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Zirbelkiefern am Schachen

Seltene Baumart der Bayerischen Alpen

Der Schachen im Wettersteingebirge ist ein malerisches Fleckchen Erde und Standort eines der schönsten Vorkommen an Zirbelkiefern in Bayern. Da Zirben über­wiegend in den Zentral­alpen wachsen, sind die zerstreuten kleinen Populationen der Bayerischen Alpen besonders wertvoll.
Stand:

Standort und Verbreitung

Zirbelkiefern am Kämitor im Wettersteingebirge. Die jüngeren Bäume stehen weiter oben.

Die Zirbelkiefer, je nach Region auch Zirbe, Zirm oder Arve genannt, tritt in den Alpen bevorzugt ab 1500 bis zu einer Höhe von 2000 Metern auf, in Extrem­fällen aber auch noch deutlich höher. Sie ist also ein echter Hoch­gebirgs­baum. Große Zirben­wälder wachsen vor allem in den Zentral- und Südalpen.
Zirbelkiefern kommen mit den unwirtlichen Bedingungen im Bereich der Waldgrenze gut zurecht. Die zähen Bäume ertragen Frost bis mindestens -40 °C, ebenso wie sommerliche Hitze und Trockenheit. Eine Vegetations­periode von gerade einmal drei Monaten reicht ihnen im Notfall aus. Ab einem Alter von etwa 40 Jahren tragen sie Zapfen.
Im subalpinen Bereich wird organisches Material auf Grund der kalten Witterung nur langsam und unvollständig zersetzt. Für die Zirbensamen stellt das kein Problem dar. Sie keimen im Gegensatz zu den Samen der meisten anderen Bäume auch auf ungünstigem Rohhumus mit hohem Streuanteil.

Die beschriebenen Eigenschaften machen die Zirbelkiefer zu einem Pionierbaum, genau wie die Lärche, mit der sie oft in Gemeinschaft lebt. Derzeit wandern die beiden Baumarten weiter nach oben, weil der Klimawandel die Baum­grenze verschiebt. Wer genau hinsieht, wird feststellen, dass die Bäume, welche am höchsten stehen, die jüngsten sind. Die Ausbreitung in tiefere Regionen wird dagegen durch die viel schneller wachsenden Fichten und Tannen verhindert. Die optimale Anpassung an ein kaltes Klima und das daraus resultierende langsamere Wachstum erweisen sich dort als Standortnachteil.

Vorkommen in den Bayerischen Alpen

Zirbelkiefern und Latschen am Schachen.

In den Bayerischen Alpen wird die obere subalpine Zone ab 1700 Metern vor allem von Krummholz und Zwerg­sträuchern dominiert. Allenfalls an besonders geschützten Stellen wachsen noch einzelne Fichten.
Die Zirbelkiefer, obwohl für diese Zone eigentlich optimal angepasst, ist in Bayern eine äußerst rare Baumart und auf wenige Gebiete beschränkt. Geschlossene Zirben­wälder gibt es keine, nur vereinzelte, lockere Bestände. Das liegt daran, dass Zirbelkiefern sehr warme Sommer mit einer intensiven Sonnenstrahlung benötigt, wie sie in den Zentral- und Südalpen vorkommen. Die Nord­alpen sind ihr zu feucht und wolkenreich. Ein paar Standorte scheinen ihr dennoch zu gefallen.
In den Allgäuer Alpen sieht man Zirbelkiefern beispielsweise auf dem Zirmgrat am Falkensteinkamm.
Im Wettersteingebirge existiert neben dem großen Bestand am Schachen noch ein kleinerer am Kämitor. Zwischen Kämitor und Zirbelkopf wachsen ebenfalls einzelne Bäume.
Im Nationalpark Berchtesgaden ist der älteste Baum eine 800 Jahre alte Zirbe im Klaus­bachtal. Neben dem Klausbachtal kommen sie in den Berchtesgadener Alpen außerdem auf der Hochebene der Reiter Alm sowie im Steinernen Meer vor.

Unterscheidung von der Waldkiefer

  • Von der viel häufigeren Waldkiefer lässt sich die Zirbelkiefer schon deshalb leicht unterscheiden, weil beide Arten normaler­weise nicht am selben Standort vorkommen. Die Zirbelkiefer gedeiht gerade dort, wo es der Waldkiefer zu unwirtlich wird. Ihren Lebensraum teilt sie sich mit Lärchen, Latschen und Grünerlen.
  • Die graue Borke mit ihren feinen Schuppen ähnelt derjenigen der Latsche, unterscheidet sich aber deutlich von der grob­schuppigen, rotbraunen Borke der Waldkiefer.
  • Typischerweise sind Stämme und Äste alter Zirbel­kiefern dicht mit Flechten bedeckt, hauptsächlich Laub- und Strauch­flechten, darunter die auffällig zitronengelbe, stark giftige Wolfsflechte. Der Flechten­bewuchs gibt ihnen ein recht urtümliches Aussehen.
  • Im Zweifelsfall schaut man sich die Nadel­büschel an. Bei der Zirbelkiefer besteht ein Büschel aus fünf Nadeln, bei allen anderen heimischen Kiefernarten aus zwei.

