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Höhlen in den Bayerischen Alpen

Ausflüge in die Unterwelt

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Der schmale Streifen der Bayerischen Alpen verzeichnet Tausende von Höhlen. Die meisten liegen sehr versteckt, sind nur von guten Bergsteigern zu erreichen und ohne große Erfahrung nicht zu befahren. Immerhin gibt es ein paar Schauhöhlen sowie einige kleinere, leicht zugängliche Höhlen, die durch Wanderwege erschlossen sind. Aktualisiert am

Inhalt

  1. Wie entstehen Höhlen?
  2. Karsthöhlen
  3. Klufthöhlen
  4. Auswitterungshöhlen
  5. Schauhöhlen
  6. Literatur

Wie entstehen Höhlen?

Karstrillen im Dachsteinkalk am Untersberg. Wie hier auf der Oberfläche löst das Wasser das Kalkgestein auch im Untergrund auf.

Höhlen werden in drei Hauptarten unterteilt. Am spannendsten sind zweifellos die weitverzweigten Höhlensysteme der Karstgebiete. Sie entstehen durch chemische Lösungsprozesse im Karbonatgestein. Regenwasser nimmt aus der Luft Kohlendioxid auf und wird dadurch leicht sauer. Das kohlensäure­haltige Regenwasser vermag das Kalziumkarbonat aus den Gesteinen der Kalkalpen zu lösen. Sobald Regenwasser durch Ritzen und Spalten eindringen kann, beginnen sich unterirdische Hohlräume zu bilden. Karsthöhlen entwickeln sich über einen sehr langen Zeitraum und werden dabei immer größer.

Höhlen tektonischen Ursprungs sind im Gegensatz zu den Karsthöhlen kaum verzweigt, können aber durchaus beachtliche Längen oder Tiefen erreichen. Diese so genannten Klufthöhlen bzw. Spalthöhlen werden durch starke Spannungen im Gestein verursacht, welche vor allem entlang geologischer Störungen zu Brüchen führen können. Klufthöhlen hängen also direkt mit der Gebirgsfaltung zusammen. Im Falle der Alpen dauert diese bis heute an.

Die dritte wichtige Gruppe bilden die Auswitterungshöhlen. Sie sind aller Regel klein und verdanken ihre Entstehung mechanischen Prozessen – insbesondere der Frostsprengung. In sehr weichen Gesteinen, wie beispielsweise Gips, werden Höhlen auch durch Regenwasser ausgewaschen.

Bei vielen Höhlen spielen mehrere Ursachen zusammen. So kann ein tektonischer Spalt Ausgangspunkt für eine Karsthöhle sein, wenn durch ihn saures Regenwasser abfließt. Und natürlich kann der Spalt auch durch Frostsprengung mechanisch vergrößert werden.

Karsthöhlen

Der Kuhfluchtwasserfall bei Farchant im Estergebirge.

In den Bayerischen Alpen existieren mehrere Karstgebiete. Wie die sprichwörtlichen Löcher im Schweizer Käse durchziehen darin unterirdische Wasserläufe den Fels. Die größten Karstgebiete befinden sich in den Berchtesgadener Alpen, wo der verkarstungs­anfällige Dachsteinkalk viele Gipfel aufbaut.

Besonders reich an Höhlen ist der Untersberg. Er beherbergt die berühmt-berüchtigte Riesending-Schachthöhle, welche derzeit als längste und tiefste Höhle Deutschlands gilt. Früher einmal hatte die Salzgrabenhöhle am Königssee diesen Titel inne. Beide Höhlen sind aus Naturschutz­gründen und um Unfälle zu vermeiden für die Öffentlichkeit geschlossen.

Ebenfalls ein sehr interessantes Karstgebiet ist das Estergebirge in den Bayerischen Voralpen. Dort gibt es mit dem Angerlloch1 eine schnell erreichbare und vergleichsweise einfach befahrbare Höhle. Ins Angerlloch werden geführte Exkursionen angeboten.
Wo es Karsthöhlen gibt, sind meistens auch Karstquellen vorhanden. Die vielleicht spektakulärste Karstquelle Bayerns liegt in der Kuhflucht an der Westflanke des Estergebirges. Das Wasser der Kuhfluchtquelle2 ergießt sich aus mehreren Löchern in der Kuhfluchtwand. In knapp zwei Stunden kann man von Farchant zur Kuhfluchtquelle wandern.

Klufthöhlen

Die Bärenhöhle bei Oberammergau wirkt von außen sehr beeindruckend, reicht aber nicht weit in den Berg hinein.

