1. Wandertipps
  2. Literatur

Wandern in den Münchner Hausbergen

Die schönsten Routen und Gipfel

Schon seit Generationen bilden die Münchner Hausberge das bei Weitem beliebteste Wandergebiet Südbayerns. Obwohl sie letztlich nur einen winzigen Ausschnitt der Alpen repräsentieren, ist die Vielfalt an Tour­möglichkeiten überwältigend. Die hier beschriebenen klassischen Gipfelziele richten sich vor allem an trainierte, erfahrene Bergwanderer. Einsteigern dürften sie teilweise zu weit oder auch zu schwer sein. Alle Touren können gut mit Zug, Bahn und Bus unternommen werden.
Stand:

Unter den Münchner Hausbergen versteht man eine lose Gruppe an Gipfeln in den Bayerischen und Tiroler Alpen, die aus Sicht der Landes­hauptstadt gut im Rahmen einer Tages­unternehmung erreichbar sind.Bekannt gemacht hat den Begriff der Schriftsteller und Bergsteiger Walter Pause mit seinem 1967 veröffentlichten Buch Münchner Hausberge, das zu einem alpinen Bestseller avancierte. Sein Sohn Michael Pause führt das Werk fort. Zahlreiche Alpinautoren nutzen seitdem die Münchner Hausberge als Aufhänger für ihre Buchtitel. Ob aber wirklich Walter Pause den Begriff als erster verwendete, bleibt unklar. Denn bereits 1959 ist in dem Reiseführer Deutschland: Süden und Mitte des Verlegers Adam Kraft von der Zugspitze als Münchner Hausberg die Rede.

Das Zentrum der Münchner Hausberge bilden die Ammergauer Alpen, die Bayerischen Voralpen, das Karwendel und das Kaisergebirge. Auch das Wettersteingebirge, die Brandenberger Alpen sowie Teile der Chiemgauer Alpen werden dazugerechnet. Eine allgemein­gültige, exakte Definition existiert wie gesagt nicht, so dass die Alpinautoren die Grenzen mal weiter oder enger ziehen.

Daniel (Ammergebirge)

Blick über den Daniel zur Zugspitze.

Mit seinen stolzen 2340 Metern ist der Daniel bei Ehrwald in Tirol der höchste Gipfel der Ammergauer Alpen. Er bietet ein umfassendes Panorama über das Außerfern und eine einmalige Perspektive auf die wilde Westflanke des Wettersteins mit der Zugspitze. Auch wenn der Daniel für einen Münchner Hausberg schon ziemlich weit weg liegt, er gehört zu den besten. Innerhalb des Ammergebirges kann ihm kaum einer das Wasser reichen, am ehesten noch der Säuling bei Füssen und vielleicht die Kreuzspitze oder die Hochplatte.
Woher der einprägsame Name des Daniels stammt, bleibt unklar. Früher wurde er überwiegend Upsberg genannt. In den Karten taucht er erst seit etwa 1900 als eigenständiger Gipfel neben der Upsspitze auf.

Der Aufstieg zum Daniel und der benachbarten Upsspitze erfolgt üblicherweise von Lermoos oder Ehrwald aus über die bewirtete Tuftlalm. Man braucht für die lange Tour eine hervorragende Kondition.

Krottenkopf (Estergebirge)

Der Krottenkopf vom Bischofsattel aus gesehen.
Der Krottenkopf im Estergebirge erinnert in vielerlei Hinsicht an den Daniel. Beide bestehen sogar aus dem gleichen Gestein, nämlich Plattenkalk aus der Trias.
Obwohl der Krottenkopf mit 2086 Metern deutlich weniger misst als der Daniel, bildet er innerhalb seiner Gruppe ebenfalls den höchsten Gipfel und zwar nicht nur bezogen auf das Estergebirge, sondern auf die gesamten Bayerischen Voralpen. Er übertrifft damit so bekannte Berge wie die Benediktenwand oder den Wendelstein.Weil der Krottenkopf weit und breit von keinem anderen Berg überragt wird, zählt er zu den besten Aussichts­gipfeln der Münchner Hausberge.Die Besteigung des Krottenkopfs ist technisch einfach, jedoch ziemlich anstrengend, ganz egal von wo aus man startet. Idealerweise unternimmt man eine Rundtour mit Aufstieg über die Esterbergalm und Rückweg auf dem Oberauer Steig.

