Schneeschuhgehen

Technik, Ausrüstung und Sicherheit

Schneeschuhe erfreuen sich im alpinen Wintersport einer großen Beliebtheit. Vermutlich wurden sie schon vor mehreren Tausend Jahren bei der Jagd eingesetzt. Und noch heute verbinden wir mit ihnen einen Hauch von Freiheit, Abenteuer und Wildnis. Richtig eingesetzt lassen sich mit ihnen herrliche Wintertouren unternehmen.

Traum und Wirklichkeit

Schneeschuhwandern ist anstrengend. Da streckt man die Füße gerne mal von sich.

Schneeschuhwandern ist eine tolle Sportart, doch wer die realen Gegebenheiten im winterlichen Berg­gelände kennt, wundert sich über so manch ein Werbefoto, auf dem die Darsteller scheinbar unbeschwert durch den knietiefen Schnee hüpfen, dass es nur so staubt. In Wirklichkeit kann das Spuren durch frischen Neuschnee oder auch nassen Altschnee selbst gut Trainierte schnell ins Schwitzen bringen. Und dazu muss es noch nicht einmal steil bergauf gehen. In der Gruppe läuft man deshalb normalerweise im Gänsemarsch und wechselt sich beim Spuren ab. Nur in steilen Hängen mit weichem Schnee kann man tatsächlich nahezu mühelos talwärts gleiten.

Ein anderes Problem, das im Schneeschuh­marketing gerne verschwiegen wird, ist der zunehmende Schneemangel. Auf Grund des Klimawandels sind die Winter immer öfters zu warm und die Saison wird tendenziell kürzer. Statt einer weißen Märchenlandschaft sind die Berghänge oft noch im Dezember braun. Wobei das natürlich auch früher schon gelegentlich vorkam. Doch die schneearmen Winter werden eindeutig häufiger.Unabhängig von der Schneelage waren die meisten klassischen Winterberge von jeher auch ohne Schneeschuhe gut zu schaffen.In den Münchner Hausbergen beispielsweise bleiben viele der in der kalten Jahreszeit bevorzugt besuchten Gipfel deutlich unter 2000 Meter. Erst seit das Thema in Büchern, Zeitschriften und Wintersportorten mehr Aufmerksamkeit erfährt, tauchen die Trapper zunehmend auf Bergen wie der Gindelalmschneid oder dem Immenstädter Horn auf. Der zusätzliche Ballast wiegt den kleinen Vorteil, den man in den höheren Lagen hat, aber nicht immer auf. Oft ist der Schnee durch die vielen Wanderer ohnehin schon ziemlich festgetrampelt. Die Wege zu fast allen bewirtschafteten Hütten werden in der Regel präpariert. Man sollte also vorher genau überlegen, ob man sich wirklich mit Schneeschuhen abschleppen will, auch wenn es noch so cool aussieht.

Wann der Einsatz sinnvoll ist

Schneeschuhwanderer auf der Gindelalmschneid.

Schneeschuhe sind wegen ihres zusätzlichen Gewichts normalerweise erst dann eine Erleichterung, wenn man ansonsten bis zu den Knien einsinken würde oder es über nicht tragfähigen Bruchharsch geht. Vor allem Letzteres kann eine echte Schinderei sein. Wer das noch nie erlebt hat, kann sich kaum vorstellen, wie mühsam es ist, bei jedem Schritt einzubrechen. Nützlich sind Schneeschuhe außerdem bei stark durchfeuchtetem Altschnee. Denn selbst bei einer dünnen Auflage ist das Stapfen durch diesen schweren Schnee überaus anstrengend.
Je nach Einsatzbereich unterscheidet man bei den Schneeschuhen zwei Haupttypen. Für eher flaches Terrain eignen sich die traditionellen Classics. Sie bestehen aus einem mit Textil bespannten Metallrahmen.
Im schwierigen alpinen Gelände setzt man dagegen besser auf die kompakteren Moderns. Sie werden aus Kunststoff oder Karbon gefertigt und verfügen über ein Harscheisen. Damit bieten sie einen hervorragenden Halt. In steilen Hängen mit sehr hartem Schnee, etwa wenn dort viele Tourengeher abfahren, kann es aber selbst mit Moderns problematisch werden. Beim Queren kippen die Schneeschuhe talwärts, so dass sich die Füße nicht richtig aufsetzen lassen und beim Bergabgehen findet man keinen zuverlässigen Halt mehr. Unter diesen Bedingungen sind Grödeln, also Halbsteigeisen ohne Frontalzacken, die bessere Wahl. Überhaupt sollte man Grödeln trotz der Schneeschuhe zur Sicherheit immer zusätzlich mit dabeihaben.

