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Mit Zug, Bahn und Bus zum Wandern in die Berge

Tourentipps vom Allgäu über den Chiemgau bis Berchtesgaden

Bequem und umweltschonend mit Zug, Bahn und Bus zum Wandern in die Bayerischen Alpen fahren, ohne auf etwas verzichten zu müssen. Viele denken, das geht nicht. Doch tatsächlich gibt es Hunderte schöner Touren, die sich für eine Anreise mit den Öffentlichen eignen – vom Allgäu über das Werdenfelser Land und den Chiemgau bis in die Berchtes­gadener Alpen.
Stand:

Bayerische Oberlandbahn bei Geitau mit dem Wendelstein.

Alle wichtigen Wandergebiete der Bayerischen und der angrenzenden Tiroler Alpen, insbesondere die Münchner Hausberge, sind überwiegend gut bis sehr gut mit den öffentlichen Verkehrs­mitteln erreichbar. Für viele Touren stellen die Öffis sogar die bessere Wahl dar, bei Über­schreitungen oft die einzig mögliche. An einigen Stellen freilich stoßen die Öffis an ihre Grenzen. Details dazu weiter unten bei den Ausführungen zu den einzelnen Gebieten.
Fast alle Bahnhöfe und Haltepunkte werden stündlich bedient. Die meisten Regional­busse fahren ebenfalls jede Stunde. Mit ein bisschen Planung lässt sich so die Natur durch eine autofreie Anreise schonen. Angesichts hoher Benzinpreise und oftmals teurer Parkgebühren kann das obendrein auch noch günstiger sein.Übrigens können sämtliche Wandervorschläge auf diesem Blog problemlos mit Zug, Bahn und Bus gemacht werden. Ich selbst habe sie ausnahmslos ohne Auto unternommen!

Allgäu und Allgäuer Alpen

Panorama beim Aufstieg aus der Spielmannsau zum Großen Krottenkopf, einer Bergtour, die nur per Bus durchführbar ist.

Das südliche Allgäu ist von München bzw. Augsburg aus über die Lindauer Strecke sowie durch mehrere Nebenlinien, etwa nach Oberstdorf und Füssen, gut erschlossen.

Oberstdorf und Umgebung

Für Wanderungen in den Allgäuer Alpen liegt Oberstdorf ausgesprochen günstig. Per Bahn ist der Ort von Immenstadt aus erreichbar. Seine touristische Infrastruktur hat Oberstdorf ganz auf eine autofreie Mobilität ausgelegt, insbesondere mit einem sehr dichten Busnetz bis hinein in alle Täler. Manche Täler sind für den Autoverkehr sogar komplett gesperrt und werden von Bergsteigerlinien bedient.
Somit eröffnen sich hervorragende Möglichkeiten zum Wandern mit Bahn und Bus im Raum Oberstdorf und den Allgäuer Hochalpen.

Füssener Land

Füssen befindet sich im Schnittpunkt zwischen dem Allgäu, dem Ammergau und dem Tal Zwischentoren im Außerfern – zum Wandern und Bergsteigen eine wunderbare Region, die sowohl einfache als auch anspruchsvolle Touren bereithält. Die Zug­anbindungen mit den darauf abgestimmten lokalen Bus­anschlüssen ermöglichen vielseitige Touren in den Füssener Bergen. Wegen des manchmal großen Ansturms an internationalen Touristen muss man mit vollen Zügen und Bussen rechnen.

Ammergauer Alpen

Von der Außerfernbahn aus kann man auf den Daniel wandern, den höchsten Gipfel des Ammergebirges.

Die Ammergauer Alpen sind ringsum von den zahl­reichen Bahnhöfen der Werdenfelsbahn aus sehr gut erreichbar. Die Bahn verkehrt durch das Loisachtal über Garmisch-Partenkirchen und Ehrwald bis Reutte in Tirol. Außerdem existieren zwei Nebenstrecken nach Ober­ammergau und Füssen. Eher schlecht gelangt man aber in die Kernbereiche. Immerhin fährt bis Linderhof im Graswangtal ein Bus.
Insgesamt gibt es sehr viele schöne Wanderungen mit den Öffentlichen im Ammergebirge. Ideale Ausgangspunkte sind neben Unterammergau und Oberammergau vor allem die Orte entlang der Loisach sowie diejenigen an der Außerfernbahn.

Werdenfelser Land und Kocheler Berge

Zum Werdenfelser Land zählt das Gebiet um die Orte Garmisch-Partenkirchen, Grainau, Wallgau und Mittenwald. Es umfasst Teile der Ammergauer Alpen, das gesamte Wettersteingebirge, die Westflanke des Karwendels und die Kocheler Berge mit dem Estergebirge.
Mit der Werdenfelsbahn kommt man fast überall hin. Besonders praktisch ist auch die Buslinie zwischen Kochel am See, Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen.
Beim Wandern und Bergsteigen im Werdenfelser Land kann das Auto also getrost in der Garage bleiben.

