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Schneeschuhgehen

Unterwegs wie die Trapper

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Schneeschuhe erfreuen sich im alpinen Wintersport einer großen Beliebtheit. Vermutlich wurden sie schon vor mehreren Tausend Jahren bei der Jagd eingesetzt. Und noch heute verbinden wir mit ihnen einen Hauch von Freiheit, Abenteuer und Wildnis. Richtig eingesetzt lassen sich mit ihnen herrliche Wintertouren unternehmen.

Inhalt

  1. Wann der Einsatz sinnvoll ist
  2. Schneeschuhgehen ist nur scheinbar trivial
  3. Naturverträgliches Verhalten
Schneeschuhwandern ist anstrengend. Da streckt man die Füße gerne mal von sich.
Wer die tatsächlichen Gegebenheiten im winterlichen Berggelände kennt, wundert sich über so manch ein Werbefoto, auf dem die Darsteller mit ihren Schneeschuhen scheinbar mühelos durch knietiefen Schnee hüpfen, dass es nur so staubt. In Wirklichkeit kann das Spuren durch frischen Neuschnee oder nassen Altschnee selbst trainierte Bergsportler mit guter Kondition schnell an den Rand der Erschöpfung bringen.
Andererseits geht dem Winter nach und nach der Schnee aus und die Saison wird tendenziell kürzer. Die meisten klassischen Winterberge in Bayern bleiben deutlich unter 2000 m und waren schon von jeher häufig ohne Schneeschuhe zu schaffen. Erst seit das Thema in Büchern, Zeitschriften und Wintersportorten mehr Aufmerksamkeit erfährt, tauchen die Trapper zunehmend auf Bergen wie der Gindelalmschneid oder dem Immenstädter Horn auf. Der zusätzliche Ballast wiegt den kleinen Vorteil, den man in den höheren Lagen hat, aber nicht immer auf. Oft ist der Schnee durch die vielen Wanderer schon gut festgetrampelt. Die Wege zu fast allen bewirtschafteten Hütten werden ohnehin präpariert. Erstaunlicherweise trifft man auf diesen trotzdem Leute, die sich mit Schneeschuhen abschleppen, obwohl sie nur bis zur Hütte wollen.

Wann der Einsatz sinnvoll ist

Schneeschuhwanderer auf der Gindelalmschneid.

Schneeschuhe sind wegen ihres zusätzlichen Gewichts erst dann eine Erleichterung, wenn der Schnee mindestens knietief liegt oder es über nicht tragfähigen Bruchharsch geht. In sehr steilem Gelände geben sie außerdem mehr Halt und Sicherheit. Voraussetzung ist allerdings, man verwendet die so genannten Moderns mit ihren Harscheisen und es gibt genügend Schneeauflage. Zu hart sollte der Schnee jedoch auch wieder nicht sein. Gerade Querungen stellen sonst ein Problem dar, weil die Schneeschuhe talwärts kippen und sich die Füße nicht gerade aufsetzen lassen. Grödeln sind für diese Bedingungen die bessere Wahl.

Schneeschuhe haben sich seit den 90ern als eigene alpine Disziplin und Trend im Breitensport etabliert. Ob allerdings wirklich zu Recht von einer eigenen Sportart gesprochen werden sollte, ist für mich zweifelhaft. Technisch betrachtet besteht kein großer Unterschied, ob man nur Bergstiefeln trägt oder zusätzlich mit Grödeln oder Schneeschuhen unterwegs ist. Das ist mehr eine Frage von Schneemenge und Schneebeschaffenheit. Da wir Menschen jedoch gerne coolen Trends hinterherlaufen, schnallen wir uns die Dinger an die Schuhe, selbst wenn es ohne sie genauso gut ginge.

Schneeschuhgehen ist nur scheinbar trivial

Schneeschuhgehen wird in der Regel nicht wie das Skifahren in einem Kurs erlernt und erfordert keine besondere Technik. Eine gewisse alpine Erfahrung sollte dennoch vorhanden sein, denn der Anspruch ist verglichen mit Sommerwanderungen in jeder Hinsicht höher. Dies muss bei der Tourplanung entsprechend berücksichtigt werden.

  • Für dieselbe Strecke wird deutlich mehr Kondition benötigt. Nicht nur wegen der mühsameren Fortbewegung, sondern auch weil man mehr Gepäck dabei hat.
  • Das Risiko abzurutschen ist auf Schnee und Eis sehr viel größer.
  • Die Tage sind kürzer und man kann beim Abstieg leicht in die Dunkelheit geraten.
  • Die Orientierung ist schwieriger. Markierungen verschwinden und die Wegführung ist nur bei trassierten Wegen gut erkennbar. Vorhandene Spuren können in die Irre leiten.
  • Während der Tour ist stets die Lawinengefahr im Auge zu behalten. Die DAV-SnowCard hilft bei der richtigen Einschätzung. Sie ist im DAV-Shop und im Fachhandel erhältlich.

Naturverträgliches Verhalten

Rotwild an einer Wildfütterung. Die Tiere freuen sich nicht uns zu sehen und wollen in Ruhe gelassen werden.
Wildtiere müssen im Winter sparsam mit ihren Energiereserven umgehen. Den menschlichen Lärm oder auch den von Hunden empfinden sie häufig als Bedrohung. Während sie sich an ein vorhersehbares menschliches Verhalten gewöhnen können, reagieren sie sehr sensibel, wenn wir plötzlich an unerwarteter Stelle oder zu einer ungewöhnlichen Tageszeit auftauchen. Oft hören sie unser lautstarkes Gerede schon lange, bevor wir sie überhaupt wahrnehmen oder wir merken nicht einmal, dass wir sie verjagt haben. Auf der Flucht steigt ihre Körpertemperatur an und sie verbrauchen viel wertvolle Energie. Werden Tiere mehrmals aufgeschreckt, kann das schlimmstenfalls ihren Tod bedeuten.
Deshalb nicht nur die verbotenen Wildschutzgebiete, sondern ebenso die freiwilligen Wald-Wild-Schongebiete beachten. Die in den AV-Karten eingetragenen naturverträglichen Skitourenrouten sind abgesehen von sehr steilen Abfahrten oft auch zum Schneeschuhgehen geeignet. In der Neuauflage der Kartenreihe BY für die Bayerischen Alpen kommen endlich eigene Schneeschuhrouten hinzu. Im Gelände werden vom Alpenverein zusätzlich vielerorts Hinweisschilder aufgestellt, um auf die entsprechenden Routen und die Wald-Wild-Schongebiete aufmerksam zu machen.