Wörner (Karwendel)

Der Wörner in der linken Bildhälfte ist Teil der Nördlichen Karwendelkette.
Als wildschön bezeichnete der Reise­schrift­steller Heinrich Noë das Karwendel äußerst treffend. Und genau so präsentiert es sich während der Bergtour von Mittenwald über die Hochlandhütte auf den Wörner, eine der anspruchsvolleren in den Münchner Hausbergen, wobei sie für Karwendel­verhältnisse noch eher leicht ist. Walter Pause muss das raue Karwendel besonders geliebt haben, weil er ihm in seinem Buch viel Raum widmete.
Vom Charakter ist der Wörner ein typischer Karwendelgipfel mit brüchigem, teils ausgesetztem Felsgelände und zahlreichen Kletterstellen. Die Schwierigkeit überschreitet allerdings kaum den ersten Grad. Als einfaches Ausweichziel käme der Wörnerkopf in Frage. Auf den imposanten Blick ins Karwendeltal und zur Karwendel­hauptkette muss man dann freilich verzichten.

Gamsjoch (Karwendel)

Aufstieg durch den Gumpenbach.
Das Gamsjoch liegt im Zentrum des Karwendelgebirges auf der Westseite des Großen Ahornbodens. Weil dieses Tal als Sackgasse endet, wird es auch Eng genannt. Per Auto kann man die Tiroler Eng nur von Bayern aus über Vorderriß und Hinterriß erreichen. Der weitläufige, freundliche Talgrund bildet ein uraltes Weideland. In regelmäßigen Abständen stehen darin knorrige, mit Moosen, Farnen und Flechten bewachsene alte Ahornbäume. Sie verleihen der Landschaft ein parkähnliches Aussehen.Der Große Ahornboden gehört zweifellos zu den schönsten Tälern Tirols, vielleicht sogar der Alpen.Im Vergleich zum Wörner ist die Wanderung von der Eng auf das Gamsjoch deutlich einfacher und für Karwendel­neulinge auf jeden Fall die bessere Option. Und noch etwas spricht für das Gamsjoch. Man kann dort nämlich häufig Steinwild, also Steingeißen und Steinböcke, beobachten.

Lamsenspitze (Karwendel)

Genau wie das Gamsjoch erreicht man auch die Lamsenspitze vom Großen Ahornboden aus. Je nach Routenwahl geht es durch drei, mindestens jedoch durch zwei Klettersteige, was entsprechend viele Bergsteiger anlockt. An manchen Tagen braucht man Geduld, weil es zu Wartezeiten kommt.
Am spannendesten ist der Klettersteig durch den so genannten Brudertunnel, bei dem eine Höhle der Länge nach durchklettert wird.
Ohne die Steiganlagen wäre das Gamsjoch von der Eng aus nur für Alpinkletterer zugänglich. Aber auch so erfordert es viel Bergerfahrung. Ein leichtes Ausweichziel wäre das Sonnjoch. Wer beide Touren machen möchte, kann die Lamsenjochhütte (DAV) als Stützpunkt nutzen.

Herzogstand und Heimgarten (Kocheler Berge)

Der Heimgarten mit dem Kochelsee. Im Hintergrund sieht man die Benediktenwand.
Die Gipfel zwischen Kochelsee und Walchensee sind für viele der Inbegriff der Münchner Hausberge. Selbst Leute, die sonst nie auf einen Berg steigen, kennen sie. Insofern darf man den herrlichen Gratweg vom Herzogstand zum Heimgarten durchaus als Königstour der Münchner Hausberge bezeichnen. Und das ist sie bereits seit über 150 Jahren.
Bevor die Münchner Bergsteiger die Kocheler Berge für sich entdeckten, waren sie jahrhunderte­lang ein beliebtes Jagdrevier der Wittelsbacher Herrscher. Herzöge und Könige gingen dort auf die Pirsch. Daher kommt auch der Name Herzogstand, weil auf ihm der Herzog seinen Einstand hatte, ein Begriff aus der Jägersprache. Ursprünglich hieß er Farchenberg, wegen des Föhrenwaldes auf der Südseite.

Brecherspitz (Schlierseer Berge)

Schlierseeblick vom Brecherspitz.
Exemplarisch dafür, dass es selbst an bekannten Münchner Hausbergen einsame Routen gibt, soll hier der anspruchsvolle, moderat ausgesetzte Brecherspitz Ostgrat stehen. Beschilderungen oder Markierungen gibt es auf diesem Aufstieg keine, doch deutliche Begehungs­spuren weisen den Weg. Die Schlüsselstelle ist ein Ier – für Geübte also gut machbar.
Leider ereignen sich am Brecherspitz immer wieder Bergunfälle, allerdings nicht am Ostgrat, sondern am markierten und mit Drahtseil gesicherten Westgrat. Es kam dort sogar schon mehrmals zu tödlichen Abstürzen, allein von 2010 bis 2020 waren es fünf. Das sind die Schattenseiten des großen Ansturms auf die Münchner Hausberge. Eine verbesserte Seilführung soll die Engstelle am Brecherspitz Westgrat in Zukunft entschärfen. Hoffentlich mit Erfolg.
Wen das jetzt abschreckt, der kann den völlig gefahrlosen Nordgrat durch die Latschen nehmen, der sich auch für Familien mit kleinen Kindern eignet.

