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Alatsee und Weißensee

Rundwanderung über die Ländenscharte

Füssen ist umgeben von zauberhaften Seen, die zu vielfältigen Wanderungen einladen. Besonders sehenswert sind Alatsee und Weißensee. Die beiden befinden sich im Westen der Stadt. Unterwegs trifft man dort zudem auf allerlei Interessantes wie alte Grenzmarkierungen, den Rastplatz eines Heiligen und ein natürliches Felsentor. Veröffentlicht am

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Inhalt

  1. Tourcharakter und Schwierigkeit
  2. Wegbeschreibung
    1. Lechfall und Lechklamm
    2. Ländeweg zur Ländenscharte
    3. Alatsee
    4. Weißensee
    5. Hugo-Ludwig-Steg
    6. Rückweg nach Füssen
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarten und Literatur
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Unterwegs auf dem Hugo-Ludwig-Steg am Weißensee. Im Hintergrund sind die Ammergauer Alpen zu sehen.

Trotz ihrer räumlichen Nähe sind Alatsee und Weißensee auf völlig unterschiedliche Weise entstanden.
Beim Weißensee handelt es sich um einen typischen Alpenrandsee mit einem felsigen Steilufer im Süden und dem hügeligen Alpenvorland auf der anderen Seite. Seine Existenz verdankt er dem Lech-Gletscher. Das Gewicht des vom Falkensteinkamm herabfallenden Gletscherbruchs dürfte die Vertiefung verursacht haben. Vermutlich konnte sich dort im Schatten des Falkensteinkamms außerdem noch lange ein Toteisblock halten, der verhinderte, dass die Mulde mit Sedimenten aufgefüllt wurde.

Anders als der Weißensee entstand der Alatsee durch Auswaschung von weichem Gipsgestein aus den dort anstehenden Raibler Schichten. Gips ist auch der Grund dafür, dass in den Tiefen des Alatsees eine etwa vier Meter dicke schwefelhaltige Schicht existiert. In dieser leben anaerobe Schwefel­purpur­bakterien, die den Schwefel zur Energiegewinnung nutzen. Die Bakterien besitzen eine rötliche Farbe. Dass sie mitunter nach oben steigen und die Wasser­oberfläche blutrot färben, gehört aber wohl ins Reich der Märchen. Für die anderen Tiere im See ist der sauerstoffarme Bereich der Schwefel­purpur­bakterien sehr lebensfeindlich. Taucher sehen darin kaum die Hand vor Augen, was panikartige Reaktionen auslösen kann. Wegen mehrerer Tauchunfälle darf nur noch mit Sondergenehmigung getaucht werden. Das Baden im Alatsee ist dagegen gefahrlos möglich.

Filmtipp: Die vom Bayerischen Rundfunk produzierte Dokumentation Der Blutende See berichtet über eine Tauchexpedition im Alatsee. Der Film beschreibt detailliert das ungewöhnliche Ökosystem des Sees und setzt sich auch mit den zahlreichen Geschichten auseinander, die sich um das geheimnisvolle Gewässer ranken.

Tourcharakter und Schwierigkeit

250 m15 km4:00 h

Anspruch■■■■■■ T3
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Im Großen und Ganzen erfolgt die Wanderung auf breiten, befestigten Wegen. An der Ländenscharte und am felsigen Südufer des Weißensees gibt es allerdings auch schmälere Steige.
Die Orientierung fällt überall leicht, da praktisch an jeder Ecke Wegweiser stehen.

Prinzipiell ist die Tour ganzjährig möglich, doch bei sehr viel Schnee oder starker Vereisung, lässt man den Weißensee besser aus.

Wegbeschreibung

Lechfall und Lechklamm

Wir spazieren vom Bahnhof erst einmal durch die Füssener Altstadt bis zur Lechbrücke und biegen beim Kloster St. Mang rechts in den Uferweg nach Bad Faulenbach.
In Bad Faulenbach nehmen wir den Ländeweg, der wegen des Steilufers nach oben ausweicht. Der Lech verengt sich dort zu einer kleinen Klamm. Die Strecke des heutigen Ländewegs wählten schon die Römer, als sie die Via Claudia Augusta bauten. Nach ein paar Hundert Metern kann man links zum Maxsteg hinunter. Der Maxsteg überspannt den Fluss genau zwischen Lechfall und Lechklamm1, so dass man von der Brücke einen tollen Blick auf die beiden Geotope genießt.

