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Klimawandel gefährdet Skigebiete in Bayern

Aufrüsten oder Umdenken?

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Durch den Klimawandel sehen sich die Skigebiete in Bayern veranlasst, viel Geld in den Ausbau von Beschneiungsanlagen zu investieren. Dennoch haben die meisten langfristig keine Überlebenschance. Anstatt weiter aufzurüsten, wäre es an der Zeit umzudenken und neue Wege zu beschreiten.

Inhalt

  1. Christmas-Easter-Shift
  2. Die Zahl der Skifahrer stagniert
  3. Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung
  4. Der Steuerzahler trägt das Risiko
Speicherteich im Skigebiet Sudelfeld. Trotz der kostspieligen Beschneiungsanlage war in den Weihnachtsferien 2015/16 nur eine einzige Piste befahrbar.
In den letzten 50 Jahren nahmen die durchschnittliche Schneemenge sowie die Anzahl der Schneetage im bayerischen Alpenraum signifikant ab. Die Temperatur legte im gleichen Zeitraum um 1,6 Grad zu. Dies belegt eine umfangreiche Datenerfassung des BR unter dem Titel: Schnee von morgen. Bereits 2013 kam eine vom DAV in Auftrag gegebene Studie zu dem Ergebnis, dass mit künstlicher Beschneiung mittelfristig zwar noch etwa 50 bis 70 Prozent der bayerischen Skigebiete schneesicher sein werden, langfristig aber wohl nur Zugspitze, Nebelhorn und Fellhorn überleben können.
Der Verband Deutscher Seilbahnen beurteilt die Situation positiver und hält laut einer eigenen Studie aus dem Jahr 2014 die deutschen Pisten mit einer effizienten Beschneiung für langfristig schneesicher.
Somit ist nach wie vor umstritten, ob der Klimawandel die Skigebiete in Bayern gefährdet. Während Liftbetreiber und Tourismusmanager auf eine letzte große Modernisierungsrunde setzen, halten DAV und Umweltschützer dies für eine Fehlinvestition und fordern einen Wandel hin zu einem nachhaltigen und sanften Wintertourismus. Denn künstliche Schneesicherheit verspricht wegen der enormen Kosten noch lange keinen wirtschaftlichen Erfolg.

Christmas-Easter-Shift

Laut Prof. Jürgen Schmude von der LMU München kommen die Schneetage bedingt durch den Klimawandel tendenziell später. Er nennt dies Christmas-Easter-Shift. Bei häufig mildem Dezemberwetter können nicht einmal mehr die Schneekanonen den Winter herbeizaubern. Schneemangel ist inzwischen über Weihnachten und Neujahr zur Regel geworden und nicht mehr die Ausnahme. Anstatt weiße Weihnachten zu vermarkten, müssten Touristiker in Zukunft Menschen für einen Skiurlaub an Ostern gewinnen. Das dürfte allerdings schwierig sein. Zur Osterzeit ist der ganze Organismus schon auf Frühling eingestellt und vom Schnee haben dann die meisten genug. Wenn im Flachland bereits überall die Blumen blühen, herrschen oft die besten Pistenbedingungen. Doch die Nachfrage ist im Frühjahr zu gering, um die Ausfälle in den Weihnachtsferien wieder wettzumachen.

Die Zahl der Skifahrer stagniert

Bezüglich der aktiven Skifahrer in Deutschland existieren unterschiedliche Angaben. Es sind wohl bestenfalls um die 10 Prozent. Skifahren zählt damit zu den beliebtesten Sportarten. Allerdings stagniert der Markt seit Jahren und der Nachwuchs bröckelt, weil weniger Schulen ins Skilager fahren. Schuld daran sind unter anderem die gestiegenen Kosten und die mangelnde Schneesicherheit.
Ungemach droht zudem von Seiten derjenigen Skifahrer, für die zum Wintersport eine schöne Winterlandschaft gehört. Sie stören sich an den weißen Pistenbändern in der grünen Landschaft und steigen bei Schneemangel lieber auf andere Aktivitäten um.
Überdies hat das Pistenskifahren schon länger ein angestaubtes Image. Bergsportler, die etwas auf sich halten, bevorzugen Skitouren.

Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung

Nachhaltigkeit wird in Zukunft beim Urlaub an Bedeutung gewinnen, wie das Konzept der Bergsteigerdörfer zeigt. In Bayern wurde die Gemeinde Ramsau 2015 als erste mit dem begehrten Siegel ausgezeichnet. Im Gegensatz dazu verbaute man sich unter anderem am Brauneck (Lenggries) und am Sudelfeld (Bayrischzell) diese Möglichkeit nachhaltig. Beide erhielten für ihre besonders groben Umweltsünden vom Verein Mountain Wilderness den negativen Umweltpreis Bock des Jahres verliehen. Dieser ist auch eine Orientierungshilfe für umweltbewusste Verbraucher und schadet auf jedem Fall dem Image. Gerade Bayrischzell als noch relativ intaktes Dorf wäre eigentlich als Bergsteigerdorf prädestiniert gewesen. Es erfordert freilich eine gewisse Kreativität, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und ein breit aufgestelltes Tourismuskonzept zu entwickeln. Kurzfristig ist es einfacher und lukrativer mit den Skifahrern Geld zu verdienen, doch langfristig werden Gemeinden wie Ramsau die Nase vorne haben. Eine unverbaute, natürliche Landschaft ist ein knappes Gut und ein unschätzbares Kapital für den Tourismus. Wer hat schon Lust, zwischen Schneekanonen und betonierten Speicherseen umherzulaufen.

Der Steuerzahler trägt das Risiko

Dezember 2015 an der Hörnlebahn bei Bad Kohlgrub. Statt Skifahrer werden Wanderer transportiert. Wozu also beschneien?
Der Klimawandel sollte für den Wintertourismus in den Bayerischen Alpen kein Problem darstellen, da die meisten Urlauber ohnehin Ruhe und Erholung suchen. Wenn man sich aber als Skiparadies vermarktet und dann das Skifahren nur eingeschränkt oder gar nicht möglich ist, sind enttäuschte Gäste vorprogrammiert. Begeisterte Skifahrer mit Kutschfahrten und Winterwanderungen zu trösten ist lächerlich. Die bittere Wahrheit ist, dass die meisten bayerischen Alpenorte für diese Klientel einfach kein geeignetes Ziel sind und mit den höher gelegenen Gebieten in Tirol nicht mithalten können. Die staatlichen Subventionen in den Skitourismus sind fehlgeleitet. Sie helfen allenfalls den Herstellern von Schneekanonen und Liftanlagen. Mit gerade mal 10 000 Euro Fördersumme wurde der nachhaltige Tourismus in Ramsau unterstützt. Für den Sudelfeldausbau kassierte Bayrischzell bisher 3,1 Millionen. Viele Liftbetreiber hängen am staatlichen Tropf, weil sich die Millioneninvestitionen über die Skipässe nicht an die Urlauber weitergeben lassen. Es ist schon schwierig, die laufenden Kosten der Beschneiung zu erwirtschaften.
Ganz anders an der Hörnlebahn, wo man in schneearmen Wintern gut mit der Beförderung von Wanderern und Schneeschuhgehern lebt. Die Betriebskosten sind ohne Beschneiungsanlage überschaubar.
Für einige der hoch verschuldeten Liftbetreiber dürften mehrere schlechte Winter in Folge das Aus bedeuten. Mit drin hängen oft die Kommunen und damit erneut der Steuerzahler. Zurück bleibt eine verschandelte Landschaft, deren Renaturierung wohl ebenfalls irgendwann der Steuerzahler übernehmen muss.