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Wie eine Klamm entsteht

Von hängenden Tälern und wandernden Wasserfällen

Wenn ein Fließgewässer eine Barriere aus hartem Festgestein überwinden muss, führt das oft zur Entstehung einer Klamm. Voraussetzung ist ein starkes Gefälle und ein zumindest zeitweise hoher Wasserdurchfluss. In den Alpen entstanden die Klammen überwiegend nacheis­zeitlich durch die gewaltigen Erosionskräfte der Schmelz­wasser­massen.
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Talformen der Alpen

Kerbtal, Trogtal, Schlucht und Klamm sind die häufigsten Talformen in den Alpen.

Bevor wir den Prozess der Klamm­bildung im Detail betrachten, erst ein kleiner Überblick zu den wichtigsten Talformen in den Bergen.

Was ist überhaupt eine Klamm?

Eine Klamm bezeichnet in der Geomorphologie eine besonders enge Schlucht mit meist nur wenigen Metern Breite und manchmal bis über hundert Meter hohen senkrechten oder sogar überhängenden Wänden. Klammen stellen damit die extremste aller Talformen dar. In ihnen findet praktisch ausschließlich Tiefenerosion statt. Die vom Wasser glatt geschliffenen Seitenwände bestehen aus sehr festem Fels und sind dadurch erosionsresistent, so dass sie über Jahrtausende nahezu unverändert erhalten bleiben, während sich die Klamm immer weiter vertieft. Manchmal sieht man hoch oben noch die runden Formen ehemaliger Strudeltöpfe, die vor Jahrtausenden entstanden.

Worin unterscheidet sich eine Schlucht von einer Klamm?

Bei einer Schlucht handelt es sich um ein enges Tal mit steilen Hängen. Im Gegensatz zur Klamm ist eine Schlucht etwas breiter und verfügt nicht über senkrechte Wände.
In Schluchten dominiert die Tiefenerosion, doch es wird im Gegensatz zu den Klammen auch an den Seiten in gewissem Umfang Material abgetragen.
Dadurch werden Schluchten nach oben hin zunehmend breiter. Außerdem sind ihre Steilwände kantig und zerklüftet, weil fortlaufend etwas abbröckelt. Vom Wasser glatt geschliffene Felsen wie in den Klammen existieren in den Schluchtwänden kaum.

Wie entsteht ein Kerbtal?

Wenn sich Tiefen- und Seitenerosion in etwa die Waage halten, dann führt das zu einem v-förmigen Kerbtal. Bedingung dafür sind eher weiche, lockere Gesteine und ein Bach oder Fluss, der genügend Kraft hat, das Geröll abzutransportieren. Im Lauf der Zeit werden die Hänge von Kerbtälern immer flacher.

Wie kommt es zur Bildung eines Trogtals?

Viele Alpentäler waren ursprünglich von Fließgewässern geschaffene Kerbtäler. Erst durch die großen Gletscher der Kaltzeiten wurden sie breit ausgeräumt und zu u-förmigen Trogtälern überformt. Trogtäler, wie beispielsweise das Inntal, besitzen einen breiten, flachen Talgrund und im unteren Bereich oft sehr steile Seitenhänge, die bis zu den so genannten Trogschultern reichen. Über diesen Höckern an der Trogoberkante flacht das Gelände auf beiden Talseiten ab. Die Ursache für dieses Profil ist die stärkere Erosionskraft der Gletscherzunge im Zentrum als an den Rändern.
Solange der Gletscher ein Tal füllt, kann an den Flanken kein Material von oben nachrutschen. Zieht sich der Gletscher aber zurück, hinterlässt er oftmals instabile Talwände. Durch Felsstürze und Rutschungen können sich Trogtäler über einen sehr langen Zeitraum wieder in Kerbtäler zurückverwandeln.

Gletscher als Wegbereiter

Gletscher modellieren die Täler in einer Art und Weise, welche die Entstehung von Klammen begünstigte. Während der Würm-Kaltzeit tieften die mächtigen Gletscher der Haupttäler diese stärker ein als die kleineren Gletscher die Seitentäler. Dadurch hängen die Seitentäler häufig über den Haupttälern, statt fließend in diese überzugehen. Wer in den Bergen wandert, kennt das. Oft muss man einen steilen Anstieg überwinden, um vom Haupttal in den flachen Talgrund eines Seitentals zu gelangen.

