1. Touren 
  2. Mieminger Gebirge 

Breitenkopf (2469 m)

Klettertour über dem Igelskar

(aktualisiert am )

Diese spannende Bergtour im Mieminger Gebirge führt durch das abgeschiedene Igelskar hinauf zum Breitenkopf. Der anspruchsvolle Normalweg über den felsigen Südgrat verlangt selbst Erfahrenen einiges ab. Dafür gibt es eine garantiert einsame Gipfelrast.

Anzeige von Amazon
  1. Tourcharakter
  2. Wegbeschreibung
    1. Zum Igelsee
    2. Knappensteig
    3. Igelskar
    4. Zum Südgrat
    5. Breitenkopf
    6. Breitenkopfhütte und Oberbaustollen
    7. Rückweg zum Igelsee
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarte und Literatur
Zur Galerie (11 Fotos)
Der Breitenkopf von Westen mit der Breitenkopfhütte unten in der Felsnische. Das Loch links über der Hütte gehört zum System des Oberbaustollens.

Vor allem der Aussicht wegen lohnt sich der Breitenkopf. Im Norden liegt das Wetterstein­gebirge wie auf dem Präsentierteller da und ringsum ragen die schroffen Mieminger Gipfel empor. Tief unten erstreckt sich das liebliche Gaistal.
Die Tour ist auch ohne die schwierige und mühsame Besteigung des Breitenkopfs interessant, denn bereits das Igelskar ist den Aufstieg wert. Zwar wirkt das von Schuttreisen umrahmte Kar auf den ersten Blick recht karg, doch es hat durchaus seinen Reiz. Die Karmitte wird von den typischen Rundbuckeln oder Rundhöckern eingenommen, wie sie die Gletscher hinterlassen. Nach der Schneeschmelze werden sie von zartem Grün und den schönsten Alpenblumen bedeckt. In den Senken findet man kleine Tümpel und Quellen. Im Sommer grasen dort oben Schafe. Auch auf Gämsen kann man treffen. Menschen kommen dagegen nur selten vorbei.

Bergbaugeschichte: Die Bergbau­tätigkeit im Mieminger Gebirge reicht mindestens bis ins Mittelalter zurück. So wurde unter anderem Silber, Blei und Zink gewonnen. Die Stollen konzentrieren sich vor allem auf die Silberleiten, den Schachtkopf, den Tajakopf sowie das Igelskar. Weitere Details können beim Bergwerksverein Silberleithe Tirol nachgelesen werden.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1090 m14 km6:20 h

Anspruch■■■■■■ T6 II+
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■

Der Breitenkopf macht es einem nicht gerade leicht. Mit steilen Altschneefeldern bis in den Sommer hinein, viel losem Schotter und ausgesetzter Kletterei im oberen II. Grad bringt er jeden ins Schwitzen. Der splittrige Fels ist darüber hinaus nirgends wirklich zuverlässig.

Probleme kann auch die Orientierung bereiten. Der markierte Weg durch das Igelskar zur Breitenkopfhütte ist noch einfach zu finden – vorausgesetzt es liegt nicht mehr zu viel Schnee. Zum Breitenkopf leiten bloß schwache Spuren und ein paar Steinmandl. Bei guter Sicht machbar, im Nebel dagegen nicht empfehlenswert.

Wegbeschreibung

Zum Igelsee

Wir folgen von der Ehrwalder Alm erst einmal dem Fahrweg Richtung Seebensee. Er kreuzt bald den Geißbach, der ein Stück weiter oben entspringt und zur Loisach fließt. Der Weg führt dann auf eine Anhöhe, von der es wieder leicht bergab geht. Gleich danach muss man an einer Kreuzung wie beschildert links abzweigen und gelangt schnell hinab zum Igelsee1.

Knappensteig

An der Südostecke des Igelsees knickt der Fahrweg nach links zum Gaistal. Kurz davor nimmt man rechts den grasbewachsenen Waldweg. Dieser dreht wenig später ebenfalls nach links. Genau an der Kurve beginnt der nicht beschilderte, doch recht passable ehemalige Knappensteig. Durch einen lichten Lärchenwald, der zwischen undurchdringlichen Latschenfeldern liegt, steigt er ins Igelskar hinauf. Links fällt nach einiger Zeit die Abraumhalde des Hermann-Stollens2 auf. Das Befahren des Bergwerks ist nicht gestattet. Ein paar Grundmauern der Knappenhäuser sind noch zu sehen.
Vor dem Stollen biegt der Steig nach rechts. Die letzten Latschen treten langsam zurück und wir erreichen die Karschwelle.

