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Münchner Höhlengeschichte II

Speläologisches Standardwerk über die Bayerischen Alpen (Verein für Höhlenkunde in München)

Die Münchner Höhlengeschichte II ist die bis dato umfangreichste Veröffentlichung des Vereins für Höhlenkunde in München. Auf mehreren Hundert Seiten werden die Ergebnisse jahrzehntelanger Forschung präsentiert. Das Buch dokumentiert unzählige Höhlen, gewährt faszinierende Einblicke in die Tiefen der alpinen Karstgebiete und erläutert die geologischen Zusammenhänge. Für Liebhaber der Bayerischen Alpen ist es ein unentbehrliches Standardwerk.
Stand:

Forschungsgebiete des Vereins

Die Kataster-Großeinheit 1000 in Südbayern und Österreich.

Höhlenvereine erforschen und dokumentieren nicht nur Höhlen, sondern auch oberflächliche Karstformen, Karstquellen sowie künstlich geschaffene unterirdische Hohlräume. Meist sind die Vereine für ein klar umrissenes Gebiet verantwortlich. Der Verein für Höhlenkunde in München (VHM) fokussiert sich auf einen Teilabschnitt der Nördlichen Kalkalpen vom Allgäu bis ins Salzburger Land und das Bayerische Alpenvorland südlich der Donau. Nach dem SOIUSA-System der Alpeneinteilung umfasst das alpine Forschungs­gebiet des Vereins neben den kompletten Bayerischen Alpen auch Teile der Nordtiroler Kalkalpen und der Salzburger Nordalpen.
Der VHM verwendet das von österreichischen Höhlenforschern entwickelte Katastersystem. Dieses bildet ganz Österreich und Ungarn sowie Südbayern ab. Eine Ausdehnung auf weitere Länder wäre möglich, wurde bislang aber noch nicht vorgenommen. Das bayerische Alpenvorland und die Bayerischen Alpen zählen zur Kataster-Großeinheit 1000. Die Einteilung in Großeinheit, Haupt-, Unter- und Teilgruppe orientiert sich dabei allein an den naturräumlichen Gegebenheiten und nicht an politischen oder administrativen Grenzen.

Jubiläumsschrift zum 50-jährigen Bestehen

Die Münchner Höhlengeschichte II enthält über 400 Seiten geballtes Höhlenwissen.

Zum 25-jährigen Bestehen des VHM erschien im Jahr 1982 die leider vergriffene erste Münchner Höhlengeschichte.
Im Jahr 2004 wurde dann zum 50-jährigen Jubiläum die Münchner Höhlengeschichte II veröffentlicht. Wie der erste Band enthält auch dieser eine bunte Sammlung an Erlebnis- und Forschungs­berichten verschiedener Autoren. Viel Raum nehmen der Hohe Ifen in den Allgäuer Alpen, das Mangfallgebirge mit dem Wendelstein, die Chiemgauer Alpen mit dem Laubensteingebiet und die Salzburger Kalkalpen ein. Dass das große Karstgebiet des Estergebirges nur am Rande erwähnt wird, erscheint verwunderlich. Doch zum Estergebirge existiert aus der Reihe Karst und Höhle eine eigene umfangreiche Monografie. Das höhlenarme Alpenvorland spielt naturgemäß kaum eine Rolle.
Einen besonderen Schwerpunkt bilden mit fast 100 Seiten die Salzburger Kalkalpen, zu denen auch die Berchtesgadener Alpen zählen. Mit dem Untersberg, dem Hagengebirge und der Umgäng am Hohen Göll liegen dort die ergiebigsten Forschungs­gebiete des Vereins. Einige Höhlensysteme sind derart komplex, dass die Speläologen über Jahre oder gar Jahrzehnte mit der Erkundung beschäftigt sind.
Weitere interessante Kapitel behandeln die Erdstallforschung, die Höhlenrettung und den Höhlenschutz. Ein Fachlexikon rundet den Band ab.

