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Wendelstein (1838 m) von Brannenburg

Künstlerweg über die Mitteralm

Kreative Rastbänke, Plastiken und Skulpturen säumen den wunderschönen Brannenburger Künstlerweg auf den Wendelstein. Die zwar recht lange, dafür aber eher ruhige Wanderung führt an munteren Bergbächen entlang, passiert malerische Almen und bietet natürlich auch eine großartige Aussicht.
Stand:

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Kunstwerk an der Mitteralm
Der begehbare Flügelschlag ist eines der interessantesten Werke am Künstlerweg. Es stammt vom Projekt Spielart.

Als ich das erste Mal von dem 2020 fertig­gestellten Brannenburger Künstlerweg hörte, war ich skeptisch. Braucht der Wendelstein wirklich noch mehr Landschafts­möblierung und Bergbestuhlung? Doch inzwischen ließ ich mich eines Besseren belehren. Denn die mehr als zehn Objekte sind wirklich sehr gelungen und die meisten integrieren sich gut in die Landschaft, wie beispiels­weise die umlaufende Sitzbank an der alten Linde bei der Bergkirche St. Margarethen. So, als wäre sie schon immer dagewesen.
Wegen der exponierten Standorte mancher Holz­skulpturen, die dort dem extremen alpinen Wetter ausgesetzten sind, zeigen einige schon deutliche Verfalls­erscheinungen. Dass derartige Projekte einer dauerhaften Pflege bedürfen, wird bei ihrer Umsetzung gerne übersehen.

Initiiert wurde die Idee des Künstlerwegs von der Neuen Künstler­kolonie Brannenburg, welche sich in der Tradition der Brannenburger Künstler­kolonie des 19. Jahrhunderts versteht. Damals war die große Zeit der Inntalmaler, die von der romantischen Gegend angezogen, vorübergehend oder auch dauerhaft dort lebten.

Der Künstlerweg gehört zum Konzept der Wendelstein-Streifzüge, das verschiedene Themenwege umfasst. Die Finanzierung der Streifzüge erfolgte aus dem LEADER-Programm des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, dessen Ziel die Förderung des ländlichen Raums ist.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1420 m 25 km7:00 h

Anspruch ■■■■■■ T2
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Die Wanderung über den Künstlerweg auf den Wendelstein ist technisch leicht, die Wege sind überwiegend breit. An einigen Stellen braucht man eine gewisse Tritt­sicherheit. Schwindel­freiheit wäre am finalen Gipfelaufstieg angenehm.
Wer die lange Strecke auch wieder zu Fuß zurückläuft, muss eine hervorragende Kondition besitzen, besonders wenn man mit dem Zug anreist und bereits am Bahnhof Brannenburg startet. Mit der Zahnradbahn wird die Tour deutlich entspannter. Auch Teilstrecken sind möglich.
Im Frühjahr bitte beachten, dass sich hinauf in die Reindler Scharte der Schnee lange halten kann, was je nach Menge nicht ungefährlich ist.

Wegbeschreibung

Zum Talbahnhof der Zahnradbahn

Künstlerweg Brannenburg
Am Beginn des Künstlerwegs steht die Plastik Auf den Wendelstein von Angelika Westermeier.

Der Künstlerweg fängt am Talbahnhof der Wendelstein-Zahnradbahn an. Vom Brannenburger Bahnhof aus ist das zu Fuß eine knappe halbe Stunde zu laufen. Man fragt sich unwillkürlich, warum die Zahnradbahn nicht schon am Bahnhof Brannenburg beginnt. Als sie 1912 in Betrieb genommen wurde, reisten die Menschen doch noch alle mit dem Zug an. Und tatsächlich fuhr sie ursprünglich am Bahnhof Brannenburg ab. 1961 wurde die Strecke aber wegen des zunehmenden Straßen­verkehrs zurückgebaut.
Der ehemaligen Trasse folgend läuft man bis zur Mühlenstraße am Kirchbach entlang. Anschließend wie beschildert links in einem Bogen zum Friedhof und dann geradeaus zum Talbahnhof der Zahnradbahn.
Vor dem Bahnhof markiert ein Stele aus Nagelfluh mit einem bronzenen Bergsteiger obendrauf unter dem Motto Auf den Wendelstein den Beginn des Künstlerwegs. Es gibt auch einen Übersichtsplan zu den einzelnen Stationen.

