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Hoher Gaif (2288 m) über Normalweg

Klettertour am Stuibensee

(aktualisiert am )

Anspruchsvoll und einsam ist die Bergtour auf den Hohen Gaif im Wettersteingebirge. Die Route führt vom Stuibensee zum Blassengrat hinauf und dann direkt auf der ausgesetzten Schneide entlang entlang. Ein wenig Nervenkitzel kann man dabei angesichts der Tiefblicke schon bekommen.


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  1. Tourcharakter
  2. Wegbeschreibung
    1. Hochalm
    2. Schöngänge zum Bernadeinkopf
    3. Hoher Gaif über Ostgrat
    4. Grieskarsteig ins Gassental
    5. Rückweg über den Bernadeinsteig
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarten und Literatur
Zur Galerie (7 Fotos)
Die Gratkletterei am Hohen Gaif ist äußerst ausgesetzt.

Der Hohe Gaif steht ganz im Schatten bekannterer Wetterstein­gipfel wie dem Bernadeinkopf oder der Alpspitze. Doch häufig bieten gerade diese untergeordneten Gipfel das ursprünglichere Bergerlebnis. Während sich drüben an der Alpspitze die Ferrata-Fans auf den Füßen herumstehen, klettert man am Blassengrat still vor sich hin und hat den Gipfel mit hoher Wahrscheinlichkeit für sich allein.

Bestiegen wurde der Hohe Gaif immer schon sehr selten. Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten die Alpenvereins­mitglieder den Berg für sich und manch einer wähnte sich glatt als Erstbesteiger.Aber die Sache mit der Erstbesteigung ist wie so oft unklar.Möglicherweise wurde der Gipfel bereits im Rahmen der Bayerischen Uraufname in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreicht – zumindest laut der Alpenvereins­zeitschrift von 1904. Auch die Karte aus der Uraufnahme deutet darauf hin, dass damals jemand oben war. Seltsam nur, dass der Gipfel zu weit östlich eingezeichnet wurde. Wenn die Kartografen wirklich den Hohen Gaif erstiegen, dürfte die Route den Einheimischen zuvor schon bekannt gewesen sein. Denn dass die Kartografen ohne Führer hinauffanden, ist unwahrscheinlich.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1000 m11 km5:50 h

Anspruch■■■■■■ T6 II B
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■

Die Bergtour auf den Hohen Gaif eignet sich nur für Geübte, die in jedem Gelände trittsicher zu Hause sind.
Bevor es richtig losgeht, gibt es zur Einstimmung den leichten Klettersteig durch die Schöngänge. Wer dafür eine Sicherungs­ausrüstung benötigt, sollte den Hohen Gaif lieber gleich bleiben lassen. Denn dort muss man ungesichert im II. Grad über den luftigen Blassengrat klettern. Das erfordert gute Nerven, Schwindelfreiheit und äußerste Konzentration. Auf der Reintalseite fällt die Wand Hunderte Meter nahezu senkrecht ab. 2009 gab es am Grat kurz vorm Gipfel leider einen tödlichen Bergunfall wegen eines Felsausbruchs!

An einigen Stellen sind Orientierungssinn und Routengespür nötig. Am Hohen Gaif finden sich nur undeutliche Begehungsspuren. Der Grieskarsteig ins Gassental ist unzureichend markiert und nicht immer klar erkennbar. Also keinesfalls bei schlechter Sicht aufbrechen.

Wer sich die Besteigung des Hohen Gaifs nicht zutraut, kann die imposante, hochalpine Landschaft mit dem hübschen Stuibensee trotzdem genießen. Die Tour ist auch ohne den Hohen Gaif lohnend. Einzig auf die Tiefblicke vom Blassengrat muss man dann eben verzichten.

