1. Berchtesgadener Alpen

Barmsteine (851 m) und Ruine Gutrat

Große Rundwanderung bei Hallein

Wie zwei unbezwingbare Türme ragen die Barmsteine bei Hallein in den Himmel. Dabei ist die Besteigung für schwindelfreie Wanderer kein Problem und nimmt kaum einen halben Tag in Anspruch. Wer mag, kann anschließend noch weiter zum Hohen Götschen und zur Burgruine Gutrat wandern.

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Blick vom Kleinen Barmstein über den Hohen Götschen zum Untersberg.

Dass die markanten Barmsteinen zur Sagenbildung anregten, verwundet nicht. Laut einer Sage gab es ursprünglich nur einen einzigen kompletten Barmstein. Der Teufel soll die Kluft, welche heute die Felstürme trennt, im Zorn über eine fromme Prozession gegraben haben.
In einem Punkt hat die Sage über die Barmsteine nicht ganz Unrecht, denn geologisch betrachtet bilden sie tatsächlich eine Einheit. Sie waren sogar namensgebend für den Barmsteinkalk, einer bräunlichen Gesteins­formation aus dem Jura. Barm wiederum ist ein altes Felswort, was in diesem Zusammenhang ja gut passt. Das Wort könnte mit den Palvennamen der Berchtesgadener Alpen verwandt sein und kommt auch in anderen Bergnamen vor, wie dem Wildbarren im bayerischen Inntal.
Das Bayerische Landesamt für Umwelt stuft die Barmsteine als besonders wertvolles Geotop ein. Auffällig sind die senkrechten, teils überhängenden Wände der Ostseite, die vom Salzach-Gletscher abgeschliffen wurden.

Einige Kilometer nördlich der Barmsteine steht auf einem Felssporn die Burgruine Gutrat, für die sich eine Verlängerung der Wanderung wirklich lohnt. 2002 bis 2005 wurde die Ruine umfassend saniert und archäologisch untersucht. Eine digital erstellte Rekonstruktion vermittelt einen guten Eindruck von ihrem einstigen Aussehen.

Museumstipp: Das Keltenmuseum Hallein ist die erste Adresse für alle, die sich näher mit der Geschichte der Kelten befassen möchten. Anschaulich und kurzweilig wird man in dem modern gestalteten Museum entlang der vielen Exponate durch die Jahrhunderte geleitet.
Dass das archäologische Museum über die Kelten in Hallein steht, ist übrigens kein Zufall, denn am Dürrnberg über der Stadt wurde schon in der Eisenzeit von der damaligen keltischen Bevölkerung Salz abgebaut.

Tourcharakter und Schwierigkeit

810 m 16 km5:40 h

Anspruch■■■■■■T4 I A
Kondition■■■■■■
Orientierung■■■■■■

Die beiden Barmsteine sind als anspruchsvolle Bergwege mit schwarzen Punkten ausgewiesen. Beim Kleinen Barmstein erscheint das fast übertrieben, beim Großen ist es aber durchaus gerechtfertigt. Nicht Schwindelfreien muss von der Besteigung der Barmsteine unbedingt abgeraten werden, auch wenn luftige Stellen mit Drahtseil­sicherungen versehen sind. Für den Großen Barmstein benötigt man außerdem eine solide Trittsicherheit und ein wenig Kraxelerfahrung.
Im Zweifelsfall ist die Tour auch ohne die Barmsteine lohnen, besonders wenn man sich für Burgruinen interessiert.

Die Wanderung verläuft durchgehend auf markierten Wegen. Dabei fällt unter den Markierungen immer wieder ein gelbes Rechteck mit einer blauen Bergsilhouette auf. Es gehört zu einer SalzAlpenTour auf die Barmsteine. Doch Vorsicht, die Strecke weicht zum Teil von unserer ab.

Wegbeschreibung

Von Hallein zur Ruine Thürndl

Bei der Ruine Thürndl handelt es sich um Reste der ehemaligen Stadtbefestigung von Hallein.

Vom Bahnhof Hallein läuft man erst einmal geradeaus ins Stadtzentrum. Beim Überqueren der Salzachbrücke sind die beiden Barmsteine wunderbar zu sehen. Auf der anderen Seite der Salzach geht es auf der Thunstraße zum Oberen Markt. Das Zentrum von Hallein ist sehr malerisch und schön herausgeputzt. Es zeugt vom einstigen Reichtum der Stadt, der auf dem Salzabbau am Dürrnberg beruhte.
Nach dem Schöndorferplatz muss man rechts in die Ferchlstraße. Dort sind die Barmsteine bereits ausgeschildert. An der nächsten Ecke dann die steile, alte Dürrnbergstraße hinauf. Die Ruine Thürndl ist nun ebenfalls ausgeschildert. Bald trifft die alte Dürrnbergstraße auf die neue. An dieser müssen wir gut hundert Meter entlang. Hinter der Bushaltestelle Fuchsturm wechseln wir rechts auf den Alois-Oedl-Steig, der sich in der üblichen Serpentinen­führung emporarbeitet und schließlich bei der Ruine Thürndl1 vorbeiführt. Die Reste dieses mächtigen Wehrturms der Stadtbefestigung sind wirklich beeindruckend.

