut erhalten.

In der Ortschaft Karlstein muss man sich kurz vor der Thumseestraße rechts wenden. In einer steilen Kehre führt die Schmalschläger­straße zu einer Gruppe traumhaft gelegener Bauernhöfe hinauf. Linker Hand ragt eine Felsbarriere empor, auf welcher die Wallfahrtskirche und die Burgruine stehen.
Der Aufstieg zu den beiden Sehens­würdigkeiten beginnt an einem Parkplatz. An der ersten Kurve zweigt links ein Trampelpfad ab, auf den wir später noch zurück­kommen werden. Nur ein paar Meter weiter trennt sich der Steig zur Kirche von demjenigen zur Ruine. Zwischen den beiden Felsen klafft nämlich ein breiter, tiefer Spalt. Zwar strengt das doppelte Auf und Ab an, doch es lohnt sich.
Von St. Pankraz ist bei klarer Sicht sogar die Festung Hohensalzburg zu sehen. Karlstein2 erlaubt ebenfalls einen schönen Blick in die umliegenden Berge. Der exponierte Bauplatz der Burg war ideal gewählt. Durch den Steilabfall ringsum war sie perfekt zu verteidigen.
Auf dem höchsten Punkt steht ein stattlicher Rundturm, der als Bergfried fungierte. Vom älteste Teil um 1150 existiert noch die Kapelle. Ansonsten blieb außer der Ringmauer und dem Torbau wenig erhalten, denn seit dem 17. Jahrhundert war die Burg dem Verfall preisgegeben. Bei einer umfangreichen Sanierung im Jahr 2012 wurde das Mauerwerk von Bewuchs befreit und ergänzt.

Soleleitungsweg über den Burgstall Vager

Soleleitungsweg
Die ehemaligen Wartungswege für die Soleleitung sind heute beliebte Wanderwege.

Der oben bereits erwähnte Trampelpfad beim Parkplatz bietet die Möglichkeit, in ein paar Minuten auf den Soleleitungsweg südlich der Thumseestraße zu wechseln. Schon nach wenigen Metern mündet der Trampelpfad in einen verwilderten Rückeweg, welcher unten an der stark befahrenen Thumseestraße endet.

Auf der anderen Seite der Thumseestraße nehmen wir dann den schattigen Soleleitungsweg, auf dem man nach einem kleinen Anstieg gemütlich Richtung Reichenhall wandern kann. Er verläuft über den Aussichts­punkt an der Amalienruhe zum Saalach­kraftwerk im Reichenhaller Ortsteil Kirchberg.
Kurz vor dem Kraftwerk passiert der Soleleitungsweg den Burgstall Vager. Die Anlage wurde erst 2001 entdeckt. Oberflächlich sind kaum Mauersteine zu sehen, doch untertägig kamen bei Ausgrabungen umfangreiche Fundamente zum Vorschein. Wie bei vielen aufgegebenen Burgen nutzte die lokale Bevölkerung Vager als Steinbruch.

Vom Saalachkraftwerk3 gelangt man anschließend auf der Thumseestraße zur Saalachbrücke. Auf dem bewaldeten Hügel zur Rechten stand übrigens noch eine weitere hoch­mittel­alterliche Burg. Heute gibt es am Burgstall Kirchberg nur mehr wenige, schwer auffindbare Mauerreste.

Reichenhaller Altstadt mit Befestigung

Burg Gruttenstein
Blick von der Burg Gruttenstein zum Hochstaufen.

Drüberhalb der Saalach geht es bei den Resten der Stadtbefestigung in die Altstadt hinein. Sehenswert ist die im Kern romanische Stadtkirche St. Nikolaus. Am einfachsten begibt man sich dann zur Alten Saline. An ihrer südöstlichen Ecke führt ein etwas versteckter Fußweg auf die Anhöhe im Osten der Stadt. Oben sind erneut Teile der ehemaligen Stadtbefestigung mit dem markanten Pulverturm zu sehen. Außerdem steht dort die Burg Gruttenstein4. Wenn nicht gerade eine Veranstaltung stattfindet, ist sie geschlossen.
Östlich von Gruttenstein liegt der so genannten Steitbühl, auf dem um 1200 die hölzerne Hallburg stand.

Bayerisch Gmain

Lattengebirge
Im Süden von Bad Reichenhall erhebt sich das Lattengebirge.

