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Blaubergkamm-Überschreitung zum Halserspitz (1862 m)

Gratwanderung mit fantastischer Aussicht

Die Überschreitung der Blauberge zum Halserspitz zählt zu den schönsten Wanderungen der Tegernseer Berge. Ungehindert schweift der Blick vom Blaubergkamm nach allen Seiten. Den höchsten Punkt am Kamm bildet der Halserspitz. Der eigentliche Höhepunkt ist aber weniger der Gipfel selbst, als vielmehr der Weg dorthin.
Stand:

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Der Blaubergkamm von Norden gesehen. Ganz links steht der Halserspitz.

Manche Touren unternimmt man immer wieder gerne. Für mich zählt dazu auch die Überschreitung der Blauberge. Während der abwechslungsreichen Gratwanderung scheint die Zeit fast stillzustehen. Wer sich darauf einlässt und nicht einfach schnell Richtung Halserspitz­gipfel eilt, kann dabei vielleicht sogar in eine Art Flowzustand geraten.
Ausgiebig Zeit sollte man auf jeden Fall mitbringen, um den Kamm mit Muße genießen zu können. Also entweder früh aufbrechen oder noch besser auf der urigen Blaubergalm übernachten. Achtung, unbedingt vorher reservieren, weil es nur wenige Schlafplätze gibt!

Tourcharakter und Schwierigkeit

1300 m 20 km7:10 h

Anspruch ■■■■■■ T4  I
Kondition ■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Von der bayerischen Seite aus unternommen ist die Blaubergkamm-Überschreitung keine reine Bergwanderung mehr. Denn im Norden prägt eine zerfurchte, steil abfallende Felsflanke die Blauberge. Mit dieser bekommt man es in der Großen Wolfsschlucht sowie beim Abstieg vom Halserspitz zu tun. Rudimentäre Klettererfahrung, Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind erforderlich. Während in der Großen Wolfsschlucht Drahtseile drinhängen, fehlen diese bei den Schrofenstufen an der Nordseite des Halserspitzes.

Darüber hinaus ist ausreichend Kondition nötig, denn neben der beachtlichen Wegstrecke zehren mehrere Gegenanstiege an den Kräften. An heißen Tagen kann der latschenbewachsene, sonnige Kamm sehr anstrengend sein. Nicht bei Gewittergefahr aufbrechen.

Im Winter, aber auch bis weit ins Jahr hinein, machen Eis und Schnee die Tour sehr gefährlich. Der Versuch einer Winterbegehung im Dezember 2008 endete für einen jungen Mann tödlich. Er verstarb unter tragischen Umständen nach einem Sturz an Erschöpfung und Unterkühlung bei der Wenigberghütte.

Wegbeschreibung

Wildbad Kreuth

Für Autofahrer ist der Parkplatz Siebenhütten an der Gernbergbrücke der günstigste Startpunkt. Wer mit dem Linienbus vom Tegernsee anreist, beginnt die Wanderung aber normalerweise an der Haltestelle Wildbad Kreuth, weil die nächste Haltestelle Siebenhütten seltener bedient wird.
Von der Haltestelle Wildbad Kreuth, wo es einen riesigen Wanderparkplatz gibt, läuft man wie beschildert zunächst ein Stück westwärts an der Weißach entlang. Der breite Kiesweg weicht dabei den Gebäuden von Wildbad Kreuth1 aus. Sie stehen versteckt hinter den Bäumen am Hochufer, so dass von ihnen nichts zu sehen ist.

Mindestens seit Ende des Mittelalters sind die schwefelhaltigen Heilquellen am Hohlenstein bekannt. Das dort errichtete Wildbad mit Kapelle gehörte bis zur Säkularisation dem Kloster Tegernsee. 1818 erwarb es König Maximilian I. und ließ es zu einem noblen Kurbad ausbauen. Neben dem Heilwasser verwendete man bei der Kur auch Ziegenmolke. Kurhaus und Sanatorium wurden 1973 geschlossen. Wildbad Kreuth befindet sich bis heute im Besitz der Wittelsbacher. Mehr Info

Siebenhütten

Im Süden von Wildbad Kreuth, bei der Brücke über die Hofbauernweißach, liegt die Herzogliche Fischzucht. Dort spalten sich die Wege auf. Nach Siebenhütten2 gibt es zwei Varianten, und zwar entweder links oder rechts der Hofbauernweißach. An der Herzoglichen Fischzucht vorbei und oben herum über den Kiem-Pauli-Weg ist es eine Idee länger als unten auf dem Fahrweg direkt neben dem Bach.