Mit dem Rückzug der Gletscher am Ende der Würm-Kaltzeit vor 12 000 Jahren entstanden an den Geländestufen zwischen Neben- und Haupttälern zunächst gewaltige Wasserfälle. Die abschmelzenden Gletschern sorgten für einen hohen Durchfluss. Bäche und Flüsse führten damals also deutlich mehr Wasser als heute und besaßen dementsprechend eine höhere Erosionskraft. So entstanden die meisten Klammen innerhalb relativ kurzer Zeit während der großen Gletscherschmelze nach der Würm-Kaltzeit.

Das richtige Gestein

Wettersteinkalk in der Leutaschklamm bei Mittenwald.

Klammen bilden sich ausschließlich in hartem Festgestein, das dem Wasser eine hohe Widerstandskraft entgegensetzt. Je härter der Fels, umso enger wird die Klamm.

Doch nicht nur die Gesteinsart, sondern auch ihre Ausbildung spielt eine Rolle. Am stabilsten sind ungebankte, massige Riffkalke. Sie bieten der Erosion kaum Angriffsflächen.
Gebankte oder plattige Gesteine weisen dagegen wegen der Fugen automatisch Schwachstellen auf. Dringt dort Wasser ein und gefriert, dann werden früher oder später Teile abgesprengt. Liegen die Schichten schräg, neigen sie außerdem zu Rutschungen. Wenn von oben ständig etwas abbröckelt oder nachrutscht, können sich keine senkrechten Wände ausbilden.

Das mit am weitesten verbreitete Gestein der Nördlichen Kalkalpen ist der Hauptdolomit. Trotz seiner spröden und brüchigen Eigenschaften gibt es im Hauptdolomit zahlreiche Klammen, wie beispielsweise die Gießenbachklamm bei Kiefersfelden oder die Gleirschklamm bei Scharnitz im Karwendel. Während erstere tatsächlich eine richtige Klamm ist, müsste die Gleirschklamm streng genommen eher als Schlucht bezeichnet werden.

Wegen seiner hohen Festigkeit ist der Wettersteinkalk besonders gut für die Bildung von Klammen geeignet. Die Leutaschklamm und die Höllentalkamm bestehen komplett aus diesem Gestein. Beide befinden sich im Wettersteingebirge. Der Wettersteinkalk tritt aber auch in anderen Gebirgsgruppen auf. Die kleine Lechklamm bei Füssen grub sich ebenfalls durch den Wettersteinkalk.

Mit der Partnachklamm gibt es bei Garmisch-Partenkirchen im Wettersteingebirge eines der beliebtesten Ausflugsziele der Ostalpen. Die Partnach durchschneidet dort auf einer Länge von 700 Metern einen Riegel aus hartem Alpinem Muschelkalk, einer Gesteins­formation, die noch in manch anderer Klamm auftritt.

Weitere typische Gesteinsarten, die in Klammen zu Tage treten, sind der Schrattenkalk aus der Kreide und der Nummulitenkalk aus dem Tertiär. Häufig sind in einer Klamm auch mehrere unterschiedliche Gesteine vorhanden.

Rückschreitende Erosion

Dieser Wasserfall im Hölltobel bei Oberstdorf schneidet sich auf Grund der rückschreitenden Erosion durch den Fels.

Die Entstehung einer Klamm oder Schlucht beginnt immer mit einem oder mehreren Wasserfällen. Durch die so genannte rückschreitende Erosion wandern die Wasserfälle flussaufwärts. Je nach Festigkeit des Gesteins hinterlassen sie dabei eine enge Klamm oder eine breite Schlucht. Wassermenge und Fließ­geschwindigkeit entscheiden darüber, wie schnell das vonstattengeht.Im Detail läuft der Prozess der rück­schreitenden Erosion folgender­maßen ab:Am Grund eines Wasserfalls bildet sich durch die Wucht des Aufpralls ein Wirbel. Dieser Wirbel schleudert Sand, Kies und Geröll gegen die rückseitige Felswand, so dass diese mit der Zeit unterhöhlt wird. Deshalb kann man hinter manchen Wasserfällen hindurchlaufen, wenn nicht gerade Schneeschmelze herrscht oder ein Starkregen niedergeht. Irgendwann ist die Unterhöhlung so weit fortgeschritten, dass der überhängende Teil des Felsens abbricht. Damit wandert der Wasserfall ein kleines Stück zurück und der Prozess beginnt wieder von vorne.