1. Berchtesgadener Alpen
  2. Göllstock

Barmsteine (851 m) und Ruine Gutrat

Große Rundwanderung bei Hallein

Der Rundweg über die Barmsteine und die Ruine Gutrat ist eine der schönsten Wanderungen bei Hallein im Salzburger Land. Wie zwei unbezwingbare Türme ragen der Große und der Kleine Barmstein in den Himmel. Dabei ist die Besteigung für Schwindelfreie kein Problem und nimmt kaum einen halben Tag in Anspruch. Wer mag, kann anschließend noch weiter zum Hohen Götschen und zur Burgruine Gutrat wandern.
Stand:

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Untersberg
Blick vom Kleinen Barmstein über den Hohen Götschen zum Untersberg.

Die beiden Felstürme der Barmsteine sehen schon irgendwie unwirklich aus. Kein Wunder also, dass sie zur Sagenbildung anregten. Laut einer Salzburger Sage gab es früher nur einen einzigen kompletten Barmstein. Der Teufel soll die Kluft, welche sie heute trennt, im Zorn über eine fromme Prozession gegraben haben.
In einem Punkt hat die Sage über die Barmsteine nicht ganz Unrecht, denn geologisch betrachtet bilden beide Türme tatsächlich eine Einheit. Sie waren sogar namensgebend für den Barmsteinkalk, einer bräunlichen Gesteins­formation aus dem Jura. Das Bayerische Landesamt für Umwelt stuft die Barmsteine als besonders wertvolles Geotop ein. Auffällig sind die senkrechten, teils überhängenden Wände der Ostseite, die vom Salzach-Gletscher abgeschliffen wurden.

Schwer zu deuten ist der Name der Barmsteine. Wie bei dem ähnlich klingenden Wildbarren im bayerischen Inntal könnte man zunächst auf das mittel­hoch­deutsche Wort Barm bzw. Barn für Futtertrog tippen. Möglich wäre auch eine Herleitung von dem Felswort Balm mit der Grund­bedeutung Höhle, welches wiederum mit den Palvennamen der Berchtesgadener Alpen zusammenhängt. Im Fall der Barmsteine haben wir es jedoch eher mit einer späteren Umdeutung zu tun. Im Mittelalter hießen sie nämlich noch Babensteine und gehen vermutlich auf den Salzburger Personennamen Pabo zurück.

Museumstipp: Das Keltenmuseum Hallein ist die erste Adresse für alle, die sich näher mit der Geschichte der Kelten befassen möchten. Anschaulich und kurzweilig wird man in dem modern gestalteten Museum entlang der vielen Exponate durch die Jahrhunderte geleitet.
Dass das archäologische Museum über die Kelten in Hallein steht, ist übrigens kein Zufall, denn am Dürrnberg über der Stadt wurde schon in der Eisenzeit von der damaligen keltischen Bevölkerung Salz abgebaut.

Tourcharakter und Schwierigkeit

810 m 16 km5:40 h

Anspruch ■■■■■■ T4  I  A
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Die beiden Barmsteine sind als anspruchsvolle Bergwege mit schwarzen Punkten ausgewiesen. Beim Kleinen Barmstein erscheint das fast übertrieben, beim Großen ist es aber durchaus gerechtfertigt. Nicht Schwindelfreien muss von der Besteigung der Barmsteine unbedingt abgeraten werden, auch wenn luftige Stellen mit Drahtseil­sicherungen versehen sind. Für den Großen Barmstein benötigt man außerdem eine solide Trittsicherheit und ein wenig Kraxelerfahrung.
Im Zweifelsfall ist die Tour auch ohne die Barmsteine lohnen, besonders wenn man sich für Burgruinen interessiert.

Die Wanderung verläuft durchgehend auf markierten Wegen. Dabei fällt unter den Markierungen immer wieder ein gelbes Rechteck mit einer blauen Bergsilhouette auf. Es gehört zu einer SalzAlpenTour auf die Barmsteine. Doch Vorsicht, die Strecke weicht zum Teil von unserer ab.

Wegbeschreibung

Von Hallein zur Ruine Thürndl

Ruine Thürndl
Bei der Ruine Thürndl handelt es sich um Reste der ehemaligen Stadtbefestigung von Hallein.

Vom Bahnhof Hallein läuft man erst einmal gerade­aus ins Stadtzentrum. Beim Überqueren der Salzachbrücke sind die beiden Barmsteine wunderbar zu sehen. Auf der anderen Seite der Salzach geht es auf der Thunstraße zum Oberen Markt. Das Zentrum von Hallein ist sehr malerisch und schön herausgeputzt. Es zeugt vom einstigen Reichtum der Stadt, der auf dem Salzabbau am Dürrnberg beruhte.
Nach dem Schöndorferplatz muss man rechts in die Ferchlstraße. Dort sind die Barmsteine bereits ausgeschildert. An der nächsten Ecke dann den steilen Antoniusweg hinauf, einem Überbleibsel der alten Dürrnbergstraße. Die Ruine Thürndl ist nun ebenfalls ausgeschildert. Bald trifft der Antoniusweg auf die Dürrnbergstraße. An dieser müssen wir gut hundert Meter entlang.
Hinter der Bushaltestelle Fuchsturm wechseln wir rechts auf den Alois-Oedl-Steig, der sich in der üblichen Serpentinen­führung emporarbeitet und schließlich bei der Ruine Thürndl1 vorbeiführt. Die Reste dieses mächtigen Wehrturms der Stadtbefestigung sind wirklich beeindruckend.

