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Der Zirbelkieferbestand am Schachen

Eine seltene Baumart im bayerischen Alpenraum

(aktualisiert am )

Am Schachen im Wettersteingebirge liegt einer der schönsten Zirbelkiefer­bestände des bayerischen Alpenraums. Als Hochgebirgsbaum ist die Zirbe vor allem in den Zentralalpen heimisch. Deshalb sind die zerstreuten, kleinen Populationen der Bayerischen Alpen besonders wertvoll.

  1. Standort und Verbreitung
  2. Unterscheidung von der Waldkiefer
  3. Symbiose mit dem Tannenhäher
  4. Warum Zirben auf Felsenblöcken wachsen
  5. Nutzung des Zirbenholzes
  6. Wege zum Schachen
  7. Literatur

Standort und Verbreitung

Zirbelkiefern am Kämitor im Wettersteingebirge.

Die Zirbelkiefer, je nach Region auch Zirbe, Zirm oder Arve genannt, kommt in den Alpen bis zu einer Höhe von 2000 Metern vor. In der oberen subalpinen Zone ab 1700 Metern dominieren ansonsten Krummholz und Zwergsträucher. Allenfalls an besonders geschützten Stellen wachsen noch einzelne Fichten.
Zirbelkiefern kommen mit den unwirtlichen Bedingungen im Bereich der Waldgrenze dagegen gut zurecht. Der zähe Baum erträgt Frost bis -50 °C und begnügt sich mit einer Vegetationsperiode von drei Monaten.
Im subalpinen Bereich wird organisches Material auf Grund der kalten Witterung sowie der langen Frostperioden nur langsam und unvollständig zersetzt. Für die Zirbensamen ist das kein Problem. Im Gegensatz zu den Samen der meisten anderen Bäume keimen sie auch auf ungünstigem Rohhumus mit hohem Streuanteil.

Die beschriebenen Eigenschaften machen die Zirbelkiefer zu einem Pionierbaum. Derzeit wandert sie weiter nach oben, weil der Klimawandel die Baumgrenze verschiebt. Wer genau hinsieht, wird feststellen, dass die Bäume umso höher stehen, je jünger sie sind. Die Ausbreitung in tiefere Regionen wird dagegen durch die viel schneller wachsenden Fichten und Tannen verhindert. Die optimale Anpassung an ein kaltes Klima und das daraus resultierende langsamere Wachstum erweisen sich dort als Standortnachteil.

Im bayerischen Alpenraum ist die Zirbelkiefer eine äußerst rare Baumart und auf wenige Gebiete beschränkt. In den Allgäuer Alpen sieht man sie beispielsweise auf dem Zirmgrat am Falkensteinkamm. Im Wettersteingebirge existiert neben dem Schachen noch ein kleinerer Bestand am Kämitor. Zwischen Kämitor und Zirbelkopf wachsen ebenfalls einzelne Bäume. Im Nationalpark Berchtesgaden ist der älteste Baum eine 800 Jahre alte Zirbe im Klausbachtal. Neben dem Klausachtal kommen sie in den Berchtesgadener Alpen außerdem auf der Hochebene der Reiter Alm sowie im Steinernen Meer vor.

Unterscheidung von der Waldkiefer

  • Von der viel häufigeren Waldkiefer lässt sich die Zirbelkiefer schon deshalb leicht unterscheiden, weil beide Arten normalerweise nicht am selben Standort vorkommen. Die Zirbelkiefer gedeiht gerade dort, wo es der Waldkiefer zu unwirtlich wird. Ihren Lebensraum teilt sie sich mit Lärchen, Latschen und Grünerlen.
  • Die graue Borke mit ihren feinen Schuppen ähnelt derjenigen der Latsche, unterscheidet sich aber deutlich von der grobschuppigen, rotbraunen Borke der Waldkiefer.
  • Typischerweise sind die Äste der Zirbelkiefer mit Bartflechten übersät. Das gibt ihnen ein recht urtümliches Aussehen.
  • Im Zweifelsfall schaut man sich die Nadelbüschel an. Bei der Zirbelkiefer besteht ein Büschel aus fünf Nadeln, bei allen anderen heimischen Arten aus zwei.