Für die Strecken der Werdenfelsbahn kauft man am besten das Regio-Ticket Werdenfels. Es ist etwas günstiger als das Bayern-Ticket und gilt außerdem werktags bereits vor 9 Uhr. Einige Buslinien sind inklusive.

Wandertipps für Bahn und Bus zu den einzelnen Teil­gebieten des Werdenfelser Landes und der Kocheler Berge:

Isarwinkel, Tegernsee und Schliersee

Mit Bahn und Bus stille Ecken in den Tegernseern entdecken, wie den Riederecksee.

Das bayerische Oberland mit dem Isarwinkel, dem Tegernsee und dem Schliersee wird von den drei Teilstrecken der Bayerische Regiobahn versorgt, die viele noch unter ihrem alten Namen als Bayerische Oberlandbahn kennen. Sie fährt von München bzw. Rosenheim über Holzkirchen. Aufpassen, die Triebwagen werden unterwegs getrennt, aber egal wo man landet, es ist ja überall schön. Das regionale Busnetz wurde bestmöglich auf die Bahn abgestimmt und reicht fast bis in den letzten Winkel. Weil die drei Täler nur knappe Tages­etappen auseinander­liegen, bieten sich Überschreitungen geradezu an.

Je nachdem von wo man anreist, kommt eventuell das etwas günstigere Oberland-Ticket an Stelle des Bayern-Tickets in Frage. Beide gelten montags bis freitags erst ab 9 Uhr. Beim Oberland-Ticket sind Busfahrten nicht mit dabei.

Isarwinkel

Was die Wanderrouten im Isarwinkel betrifft, fällt die Bilanz für Bahnreisende eher gemischt aus. Der Zug endet in Lenggries. Zur Brauneckbahn fahren die Busse noch häufig, was ideal ist zum Wandern am Brauneck oder für eine Tour auf die Benediktenwand. Das malerische Tal der Jachenau wird dagegen nur sporadisch bedient. Ins Karwendel gelangt man im Sommerhalbjahr mit dem Bergsteigerbus, der auch die einzige Verbindung entlang der Oberen Isar darstellt. Der Bergsteigerbus absolviert lediglich wenige Fahrten am Tag.

Tegernseer Berge

Die Busanschlüsse vom Bahnhof Tegernsee sind deutlich besser als diejenigen von Lenggries. Allerdings stecken die Busse genau wie die Autos oft im Stau fest. Eine Linie umrundet den Tegernsee, ein anderer Bus pendelt durch das Tegernseer Tal nach Wildbad Kreuth, teils sogar noch weiter. Zur Wallbergbahn gibt es ebenfalls einen. Wanderungen per Bahn und Bus in den Tegernseer Bergen lassen sich daher meist problemlos realisieren.

Schlierseer Berge

Die Züge zum Schliersee und weiter durch das Leitzachtal nach Bayrischzell erschließen gleich mehrere Wander­gebiete in den Schlierseer Bergen, zu denen auch das Spitzing­gebiet mit Spitzingsee und Rotwand gehört sowie die Berge rings um Bayrischzell mit dem Wendelstein und dem weniger bekannten Seeberg.

Inntal bis Kufstein

Spektakuläre Auffahrt mit der Wendelstein-Zahnradbahn.

Die Inntalbahn nach Kufstein bringt die Bergsteiger seit 1858 von Rosenheim ins Gebirge. Auf der Westseite des Inntals liegen das Wendelsteingebiet und die Branden­berger Alpen, auf der anderen die Chiemgauer Alpen und das Kaisergebirge. Weil die Strecke westlich des Inns verläuft, sind die Berge dort leichter zu erreichen. Von Kufstein aus kommt man gut ins Kaisergebirge sowie in die Brandenberger Alpen.

Wendelsteingebiet

Zum Wendelsteingebiet gehören neben der Gruppe um den Hauptgipfel unter anderem auch das Riesenkopfgebiet und das Brünnsteingebiet. Loswandern kann man direkt an den Bahnhöfen Brannenburg, Flintsbach und Oberaudorf, hat dabei jedoch einen längeren Anmarsch, als wenn man mit dem Auto bis hinauf zu den Wander­parkplätzen fährt. Im Sommer­halbjahr verkehrt mehrmals täglich die Wendelstein-Ringlinie, welche die Wanderer zu den besten Ausgangspunkten bringt.

Kufstein am Kaisergebirge

Bei Kufstein zeigen die Alpen alle ihre Facetten, von malerischen Bergseen über romantische Schluchten und Bergtäler bis hin zu den schroffen Felsgipfeln des Kaisergebirges. Einige sehr schöne Touren im Kaiserreich können sogar vom Stadtzentrum aus unternommen werden. Lohnend ist insbesondere das Kaisertal.

