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Moore in Bayern

Wandern in den schönsten Moortypen des Alpenvorlands und der Alpen

Die zahlreichen, teils riesigen Moore im Süden von Bayern bieten nahezu unbegrenzte Möglichkeiten zum Wandern. Es gibt einige wirklich schöne Lehrpfade und viele abwechslungsreiche, gut beschilderte Wanderwege. Moore sind zu jeder Jahreszeit und bei fast jedem Wetter ein Erlebnis, gerade wegen ihrer dann jeweils so unterschiedlichen Stimmung.
Stand:

Moore als Folge der Eiszeit

Blick über das Murnauer Moos zum Estergebirge. Der Loisach-Gletscher hat die Mulde geschaffen, in der sich heute die weitläufigen Moorflächen erstrecken.

Im südbayerischen Alpenraum kann man beim Wandern viele recht verschiedene Moortypen kennenlernen, darunter Verlandungs­moore, Quellmoore, Überschwemmungs­moore und Regenmoore. Nicht alle, jedoch die meisten sind eine Folge der eiszeitlichen Gletscher­vorstöße der Würm-Kaltzeit. Durch das Gewicht der Eismassen wurde Becken ausgehobelt, die sich nach dem Rückzug der Gletscher mit Wasser füllten. Die Gletscher hinterließen im Alpenvorland auch große Moränenkränze, die wie Dämme zu einem Wasser­rückstau führten.Das unmittelbare Alpenvorland war im Spätglazial vor etwa 14 000 Jahren somit erst einmal von riesigen Seen bedeckt.Heute sind diese zum größeren Teil verlandet. Die Fläche des Urchiemsees etwa betrug das Dreifache des heutigen Chiemsees. Andere, wie der Rosenheimer See, verschwanden komplett. Die Verlandung geschah zum einen durch die von den Alpenflüssen mitgeführten Sedimente, zum anderen durch die Entstehung von Mooren. Die nördlichen und südlichen Chiemseemoore nehmen heute den Platz des Urchiemsees ein. Wo sich früher der Rosenheimer See ausdehnte, erstrecken sich nun die Rosenheimer Stammbeckenmoore.

Wie entstehen Moore?

Moore entstehen oft durch die Verlandung von Seen. Die Moorbildung beginnt dabei am Ufer und in den flachen Bereichen, wo ein Schilfgürtel heranwachsen kann. Abgestorbene Pflanzenteile fallen ins Wasser, werden darin aber auf Grund von Sauerstoff­mangel nur unvollständig zersetzt. Dadurch fängt die Torfbildung an. Manchmal wächst vom Ufer ein schwimmender Schwingrasen in den See hinaus, so genannt, weil der Boden beim Betreten schwankt. Schwingmoore sind selten geworden. Am Bärnsee bei Aschau im Chiemgau1 gibt es noch eines.Damit eine Torfschicht von einem Meter entsteht, braucht es tausend Jahre.Unter günstigen Bedingungen kann die Torfbildung allerdings auch schneller ablaufen. Sonst hätten im Murnauer Moos nicht innerhalb von 7000 Jahren fast 20 Meter Torf entstehen können. Meistens sind die Torfschichten deutlich dünner. Laut Definition spricht man bereits von einem Moor, wenn sie mindestens 30 Zentimeter erreicht.

Unterschiede zwischen Niedermoor und Hochmoor

Torfmoose und Moosbeeren sind typische Hochmoorpflanzen.

Solange ein Moor noch Verbindung zum Grundwasser hat, wird es als Niedermoor bezeichnet. Wächst die Torfschicht immer weiter, wölbt sich die Oberfläche wie ein Brennglas auf und das Moor verliert den Kontakt zum Grundwasser. Solche Hochmoore müssen ihren Wasserbedarf allein aus den Niederschlägen decken, weshalb sie auch Regenmoore heißen. Man findet sie nur in niederschlags­reichen Regionen wie dem Alpenvorland.Niedermoore und Hochmoore lassen sich anhand ihrer Pflanzengesellschaften leicht voneinander unterscheiden.Niedermoore besitzen eine üppige, artenreiche Vegetation. Im Niedermoor herrscht kein Nährstoffmangel, weil es vom Grundwasser ausreichend mit Mineralien versorgt wird. Zu den typischen Pflanzen der Niedermoore zählen Seggen, das Schmalblättrige Wollgras und Orchideen wie das Knabenkraut. Bei den Bäumen überwiegen Laubgehölze, vor allem Erlen und Weiden.
In den nährstoffarmen Hochmooren gedeihen dagegen nur wenige Spezialisten wie Torfmoose, das Scheidige Wollgras und Moosbeeren, außerdem die genügsamen Latschen, oft gemeinsam mit ihrer aufrechten Verwandten, den Moorspirken.
Durch Entwässerungs­maßnahmen verändern sich die Pflanzengesellschaften. Auf trockenen Hochmoor­flächen wachsen dann meistens Nadelwälder. Niedermoore werden zu Streuwiesen, Weiden oder Äckern und sind auf den ersten Blick gar nicht mehr so einfach als solche zu erkennen.