Kleiner Barmstein

Hinter der Ruine Thürndl verläuft der Weg gut markiert durch eine Mulde. Auf beiden Seiten liegt viel Blockschutt herum, der wohl vom Kleinen Barmstein stammt. Nach einigen Hundert Metern erreichen wir eine Lichtung unmittelbar unter dem Kleinen Barmstein. Dort stehen auch ein paar Häuser. Wir wandern die Lichtung zum Waldrand hinauf und gelangen rechts an den Aufstieg zum Kleinen Barmstein. Es geht zunächst über eine breite, mit Geländer gesicherte Stiege empor, später auf einem schmalen Steig. Knorrige Kiefern krallen sich im Felsuntergrund fest. Dazwischen wachsen allerlei Sträucher wie Liguster, Alpenrose und der Wollige Schneeball.
Oben auf dem Kleinen Barmstein2 steht überraschender­weise ein Maibaum. Er wurde zum ersten Mal im Jahr 1815 aufgestellt, zu Ehren der Bayerischen Kurfürstin Maria Leopoldine, die damals die Brauerei in Kaltenhausen erwarb.

Großer Barmstein

Urwüchsige Landschaft beim Aufstieg zum Großen Barmstein.

Vom Fuße des Kleinen Barmsteins wandern wir wie beschildert nordwärts. Die Abzweigung über die Ortschaft Mehlweg zur Köppelschneid und der Ruine Gutrat bleibt links liegen. Der Weg überquert ein Bächlein und führt leicht bergauf über einen Minisattel. Bei der nächsten Gabelung rechts wenden. Am Einstieg gibt es eine gesicherte, felsige Passage. Später kommen noch ungesicherte Ier Stelle, danach wird es einfacher. Oben auf dem Großen Barmstein3 muss man noch relativ weit laufen, bis man von einem Aussichtspunkt hinüber zum Kleine Barmstein blicken kann.
Beim Rückweg gäbe es dann die Möglichkeit, direkt nach Kaltenhausen abzusteigen, falls eine kürzere Runde ohne die Ruine Gutrat gewünscht ist.

Köppelschneid am Götschen

Nach dem Großen Barmstein müssen wir wieder zurück an die Abzweigung zur Köppelschneid. An dieser Stelle kreuzt auch der Arnoweg, der dort von Marktschellenberg nach Hallein führt. Nach ein paar Minuten sind wir bereits im Markt­schellen­berger Ortsteil Mehlweg. Von da rechts über eine Wiese und mit kleinem Gegenanstieg um die bewaldete Kuppe des Hohen Götschen herum. Anschließend folgt der Weg geraume Zeit im Waldschatten der Köppelschneid4. Zwischendrin gibt es eine Abzweigung nach Marktschellenberg. Bald darauf lenkt uns ein Wegweiser spitz rechts Richtung Hallein und über einen schmalen Steig zu einer länglichen Lichtung hinab.

Ruine Gutrat

Nach dem kurzen Abstieg von der Köppelschneid geht es am Waldsaum über die besagte Lichtung. An deren Ende muss man auf einer Kiesstraße zuerst spitz links und gleich darauf wieder rechts. Nicht Richtung St. Leonhard laufen! Nach ein paar Hundert Metern aufpassen. Dort wechselt die Wanderroute links auf einen Pfad, wobei der Weg bald wieder breiter wird. Von da gibt es dann einen Abstecher zur Burgruine Gutrat5. Man muss ein wenig bergab. Anfangs ist es morastig. Über einen mit Drahtseil gesicherten Steig und Stahltreppen gelangt man ins Innere der Burg. Angreifer musste bis zum Palas mehrere Tore und Vorhöfe überwinden.

Rückweg über Kaltenhausen

Von Gutrat begeben wir uns zurück zum Hauptwanderweg, der sich durch den Wald über die Hubertuskapelle talwärts zieht. Weiter unten kommen wir auf dem geteerten Kupfmillerweg etwas hatschert nach Kaltenhausen6, wo die bereits erwähnte Brauerei steht. Der Name ist wörtlich zu nehmen und die Brauerei wurde aus gutem Grund an diesem Ort errichtet. Die Luft, welche durch den Hangschutt unterhalb der Barmsteine strömt, wird darin abgekühlt. An so genannten Wetterlöchern tritt die kalte Luft hervor. Diese natürliche Kühlung machte man sich für die Lagerung des Biers zu Nutze.
Das letzte Stück der Wanderung verläuft dann flussaufwärts entlang der Salzach.