Durch die Große Wolfsschlucht

Steile Passage beim Aufstieg durch die Große Wolfsschlucht.

Von Siebenhütten wandert man anschließend über die Oberhofer Weißachalm und die Königshütte hinter in die Große Wolfsschlucht. Der Name der Königshütte erinnert an die Zeit, als König Maximilian I. dort auf die Jagd ging.
Die Landschaft wird nun immer urtümlicher, während sich die Schlucht so weit verengt, dass man zuletzt mehr im als neben dem Bachbett läuft.
Das Warnschild im Talschluss der Wolfsschlucht3 hat seine Berechtigung, denn es gibt im Folgenden einige, wenn auch leichte Kletterstellen. Unbedingt auf Steinschlag achten. Angesichts der meist feuchten Felsen sind die Drahtseile echt nützlich. Weiter oben muss eine heikle, sandige Runse gequert werden, die ebenfalls gesichert ist. Nach der Kraxelei leitet der Weg durch ein freundliches Buchenwäldchen in den Sattel zwischen Schildenstein und Predigtstuhl.Wer spät dran ist oder merkt, dass es eventuell zu viel wird, könnte auf den nahen Schildenstein ausweichen.

Blaubergkamm

Zum Halserspitz, der von uns aus betrachtet am anderen Ende des Blaubergkamms liegt, geht es nun immer Richtung Osten und dabei erst einmal auf den unscheinbaren Predigtstuhl. Wer bei der bewirteten Blaubergalm4 vorbeischauen möchte, umgeht den Predigtstuhl südseitig.
Anschließend wandert man stets am Kamm entlang oder knapp darunter über die Blaubergschneid und den Blaubergkopf auf das Tourenziel zu. Zwischen diesen beiden verliert man zur Schoberstatt5 um die 100 Höhenmeter. Ansonsten ist der Kamm nur leicht eingeschnitten. Am Karspitz stößt aus Süden der Weg von der Gufferthütte hinzu. Bald danach wird der Halserspitz6 erreicht.

Abstieg zur Wenigberghütte

Die beeindruckende Erosionsrinne des Stangengrabens.

Westlich des Gipfels zweigt rechts der Steig in die schrofige Nordflanke ab. Dieser Abschnitt sollte nicht unterschätzen werden. Das Gelände ist ziemlich abschüssig und das Gestein an den paar kleinen Felsstufen brüchig. Die Erosion nagt stellenweise am Steig, vor allem dort, wo die Route aus der Langen Au bzw. von der Gufferthütte heraufkommt. Beeindruckend ist die sandige Rinne des Stangengrabens, die uns nur noch ein schmales Band übrig lässt. Ein Seil hilft beim Balancieren. Dann wird es deutlich einfacher. Der Weg bleibt noch etwas auf dem Rücken und knickt später nach Nordwesten ab. Durch lichten Wald gelangt man hinab zur kleinen Wenigberghütte7. Die ehemalige Almhütte wird seit gut einem Jahrhundert jagdlich genutzt.

Rückweg nach Wildbad Kreuth

Hinter der Wenigberghütte folgt am Weißenbachkopf ein minimaler Gegenanstieg. Die Strecke durch dieses weitläufige Waldgebiet zieht sich. Schließlich geht es am Zwieselberg durch den steilen Zwieselgraben bergab zum Hohlensteinbach. Unten am Hohlensteinbach könnte man nach ein paar Hundert Metern rechts den Fahrweg von der Hohlensteinalm8 nach Siebenhütten bzw. Wildbad Kreuth nehmen. Geradeaus ist es aber reizvoller.