Chiemgau und Chiemgauer Alpen

Durch den südlichen Chiemgau verkehren die Züge zwischen Rosenheim und Salzburg. Zwei Neben­strecken zweigen in die Chiemgauer Alpen ab. An den Endstationen schließen sich Busse an, die bis tief in die Täler hinein fahren. Die Orte um den Chiemsee werden von der Chiemseeringlinie abgedeckt.
Somit bietet der Chiemgau zum Wandern per Bahn und Bus insgesamt betrachtet eine hervorragende Infrastruktur.

Falls man keinen Bus nutzen möchte, empfiehlt sich für die Fahrten mit der Bayerischen Regiobahn das so genannte Guten Tag Ticket. Wie auch andere Fahrkarten dieser Art gilt es montags bis freitags erst ab 9 Uhr.

Aschau und Priental

Aschau ist vor allem als Talort der Kampenwand bekannt. Mit der Chiemgaubahn geht es von Prien am Chiemsee bis Aschau. Durch das Priental gondelt dann ein Bus Richtung Sachrang. Viele Wanderungen bei Aschau beginnen gleich direkt am Bahnhof.

Achental

Östlich des Prientals verläuft das Achental. Regelmäßig verkehren Busse nach Marquartstein am Hochgern und nach Schleching am Geigelstein, zwei beliebte Chiemgauer Wanderberge. Für das Kampenwandgebiet startet man bei einer Anreise mit den Öffentlichen allerdings besser im Priental.

Ruhpoldinger Berge

Ins nächste Tal nach Ruhpolding existiert wieder eine Bahnstrecke. Sie beginnt in Traunstein. Mit den Bus­anschlüssen von Ruhpolding nach Inzell und Reit im Winkl sieht es dagegen nicht so gut aus. Selbst zum Rauschberg gibt es nur einen Kleinbus.

Bad Reichenhall und Berchtesgadener Land

Direkt vom Zug in die Wildnis am Fuderheuberg bei Bad Reichenhall.

Für die Nebenbahn von Freilassing über Bad Reichenhall nach Berchtesgaden braucht man ein wenig Geduld, denn wegen der kurvigen Strecke müssen die Züge langsam fahren. Zu den Haupt­attraktionen der Gegend gehört der Königssee, zu dem regelmäßig Busse pendel. Wenn man aus dem Raum München oder Rosenheim kommt, ist das für einen Tages­ausflug aber schon recht weit.

Reichenhaller Berge

Bad Reichenhall liegt zwischen den Chiemgauer Alpen und den Berchtesgadener Alpen. Von den Haltepunkten der Bahnstrecke aus kann man direkt zum Wandern in die Reichenhaller Berge starten, insbesondere ins Staufenmassiv und ins Lattengebirge. Zu dem nahen Chiemgauer Ort Inzell gibt es Bus­verbindungen, was interessante Optionen für Überschreitungen oder einer Talwanderung durch die Weißbachschlucht eröffnet.

Berchtesgadener Alpen

Berchtesgaden und das Bergsteiger­dorf Ramsau tun viel, um einen Anreiz zu schaffen, damit die Besucher auf den Regional­verkehr umsteigen. Mit dem einzigen deutschen Alpen-Nationalpark hat die Gegend eine enorme Anziehungs­kraft und soll nicht im Verkehr ersticken. Interessant ist beispiels­weise der Almerlebnisbus. Mit dem Auto kommt man da nämlich gar nicht erst hin. Gleiches gilt für die Auffahrt zum Kehlsteinhaus. Insofern sind die wunderschönen Berchtesgadener Alpen ideal, es einmal ohne Auto zu versuchen.

Ideen für Überschreitungen

Einfach von einem Tal hinüber ins nächste wandern, Gipfel sammeln oder sich spontan umentscheiden, der bayerische Regionalverkehr macht es möglich. Die meisten Täler der Bayerischen Alpen verlaufen in Nord-Süd-Richtung, getrennt von schmalen Gebirgs­zügen, die sich an einem Tag leicht überwinden lassen. Ob vom Tegernsee in den Isarwinkel, vom Schliersee zum Tegernsee oder vom Achental ins Priental, die Ideen gehen einem da ganz gewiss nicht aus.
Hier noch ein paar Anregungen für eigene Unternehmungen oder zum Nachwandern.

Suchmaschine speziell für Touren mit Bahn und Bus

Der seit 2020 bestehende Verein Bahn zum Berg setzt sich für einen nachhaltigen, umwelt­freundlichen Bergtourismus mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ein und startete dafür 2022 die Suchmaschine Zuugle. Mit dieser können Besucher gezielt nach Öffi-Touren suchen und erhalten für jedes Ergebnis gleich alle nötigen Informationen zu den Bahn- und Busanschlüssen.