Wegbeschreibung

Hochalm

Vom Kreuzeck führt ein gut frequentierter, breiter Kiesweg Richtung Süden. Bei mäßiger Steigung kann man sich bis zur bewirteten Hochalm1 erst einmal gemütlich warmlaufen. Die teils skurrilen Felsen zur Rechten gelten als wichtiges Geotop. Sie bestehen aus der Längenfelder Brekzie, einem kantigen Schutt aus Wettersteinkalk, der zu einem festen Gestein verbacken ist.An Höhlen Interessierte könnten einen kurzen Abstecher zur Längenfelder Halle machen. Dazu gleich nach der Hochalm spitz rechts in den Schotterweg. Nach gut hundert Metern die steile Schuttreise zur Höhle hinauf. Sie kann gefahrlos betreten werden.

Schöngänge zum Bernadeinkopf

Hinter der Hochalm geht es an einer Bergwachthütte vorbei direkt auf die Bernadeinwände zu. Vor den Bernadeinwänden links vom Hauptweg abzweigen und über ein kleines Geröllfeld zum Einstieg in die Schöngänge2. Achtung, nicht in den schweren Mauerläufersteig (D/E) einsteigen, der durch die Steilabbrüche weiter östlich angelegt wurde! Zu Beginn wechselt sich Gehgelände mit leichten, seilgesicherten Passagen ab. Am Schluss gibt es eine längere Leiter. Der Klettersteig endet ein paar Meter neben dem Bernadeinkopf.

Hoher Gaif über Ostgrat

Vom Bernadeinkopf steigt man erst einmal zum Stuibensee3 ab und verlässt kurz vorm See den markierten Weg nach rechts. Ein deutlicher Pfad leitet am Westufer des Stuibensees vorbei direkt zum Sockel des Hohen Gaifs. Das Gelände ist recht übersichtlich. Am Fuß des Hohen Gaifs wird der Grieskarsteig gekreuzt. Passable Spuren ziehen sich unter einer Felswand im Geröll empor. Es folgen Schrofen und leichte Kletterstellen, die teilweise mit uraltem Drahtseil gesichert sind. Darüber befindet sich ein eingefallener Unterstand. Vielleicht wurde er einst von Schafhirten errichtet.
Das letzte Stück zum Blassengrat verläuft über einen blumenreichen Magerrasen, der langsam in die Schrofen übergeht. Vereinzelt treffen wir auf Steinmandl. Oben am Grat beginnen die eigentlichen Schwierigkeiten. Man klettert nun meist direkt auf der Schneide und durch kleine Einschartungen etwa eine halbe Stunde dem Gipfel4 entgegen. Neben ein paar IIer Stellen ist es überwiegend ein Ier. Die Hände braucht man jedenfalls fast die ganze Zeit.

Grieskarsteig ins Gassental

Zunächst auf der Aufstiegsroute zurück. Im Talboden folgt man dann dem Grieskarsteig5 bergab. Er ist schlecht markiert und wird offensichtlich nicht mehr wirklich gepflegt. Geröll und Karren machen die Sache mühsam. Nach der Abzweigung zur Mauerscharte nordwärts halten. In dem schwach ausgeprägten Gassental wird es zwischen den Latschen bald unübersichtlich. An einer Gabelung am besten den rechten Ast parallel zur Stuibenwand wählen. Dabei wird der noch gut erhaltene Gassenalm­stollen passiert, der vom ehemaligen Bergbau im Hochgebirge zeugt. Der Pfad ist wegen der Beweidung nur schlecht zu erkennen. Hinter einer Viehtränke steuert er eine Schneise im Wald an. Kurz darauf trifft man an einer Biegung auf den Bernadeinsteig6.

Rückweg über den Bernadeinsteig

Mit leichtem Gegenanstieg führt der bequeme Bernadeinsteig zurück zur Bergstation. Bis zur Bernadeinhütte (DAV)7 geht es vorwiegend durch den Wald. Die kleine Hütte gehört der Akademischen Alpenvereins­sektion München und steht nur deren Mitgliedern zur Verfügung. Nach der Bernadeinhütte gibt es dann wieder Aussicht. Trotzdem ist dieser letzte Abschnitt nicht mehr so abwechslungs­reich und zieht sich ganz ordentlich in die Länge.