Schneeschuhgehen ist nur scheinbar trivial

Das Gehen mit Schneeschuhen wird in der Regel nicht wie das Skifahren in einem Kurs erlernt. Nach wenigen Touren hat man die Technik sowieso von alleine raus. Am Anfang ist es ungewohnt, dass man die Füße etwas weiter auseinander aufsetzen muss, um nicht mit einem Schneeschuh auf den anderen zu steigen.
Im Übrigen sollte schon eine gewissen alpine Grunderfahrung vorhanden sein, denn der Anspruch ist verglichen mit Bergwanderungen, aber auch mit Winterwanderungen auf präparierten Wegen in jeder Hinsicht höher. Dies muss bei der Tourplanung entsprechend berücksichtigt werden.

  • Die Fortbewegung im Schnee gestaltet sich generell mühsamer und erfordert eine gute Kondition. Meist hat man im Winter außerdem mehr Gepäck dabei. Die Kälte zehrt zusätzlich an den Kräften.
  • Das Risiko aus- oder gar abzurutschen ist bei Schnee und Eis größer.
  • Die Tage sind kürzer und obendrein kommt man langsamer voran, so dass man beim Abstieg leicht in die Dunkelheit geraten kann.
  • Die Orientierung fällt im Schnee schwerer. Markierungen verschwinden und die Wegführung ist nur bei breiten, trassierten Wegen gut erkennbar. Schmälere Steige sind selten durchgängig erkennbar. Vorhandene Spuren können in die Irre leiten. Idealerweise kennt man das Gebiet bereits ein wenig.
  • Vor der Tour muss man sich genau mit der aktuellen Lawinenlage befassen. Ab Warnstufen 3 ist es am besten, zu Hause zu bleiben. Allenfalls dicht bewaldete Hänge unter 30 Grad Neigung sind dann noch sicher. Unbedingt beachten, dass das Lawinenrisiko im Tagesverlauf oft ansteigt. Auch unterwegs ist stets die Lawinengefahr im Auge zu behalten. Die DAV-SnowCard hilft im Gelände bei der richtigen Einschätzung. Noch besser sind allerdings spezielle Apps, die gleich die aktuelle Warnstufe mit einbeziehen. Empfehlenswert ist beispielsweise die Lawinenwarn-App SnowSave, die viele Alpenregionen umfasst, darunter auch die Bayerischen, Salzburger und Tiroler Alpen.
  • Wer sich frei im Gelände bewegen möchte, braucht Erfahrung, um dieses richtig zu beurteilen. Wo liegt der Schnee besonders hoch und überdeckt Löcher, auf welcher Linie quert man am besten einen Hang oder wie kommt man gut durch einen Graben?

Zur Schwierigkeits­bewertung von Schneeschuhtouren existiert eine vom Schweizer Alpen-Club (SAC) ausgearbeitete sechsstufige Skala, die international Verwendung findet. Im Vergleich zur bekannteren SAC-Berg- und Alpinwanderskala, bei der die Exponiertheit des Geländes und die Kletter­schwierigkeiten eine zentrale Rolle spielen, geht es bei der Winter­trekking­skala besonders um die Hangneigung und die Lawinengefahr. In beiden Skalen nimmt die Absturzgefahr mit jeder Stufe zu. Viele Blogautoren und Tourenportale nutzen mittlerweile die SAC-Schwierigkeits­bewertung von Schneeschuhtouren. Sie ist damit eine große Orientierungshilfe, um verschiedene Beschreibungen miteinander vergleichen zu können.

Ausrüstung

Für Unternehmungen im Winter benötigt man grundsätzlich etwas mehr sowie speziellere Ausrüstung als für das normale Bergwandern im Sommer.

  • Warme, atmungsaktive Kleidung nach dem Zwiebelprinzip und zusätzliche Wechselwäsche, falls man stark schwitzt. Die oberste Schicht muss wasserabweisend sein, auch die Hose nicht nur die Jacke. Komplett wasserdichte Hardshells sind eher schlecht. Normalerweise fällt ja im Winter kein Regen vom Himmel und Hardshells sind weniger atmungsaktiv als Softshells.
  • Wasserdichte Schuhe, idealerweise warm gefüttert oder alternativ sehr dicke Wollsocken.
  • Gamaschen, damit kein Schnee in die Schuhe fällt. Die in manchen Winterhosen integrierten Gamaschen reichen nicht aus, wenn man durch tiefen Schnee stapft. Sie sind eher für Winterwanderungen auf präparierten Wegen gedacht.
  • Thermosflasche mit heißem Tee und zusätzlich noch etwas für den schnellen Durst. Bitte beachten, dass man auch im Winter dehydrieren kann. Schnee zu essen hilft nicht wirklich, weil eine Handvoll Schnee letztlich nur ein paar Tropfen Wasser enthält.
  • Energiereiche Nahrung wie belegte Brote, Nüsse, trockener Kuchen, gekochtes Ei oder Ähnliches. Besser kein Obst und Gemüse, das gefriert nur. Sportriegel am Körper tragen, denn die können bei Kälte steinhart werden.
  • Wanderstöcke mit Schneeteller.
  • Grödeln oder wenigsten Spikes.
  • Digitale Orientierungshilfe und Lawinenwarn-App.
  • Sonnenbrille sowie je nach Höhe eventuell Sonnenschutz für Gesicht und Lippen.
  • Abhängig von der Tour ist die komplette Lawinennotfall­ausrüstung mit LVS-Gerät, Sonde und Schaufel zu empfehlen. Den richtigen Umgang damit erlernt man in einem mehrstündigen Kurs.
  • Unverzichtbar für den Ernstfall sind ein Biwaksack oder wenigstens eine Rettungsdecke, die Signalpfeife und das Erste-Hilfe-Set.