Was bedeutet Filz, Moos und Ried?

Eine Filzfläche mit Latschenbewuchs.

In Bayern verrät oft schon der Name, ob es sich um ein Niedermoor oder ein Hochmoor handelt.
Niedermoore werden Moos oder Ried genannt. So etwa das Ainringer Moos2 bei Freilassing oder das Leutstettener Moos3 nördlich des Starnberger Sees, die beide übrigens sehr gut zum Wandern erschlossen sind.
Hochmoore heißen normalerweise Filze, wegen ihres struppigen Bewuchs aus Zwergsträuchern und Krummholz. Ein geradezu idealtypisches Beispiel dafür ist der Burghamer Filz4 im Norden des Chiemsees bei Seebruck. Dort gibt es einen Aussichtsturm, von dem man über ein weitläufiges Latschenfeld blickt.

Wie üblich gibt es natürlich auch Ausnahmen von der Regel. Das Werdensteiner Moos5 im Allgäu ist nämlich trotz seines Namens ein Hochmoor. Andere nahmen es dagegen ganz genau. Bei Wallgau im Werdenfelser Land liegt nahe dem so genannten Großen Stein das Filzmoos6. Wer immer ihm diesen Namen gab, wusste Bescheid, denn in dem Niedermoor existiert tatsächlich ein kleiner Hochmoorbereich.

Malerische Eiszerfallslandschaften

Der Kautsee auf der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte.

Zu den schönsten Landschaftsformen Bayerns gehören auf jeden Fall die Eiszerfalls­landschaften. Die drei bedeutendsten sind die Osterseen7 im Süden des Starnberger Sees zwischen Seeshaupt und Iffeldorf, die Eggstätt-Hemhofer Seenplatte8 nordwestlich des Chiemsees sowie die ebenfalls im Chiemgau gelegenen Seeoner Seen9. Die kleinteiligen Sumpflandschaften erfreuen sich großer Beliebtheit für Tagesausflüge. Die Leute kommen zum Baden, Wandern, Fotografieren oder zur Vogelbeobachtung.Neben den mehr oder weniger großen Seen bestehen sie aus Niedermooren, Hochmooren, Schilfgebieten und Erlenbruchwäldern.Es gibt aber auch trockene Standorte auf den wallartigen und kegelförmigen Erhebungen, die von Schmelzwasser­bächen aufgeschüttet wurden. Durch die vielen unterschiedlichen Lebensräume und Pflanzen­gesellschaften existiert eine enorme Biodiversität mit seltenen Arten. Die Eiszerfalls­landschaften stehen daher überwiegend unter Naturschutz. Also bitte auf den ausgeschilderten Wanderwegen bleiben.

Die Eiszerfalls­landschaften sind am Ende der letzten Kaltzeit entstanden, als die Gletscher nach dem maximalen Vorstoß vor 20 000 Jahren langsam zurückwichen und große Toteismassen übrig blieben. Das Toteis zerfiel in einzelne Blöcke. In den Zwischenräumen lagerten die Schmelzwasser­bäche Geröll, Kies und Sand ab.Schließlich schmolzen die Toteisblöcke ab und hinterließen mit Wasser gefüllte Vertiefungen, die als Toteislöcher oder Toteiskessel bezeichnet werden.Diese Eiszeitseen speisen sich hauptsächlich aus Grundwasser. Teilweise bildeten sich aus miteinander verbundenen Löchern auch größere Seen. Anders als die großen Zungen­beckenseen, wie etwa der Starnberger See oder der Ammersee, verfügen die Toteislöcher kaum über nennenswerte Zuflüsse. Sie verlanden deshalb weniger auf Grund eingetragener Sedimente, sondern vorwiegend durch die Entwicklung von Mooren.

Weitläufige Moorkomplexe zu Füßen der Alpen

Die alte Torfarbeiterhütte in den Nicklheimer Filzen neben den wiedervernässten Abbauflächen.

Von den zahllosen Mooren im Süden des bayerischen Alpenvorlands stechen die großen Moor­komplexe durch ihrer Vielfältigkeit besonders hervor. Sie bieten beste Voraussetzungen für abwechslungsreiche Wanderungen. Jeder Moorkomplex bildet in sich wiederum ein eigenes reichhaltiges Mosaik aus unterschiedlichen Moortypen und Entwicklungs­stadien vom Niedermoor bis zum Hochmoor, teils mit Restseen und sogar Quelltrichtern. Sie umfassen auch Kulturland, vor allem artenreiche Streuwiesen, die heute zwar keinen landwirt­schaftlichen Nutzen mehr besitzen, aber aus Naturschutz­gründen weiterhin gemäht werden. Durch die Entwässerung entwickelten sich auf den höher gelegenen Flächen außerdem trockene Heidelandschaften oder Moorwälder.

