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Höhlen in den Bayerischen Alpen

Gefahrlose Ausflüge in die Unterwelt

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Der schmale bayerische Alpenstreifen verzeichnet Hunderte wenn nicht gar Tausende von Höhlen. Die meisten liegen sehr versteckt, sind nur von guten Bergsteigern zu erreichen und ohne große Erfahrung nicht zu befahren. Immerhin gibt es ein paar Schauhöhlen nebst einigen kleineren, leicht zugänglichen Höhlen, die durch Wanderwege erschlossen sind.

Inhalt

Solche Karstrillen zeigen, dass das Regenwasser den Kalkstein aufzulösen vermag.
Höhlen entstehen hauptsächlich auf Grund tektonischer Vorgänge, chemischer Lösungsprozesse und mechanischer Erosion. Dabei können auch mehrere Ursachen zusammenspielen.
Die Gebirgsfaltung erzeugt starke Spannungen im Fels. Wo dieser bricht, öffnen sich Kluft- bzw. Spalthöhlen. Im wasserführenden Kalkgestein können diese Bruchstellen wiederum die Grundlage weitverzweigter Höhlensysteme bilden. Das eindringende Regenwasser ist durch die Aufnahme von Kohlendioxid aus der Luft sauer. Die enthaltene Kohlensäure vermag das Calciumcarbonat aus den Gesteinen der Kalkalpen zu lösen. Wasser führt außerdem Sand mit sich. Bei höher Fließgeschwindigkeit wirkt das wie ein Sandstrahl, so dass der Höhlenraum auf mechanische Weise vergrößert wird.

Beispiele für die verschiedenen Höhlentypen

Die Bärenhöhle bei Wallgau im Estergebirge ist über einen Wanderweg leicht zu erreichen.
Reich an Höhlen sind naturgemäß die großen Karstgebiete. Dazu zählen im bayerischen Teil der Alpen unter anderem das Estergebirge, der Untersberg und das Hagengebirge. Wie die sprichwörtlichen Löcher im Schweizer Käse durchziehen darin unterirdische Wasserläufe den Fels. Teilweise reichen diese bis in die Tallagen hinab, wo das Wasser an Karstquellen wieder hervortritt. Aus Naturschutz- oder Sicherheits­gründen wurden manche der berühmten Karsthöhlen gesperrt und dürfen nur noch mit Genehmigung betreten werden. So etwa die Salzgrabenhöhle1 am Königssee. Derartig komplexe, wasserführende Höhlensysteme sind aber ohnehin den Spezialisten vorbehalten. Problemlos können dagegen viele der damit zusammen­hängenden Karstquellen aufgesucht werden. Ein besonders schönes Beispiel sind die so genannten Sieben Quellen2 im Loisachtal bei Eschenlohe.
Im Gegensatz zu den riesigen Karsthöhlen beruhen die zahlreich an Felswänden vorhandenen grottenartigen Auswitterungshöhlen auf einer äußeren Erosion. Sie sind selten so tief, als dass eine Taschenlampe nötig wäre. Ein interessantes Exemplar dieses Höhlentyps ist die Bärenhöhle3 bei Wallgau am Rand des Estergebirges. In der verwitterungsanfälligen Rauwacke reihen sich dort mehrere, künstlich anmutende Nischen aneinander.
Tektonischen Ursprungs ist eine namensgleiche Höhle bei Oberammergau, welche direkt an der Straße nach Ettal liegt. Das gewaltige Portal der Ammergauer Bärenhöhle4 ist schon von Weitem zu sehen. Dahinter ist allerdings schnell Schluss.
Viele der Kleinhöhlen, sofern sie leicht zugänglich sind, wurden schon früh von Menschen genutzt. Sie dienten Steinzeitjägern als Lagerplatz, Hirten und Almvieh als Unterstand oder der lokalen Bevölkerung als Zuflucht in Kriegszeiten. Letzteres darf wohl für das zur Höhlenburg ausgebaute Grafenloch5 bei Oberaudorf im Inntal angenommen werden.

Schauhöhlen

Vor Jahrmillionen floss durch die Wendelsteinhöhle Wasser.

Im Allgäu sind Höhlen eher dünn gesät. Doch bei Obermaiselstein gibt es mit der Sturmannshöhle6 eine 460 m lange Klufthöhle, die komplett begehbar ist. Von der Bushaltestelle bzw. dem Parkplatz Hirschsprung aus ist sie auf dem Sagenweg in einem kurzen Fußmarsch zu erreichen. Führungen gibt es in der Sturmannshöhle nahezu ganzjährig.

Am Wendelstein bei Bayrischzell gibt es im Gipfelbereich eine ehemalige Karsthöhle zu bestaunen, die Teil eines größeren Systems ist. Dieses Karstgebiet muss vor der Alpenfaltung auf Höhe des Grundwasserniveaus entstanden sein und fiel erst später trocken. Der künstlich angelegte Eingang zur Wendelsteinhöhle7 befindet sich direkt neben dem Bahnhof der Zahnradbahn und wenige Minuten von der Bergstation der Seilbahn entfernt. Der Aufstieg von Bayrischzell dauert mindestens zwei Stunden. Die Höhle ist von Mai bis November offen und wird selbstständig besichtigt. Multimediale Stationen bieten ausreichend Informationen. Gelegentlich gibt es Sonderführungen, bei denen ansonsten gesperrte Gänge betreten werden können.

Die ungewöhnlichste Schauhöhle in den Bayerischen Alpen ist die Schellenberger Eishöhle8 im Untersberg bei Marktschellenberg. In ihren gewaltigen Hallen türmen sich jahrtausendealte Eisschichten. Führungen finden von Pfingsten bis Oktober statt. Erreichbar ist die Schellenberger Eishöhle nur im Rahmen einer anstrengenden Bergwanderung von bis zu drei Stunden. Der beschilderte Aufstieg beginnt zwei Kilometer nördlich von Marktschellenberg. Die Buslinie zwischen Berchtesgaden und Salzburg hat dort eine Haltestelle. Unbedingt warme Kleidung mitnehmen, denn in der Eishöhle herrschen selbst im Hochsommer winterliche Temperaturen!

Literatur