Kleiner Barmstein

Großer Barmstein
Vom Kleinen Barmstein hat man eine fantastische Perspektive auf seinen großen Bruder.

Hinter der Ruine Thürndl verläuft der Weg gut markiert durch eine Mulde. Auf beiden Seiten liegt viel Blockschutt herum, der wohl vom Kleinen Barmstein stammt. Nach einigen Hundert Metern erreichen wir eine Lichtung unmittelbar unter dem Kleinen Barmstein. Dort stehen auch ein paar Häuser. Wir wandern die Lichtung zum Waldrand hinauf und gelangen rechts an den Aufstieg zum Kleinen Barmstein. Es geht zunächst über eine breite, mit Geländer gesicherte Stiege empor, später auf einem schmalen Steig. Knorrige Kiefern krallen sich im Felsuntergrund fest. Dazwischen wachsen allerlei Sträucher wie Liguster, Alpenrose und der Wollige Schneeball.
Oben auf dem Kleinen Barmstein2 steht überraschender­weise ein Maibaum. Er wurde zum ersten Mal im Jahr 1815 aufgestellt, zu Ehren der verwitweten bayerischen Kurfürstin Maria Leopoldine, die damals die Brauerei in Kaltenhausen erwarb.

Großer Barmstein

Urwüchsige Landschaft beim Aufstieg zum Großen Barmstein.

Vom Fuße des Kleinen Barmsteins wandern wir wie beschildert nordwärts. Die Abzweigung über die Ortschaft Mehlweg zur Köppelschneid und der Ruine Gutrat bleibt links liegen. Der Weg überquert ein Bächlein und führt leicht bergauf über einen Minisattel. Bei der nächsten Gabelung rechts halten. Am Einstieg gibt es eine gesicherte, felsige Passage. Später kommen noch ungesicherte Ier Stelle, danach wird es einfacher. Oben auf dem Großen Barmstein3 muss man noch relativ weit laufen, bis man von einem Aussichtspunkt hinüber zum Kleine Barmstein blicken kann.
Beim Rückweg gäbe es dann die Möglichkeit, direkt nach Kaltenhausen abzusteigen, falls eine kürzere Runde ohne die Ruine Gutrat gewünscht ist.

Köppelschneid am Götschen

Hoher Götschen
Über saftige Blumenwiesen geht es zum Hohen Götschen.

Vom Großen Barmstein müssen wir wieder zurück an die Abzweigung zur Köppelschneid. An dieser Stelle kreuzt auch der Arnoweg, der dort von Markt­schellen­berg nach Hallein führt. Wir wenden uns nach Mehlweg4, einer für den Alpenraum typischen Streusiedlung, die im Berchtesgadener Land früher Gnotschaften hießen.
Bei Mehlweg geht es rechts über eine Wiese und mit kleinem Gegenanstieg um die bewaldete Kuppe des Hohen Götschen herum. Anschließend folgt der Weg geraumer Zeit im Waldschatten dem Rücken der Köppelschneid5. Zwischendrin entfernt sich links ein Weg nach Marktschellenberg. Bald darauf leitet uns dann ein Wegweiser spitz rechts Richtung Hallein einen schmalen Steig hinab.

Ruine Gutrat

Burgruine Gutrat
Schwer zugänglich thront die Burgruine Gutrat auf einem Felssporn hoch über dem Salzachtal.

Nach dem kurzen Abstieg von der Köppelschneid mündet der Steig in eine Kiesstraße, von der man schon nach wenigen Schritten wie beschildert rechts abzweigt. Geradeaus wäre ein Umweg. Es geht nun am Waldsaum über eine Lichtung. An deren Ende muss man auf einer Kiesstraße zuerst spitz links und gleich darauf wieder rechts. Nicht Richtung St. Leonhard laufen! Nach ein paar Hundert Metern aufpassen. Dort wechselt die Wanderroute links auf einen Pfad, wobei der Weg bald wieder breiter wird.
Von da gibt es dann einen wirklich lohnenden Abstecher zur Burgruine Gutrat6. Man muss ein wenig bergab. Anfangs ist es morastig. Über einen mit Drahtseil gesicherten Steig und Stahltreppen gelangt man ins Innere der Spornburg. Angreifer hatten bis zum Palas mehrere Tore und Vorhöfe zu überwinden.
Von 2002 bis 2005 wurde die Ruine umfassend saniert und archäologisch untersucht. Eine digital erstellte Rekonstruktion vermittelt einen guten Eindruck von ihrem einstigen Aussehen.

Rückweg über Kaltenhausen

Von Gutrat begeben wir uns zurück zum Hauptwanderweg, der sich durch den Wald über die Hubertuskapelle talwärts zieht. Weiter unten kommen wir auf dem geteerten Kupfmillerweg etwas hatschert nach Kaltenhausen7, wo die bereits erwähnte Brauerei steht. Der Name ist wörtlich zu nehmen und die Brauerei wurde aus gutem Grund an diesem Ort errichtet. Die Luft, welche durch den Hangschutt unterhalb der Barmsteine strömt, wird darin abgekühlt. An so genannten Wetterlöchern tritt die kalte Luft hervor. Diese natürliche Kühlung machte man sich für die Lagerung des Biers zu Nutze.
Das letzte Stück der Wanderung verläuft dann flussaufwärts entlang der Salzach.