Sicherheitsaspekte

Ein Gleitschneeriss, auch Fischmaul genannt, und daneben zwei abgegangene Gleitschneelawinen. Als Schneeschuhwanderer muss man lernen, bereits erste Anzeichen einer drohenden Lawine zu erkennen.

Auf das Lawinenrisiko wurde bereits kurz eingegangen. So wie man vor jeder Tour ganz selbst­verständlich das Wetter checkt, muss man sich im Winter zusätzlich bei den Lawinen­warndiensten über die aktuelle Lage informieren. Allerdings ist es kompliziert, diese Daten bezüglich der geplanten Tour richtig zu interpretieren. Zu beachten sind die Exposition, also die Ausrichtung zur Himmels­richtung, die Hangneigung, die Höhenlage und eine zu erwartende Veränderung der Lage im Tagesverlauf, etwa durch Schneefälle oder Tauwetter. Die meisten Lawinen­unfälle ereignen sich übrigens bei Warnstufe 3. Da diese auf der fünfstufigen Skala in der Mitte liegt, interpretieren viele das als nur mittelmäßig gefährlich. Doch das ist ein Irrtum. In Wirklichkeit bedeutet Warnstufe 3, dass eine erhebliche Lawinengefahr besteht.

Gerade im Winter geht man besser zu zweit oder in der Gruppe auf Tour. So lautet jedenfalls der vernünftige Rat des Alpenvereins. Die Praxis sieht natürlich anders aus. Wer alleine unterwegs ist, sollte aber wenigstens nicht das aller einsamste Gebiet aufsuchen und außerdem jemandem zu Hause oder in der Unterkunft Details zur geplanten Route hinterlassen.
Immerhin sind Menschen, wenn sie alleine wandern, vorsichtiger als Gruppen. Das hat psychologische Gründe. In Gruppen fühlen wir uns sicherer und gehen deshalb eher ein höheres Risiko ein.

Naturverträgliches Verhalten

Rotwild an einer Wildfütterung. Die Tiere freuen sich nicht uns zu sehen und wollen in Ruhe gelassen werden.
Mehr noch als im Sommer ist im Winter auf ein naturverträgliches Verhalten zu achten.Wildtiere müssen in der kalten Jahreszeit sparsam mit ihren Energiereserven umgehen.Den menschlichen Lärm und den unserer vierbeinigen Begleiter empfinden sie schnell als Bedrohung. Während Wildtiere sich an ein vorhersehbares menschliches Verhalten recht gut gewöhnen können, reagieren sie sehr sensibel, wenn wir plötzlich an unerwarteter Stelle oder zu einer ungewöhnlichen Tageszeit auftauchen. Meistens hören oder wittern sie uns lange bevor wir sie überhaupt wahrnehmen. Oft bekommen wir nicht einmal mit, dass wir sie verjagen. Auf der Flucht steigt ihre Körpertemperatur an und sie verbrauchen viel wertvolle Energie. Werden Tiere mehrmals aufgeschreckt, kann das schlimmstenfalls ihren Tod bedeuten.
Deshalb ist es wichtig, nicht nur die verbotenen Wildschutzgebiete, sondern ebenso die freiwilligen Wald-Wild-Schongebiete zu beachten. Die in den Alpenvereins­karten eingetragenen naturverträglichen Skitourenrouten sind abgesehen von sehr steilen Abfahrten oft auch zum Schneeschuhgehen geeignet. Die Kartenreihe BY für die Bayerischen Alpen enthält sogar eigene Schneeschuh­routen. Im Gelände werden vom Alpenverein zusätzlich vielerorts Hinweisschilder aufgestellt, um auf die entsprechenden Routen und die Wald-Wild-Schongebiete aufmerksam zu machen.