Symbiose mit dem Tannenhäher

Die Samen von Nadelbäumen sind die wichtigste Nahrungsquelle für den Tannenhäher.Datenquelle: Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Tannenhäher und Zirbelkiefer verbindet eine besonders enge Symbiose. Der Tannenhäher ernährt sich gerne von den kalorienreichen Zirbensamen und sammelt sie für den Winter. Vom Hochsommer bis in den Spätherbst legt er emsig Winterverstecke an – angeblich etliche Tausend. Seine überlebenswichtigen Vorräte findet er sogar noch unter einer hohen Schneedecke. Aber natürlich entgehen ihm auch zahlreiche Samen. Diese bilden die Basis der Waldverjüngung und sorgen gleichzeitig für eine großflächige Verbreitung. Die Samen werden von den Vögeln an Plätze verfrachtet, wo sie sonst niemals hinfallen würden. Einige Bäume stehen im Bereich des Kämitors auf Absätzen und Bändern hoch oben in der Wettersteinwand. Das kann nur das Werk des Tannenhähers sein, der seiner Nahrungsquelle und sich selbst damit neue Lebensräume erschließt. Man vermutet, dass bis zur Hälfte aller Zirbelkiefern ihre Existenz dem Tannenhäher verdanken. Eine echte Win-win-Situation für Baum und Vogel also.

Warum Zirben auf Felsenblöcken wachsen

Viele Zirbelkiefern am Schachen wachsen auf Felsblöcken.
Auffällig viele Zirbelkiefern am Schachen wachsen auf Felsblöcken und umklammern diese mit ihren Wurzeln. Das hängt mit zwei Faktoren zusammen.
Einerseits ist der Tannenhäher dafür verantwortlich, weil er die Zirbensamen bevorzugt in den Ritzen und Spalten im Fels versteckt. Diese sind meistens mit Humus gefüllt, so dass vergessene Samen darin keimen können.
Der zweite Faktor ist die Almwirtschaft. Durch sie haben die Keimlinge auf den Weideflächen, die es selbstverständlich auch gibt, schlechte Überlebenschancen. Früher oder später werden sie vom Vieh zertrampelt. So wird der von Natur aus eigentlich ungünstigere Standort auf den Felsblöcken durch die Beweidung zu einem vorteilhaften, weil die jungen Pflanzen so vor den Hufen geschützt sind.

Nutzung des Zirbenholzes

Das Königshaus am Schachen.

Zirbenholz besitzt zahlreiche positive Eigenschaften. Insbesondere eignet sich das weiche Holz gut für Schnitzarbeiten. Auf Grund seiner leichten Spaltbarkeit wurde es früher gerne für Dachschindeln verwendet. Die Zirbenschindeln hielten angeblich noch länger als die robusten Lärchenschindeln. Zum Teil wurden sogar ganze Almhütten aus Zirbelkiefern errichtet.

Zirbenholz verströmt einen angenehmen Duft. Die ätherischen Öle sollen beruhigend und Schlaf fördernd wirken. Schädlinge mögen den Geruch dagegen nicht. Wegen des wohltuenden Dufts, vor allem aber wegen des schönen Aussehens wird Zirbenholz auch für Innen­vertäfelungen und Möbel genutzt. Eine Zirbenholzstube gilt als Inbegriff rustikaler Gemütlichkeit.
König Ludwig II. ließ sein Königshaus am Schachen innen größtenteils mit Zirbenholz vertäfeln. Der Bestand ringsum wurde dadurch vermutlich weiter ausgelichtet.

Von den einst großen Zirbenwäldern der Alpen blieb nicht mehr viel übrig, weil die Bäume praktisch nie nachgepflanzt wurden. Bis heute besitzt die Zirbelkiefer keine forstwirtschaftliche Bedeutung. Dafür wächst sie zu langsam. Immerhin ist sie inzwischen durch die Nationalparks wenigsten zum Teil geschützt.

Wege zum Schachen

Auf den Schachen gelangt man nur zu Fuß in einer mehrstündigen Wanderung. Die kürzeste Route führt über den Schachen- bzw. Königsweg. Ursprünglich wurde der breite Weg für den Bau des Königshauses angelegt. Er startet am großen Wanderparkplatz bei Schloss Elmau. Wegen seiner moderaten Steigung ist der Königsweg bei Wanderern wie Mountainbikern gleichermaßen beliebt. Zu Fuß sind gute zwei Stunden dafür zu veranschlagen.
Ein wenig länger dauert der Aufstieg von Garmisch-Partenkirchen über den Kälbersteig. Er beginnt hinter der Partnachklamm und mündet einige Kilometer vor dem Schachen in den Königsweg.
Auch von Mittenwald aus kann man auf den Schachen wandern, entweder über den Bannholzweg oder den Schützensteig. Das dauert allerdings bis zu vier Stunden.

Literatur