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Der Zirbelkieferbestand am Schachen

Eine seltene Baumart im bayerischen Alpenraum

Der Schachen im Wettersteingebirge ist ein malerisches Fleckchen Erde und Standort eines der schönsten Vorkommen an Zirbelkiefern in Bayern. Da Zirben überwiegend in den Zentralalpen wachsen, sind die zerstreuten kleinen Populationen der Bayerischen Alpen besonders wertvoll.
Stand:

Standort und Verbreitung

Zirbelkiefern am Kämitor im Wettersteingebirge. Die jüngeren Bäume stehen weiter oben.

Die Zirbelkiefer, je nach Region auch Zirbe, Zirm oder Arve genannt, tritt in den Alpen ab 1500 bis zu einer Höhe von 2000 Metern auf. Sie ist also ein echter Hochgebirgs­baum. Große Zirbenwälder wachsen vor allem in den Zentral- und Südalpen.
Zirbelkiefern kommen mit den unwirtlichen Bedingungen im Bereich der Waldgrenze gut zurecht. Der zähe Baum erträgt Frost bis mindestens -40 °C, ebenso wie sommerliche Hitze und Trockenheit. Eine Vegetations­periode von gerade einmal drei Monaten reicht ihm im Notfall aus.
Im subalpinen Bereich wird organisches Material auf Grund der kalten Witterung nur langsam und unvollständig zersetzt. Für die Zirbensamen stellt das kein Problem dar. Sie keimen im Gegensatz zu den Samen der meisten anderen Bäume auch auf ungünstigem Rohhumus mit hohem Streuanteil.

Die beschriebenen Eigenschaften machen die Zirbelkiefer zu einem Pionierbaum, genau wie die Lärche, mit der sie oft in Gemeinschaft lebt. Derzeit wandern die beiden Baumarten weiter nach oben, weil der Klimawandel die Baumgrenze verschiebt. Wer genau hinsieht, wird feststellen, dass die Bäume, welche am höchsten stehen, die jüngsten sind. Die Ausbreitung in tiefere Regionen wird dagegen durch die viel schneller wachsenden Fichten und Tannen verhindert. Die optimale Anpassung an ein kaltes Klima und das daraus resultierende langsamere Wachstum erweisen sich dort als Standortnachteil.

Vorkommen in den Bayerischen Alpen

Zirbelkiefern und Latschen am Schachen.

In den Bayerischen Alpen wird die obere subalpine Zone ab 1700 Metern vor allem von Krummholz und Zwergsträuchern dominiert. Allenfalls an besonders geschützten Stellen wachsen noch einzelne Fichten.
Die Zirbelkiefer, obwohl für diese Zone eigentlich optimal angepasst, ist in Bayern eine äußerst rare Baumart und auf wenige Gebiete beschränkt. Geschlossene Zirbenwälder gibt es keine, nur vereinzelte, lockere Bestände. Das liegt daran, dass Zirbelkiefern sehr warme, strahlungs­intensive Sommer benötigt, wie sie in den Zentral- und Südalpen vorkommen. Die Nordalpen sind ihr zu feucht und wolkenreich. Ein paar Standorte scheinen ihr dennoch zu gefallen.
In den Allgäuer Alpen sieht man Zirbelkiefern beispielsweise auf dem Zirmgrat am Falkensteinkamm.
Im Wettersteingebirge existiert neben dem großen Bestand am Schachen noch ein kleinerer am Kämitor. Zwischen Kämitor und Zirbelkopf wachsen ebenfalls einzelne Bäume.
Im Nationalpark Berchtesgaden ist der älteste Baum eine 800 Jahre alte Zirbe im Klausbachtal. Neben dem Klausbachtal kommen sie in den Berchtesgadener Alpen außerdem auf der Hochebene der Reiter Alm sowie im Steinernen Meer vor.

Unterscheidung von der Waldkiefer

  • Von der viel häufigeren Waldkiefer lässt sich die Zirbelkiefer schon deshalb leicht unterscheiden, weil beide Arten normalerweise nicht am selben Standort vorkommen. Die Zirbelkiefer gedeiht gerade dort, wo es der Waldkiefer zu unwirtlich wird. Ihren Lebensraum teilt sie sich mit Lärchen, Latschen und Grünerlen.
  • Die graue Borke mit ihren feinen Schuppen ähnelt derjenigen der Latsche, unterscheidet sich aber deutlich von der grobschuppigen, rotbraunen Borke der Waldkiefer.
  • Typischerweise sind die Äste der Zirbelkiefer mit Bartflechten übersät. Das gibt ihnen ein recht urtümliches Aussehen.
  • Im Zweifelsfall schaut man sich die Nadelbüschel an. Bei der Zirbelkiefer besteht ein Büschel aus fünf Nadeln, bei allen anderen heimischen Kiefernarten aus zwei.