Wendelstein-Ringlinie: Zwischen dem Bahnhof Brannenburg und der Zahnradbahn verkehrt der Bus der Wendelstein-Ringlinie. Weil der erste Bus erst relativ spät geht und es nur wenige Fahrten am Tag gibt, lohnt sich der zusätzliche Planungs­aufwand für die kurze Strecke kaum.

Bergkirche St. Margarethen

Rundbank bei St. Margarethen
Die originelle Rundbank an der großen Linde vor der Bergkirche St. Margarethen stammt von Angela und Christoph Mayer und trägt den Titel Perspektivwechsel.
Das nächste Zwischenziel ist die pittoreske Bergkirche St. Margarethen1. Ein recht steiler Fußweg führt hinauf zu ihr, durch ein kleines Waldstück, über Wiesen und Weiden, vorbei an wunderbar gelegenen Einzelhöfen. Die gotische Kirche könnte auf einem romanischen Vorgängerbau gründen. Der Altar stammt aus dem Barock, die Treppengiebel am Turm sind neugotisch.
Am Vorplatz steht eine mächtige, bestimmt mehrere Hundert Jahre alte Linde mit einer umlaufenden Bank, auf der man sowohl nach innen als auch nach außen sitzen kann. Perspektiv­wechsel heißt das Werk von Angela und Christoph Mayer. In Ruhe verweilen ist wegen des Parkplatzes meist nur frühmorgens möglich.

Beim Wasserlauf am Mühlbach

Rastplatz am Mühlbach
Diese Sitz­gelegenheit vom Projekt Spielart nennt sich Hölzerner Wasserlauf.

Hinter dem Gasthaus bei St. Margarethen muss man links ein Stück der Straße folgen. Beim nächsten Hof zweigt rechts der Weg zum Wendelstein ab. Nach einer Lichtung, auf der oft Kühe grasen, geht es bei angenehmer Steigung längere Zeit durch den Wald. Bald führt der Weg unter der Zahnradbahn hindurch und nähert sich dem Mühlbach. An dessen Bachbett liegen haushohe, sehr beeindruckende Bergsturz­blöcke. Auf der Nordseite befinden sich die dunklen Quelltümpel des Schwarzen Ursprungs2, aus denen muntere Bächlein entspringen. Neben dem Mühlbach wurde im Rahmen des Künstlerwegs ein schöner Rastplatz eingerichtet. Die geschwungene Form der Bänke mit Brotzeittisch symbolisiert einen Wasserlauf.

Am Aipl

Alpensalamander am Aipl
Am Haltepunkt Aipl steht diese Rastbank von Angelika Westermeier in Form eines Alpensalamanders.
Das Aipl ist eine Bedarfshaltestelle der Zahnradbahn. Die namensgebende, schon lange aufgegebene und inzwischen bewaldete ehemalige Almweide befindet sich ein Stück westlich davon.
An einem der Gebäude bei der Haltestelle sprühte Rainer Tiplt das Graffiti Müde Wanderer an die Wand. Außerdem gibt es dort die Salamanderbank von Angelika Westermeier, damit die müden Wanderer auch genügend Möglich­keiten zum Sitzen haben. In Wirklichkeit steigen am Aipl aber eher selten Wanderer ein, außer vielleicht hin und wieder welche, die vom nahen Breiten­berg­haus kommen. Wendelstein-Wanderer bevorzugen den nächsten Haltepunkt an der Mitteralm, weil man dort einkehren kann.