Ländeweg zur Ländenscharte

Nach dem Abstecher zum Lechfall geht es wieder auf dem breiten Ländeweg weiter. Er taucht gleich in den Wald ein, so dass man vom Lech kaum etwas zu sehen bekommt. Nach einiger Zeit zweigt der Schwärzerweg rechts ab. Wir bleiben aber auf dem Ländeweg, der sich langsam dem Lechufer nähert. Am Lech unten wird die so genannte Hangende Wand2 erreicht. Es gilt als sicher, dass an diesem markanten Felsturm einst die Via Claudia Augusta vorbeiführte. In die überhängende Felswand sind schöne alte Grenzmarkierungen eingemeißelt.
Der Ländeweg verläuft nun nahe am Lechufer, wobei sich der Fluss weiterhin hinter den Bäumen versteckt. Kurz nach der Vilsmündung zweigt dann der beschilderte Steig zur Ländenscharte3 ab. Die Hundert Höhenmeter sind schnell überwunden. Oben im Sattel steht ein historischer Grenzstein mit dem Augsburger Wappen und dem österreichischen Bindenschild, wie wir es bereits von der Hangenden Wand kennen.

Alatsee

Der Abstieg auf der anderen Seite der Ländenscharte ist etwas felsig. Es gibt eine mit Drahtseil gesicherte, leicht ausgesetzte Stelle. Unten trifft man auf einen breiten Wanderweg, der westwärts zum Alatsee4 führt. Einige Hundert Meter vorm Alatsee fällt eine wassergefüllte, künstlich anmutende Vertiefung auf. Vermutlich ist das eine der Gruben, die der ehemalige Gipsabbau im Faulenbacher Tal hinterließ.

Weißensee

Im Norden des Alatsees liegt ein großer Parkplatz. Von da folgt man etwa 200 Meter der Saloberstraße und wendet sich dann links zum Weißensee. Gleich darauf wie beschildert von der Forststraße auf einen untergeordneten Weg wechseln, welcher sich schnell zu einem Steig verjüngt. Es geht nun relativ lange auf und ab durch den steilen Hang über dem Weißensee. Beim Weberfall bricht zum See hin eine Felswand ab, die wir später beim Rückweg noch von unten sehen. Nach dem Felsdurchschlupf an der so genannten Magnusruh5, wo der Heilige Magnus von Füssen 746 laut einer Legende gerastet haben soll, leitet der Steig schließlich hinab zum Weißenseeufer.

Hugo-Ludwig-Steg

Das Südufer des Weißensees ist erst seit der Fertigstellung des Hugo-Ludwig-Stegs im Jahr 1953 komplett passierbar. Dort wo sich der Steg heute romantisch um eine hervorspringende Felsnase herumwindet, musste man früher oben über die Magnusruh ausweichen. Der schmale, aus Betonplatten gebaute Hugo-Ludwig-Steg verläuft die ganze Zeit direkt am Ufer entlang und erlaubt so einen tollen Blick über den See.
Eine Besonderheit stellt ein kleines natürliches Felsentor6 dar, durch welches man hindurch­schlüpfen kann. Bei genauer Betrachtung fällt auf, dass der Fels aus Bruchstücken besteht, die miteinander verkittet sind. Geologen bezeichnen solche Gesteine als Brekzien.

Rückweg nach Füssen

Die Strecke vom Weißensee zurück nach Füssen ist leider etwas eintönig. Man wandert lange auf einer Forststraße am Waldrand entlang. Auf der linken Seite taucht bald ein Industriegebiet auf. Den letzten Kilometer bis ins Zentrum von Füssen muss man neben der lauten Kemptener Straße laufen. Als nettere Alternative würde sich der Untere Kobelweg anbieten. Dafür müsste man aber nochmals ein wenig bergauf steigen.