Das Berginnere spiegelt sich an der Oberfläche

Im Zuge der Berichterstattung über die Rettungsaktion in der Riesending-Schachthöhle 2014 wurde eine breite Öffentlichkeit auf die gigantischen Höhlensysteme der Kalkalpen aufmerksam. Wobei mehr die dramatischen Umstände und die glückliche Rettung als die Höhle selbst im Fokus standen. Im Übrigen spielt sich die speläologische Forschungs­arbeit relativ unbeachtet von der Öffentlichkeit ab. Nur ein kleiner Kreis von Spezialisten besitzt überhaupt die nötigen Fähigkeiten, um die gefährlichen und zeitaufwändigen Befahrungen der alpinen Höhlen durchzuführen.
Von wenigen Schauhöhlen und ein paar kleineren touristischen Höhlen abgesehen ist dem Laien ja schon die Lage oder Existenz der meisten Höhlen unbekannt.Man ahnt oft gar nicht, was sich da tief unter der Erdoberfläche verbirgt.Dabei hängen das äußere Erscheinungs­bild einer Gebirgsgruppe und ihr innerer Aufbau eng miteinander zusammen. Gerade für diese Zusammenhänge schärft die Münchner Höhlengeschichte II den Blick, indem sie die Höhlen und Karstformen in ihren geologischen Kontext einordnet. Das Werk ist somit nicht nur für Höhlenforscher lesenswert, sondern für jeden, der in den Bergen wandert und etwas geologisches Interesse mitbringt.

Fast jeder Berg hat seine Höhle

Auch viele leicht zugängliche und gefahrlos befahrbare Objekte werden beschrieben, wie die kleine Höhle im Schwarzenberg bei Oberaudorf im Inntal.

Das vom Verein für Höhlenkunde in München geführte Kataster wuchs im Lauf der Jahrzehnte auf viele Tausend Höhlen an. Es befindet sich jedoch unter Verschluss. Die über Jahrzehnte mühsam zusammen­getragenen Informationen werden nur bei begründetem Interesse herausgegeben. Umso mehr erstaunt es, dass in der Jubiläumsschrift dann doch einiges verraten wird.
Naturgemäß befinden sich die meisten der aufgeführten Höhlen in den großen Karstgebieten, doch im Prinzip gibt es fast an jedem Berg irgendeine Höhle. Es lohnt sich also, vor einer Wanderung im Gebirge kurz die Münchner Höhlengeschichte II zu konsultieren, ob nicht vielleicht in der Nähe ein Höhleneingang, eine Doline oder eine Karstquelle liegt. Die klare Gliederung nach Gebirgsgruppen erleichtert die Suche.Die veröffentlichten Angaben geben allerdings nur selten Aufschluss über die exakte Lage und erfordern oftmals eine zusätzliche Recherche.Dahinter steht unter anderem die Absicht, Höhlentourismus zu vermeiden, damit wertvolle Geotope geschützt werden und sich Unerfahrene nicht in Gefahr begeben. Manchmal sind aber auch schlicht die Informationen im Kataster unvollständig. Einige Höhlen mussten deshalb schon in aufwändigen Suchaktionen wiederentdeckt werden. Andere bleiben verschollen.

Wege im Inntal

Eremitenklause in der Biberanhöhe in Brannenburg.
Der für Laien wohl ergiebigste Abschnitt behandelt das bayerische Unterinntal. Der Heimatkundler und Höhlenforscher Peter Hofmann verfügt über fundiertes historisches und geologisches Wissen zu dieser Gegend.Peter Hofmann nimmt den Leser mit in die natürliche und künstliche Inntaler Unterwelt.Zu den aufgeführten Objekten gehören beispielsweise die Höhlen am Wendelstein oder die Eremitenklause an der Biber in Brannenburg. Besonders intensiv beschäftigt er sich mit der Umgebung von Oberaudorf, wo es mit dem Höhlenhaus beim Weber an der Wand, der Höhlenburg im Grafenloch und dem Höhlenstein am Wildbarren gleich mehrere leicht erreichbare Ziele gibt. Die von ihm anschaulich beschriebenen Natur- und Kulturdenkmäler sind alle einen Ausflug wert. Die meisten lassen sich wunderbar in kleinere oder größere Wanderungen integrieren. Das macht Lust, noch mehr von Peter Hofmann zu lesen und ist sicher auch so beabsichtigt. Schließlich gibt es von ihm zahlreiche interessante Publikationen.

Die Münchner Höhlengeschichte II hat zwar schon einige Jahre auf dem Buckel, doch sie ist nach wie vor beim Verein vorrätig und kann unter www.vhm-muenchen.de bestellt werden.

Jubiläumsschrift 2004 VHM 444 Seiten ISBN 3-00-013221-X