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Produkttests auf Outdoor-Blogs

Vorsicht vor Schleichwerbung

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Produkttests sind zu einem festen Bestandteil von Outdoor-Blogs geworden. In den wenigsten Fällen wird dabei aber ein ernst zu nehmender Test durchgeführt. Vielmehr handelt es sich um gesponsorte Produktempfehlungen. Fehlt eine klare Kennzeichnung, ist das eine Form von Schleichwerbung. Aktualisiert am

Inhalt

  1. Das Risiko für Blogger ist gering
  2. Gut ist, was gefällt
  3. Vorenthalten kritischer Informationen
Es wird zunehmend schwierig, redaktionelle Inhalte von gekauften zu unterscheiden.
Für Outdoor-Blogger sind Produkttests eine interessante Möglichkeit, um kostenlos an hochwertige Ausrüstungsgegenstände zu gelangen. Je nach Reichweite eines Blogs gibt es zusätzlich noch eine Bezahlung. Eventuell werden vom Hersteller sogar Textbausteine samt Fotos mitgeliefert. Aus Gründen der besseren Tarnung erstellt jedoch meistens der Blogger die Inhalte. Das wirkt persönlicher und individueller. Rechtlich gibt es keinen Unterschied zur klassischen Bannerwerbung. Deshalb müssen derartige Beiträge deutlich als Anzeigen gekennzeichnet werden. Ansonsten bewegt man sich auf dem schmalen Grat der Schleichwerbung im Netz. Das trifft selbst dann zu, wenn angeblich objektiv und neutral bewertet wird. Die psychologische Wirkung von Geschenken ist nicht zu unterschätzen. Trotz bester Absichten ist eine Befangenheit gegeben, sobald mit einem Post ein wirtschaftlicher Vorteil verbunden ist. Die Testprodukte werden ja nicht aus Großzügigkeit, sondern zu Werbezwecken verschickt. Für Unternehmen ist das eine kostengünstige Möglichkeit, ihre Neuigkeiten zielgruppen­genau zu platzieren. Sie profitieren vor allem von dem Vertrauens­vorschuss, den ein Blog bei seinen Lesern genießt.

Das Risiko für Blogger ist gering

Vorbildliche Trennung von redaktionellen Inhalten und Werbeanzeigen bei der FAZ.
Das Trennungsgebot scheint viele Blogger nicht zu interessieren oder sie ignorieren es absichtlich. Gesponsorte Inhalte werden oft nicht ausreichend kenntlich gemacht. Das ist sicher ganz im Sinne der Auftraggeber. Dasselbe gilt für bezahlte Links, die sich in redaktionellen Beiträgen verstecken. Diese sind praktisch kaum von den rein informativen Links zu unterscheiden. Hier zu schummeln ist einfach, weil ein Nachweis praktisch nicht möglich ist.
Schleichwerbung im Netz ist ein Massenphänomen und der einzelne Blogger hat von den Behörden derzeit praktisch nichts zu befürchten. Zum Glück muss man sagen! Denn die eigentlichen Schuldigen sind sowieso die vermittelnden Agenturen und die beauftragenden Unternehmen im Hintergrund. Die medienunerfahrenen Freizeit-Blogger, die sich für einen Schlafsack oder ein Paar Wandersocken ködern lassen, machen sich mit ihren gefakten Produkttests allenfalls lächerlich. Eine Abmahnung aus der Blogger-Szene ist äußerst unwahrscheinlich. Gänzlich ausgeschlossen ist sie aber auch wieder nicht, insbesondere wenn die Kommerzialisierung der Blogs weiter fortschreitet.

Gut ist, was gefällt

Wirklich aussagekräftig wird ein Produkttest immer erst im Vergleich mit Konkurrenzprodukten. Welches hat das beste Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis, die meisten Features, ist am robustesten oder am nachhaltigsten? Anhand bestimmter Kriterien lässt sich so ein nachvollziehbares Ranking erstellen.
Doch Blogger kooperieren meist mit einigen wenigen Herstellern aus unterschiedlichen Sparten. Statt also mehrere aktuelle Wanderstöcke miteinander zu vergleichen, wird nur ein einziges Modell präsentiert. Das Ergebnis ist dann wie erwartet positiv. Man möchte ja auch nächstes Jahr wieder ein neues Paar Stöcke zugeschickt bekommen.
Ein ernst zunehmender Test wäre dagegen kostspielig und aufwändig. Das getestete Produkt könnte dabei beschädigt oder sogar unbrauchbar werden. Bleiben wir noch bei dem Beispiel der Wanderstöcke. Wie lässt sich herausfinden, ob die neuartigen Karbonstöcke der Belastung regelmäßiger Wanderungen gewachsen sind und nicht brechen, falls man irgendwo hängen bleibt? Das kann nur mit Hilfe einer Maschine überprüft werden, die einen Einsatz über mehrere Hundert Stunden simuliert. Für einen Stabilitätstest wird die Krafteinwirkung auf den Stock so lange erhöht, bis er bricht.
Über derartige Testergebnisse verfügt ein Blogger nicht. Er muss auf das Datenblatt des Herstellers vertrauen und verfasst daraus dienstbeflissen einen blumigen Text über den guten Eindruck und die solide Verarbeitung.

Vorenthalten kritischer Informationen

Werden dem Leser bei einem Produkttest kritische Informationen vorenthalten, ist das ebenfalls eine Form der Werbung. Bei Outdoorkleidung etwa gibt es vielfältige Probleme bezüglich Umweltschutz und Arbeitsbedingungen. In den Medien wird regelmäßig darüber berichtet. In den Produkttests ist davon allerdings kaum etwas zu lesen, obwohl sich das ohne großen Aufwand recherchieren ließe. Und wer für sich in Anspruch nimmt, eine Daunenjacke objektiv zu beurteilen, dürfte die Tierschutzverstöße bei der Daunenproduktion nicht unerwähnt lassen. Leider wird auch die Sinnhaftigkeit der verwirrenden Vielfalt an immer ausgefeilterer Ausrüstung von den Bloggern nicht angezweifelt.
Meinungsfreiheit und kritischer Journalismus sind ein hohes Gut. Wenn durch Schleichwerbung die Grenzen zwischen neutralen und beeinflussten Inhalten verschwimmen, schadet das letztlich uns allen.