Igelskar

Im Igelskar3 werden die Spuren schwächer, doch es wurde ausreichend markiert. Man hält sich am Fuße des Igelskopfs Richtung Süden, bis man einen Steig trifft, der von der Igelsscharte herabkommt und sich hinüber zur Breitenkopfhütte (DAV Selbstversorger) zieht. Auf diesem geht es an einem Tümpel vorbei bis nahe an die Breitenkopfhütte heran.
Etwa 300 Meter vor der Breitenkopfhütte zweigen die Begehungs­spuren zum Breitenkopf und Hochplattig ab. Diese sind nur in den Rasenmatten einigermaßen zu erkennen. Wir orientieren uns daher besser an der hervorspringenden Felsnase in der südöstlichen Ecke des Igelskars. Ihr Gestein hat eine rötliche Färbung. Wir müssen bis hinter die Nase, wo es eine kleine Mulde gibt.

Zum Südgrat

Hinter der besagten Felsnase gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder direkt durch eine Rinne hinaufkrabbeln oder mehr rechts im Geröll ausholen. Einige Steinmandl weisen den Weg. Oben auf der steilen Nase muss man sich mühsam durch viel Schotter und Kies bergauf kämpfen.
Da kommt Freude auf, wenn endlich der Grat erreicht ist und der Blick über das einsame Schwarzbachkar zur Hochwand im Osten schweift.

Breitenkopf

Die Schneide zum Breitenkopf ist stellenweise ausgesetzt, weist anfangs jedoch keine großen Kletter­schwierigkeiten auf. An der Scharte gegenüber dem Gipfel stutzt man dann erst einmal. Geradeaus geht gar nichts. Also zunächst wieder ein paar Schritte zurück und auf der Seite des Schwarzbachkars diagonal zur Scharte hin abklettern. Die Stelle lässt sich von oben schlecht einsehen.
Danach vom tiefsten Punkt der Scharte sehr exponiert einige Meter in die Ostseite des Gipfelaufbaus hineinqueren und in den senkrechten Felsen zum Grat empor. Vorsicht wegen der teils lockeren Griffe. Außerdem keinesfalls nach rechts in die riskanten Grasschrofen und Platten ausweichen. Die letzten Meter zum Breitenkopfgipfel4 sind einfaches Gehgelände.

Breitenkopfhütte und Oberbaustollen

Im Abstieg ist die Scharte mindestens genauso heikel. Das lästige Geröll vom Aufstieg macht hingegen viel Freude, wenn man das Abfahren beherrscht. Vorsicht über der Felsnase. Man muss sich rechtzeitig links halten.
Auf dem Rückweg kann man noch bei der Breitenkopfhütte5 vorbeischauen und den frei zugänglichen Oberbaustollen befahren. Taschenlampe und Helm einpacken! Nach ungefähr 30 Metern öffnet sich eine große Abbauhalle. Der Gang rechts zum Verbindungsschacht mit dem 300 Meter tiefer gelegenen Hermann-Stollen ist gesperrt. Es besteht die Gefahr, in den Schacht zu fallen. Hinter der Halle bohrt sich der Hauptstollen noch weitere 75 Meter in den Berg. Gefunden wurde aber offenbar nichts mehr.

Rückweg zum Igelsee

Von der Breitenkopfhütte anschließend nicht mehr Richtung Igelsscharte laufen, sondern besser auf dem rechten, unteren Steig diagonal durch das Igelskar. Die Route ist gut markiert.Linker Hand fällt nochmals ein Stolleneingang auf. Dabei handelt es sich um das so genannte Welsche Loch. Der Namen bewahrt möglicher­weise die Erinnerung daran, dass dort einst fremdländische (welsche) Bergleute aus Italien schürften.Zu Füßen des Igelskopf wird dann wieder der Hinweg hinab zum Igelsee erreicht.