Wer schon einmal von Oberammergau Richtung Ettal fuhr, dem dürfte die Bärenhöhle3 bekannt sein. Das riesige Portal fällt bereits von Weitem auf. Wegen Steinschlaggefahr wurde der Weg vom Parkplatz zur Höhle zurückgebaut. Auf eigene Gefahr hin darf sie weiter betreten werden. Außer einer großen Christusfigur hat sie im Inneren allerdings nichts Sehenswertes zu bieten. Über der Höhle zieht sich ein Riss die Felswand hinauf, so dass sie sich eindeutig der Gruppe der Spalthöhlen zuordnen lässt.

Bei Oberaudorf im Inntal kann man gleich zwei Klufthöhlen besuchen. Die kleine Ponorhöhle4 befindet sich südlich des Orts an der Westseite des Burgbergs. Sie kann einige Meter ohne Ausrüstung befahren werden.
Interessanter ist allerdings das Grafenloch5 in der Luegsteinwand. Das Grafenloch wurde im Hochmittelalter zur Höhlenburg ausgebaut. Ein paar Mauerreste sind noch übrig. Beide Höhlen sind gut ausgeschildert.

Gerade viele der Kleinhöhlen wurden schon früh von Menschen genutzt. Sie dienten Steinzeitjägern als Lagerplatz. Hirten fanden darin mit ihrem Almvieh Unterschlupf bei Schlechtwetter. In Kriegszeiten suchte die Bevölkerung Zuflucht in versteckten Höhlen. Obwohl geologisch unspektakulär, haben sie dadurch oftmals eine gewisse lokal­historische Bedeutung. Um manche ranken sich auch Sagen und Geschichten.

Auswitterungshöhlen

Die kleine Bärenhöhle bei Wallgau im Estergebirge ist eine typische Auswitterungshöhle.

Ein interessantes Exemplar des Typs der Auswitterungshöhle ist die Wallgauer Bärenhöhle6 am Rand des Estergebirges. In der verwitterungs­anfälligen Rauwacke der Raibler Schichten reihen sich dort mehrere künstlich anmutende Nischen aneinander. Die grottenartige kleine Bärenhöhle repräsentiert gut die charakteristischen Eigenschaften von Auswitterungs­höhlen. Typischerweise reichen diese nur ein paar Meter in den Fels hinein und setzen sich oft aus einer Gruppe von Halbhöhlen zusammen.

Ein weiteres schönes Beispiel für eine Auswitterungshöhle stellt der Wildfräuleinstein7 bei Bad Hindelang in den Allgäuer Alpen dar. Der Wildfräuleinstein ist ein beliebtes Ausflugsziel. Laut einer Sagen sollen in den miteinander verbundenen kleinen Löchern wilde Fräulein gehaust haben. Wie bei der Wallgauer Bärenhöhle entstanden die Löcher wohl auch beim Wildfräuleinstein durch die Auswaschung von weichem Gipsgestein.

Schauhöhlen

Vor Jahrmillionen floss durch die Wendelsteinhöhle Wasser.

Im Allgäu sind Höhlen eher dünn gesät. Doch bei Obermaiselstein gibt es mit der Sturmannshöhle8 eine 460 Meter lange Klufthöhle, die komplett begehbar ist. Von der Bushaltestelle bzw. dem Parkplatz Hirschsprung aus erreicht man sie nach einem kurzen Fußmarsch auf dem Sagenweg. Führungen finden in der Sturmannshöhle nahezu ganzjährig statt.

Am Wendelstein bei Bayrischzell existiert im Gipfelbereich eine ehemalige Karsthöhle, die Teil eines größeren Systems ist. Dieses Karstgebiet muss vor der Alpenfaltung auf Höhe des Grundwasserniveaus entstanden sein und fiel erst später trocken. Der künstlich angelegte Eingang zur Wendelsteinhöhle9 befindet sich direkt neben dem Bahnhof der Zahnradbahn und nur wenige Minuten von der Bergstation der Seilbahn entfernt. Der Aufstieg von Bayrischzell dauert mindestens zwei Stunden. Die Höhle ist von Mai bis November offen und wird selbstständig besichtigt. Multimediale Stationen bieten ausreichend Informationen. Gelegentlich gibt es Sonderführungen, bei denen ansonsten gesperrte Gänge betreten werden können.

Die ungewöhnlichste Schauhöhle in den Bayerischen Alpen ist die Schellenberger Eishöhle10 im Untersberg bei Marktschellenberg. In ihren gewaltigen Hallen türmen sich jahrtausendealte Eisschichten auf. Führungen finden von Pfingsten bis Oktober statt. Erreichbar ist die Schellenberger Eishöhle nur im Rahmen einer anstrengenden Bergwanderung von bis zu drei Stunden. Der beschilderte Aufstieg beginnt zwei Kilometer nördlich von Marktschellenberg. Die Buslinie zwischen Berchtesgaden und Salzburg hat dort eine Haltestelle. Unbedingt warme Kleidung mitnehmen, denn in der Eishöhle herrschen selbst im Hochsommer winterliche Temperaturen!

Literatur