Aiplspitz und Rotwand (Schlierseer Berge)

Unterwegs über steinige Almweiden zum Aiplspitz.
Auf der Kammwanderung vom Aiplspitz zur Rotwand kann man gleich zwei schöne Münchner Hausberge an einem Tag besuchen.Die landschaftlich einmalige Tour begeistert mit einer fantastischen Aussicht. Sie führt über sonnige Almen, passiert das Rotwandhaus und endet mit dem Pfanngraben, einer geologisch sehr interessanten Schlucht.
Neben den Kocheler Bergen zählt das Gebiet um den Spitzingsee und insbesondere die Rotwand zu den bevorzugten Wanderzielen der Münchner, was einige Probleme mit sich bringt. Durch die starke Frequentierung fransen die Steige vor allem auf den tiefgründigen Almböden stark aus. In den letzten Jahren wurden sie aufwändig saniert, so dass es mit dem Morast zwischen Taubenstein und Rotwand inzwischen ein Ende hat.

Pendling (Brandenberger Alpen)

Kaiserblick vom Pendling.
Der bei weitem wuchtigste, augenfälligste Berge, wenn man von Norden durch das Inntal nach Kufstein fährt, ist der Pendling. Und das, obwohl er mit dem gegenüberliegenden Kaisergebirge konkurriert. Er gehört zu den wenigen, der hier vorgestellten Berge, die man auch im Winter problemlos besteigen kann. Das Panorama übertrifft fast dasjenigen von den Kaisergipfeln, doch leider hat der durchgehend bewaldete Aufstieg über das Dreibrunnenjoch zum Pendlinghaus kaum Abwechslung zu bieten. Bei trübem Wetter lohnt sich die Mühe also nicht.

Scheffauer (Kaisergebirge)

Die letzten Meter zum Gipfel.
Münchner Bergsteiger begannen bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Kaisergebirge zu entdecken. Durch die 1858 eröffnete Bahnstrecke nach Kufstein war es für sie gut erreichbar. Leider ließen einige der meist sehr jungen Bergpioniere an den anspruchsvollen Felswänden ihr Leben. Ihre Routen sind bis heute Klassiker des Alpinkletterns.
Der Scheffauer zählt zu den einfacheren Gipfeln des Wilden Kaisers. Mit dem spannenden Widauersteig von der Kaindlhütte ermöglicht er dennoch ein wenig alpines Feeling.Die geschickt angelegte, gut abgesicherte Plaisirroute führt mitten durch die Felswildnis der Nordwand und bietet eindrucksvolle Tiefblicke.Für Schwindelfreie und Trittsichere stellt sie kein Problem dar. Alle anderen nehmen besser den leichteren Aufstieg von der Steiner Hochalm im Süden.

Pyramidenspitze (Kaisergebirge)

Im Winkelkar zeigt der Zahme Kaiser seine wilde Seite.
Das Kaisertal ist eines der schönsten Alpentäler überhaupt. Es trennt den Wilden vom Zahmen Kaiser. Die Bezeichnung zahm muss man in diesem Zusammenhang allerdings als relativ betrachten. Denn die Bergtour durch das Winkelkar auf die Pyramidenspitze liegt zwar im Zahmen Kaiser, steht der oben beschriebenen auf den Scheffauer im Wilden Kaiser aber in nichts nach. Einfacher gestaltet sich der Aufstieg vom Kaisertal über die Ritzaualm und die Vorderkaiserfeldenhütte (DAV). Manche übernachten auf einer der beiden, was angesichts des weiten Wegs vernünftig ist. Falls man den Bus nutzen mag, bietet sich eine Überschreitung an, also den ganzen Zahmen Kaiser an einem Stück. Ein Bergabenteuer vom Feinsten!

Heuberg (Chiemgauer Alpen)

Abstieg zur Daffnerwaldalm.
Der Heuberg erhebt sich direkt hinter den Hügeln des Samerbergs, gleichsam als erster alpiner Vorposten der Chiemgauer Alpen. In dieser Aufzählung soll er repräsentativ für die gesamte Gebirgsgruppe stehen, in der es natürlich noch viele weitere beliebte Münchner Hausberge gibt, die vom Charakter her aber alle ähnlich sind.Mit seinen vier Gipfeln und der zerklüfteten, felsigen Westflanke ist der Heuberg einer der auffälligsten Berge im bayerischen Inntal.Ja, er hat so seine Besonder­heiten – Höhlen, sagenhafte Orte und sogar eine seit der Barockzeit durchgehend besetzte Einsiedelei. Sie befindet sich im so genannten Kirchwald an der Nordseite.
Talort ist Nußdorf am Inn. Von dort wandert man am besten über die Bichleralm auf den Heuberg. So kann man bergab die Einkehr auf der Daffnerwaldalm genießen.