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Historische Grenzsteine und Felsmarchen in den bayerischen Alpen

Zeugen vergangener Herrschaften

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Viele historische Grenzsteine erfüllen noch immer treu ihre Aufgabe und werden entsprechend gepflegt. Weniger selbstverständlich ist das Bewahren von Grenz­markierungen längst vergangener Herrschaften. Meist sind es fleißige Heimatforscher, die diese Kleindenkmäler wiederentdecken und dokumentieren.

Inhalt

  1. Umstrittene Grenzverläufe
  2. Grenzsteine dokumentieren und bewahren
  3. Literatur
Grenzstein am Dreiländereck bei Füssen mit dem Wappen des Hochstifts Augsburg.

Wer sich mit den Wappen, Symbolen, Buchstaben und Jahreszahlen auf den historischen Grenzsteinen und Felsmarchen beschäftigt, kann erstaunlich viel über Heimatgeschichte lernen.
Auf dem Schwarzenberg bei Füssen gibt es einen schönen Aussichtspunkt, der als Dreiländereck1 ausgeschildert ist. Heute verläuft dort nur noch die Grenze zwischen Bayern und Tirol. Die Bezeichnung als Dreiländereck ist historisch zu verstehen. Der Dritte im Bunde war das Hochstift Augsburg, von dem ein prächtiger alter Grenzstein zeugt. Füssen gehörte bis zur Säkularisation nämlich zum Hochstift Augsburg. Der Besitz fiel dann kurzzeitig an die Reichsstadt Augsburg und schließlich 1805 an das neu gegründete Königreich Bayern.
Das Hochstift Augsburg war eine so genannte reichsunmittelbare Herrschaft und damit direkt dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches unterstellt. Im äußersten Süden Bayerns gab es noch weitere reichsunmittelbare Herrschaften:

  • Im Oberallgäu lag die kleine Grafschaft Königsegg-Rothenfels, die sich von Immenstadt nach Südwesten erstreckte.
  • Das Werdenfelser Land war ebenfalls eine Grafschaft und befand sich im Besitz des Hochstifts Freising.
  • Das Gebiet um Miesbach und Schliersee gehörte zur Grafschaft Hohenwaldeck.
  • Ganz im Osten umfasste die Fürstpropstei Berchtesgaden das heute als Berchtesgadener Land bezeichnete Gebiet. Ähnlich dem Dreiländereck bei Füssen erinnert der Name des Dreisesselbergs2 bei Bad Reichenhall an die Zeit, als auf diesem Gipfel noch das Herzogtum Bayern, das Fürsterzbistum Salzburg und die Fürstpropstei Berchtesgaden zusammentrafen. Ein besonderer Grenzstein fiel mir dort allerdings nicht auf.

Umstrittene Grenzverläufe

Felsmarch am Grünkopf bei Mittenwald.
Bis ins 18. Jahrhundert basierten viele Grenzen hauptsächlich auf Grenzbeschreibungen. Grenzsteine waren teuer und wurden nur an besonders wichtigen Stellen aufgestellt. Aus Kostengründen markierte man auch Grenzbäume. Wo klare natürliche Strukturen wie etwa ein Fluss fehlten, boten die Grenzbeschreibungen viel Raum zur Interpretation. Daraus resultierten häufige Grenzstreitigkeiten, so dass die Grenzen immer genauer abgesteckt werden mussten.
Die Grafschaft Werdenfels beanspruchte beispielsweise in ihrer selbstverfassten Grenzbeschreibung von 1316 das Leutaschtal und das Karwendeltal für sich. Die mächtigere Grafschaft Tirol hatte dagegen ganz andere Vorstellungen vom Grenzverlauf und konnte diesen Stück für Stück nach Norden verschieben. Angesichts der schwedischen Bedrohung im 30-jährigen Krieg errichtete Österreich 1632 kurzerhand die Befestigungsanlage Porta Claudia3 auf Werdenfelser Boden. Der unerlaubte Bau direkt vor der Haustür sorgte in Mittenwald für große Verärgerung. Dennoch wurden damit Fakten geschaffen, die schließlich 1766 in einem Grenzvertrag festgezurrt wurden und den Grenzverlauf bis heute bestimmen. Die beiden Jahreszahlen auf der abgebildeten Felsmarch bei Mittenwald zeigen, dass diese Stelle in zwei Verträgen bestätigt wurde.
Am Isarberg zwischen Wallgau und Vorderriß soll es eine Felsmarch mit sogar drei Jahreszahlen geben.

Grenzsteine dokumentieren und bewahren

Dieser Grenzstein im Freilichtmuseum Glentleiten markierte einst die Grenze zwischen dem Kloster Schlehdorf (CS) und dem Landgericht Weilheim (LW).

Historische Grenzsteine sind wertvolle Kleindenkmäler und gehören dokumentiert und bewahrt.
Manche finden ihren Weg in die Museen. So wurden im Freilichtmuseum Glentleiten4 einige Steine aufgestellt und genau beschrieben. Im Idealfall sollten sie aber an ihrem ursprünglichen Standort verbleiben. Die exakte Position ist bereits für sich genommen eine wichtige Information, welche nicht verloren gehen darf.
Besonders bedeutende Grenzsteine und Felsmarchen sind übrigens im Bayerischen Denkmal-Atlas vermerkt. Allerdings muss man ungefähr wissen, wo man zu suchen hat. Teilweise werden Felsmarchen so gut es geht geheim gehalten. Offenbar besteht die Gefahr, dass ungebildete Ignoranten dort ihre Namen im Fels hinterlassen.

Literatur

Von Zufallsfunden bei Baumaßnahmen oder Waldarbeiten einmal abgesehen sind es vorwiegend engagierte Heimatforscher, welche die historischen Grenzmarkierungen aufspüren. Die Recherche in alten Dokumenten und die Suche vor Ort im Gelände sind eine zeitaufwändige Beschäftigung, die großen Respekt verdient.

Die Grafschaft Werdenfels wurde bereits erwähnt. Etwa 130 Kilometer war die Grenze lang. Josef Brandner lief sie wohl mehrmals ab und konnte so die meisten der vergessenen Grenzmarkierungen wiederfinden.

Joser Brandner und Heinrich Spichtinger
Rund ums Landl: Altwerdenfelser Grenzsteine und Felsmarchen

Im Isarwinkel forschte der Berg- und Skiführer Jost Gudelius jahrelang nach verschollenen Grenzmarkierungen und verfasste dazu ein interessantes Büchlein. Praktischerweise liegen die beschriebenen Objekte mitten in einem herrlichen Wandergebiet und so bietet die Lektüre nebenbei Anregungen für die eine oder andere Tour.

Jost Gudelius
Doppelter Abtstab und Hebscheidt: Grenzsteine und Felsmarchen zwischen dem Klostergericht Benediktbeuern und dem Landgericht Tölz


Wen es stattdessen mehr ins Allgäu zieht, der sollte sich mit den Veröffentlichungen des evangelischen Pfarrers Thomas Pfundner beschäftigen. Vor allem sein Buch über die Grenzsteine im bayerischen Schwaben ist empfehlenswert. Der eingangs erwähnte Stein am Dreiländereck ist nur einer von über 600, die Thomas Pfundner darin dokumentierte.

Thomas Pfundner
Historische Grenzsteine in Bayerisch-Schwaben