Abstecher zum Wasserfall am Reindlerbach

Wasserfall am Reindlerbach
Der Wasserfall am Reindlerbach ist nur weglos durch das Bachbett zu erreichen.
Der Künstlerweg nimmt bei der Gabelung am Aipl den linken unteren Ast, der wegen seiner lawinen­sicheren Routenführung als Winterweg bezeichnet wird. Anfangs geht es relativ eben dahin, nach einer Holzbrücke dann auf einem mit Stufen ausgebauten Steig anstrengend bergauf Richtung Mitteralm.
Leider ist vom Wanderweg aus der schöne Wasserfall am Reindlerbach nur sehr schlecht einsehbar.
Einen besseren Blick hat man, wenn man von der Holzbrücke weglos ein Stück durch das Bachbett aufsteigt. Vorsicht, es gibt gleich am Anfang eine aktive Rutschung. Dort nicht verweilen. Die frischen Trümmer zeigen, dass regelmäßig etwas herabpurzelt. Umgefallene Baumstämme, Treibholz und glitschige Felsen machen das Vorankommen beschwerlich. Man muss außerdem mehrmals über den Bach springen. Die Schuhe können dabei schon nass werden. Also ein richtiges kleines Abenteuer für trittsichere Geher, die dergleichen mögen. Mindestens eine Viertelstunde dauert der Abstecher.

Mitteralm und Mailalm

Wendel-Stein-Bank
Sehr gelungen, die Wendel-Stein-Bank an der Mailalm nach einem Entwurf von Werner Schauerte.
Rings um die vom DAV betriebene Mitteralm3 und die unbewirtete Mailalm stehen insgesamt vier Objekte des Künstlerwegs. Das erste ist der Flügelschlag, eine begehbare kleine Plattform mit toller Aussicht ins Inntal.
Bergab zur Mailalm steht rechts etwas erhöht ein u-förmig ausgeschnittener Baumstumpf, der an eine Betbank erinnern soll und auch tatsächlich so unbequem wie eine Kirchenbank ist.
Hundert Meter weiter fällt bei der Mailalm ein Felsklotz mit Kreuz und schlichten Brettern an den vier Seiten auf. Diese Wendel-Stein-Bank erweist sich zum Sitzen ebenfalls als eher unbequem, so wie die improvisierten Bänke, die man von manchen Berggipfeln kennt.
Oberhalb der Wegschleife an der Mailalm kommt dann noch die Adlerbank, das wohl bekannteste Werk am Künstlerweg. Es stammt von Christian Staber, der es aus einer 300 Jahre alten Eiche heraussägte.

Doline an der Reindleralm

Rastplatz an der Reindleralm
An der Reindleralm gibt es eine große Doline und deshalb heißen diese Sitzwürfel von Manfred Terme Dolina.

Ein breiter Weg verläuft bei gemütlicher Steigung neben dem Oberlauf des Reindlerbachs im Wald und später im Freien hinauf zur Reindleralm4. Unterhalb der Hütte gibt es eine Großdoline mit über hundert Metern Durchmesser. Im Untergrund muss vor langer Zeit eine gewaltige Höhlenhalle eingestürzt sein.
Angelehnt an die Doline ordnete der Brannenburger Künstler Manfred Terme 16 Sitzwürfel kreisförmig an und nannte seine Installation Dolina. Der Platz erlaubt einen schönen Blick zur Hochsalwand, auf die Soinwand und hinaus ins Inntal.

Bike & Hike: Bis zur Reindleralm könnte man mit dem Moutainbike fahren. Die Strecke ist überwiegend einfach und hat bis auf das extrem steile Teilstück zwischen dem Aipl und der Mailalm eine moderate Steigung.

