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Wildsträucher der Nordalpen im Frühling

Bestimmung anhand von Blüten und Blättern

(aktualisiert am )

Wenn sich im Frühling die Wildsträucher der Alpen in ihrer farbenfrohen Blütenpracht präsentieren, möchte man natürlich gerne wissen, wie sie alle heißen. Die Bestimmung der Sträucher fällt im Vergleich zu den Bäumen allerdings oft schwerer. Im Folgenden sollen deshalb einige der häufigsten Arten behandelt werden, denen man in den nördlichen Alpen begegnet.

  1. Wolliger Schneeball (Viburnum lantana)
  2. Roter Holunder (Sambucus racemosa)
  3. Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum)
  4. Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus)
  5. Gemeine Felsenbirne (Amelanchier ovalis)
  6. Gewöhnliche Berberitze (Berberis vulgaris)
  7. Alpen-Waldrebe (Clematis alpina)
  8. Nützliche Links
  9. Literatur

Wolliger Schneeball (Viburnum lantana)

Der Wollige Schneeball liebt sonnige Standorte auf Lichtungen und an Waldrändern.
Der Wollige Schneeball ist ein kleiner, bestenfalls mannshoher Strauch. Seine weißen Rispenblüten können leicht mit denjenigen des Schwarzen Holunders verwechselt werden. Anhand der Blätter lässt sich der Wollige Schneeball aber eindeutig identifizieren. Die gegenständig angeordneten Blätter sind eiförmigen und fein gezähnten. Ihre filzige Unterseite fühlt sich tatsächlich wollig an. Aber Vorsicht, der Kontakt kann zu Hautirritationen führen. Auch vom Verzehr der ungenießbaren Beeren sollte man Abstand nehmen. Sie verursachen Übelkeit und Durchfall.
Spätestens Anfang April treibt der Wollige Schneeball in den Tallagen aus. Ab Mai steht er dann in voller Blüte. In den Alpen ist er bis zu einer Höhe von 1500 Metern häufig anzutreffen. In Ausnahmefällen steigt er sogar auf fast 2000 Meter empor.

Roter Holunder (Sambucus racemosa)

Gleich nach dem Austreiben sind die fünffiedrigen Blätter des Roten Holunders noch kupferfarben.
Der Rote Holunder wird selten mehr als drei bis vier Meter hoch. Vom größeren Schwarzen Holunder unterscheidet er sich deutlich. Seine Blüten sind gelblich und bilden kegelförmige Rispenbüschel. Die jungen Blätter besitzen einen auffälligen kupferfarbenen Ton und färben sich erst mit der Zeit grün. Alle Pflanzenteile des Roten Holunders sind leicht giftig, also auch die Blüten, welche im Gegensatz zum Schwarzen Holunder nicht verwendet werden sollten.
Wie der Wolligen Schneeball wächst auch der Rote Holunder in den Alpen vom Tal bis über die Waldgrenze hinaus. So kann man die Pflanze beim Bergwandern in verschiedenen Stadien sehen. Am Berg oben treibt der Holunder vielleicht gerade erst aus, während er im Tal schon am Verblühen ist.

Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum)

Von den verschiedenen Heckenkirschen­arten kommt die Rote bei Weitem am häufigsten vor.
Die Rote, die Blaue und die Schwarze Heckenkirsche erhielten ihre Namen auf Grund der Farbe ihrer Früchte. Tragen sie keine Früchte, lassen sie sich nur schwer auseinander­halten. Alle drei blühen mehr oder weniger weiß. Ihre eher unscheinbaren Blüten wachsen paarweise. Bezüglich ihrer Wuchshöhe von maximal zwei bis drei Meter unterscheiden sie sich ebenfalls kaum voneinander.
Am ehesten lässt sich die Rote Heckenkirsche anhand ihrer beidseitig weich behaarten, sattgrünen Laubblätter bestimmen. Im Gegensatz zu den anderen Arten sind ihre Blätter auch weniger länglich. Die jungen Triebe der Roten Heckenkirsche besitzen eine schöne rotbraune Farbe, diejenigen der Schwarzen Heckenkirsche allerdings ebenfalls.
Bis zu einer Höhe von 1000 Metern ist die Rote Heckenkirsche in den Alpen recht häufig anzutreffen – in den Allgäuer Alpen vereinzelt auch noch etwas höher. Die anderen beiden Arten treten nur zerstreut auf.

Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus)

Die Taubenkirsche bezaubert im Frühjahr mit ihrer üppigen Blütenpracht.
Von April bis in den Juni hinein fällt die Gewöhnliche Traubenkirsche mit ihrer verschwenderischen Blütenpracht und einem kräftigen Duft auf. Bei genauer Betrachtung sind die Blütenbüschel in Trauben angeordnet. Die kugelrunden Blütenknospen öffnen sich nacheinander.
Traubenkirschen bevorzugen Flussauen sowie feuchte Laubwälder. In den nördlichen Alpen steigen sie zwar bis auf 1500 Meter empor, hauptsächlich wachsen sie jedoch an den Fließgewässern in den Tälern. Als Strauchform erreicht die Traubenkirsche eine Wuchshöhe von bis zu zehn Metern. Als Baum kann sie auch noch höher werden. Die für Kirschbäume typische Ringelborke besitzt die Traubenkirsche übrigens nicht. Ihre Rinde ist glatt. Beim Verzehr der Früchte dürfen die giftigen Kerne nicht zerbissen oder geschluckt werden.

Gemeine Felsenbirne (Amelanchier ovalis)

Zart und filigran wirken die Blüten der Gemeinen Felsenbirne.
Die Felsenbirne liebt sonnige, trockene Felshänge aus Kalkgestein. Eine Felsspalte mit etwas Rohhumus reicht ihr aus, um Wurzeln zu schlagen. Sie kann bis über die Waldgrenze emporsteigen. Damit ist die Felsenbirne eine wichtige alpine Pionierpflanze.
An günstigen Standorten blüht sie bereits ab April. Ihre zarten, weißen Blüten erscheinen dabei noch vor den Laubblättern. Letztere sind gesägt und an der Unterseite behaart.
Der reich verzweigte Strauch der Felsenbirne hat keinerlei Ähnlichkeit mit der Kulturbirne, gehört aber wie diese zu den Kernobstgewächsen. Ihre kleinen, dunkelroten Früchte schmecken gut.

Gewöhnliche Berberitze (Berberis vulgaris)

Die Blüten der Berberitze hängen in dichten traubenartigen Büscheln herab.
Die Gewöhnliche Berberitze blüht von Mai bis Juni. Mit ihren leuchtend gelben Blütenbüscheln fällt sie schon von Weitem auf und kann daran auch problemlos erkannt werden. Ein weiteres charakteristisches Merkmal sind ihre langen Dornen, die sich aus den kleinen, gezähnten Blättern entwickeln.
Die Berberitze tritt zerstreut auf Almweiden, Lichtungen und bis weit über die Baumgrenze auf. Sie bevorzugt kalkhaltige Böden, kommt gut mit Trockenheit zurecht und scheut auch exponierte, alpine Standorte nicht.

Alpen-Waldrebe (Clematis alpina)

Die Alpen-Waldrebe mag sonnige Standorte am Waldrand.
Die Klematis kennt man ja hauptsächlich aus Gärten. In den Bergwäldern der Alpen würde man diese Kletterpflanze erst einmal nicht vermuten.
Die alpine Art der Klematis heißt auf Deutsch Alpen-Waldrebe. Sie wächst aber nicht nur in den Alpen, sondern auch in anderen Gebirgen Mitteleuropas. Dabei kommt sie überwiegend auf kalkhaltigem Untergrund vor. Wie alle Klematisarten benötigt sie Bäume, Sträucher oder Felsen als Halt, um an ihnen hinaufzuklettern. Bis zu vier Meter können ihre verholzten Lianenstränge lang werden.
Die augenfälligen blauvioletten Blüten der Alpen-Waldrebe bilden schöne Farbtupfer im Grün des Waldes. Sie begleiten uns vom Mai bis in den Hochsommer hinein.

Nützliche Links

Literatur

  • Michael F. Schneider
    Naturgeschichte Allgäu: Geologie, Biogeografie, Flora, Fauna, Naturschutz
  • Rita Lüder
    Bäume bestimmen: Knospen, Blüten, Blätter, Früchte