Symbiose mit dem Tannenhäher

Die Samen von Nadelbäumen sind die wichtigste Nahrungsquelle für den Tannenhäher. Foto: Joachim Kohler
Datenquelle: Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Tannenhäher und Zirbelkiefern verbindet eine besonders enge Symbiose. Der Tannenhäher ernährt sich nämlich gerne von Zirbensamen und sammelt sie auch für den Winter. Vom Hochsommer bis in den Spätherbst legt er emsig Winterverstecke an, angeblich etliche tausend. Mit einem Fettgehalt von bis zu 70 % sind die Kerne sehr kalorienreich, genau die richtige Nahrung für die harten Wintermonate. Seine überlebens­wichtigen Vorräte findet der Tannenhäher sogar noch unter einer hohen Schneedecke. Aber natürlich entgehen ihm auch zahlreiche Samen. Diese bilden die Basis der Waldverjüngung und sorgen gleichzeitig für eine großflächige Verbreitung.
Die Samen werden von den Vögeln an Plätze verfrachtet, wo sie sonst niemals hinfallen würden. Einige Bäume stehen im Bereich des Kämitors auf Absätzen und Bändern hoch oben in der Wettersteinwand. Das kann nur das Werk des Tannenhähers sein, der seiner Nahrungsquelle und sich selbst damit neue Lebensräume erschließt. Man vermutet, dass bis zur Hälfte aller Zirbelkiefern ihre Existenz dem Tannenhäher verdanken. Eine echte Win-win-Situation für Baum und Vogel also.

Warum Zirben auf Felsenblöcken wachsen

Auffällig viele Zirben am Schachen wachsen auf Felsblöcken und umklammern diese mit ihren Wurzeln. Das hängt mit zwei Faktoren zusammen.
Einerseits ist der Tannenhäher dafür verantwortlich, weil er die Zirbensamen bevorzugt in Ritzen und Spalten im Fels versteckt. Diese sind feucht und meistens mit Humus gefüllt, so dass vergessene Samen darin gut keimen können.
Der zweite Faktor ist die Almwirtschaft. Denn auf den Weideflächen haben die Keimlinge, die es dort selbstverständlich auch gibt, schlechte Karten. Früher oder später werden sie vom Vieh zertrampelt oder gefressen. So wird der von Natur aus eigentlich ungünstigere Standort auf den Felsblöcken durch die Beweidung zu einem vorteilhaften, weil die jungen Pflanzen so vor den Hufen geschützt sind.

Nutzung des Zirbenholzes

Das Königshaus am Schachen ist im Inneren mit Zirbenholz vertäfelt.

Zirbenholz besitzt zahlreiche positive Eigenschaften. Insbesondere eignet sich das weiche Holz gut für Schnitzarbeiten. Auf Grund seiner leichten Spaltbarkeit wurde es früher gerne für Dachschindeln verwendet. Die Zirbenschindeln hielten angeblich noch länger als die robusten Lärchenschindeln. Zum Teil errichtete man sogar ganze Almhütten aus Zirbenholz. Aus heutiger Sicht überraschend, wurde es allerdings nicht übermäßig wertgeschätzt und auch als Brennmaterial verfeuert, beispielsweise für die Sudpfannen in den Salinen.

Zirbenholz verströmt einen angenehmen Duft. Die ätherischen Öle sollen beruhigend und Schlaf fördernd wirken. Schädlinge mögen den Geruch dagegen nicht. Wegen des wohltuenden Dufts, vor allem aber wegen des schönen Aussehens wird Zirbenholz auch für Innen­vertäfelungen und Möbel genutzt. Eine Zirbenholzstube gilt als Inbegriff rustikaler Gemütlichkeit.
König Ludwig II. ließ sein Königshaus am Schachen innen größtenteils mit Zirbenholz vertäfeln. Der Bestand ringsum wurde dadurch vermutlich weiter ausgelichtet.

Von den einst riesigen Zirbenwäldern der Alpen blieb nicht mehr viel übrig, weil die Bäume praktisch nie nachgepflanzt wurden. Bis heute besitzt die Zirbelkiefer keine forstwirtschaftliche Bedeutung. Dafür wächst sie zu langsam. Immerhin ist sie inzwischen durch die Nationalparks wenigsten zum Teil geschützt.

Wege zum Schachen

Wer Zirben in den Bayerischen Alpen sehen möchte, wandert wie gesagt am besten auf den Schachen. Mit dem Königshaus und dem botanischen Alpengarten gibt es dort weitere Sehenswürdigkeiten. Einkehren kann man oben ebenfalls.
Die kürzeste Route führt über den breiten Schachenweg bzw. Königsweg, der im Zusammenhang mit dem Bau des Königshauses angelegt wurde. Er startet am großen Wanderparkplatz bei Schloss Elmau. Wegen seiner moderaten Steigung ist der Königsweg bei Wanderern wie Mountainbikern gleichermaßen beliebt. Zu Fuß sind gute zwei Stunden dafür zu veranschlagen.
Ein wenig länger ist die Strecke von Garmisch-Partenkirchen über den Kälbersteig. Der Kälbersteig beginnt hinter der Partnachklamm und mündet einige Kilometer vor dem Schachen in den Königsweg. Ebenfalls hinter der Partnachklamm beginnt der schöne, aber etwas anspruchsvollere Aufstieg vom Reintal über das Teufelsgsaß.
Auch von Mittenwald aus kann man auf den Schachen wandern, entweder über den Bannholzweg oder den Schützensteig. Das dauert allerdings bis zu vier Stunden.

Als Schachen wird ein einzeln stehendes Gehölz, ein Waldrest oder der Vorsaum eines Waldes bezeichnet. Das Wort kommt sehr vereinzelt in Flurnamen vor und ist ansonsten nur noch in der Forstsprache gebräuchlich. Mehr Info