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SAC-Berg- und Alpinwanderskala

Schwierigkeitsbewertung mit Tücken

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Die vom Schweizer Alpen-Club (SAC) entwickelte Berg- und Alpinwanderskala eignet sich hervorragend zur Schwierigkeitsbewertung von Bergwanderungen und Bergtouren. Die richtige Einordnung hat allerdings so ihre Tücken. Und auch der Bezug zu anderen Bewertungssystemen, wie etwa dem AV-Bergwegekonzept, wirft Fragen auf.

Inhalt

  1. Probleme bei der Anwendung
  2. Vorschläge zur korrekten Handhabung
  3. Beispiele für die Bayerischen Alpen
Die Berg- und Alpinwanderskala ist Teil des Gesamtkonzepts der SAC-Skalen.
Bei der Schwierigkeitsbewertung von Touren unterhalb des Alpinkletterns gibt es verschiedene Herangehensweisen. Am brauchbarsten erscheint mir die sechsstufige SAC-Berg- und Alpinwanderskala. Ebenfalls hilfreich ist das AV-Bergwegekonzept, das auf drei Stufen basiert, wobei es zusätzlich noch eine vierte Stufe für einfache Talwanderwege gibt. Das AV-Tourenportal alpenvereinaktiv.com verwendet jeweils drei Stufen für Wanderungen und drei für Bergtouren. Das passt eigentlich gar nicht zum AV-Wegekonzept. Was die einzelnen Stufen bei alpenvereinaktiv.com konkret bedeuten, bleibt unklar. Sie erinnern allerdings an die Beschilderung in den Allgäuer Alpen. Dort gibt es ebenfalls drei Stufen für Wanderwege und drei für alpine Wege. Eine Eins-zu-eins-Übertragung dieser insgesamt sechs Stufen auf die SAC-Skala wäre falsch. Die Beschilderung in den Allgäuer Alpen differenziert stärker im unteren Schwierigkeitsbereich, die SAC-Wanderskala dagegen mehr im oberen. Wir haben also weder ein allgemein anerkanntes System noch eine direkte Vergleichbarkeit der Systeme untereinander.

Probleme bei der Anwendung

Unabhängig von der zu Grunde liegenden Skala finden sich auf praktisch allen Mitmachportalen identische Touren mit unterschiedlicher Schwierigkeitsbewertung. Das lässt darauf schließen, dass die korrekte Anwendung der Skalen Probleme bereitet. Beim Tourenportal hikr.org, das auf die SAC-Wanderskala setzt, lässt sich das schön ablesen. Die Hochkalter-Überschreitung, welche ich mit T6 einstufe, taucht beispielsweise als T4+, T5- und T5+ auf. Ob sich wohl jemand zutraut, den feinen Unterschied zwischen einem T4+ und einem T5- Steig erklären zu können? Ich jedenfalls nicht. Manche Autoren verwenden auch Von-bis-Angaben wie T3-T4. Ich fürchte das verwirrt die Leser eher, als ihnen Orientierung zu bieten.
Die SAC-Wanderskala wird meines Erachtens zu sehr in den Bereich des Alpinkletterns hineingezogen, indem sie sogar noch für Touren mit IIIer-Stellen bemüht wird. In diesem Fall gerne auch mit der Notation T6+. Das suggeriert, die SAC-Wanderskala wäre nach oben offen. Eigentlich sollte sie doch nur die Lücke zum Alpinklettern schließen. Je mehr sie aber nach oben gedehnt wird, umso verworrener wird die Klassifizierung weiter unten. So landen Touren mit IIer-Stellen fälschlicherweise in T4. Dabei ist die SAC-Wanderskala hier wirklich eindeutig. Erst bei T6 sind Kletterstellen bis II erlaubt!

Vorschläge zur korrekten Handhabung

Notationen mit Plus- oder Minuszeichen sowie Von-bis-Angaben sind aus der Kletterskala entlehnt. Ich halte das für eine Wanderskala übertrieben und empfehle im Zweifelsfall den höheren Wert zu nehmen. Lieber etwas zu schwer als zu leicht bewertet. Wir wollen ja nicht, dass sich jemand auf eine Tour begibt, ohne ihr gewachsen zu sein.

Ausschlaggebend ist die schwierigste Stelle der Tour, selbst wenn diese nur wenige Minuten in Anspruch nimmt. Natürlich ist eine Tour mit einer langen T5-Passage ernsthafter als eine mit einer kurzen T5-Stelle. Es ist Aufgabe der Tourbeschreibung dies zu thematisieren. Die SAC-Wanderskala erfasst diesen Unterschied nicht.

Bis T3 ist es am sichersten, sich an das AV-Bergwegekonzept zu halten:
T1: Talwanderwege (farblos)
T2: Einfache Bergwege (blau)
T3: Mittelschwere Bergwege (rot)

Alle Touren ab T4 werden vom Alpenverein als schwarze Wege gekennzeichnet. In den Allgäuer Alpen sind sie blau. Zur weiteren Unterteilung gilt Folgendes:
T4: An gewissen Stellen braucht es die Hände zum Vorwärtskommen.
T5: Einzelne einfache Kletterstellen.
T6: Kletterstellen bis II.

Extrem ausgesetztes, steiles Gelände wie beispielsweise in den Allgäuer Grasbergen kann auch ohne Kletterstellen ab T4 eingeordnet werden.

Beispiele für die Bayerischen Alpen

T1: Oytalhaus, Eibsee-Rundweg, Priener Hütte, Zauberwald am Hintersee
T2: Riedberger Horn, Jochberg, Geigelstein, Grünstein
T3: Laufbacher Eck, Kramerspitz, Kampenwand, Hohes Brett
T4: Hochvogel, Klammspitzgrat, Mittenwalder Höhenweg, Staufen-Überschreitung
T5: Hindelanger Klettersteig, Zugspitze aus dem Höllental, Watzmann-Überschreitung
T6: Höfats, Jubiläumsgrat, Viererspitze, Hochkalter-Überschreitung