Brannenburger Steig in die Zeller Scharte

Bronzeplastik an der Reindler Scharte
Die Felsenschläferin von Christine Schauerte an der Reindler Scharte.
Auf dem Brannenburger Steig wandern wir nun durch felsiges Gelände, vorbei an Höhlenschächten hinauf in die Reindler Scharte zwischen der Soinwand auf der linken und dem Wendelstein auf der rechten Seite. An der Scharte geht es unter der Zahnradbahn hindurch. Gleich danach wurde an einem markanten Felsen die Bronzeplastik Felsenschläferin von Christine Schauerte angebracht. Die vielseitige Künstlerin arbeitet mit Stein, Holz, Ton und Bronze.
Entlang einer länglichen Mulde gelangt man aus der Reindler Scharte in wenigen Minuten zur Zeller Scharte5, wo viele Wanderer von Bayrischzell heraufkommen.

Wetterkreuz mit Holzliegen

Wetterkreuz und Holzliegen
Mit dem Wetterkreuz und den zwei Holzliegen vom Projekt Spielart endet der Künstlerweg.
Von der Zeller Scharte zieht sich der Steig anstrengend bergauf zum so genannten Angerl, auf dem das Wendelstein­haus steht und wo die Seilbahn endet.
Dabei passiert man dort, wo die Zahnradbahn kurz vor dem Bergbahnhof im finalen Tunnel verschwindet, die letzte Station auf dem Künstlerweg mit einem Wetterkreuz und zwei hölzernen Liegen. Sie sind ein weiteres Werk vom Projekt Spielart. Die Position ist günstig gewählt. Der Blick reicht durch die Reindler Scharte hinaus ins Alpen­vorland bis zum Inn. Für eine längere Rast herrscht an der Stelle allerdings zu viel Wanderbetrieb.

Panoramaweg zum Gipfel

Unterhalb der Bergstation der Zahnradbahn zweigen wir rechts auf den Panoramaweg zum Gipfel ab, also nicht bis zum Wendelsteinhaus laufen. Ein Geländer bietet auf dem schmalen ausgesetzte Steig Sicherheit. Mehrere Schautafeln berichten über geologische Themen. Von einer Plattform kann man in den Schacht des Oberen Wetterlochs blicken, eine durch Verkarstung entstandene Höhle, von denen es am Wendelstein einige gibt. Besichtigt werden kann die Wendelstein­höhle. Angesichts der langen Tour hebt man sich das aber vielleicht besser für ein anderes Mal auf.
Auf dem Panoramaweg sind praktisch alle Berge im Umkreis des Wendelsteins zu sehen, vom Sudelfeld über das Soingebiet und die Hochsalwand bis zum Breitenstein, fast besser als vom Gipfel selbst.
Nach einer halben Stunde wird schließlich der ziemlich zugebaute Gipfel erreicht, auf dem oftmals ein heilloses Gedränge herrscht. Beachtenswert ist die winzige 300-jährige Wendelinkapelle, das älteste Gebäude auf dem Wendelstein.

Vorschläge für den Rückweg

Bayrischzell
Im Süden des Wendelsteins liegt die kleine Ortschaft Bayrischzell im Leitzachtal.

Vom Gipfel gelangt man auf dem spektakulären, gut abgesicherten und breiten Kapellensteig in ein paar Minuten zum Wendelsteinhaus hinunter.
Wer mit den Öffentlichen unterwegs ist, könnte statt nach Brannenburg auch nach Bayrischzell absteigen, was deutlich kürzer ist. Im Übrigen liegt es auf der Hand, einen Teil oder die gesamte Strecke mit der Zahnradbahn ins Tal zu fahren.
Für alle, die sich den weiten Rückweg nach Brannenburg antun wollen, habe ich eine kleine Variante. Statt zur Zeller Scharte zu wandern, steigt man neben der Seilbahn auf der Südseite Richtung Bockstein­scharte6 ab und wendet sich bei der ersten Gelegenheit rechts zur Reindleralm. Es gibt noch ein paar Abzweigungen, an denen man wie beschildert stets den oberen Ast wählt und so nach kurzer Zeit wieder bei der großen Doline an der Reindleralm herauskommt.