Das nächste Ziel ist der Burgturm am Pass Hallthurm. Um dorthin zu gelangen, müssen wir erst einmal nach Bayerisch Gmain. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Am besten zweigt man gleich oberhalb von Gruttenstein rechts ab, so wie es der Bad Reichenhaller Burgenweg vorschlägt. Bayerisch Gmain wird von der Berchtesgadener Straße zerschnitten, über die sich enorm viel Verkehr wälzt. Wir müssen ein paar Hundert Meter bis zur Lattenbergstraße an ihr entlang.
Am Waldrand beim Bayerisch Gmainer Wanderzentrum5 am Wappach ist der Straßenlärm zum Glück schon nicht mehr zu hören.

SalzAlpenSteig nach Hallthurm

Hallthurm
Von der Festungsanlage am Pass Hallthurm ist noch dieser Turm übrig geblieben.

Vom Wanderzentrum läuft man wie beschildert der siebten Etappe des SalzAlpenSteigs folgend im Wald­schatten neben der Bahnstrecke bis Hallthurm. Der Weißbach und der Rötelbach sorgen unterwegs für Abwechslung. Auf dem so genannten Maisweg bis zum Weißbach kommen zwei ausführlichen Infopunkte über die Salzgewinnung und die Bedeutung der Gmainer Bäche.
Von der Passbefestigung Hallthurm6 zeugt insbesondere der massive Wehrturm. Er besitzt allerdings nicht mehr seine ursprüngliche Höhe. Zu beiden Seiten liegen im Wald versteckt außerdem einige Reste der Mauer, die einst das Tal komplett abriegelte.
Anfang des 19. Jahrhunderts fiel das Berchtesgadener Land zuerst an das Kurfürstentum Salzburg und schließlich an das Königreich Bayern. Hallthurm hatte damit seinen Verteidigungs­zweck verloren, so dass die Anlage sukzessive abgerissen wurde. Das Torhaus und weitere Bauten mussten der Bahnstrecke sowie Veränderungen am Straßenverlauf weichen.

Zur Ruine Plainburg

Ruine Plainburg
Von der Aussichts­plattform auf der Ruine Plainburg hat man ein großartiges Panorama.

Am Pass Hallthurm überqueren wir die Straße und die Gleisstrecke. Auf der anderen Seite verläuft ein breiter, schattiger Weg am Fuße des Untersbergs nordwärts zur Wolfschwangalm7. Etwa auf halber Wegstrecke zu der beliebten Ausflugs­wirtschaft wird die Grenze nach Salzburg überschritten.
Bei der Wolfschwangalm muss man sich zuerst rechts halten und kurz darauf wie beschildert links zur Plainburg abzweigen. Vom Parkplatz leitet ein steiler Weg in wenigen Minuten zur Plainburg8 hinauf. Hinter dem massiven Torturm liegt der überraschend weitläufige äußere Burghof, in dessen Nordwestecke die gewaltige Hauptburg steht. Im Inneren der Hauptburg gibt es eine hölzerne Plattform, von der man ein umfassendes Panorama auf die Reichenhaller Berge genießt.
Die Plainburg befand sich nach dem Untergang der Plainer Grafen für viele Jahrhunderte im Besitz der Salzburger Bischöfe. Ab etwa 1800 wurde sie nicht mehr genutzt.

Rückweg nach Bad Reichenhall

Von der Plainburg geht es auf der Plainburgstraße nach Großgmain9 hinein und dann auf der Salzburger Straße durch den Ort hindurch. Hinter der Grenze befindet man sich wieder in Bayerisch Gmain. Äußerlich sind die beiden Orte fast zusammen­gewachsen. In Bayerisch Gmain wechseln wir rechts auf den Großgmainer Gangsteig und biegen nach ein paar Hundert Metern abermals rechts in den Sonnensteig.Näher als der Reichenhaller Bahnhof wäre derjenige von Bayrisch Gmain. Dazu müsste man dem Großgmainer Gangsteig bis zur nächsten Abzweigung folgen und dann nach links.Der Sonnensteig führt über Wiesen auf eine bebaute Anhöhe. Dort an den Häusern vorbei zum Waldrand und anschließend links wenden. Bald kann man auf einem Fußweg durch den Wald zum Karlspark10 hinab. Von dem idyllischen Park sind es nur noch wenige Minuten zum Bahnhof Berchtesgaden.