Bezüglich Größe und Erhaltungs­zustand einzigartig in ganz Mitteleuropa ist das Murnauer Moos10. Durch seine Alpennähe ließ es sich nur schlecht entwässern und blieb daher besser intakt als andere Moore. Zum Kennenlernen unternimmt man am besten den Moosrundweg über das Ähndl. Wer tiefer einsteigen möchte, sollte darüber hinaus zum Moosbergsee und Köchelsee wandern.

Torf war bis weit ins 20. Jahrhundert ein billiger Brennstoff. Vor allem die Rosenheimer und Traunsteiner Salinen verfeuerten viel Torf. Daneben wurde er gerne als Einstreu in Viehställen genutzt. Bis heute landet er in Gärten und Blumentöpfen. Mit am schlimmsten vom Torfabbau betroffen waren die Rosenheimer Stammbeckenmoore und die südlichen Chiemseemoore. Durch die langjährige Renaturierung entstanden in den Nicklheimer Filzen11 bei Rosenheim und ihrem Chiemgauer Pendant, den Kendlmühlfilzen12 bei Rottau, Wanderparadiese sondergleichen. Die Schäden durch den Torfabbau werden jedoch noch lange sichtbar bleiben.

Einzigartige Quellmoore in den Bayerischen Alpentälern

Quellmoor am Mühlbach bei Eschenlohe im Loisachtal.

Viele Alpentäler sind von Natur aus Feuchtgebiete, wie man entlang der Loisach, der Ammer oder der Traun gut erkennen kann. Die Gletscher räumten die Täler gründlich aus und lagerten das Material im Alpenvorland wieder ab. So füllten sich die übertieften Täler nach dem Gletscher­rückzug erst einmal mit Wasser. Über Jahrtausende sorgten zudem die Flüsse für regelmäßige Überflutungen, was sich erst durch den Hochwasser­schutz änderte. In der Folge gingen viele Flussauen und Überflutungs­moore verloren.
Besser steht es um die Quellmoore, die in den Alpentälern gehäuft auftreten. Denn das Grundwasser strömt normalerweise talauswärts und wird an den Engstellen im Tal nach oben gedrückt, so dass es direkt aus dem Boden hervorquillt.
Die von Moorflächen umgebenen Quellen sind oft nicht so ohne Weiteres zugänglich. Man sollte unbedingt auf den Wegen bleiben, denn Quellmoore zählen zu den besonders gefährdeten Biotopen. Es wachsen dort gefährdete Arten, die durch Trittschäden leicht zerstört werden können.

Zu den schönsten Quellmooren Bayerns gehören die Sieben Quellen13 bei Eschenlohe im Loisachtal. Der Wanderweg führt direkt an den Quellaustritten vorbei. In den größten Quelltümpel führt ein Steg.
Ebenfalls lohnend ist ein Besuch an den malerischen Ammerquellen14 im Graswangtal zu Füßen des Kofels. Sie liegen nahe der Straße und können auch ohne längere Wanderung erreicht werden. Aus den kreisrunden Quelltöpfen entspringen mehrere Bächlein, die sich zur Kleinen Ammer vereinen.

Hochlagenmoore in den Bergen

Torfmoose gedeihen in den Hochlagen­mooren der Alpen weniger gut als im Flachland. Stattdessen dominieren Sauergräser und Binsen.

Die meist recht kleinen Moore der hochmontanen und subalpinen Stufe erfahren viel weniger Aufmerksamkeit als die großen Moorgebiete des Flachlands. Man wandert schließlich nicht stundenlang bergauf, um ein Moor zu sehen. Wenn der Gipfel ruft, bleibt eine vermoorte, als magere Weide genutzte, vielleicht sogar vom Vieh zertrampelte Mulde leicht unbeachtet links liegen. Aber ist nicht eigentlich der Weg das Ziel?
Leider sind die Hochlagenmoore ebenso gefährdet wie diejenigen des Alpenvorlands. Vor allem die Almwirtschaft verursacht Schäden, außerdem der rücksichtslose Bau breiter Forststraße, wie beispielsweise an dem Moor auf der Luitpolderalm am Staffel im Isarwinkel.

Als eines der bedeutendsten Hochlagenmoore Bayerns gilt das Priesberger Moos15 in den Berchtesgadener Alpen. Von der Jennerbahn Mittelstation aus ist es auf bequemen Wegen in weniger als einer Stunde zu erreichen.
Unbedingt sehenswert ist der abgeschiedene Wildsee16 im Estergebirge, eine Seltenheit in dem ansonsten stark verkarsteten, trockenen Gebirge. Den weitgehend verlandeten See umgibt ein Niedermoor mit einzelnen, latschen­bewachsenen Hochmoorinseln.
Die größte Dichte an Hochlagenmooren findet man in den Ammergauer Alpen. Allerdings liegen diese gut versteckt abseits der beliebten Wanderwege. Man muss sich also schon speziell für eines der winzigen Moore interessieren. Zufällig kommt man daran nicht vorbei. Vielleicht ist das ja auch gut so.