Symbiose mit dem Tannenhäher

Die Samen von Nadelbäumen sind die wichtigste Nahrungsquelle für den Tannenhäher. Foto: Joachim Kohler
Datenquelle: Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Tannenhäher und Zirbelkiefern verbindet eine besonders enge Symbiose. Der Tannen­häher ernährt sich nämlich gerne von Zirben­samen und sammelt sie auch für den Winter. Vom Hochsommer bis in den Spätherbst legt er emsig Winterverstecke an, angeblich etliche tausend. Mit einem Fettgehalt von bis zu 70 Prozent sind die Kerne sehr kalorien­reich, genau die richtige Nahrung für die harten Wintermonate. Seine überlebens­wichtigen Vorräte findet der Tannenhäher sogar noch unter einer hohen Schnee­decke. Aber es entgehen ihm auch geschätzt 20 Prozent der Samen. Diese bilden die Basis für die Wald­verjüngung und die weitere Verbreitung.
Die Samen werden von den Vögeln an Plätze verfrachtet, wo sie sonst niemals hinfallen würden. Einige Bäume stehen im Bereich des Kämitors auf Absätzen und Bändern hoch oben in der Wetterstein­wand. Das kann nur das Werk des Tannenhähers sein, der damit seiner Nahrungsquelle und sich selbst im Zuge des Klima­wandels neue Lebensräume erschließt. Man vermutet, dass bis zur Hälfte aller Zirbelkiefern ihre Existenz dem Tannen­häher verdanken. Eine echte Win-win-Situation für Baum und Vogel also.

Warum Zirben auf Felsenblöcken wachsen

Auffällig viele Zirben am Schachen wachsen auf Felsblöcken und umklammern diese mit ihren Wurzeln. Das hängt mit zwei Faktoren zusammen.
Einerseits ist der Tannenhäher dafür verantwortlich, weil er die Zirben­samen bevorzugt in Ritzen und Spalten im Fels versteckt. Diese sind feucht und meistens mit Humus gefüllt, so dass vergessene Samen darin gut keimen können.
Der zweite Faktor ist die Almwirtschaft. Denn auf den Weideflächen haben die Keimlinge, die es dort selbst­verständlich auch gibt, schlechte Karten. Früher oder später werden sie vom Vieh zertrampelt oder gefressen. So wird der von Natur aus eigentlich ungünstigere Standort auf den Felsblöcken durch die Beweidung zu einem vorteilhaften, weil die jungen Pflanzen so vor den Hufen geschützt sind.

Nutzung des Zirbenholzes

Das Königshaus am Schachen ist im Inneren mit Zirbenholz vertäfelt.

Zirbenholz besitzt zahlreiche positive Eigenschaften. Insbesondere eignet sich das weiche Holz gut für Schnitz­arbeiten. Auf Grund seiner leichten Spaltbarkeit wurde es früher gerne für Dach­schindeln verwendet. Die Zirben­schindeln hielten angeblich noch länger als die robusten Lärchen­schindeln. Zum Teil errichtete man sogar ganze Alm­hütten aus Zirben­holz. Aus heutiger Sicht über­raschend, wurde es allerdings nicht über­mäßig wert­geschätzt und auch als Brenn­material verfeuert, beispiels­weise für die Sudpfannen in den Salinen.

Zirbenholz verströmt einen angenehmen Duft. Die ätherischen Öle sollen beruhigend und Schlaf fördernd wirken. Schädlinge mögen den Geruch dagegen nicht. Wegen des wohltuenden Dufts, vor allem aber wegen des schönen Aussehens wird Zirbenholz auch für Innen­vertäfelungen und Möbel genutzt. Eine Zirbenholzstube gilt als Inbegriff rustikaler Gemütlichkeit.
König Ludwig II. ließ sein Königshaus am Schachen innen größten­teils mit Zirbenholz vertäfeln. Der Bestand ringsum wurde dadurch vermutlich weiter ausgelichtet.

Von den einst riesigen Zirbenwäldern der Alpen blieb nicht mehr viel übrig, weil die Bäume praktisch nie nachgepflanzt wurden. Bis heute besitzt die Zirbelkiefer keine forst­wirtschaftliche Bedeutung. Dafür wächst sie zu langsam. Immerhin ist sie inzwischen durch die National­parks wenigsten zum Teil geschützt.

Wege zum Schachen

Wer Zirben in den Bayerischen Alpen sehen möchte, wandert wie gesagt am besten auf den Schachen. Mit dem Königshaus und dem botanischen Alpengarten gibt es dort weitere Sehenswürdigkeiten. Einkehren kann man oben ebenfalls.
Die kürzeste Route führt über den breiten Schachenweg bzw. Königs­weg, der zusammen mit dem Bau des Königshauses angelegt wurde. Er startet am großen Wander­parkplatz bei Schloss Elmau. Wegen seiner moderaten Steigung ist der Königsweg bei Wanderern wie Mountain­bikern gleicher­maßen beliebt. Zu Fuß sind gute zwei Stunden dafür zu veranschlagen.
Ein wenig länger ist die Strecke von Garmisch-Partenkirchen über den Kälber­steig. Der Kälbersteig beginnt hinter der Partnach­klamm und mündet einige Kilometer vor dem Schachen in den Königs­weg. Ebenfalls hinter der Partnach­klamm beginnt der schöne, aber etwas anspruchs­vollere Aufstieg vom Reintal über das Teufelsgsaß.
Auch von Mittenwald aus kann man auf den Schachen wandern, entweder über den Bannholzweg oder den Schützensteig. Das dauert allerdings bis zu vier Stunden.

Als Schachen wird ein einzeln stehendes Gehölz, ein Waldrest oder der Vorsaum eines Waldes bezeichnet. Das Wort kommt sehr vereinzelt in Flurnamen vor und ist ansonsten nur noch in der Forstsprache gebräuchlich. Mehr Info