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Lamsenspitze (2508 m) via Brudertunnel

Pfiffige Bergtour über der Eng in Tirol

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Die Besteigung der Lamsenspitze inmitten der kargen Felswüste der Karwendel­hauptkette ist eine Bergtour vom Feinsten. Wer es ordentlich luftig mag, dem wird dabei bestimmt der mittelschwere Klettersteig durch den Brudertunnel gefallen. Aber auch an der Lamsscharte und dem Gipfel selbst braucht man Kletterkönnen.

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Inhalt

  1. Tourcharakter und Schwierigkeit
  2. Wegbeschreibung
    1. Von der Eng zur Binsalm
    2. Lamsenjochhütte
    3. Brudertunnel-Klettersteig
    4. Auf die Lamsenspitze
    5. Abstieg über die Lamsscharte
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarte und Literatur
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Die Lamsenjochhütte am Östlichen Lamsenjoch und dahinter die Lamsenspitze.

Obwohl die Lamsenspitze zu den eher schwierigeren Karwendel­gipfeln gehört, ist der Ansturm mitunter beachtlich. Eigentlich wäre sie ein reiner Kletterberg, vor allem von der Lamsenjochhütte aus. Doch bereits Anfang des 20sten Jahrhunderts wurden erste Fixseile angebracht.

Die unter dem Namen Brudertunnel bekannte Durchstiegshöhle wurde 1908 von den Brüdern Unterlechner aus Schwaz entdeckt. Sie kraxelten über die Route des heutigen Klettersteigs zur gerade erst neu errichteten Lamsenjochhütte ab.
Bald wurden zum Brudertunnel Seilsicherungen eingerichtet. Wohl in den 60er Jahren brachte man Holzschwellen an. 2002 wurde der Brudertunnel (siehe Topo) komplett saniert.

Von der Durchstiegshöhle zieht sich ein deutlich sichtbarer Riss durch die gesamte Felswand. Die Höhle ist daher zweifellos tektonischen Ursprungs, obwohl im Wettersteinkalk natürlich auch Karsthöhlen möglich wären. Hier handelt es sich aber um eine Bruchstelle.

Der Brudertunnel-Klettersteig wird als mittelschwer, also (C), vorwiegend (B/C) eingestuft. Man benötigt viel Kraft in den Armen, besonders beim Ausstieg aus der Höhle. Ein Klettersteigset ist dringend zu empfehlen. Auf eine Stirnlampe für die Höhle kann verzichtet werden.
Im Schlussanstieg zum Gipfel sowie beim Rückweg über die Lamsscharte gibt es ebenfalls gesicherte Passagen (B). Ohne Brudertunnel wäre die Tour etwas einfacher und für Geübte ungesichert möglich. Auf Grund der Steinschlaggefahr darf der Helm dagegen nicht zu Hause bleiben.

Hinweis: Wegen eines drohenden Felssturzes bleibt der Weg vom Ausstieg Brudertunnel zum Hochnissl bis auf Weiteres gesperrt. Bitte dazu auch die aktuellen Infos auf der Seite der Lamsenjochhütte (DAV) beachten. Die Tour zur Lamsenspitze ist von der Sperrung nicht betroffen.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1300 m15 km6:20 h

Anspruch■■■■■ T5 I C
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Wegbeschreibung

Von der Eng zur Binsalm

Wenige Meter südlich des Alpengasthofs Eng sind Binsalm und Lamsenjochhütte links ausgeschildert. Der Weg führt kurz in den Binsgraben hinein und steigt dann rechts zu einer Kiesstraße hinauf. Auf dieser kommen wir bald zur bewirtschafteten Binsalm1.

Lamsenjochhütte

Hinter der Binsalm könnte eine Wegschleife linker Hand abgeschnitten werden, was jedoch keinen Zeitgewinn bringt. Deshalb diesen und die folgenden Abschneider möglichst vermeiden. Die Vegetation leidet stark unter den zahlreichen Wanderern und Bikern, die sich nicht an die Markierungen halten.
Wir erreichen in gemütlicher Steigung das Westliche Lamsenjoch2, welches direkt unter dem Gipfelziel liegt. Doch die Lamsenspitze zeigt dem Normalbergsteiger von dieser Seite die kalte Schulter und muss noch fast komplett umrundet werden.
Vom Westliche Lamsenjoch wandern wir ohne Höhengewinn weiter zum Östlichen Lamsenjoch. Dort steht die Lamsenjochhütte3, die bereits von Weitem zu sehen ist.

Brudertunnel-Klettersteig

An der Hütte dem Schild Richtung Lamsenspitze folgen. Wer zum Brudertunnel möchte, zweigt kurz darauf links ab. Die Spur quert ein Geröllfeld und nähert sich den 200 m hoch aufragenden Felswänden. Der Klettersteig durch den Brudertunnel4 beginnt mit einer leichten Diagonale über eine Rampe nach links oben. Im Anschluss schwingt er sich über plattige Felsen, die mit Klammern versehen sind, nahezu senkrecht empor (B/C). Die letzte Passage zum feuchten Tunnel ist wieder einfacher und nutzt geschickt die Bänder und Rampen aus. Beim etwas überhängenden Ausstieg aus der Höhle (C) ist kräftiges Zupacken gefragt.

Auf die Lamsenspitze

Nach dem Brudertunnel geht es westwärts am oberen Rand des Lamskars entlang. Wir passieren die Lamsscharte und nähern uns dem felsigen Gipfelaufbau der Lamsenspitze. Am Drahtseil wird eine steinschlaggefährdete Rinne kurz gestreift. Die weitere Route wurde zum Schutz vor herabpurzelnden Steinen jedoch seitlich der Rinne angelegt. Im Vergleich zum Brudertunnel ist das keine große Herausforderung mehr. Über dem Ausstieg befindet sich ein kleines Geröllfeld. In diesem nach links orientieren und zuletzt gut markiert mit etwas Schrofenkletterei (I) zum Gipfel5.

Abstieg über die Lamsscharte

Anstatt durch den Brudertunnel abzuklettern, empfiehlt es sich, im Abstieg die leichtere Lamsscharte6 zu nehmen. Allerdings gibt es unter der Scharte eine recht exponierte Querung. Die heikelsten Meter stellt dabei eine Platte dar, die mittels einiger Eisentritte überwunden wird. Danach geht es entspannt zur Lamsenjochhütte hinab, wobei neben der markierten Route ein Stück abgefahren werden kann.