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Die Gliederung der Bayerischen Alpen

Geografische, geologische und naturräumliche Aspekte

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Die Gliederung der Alpen erinnert in ihrer Komplexität an die Taxonomie im Bereich der Pflanzen- und Tierwelt. Zu allem Überfluss existieren auch noch unterschiedliche Systeme, die sich erheblich voneinander unterscheiden. Sinnvolle Änderungen haben es schwer, sich gegen den etablierten Sprachgebrauch durchzusetzen.

Inhalt

  1. Alpenvereins­einteilung der Ostalpen (AVE)
  2. Internationale vereinheitlichte orografische Einteilung der Alpen (SOIUSA)
  3. Der Abschnitt der Bayerischen Alpen bei SOIUSA
  4. Wo enden die Alpen?
  5. Resümee

Alpenvereins­einteilung der Ostalpen (AVE)

Ausschnitt der AVE mit den Gebirgsgruppen rings um Garmisch-Partenkirchen.

Nicht Geografen, sondern Alpinisten begannen zuerst damit, die Alpen systematisch in Gruppen und Untergruppen einzuteilen. Das hatte ganz praktische Gründe. Erleichterte es doch die Kommunikation. Durch die Angabe einer Gebirgsgruppe lässt sich ein bestimmter Berg viel einfacher einordnen. Bei Bergnamen, die mehrfach vorkommen, schafft die Gruppe schnell Klarheit.
Als Ergebnis eines langen Prozesses entstand schließlich die Alpenvereins­einteilung der Ostalpen (AVE), die tief im Sprachgebrauch der Bergsteiger verwurzelt ist.

Basis der AVE sind hauptsächlich geografische Gesichtspunkte. Die Grenzen verlaufen durch Täler und entlang von Gewässern. Bei den Namen orientierte man sich möglichst am lokalen Sprachgebrauch. Beispiele dafür sind das Wettersteingebirge und das Karwendel. Andere Namen stellen dagegen reine Kunstbegriffe dar, wie etwa das Lechquellengebirge.

Alle klassischen Gebietsführer des Deutschen und Östereichischen Alpenvereins basieren auf den Gebirgsgruppen der AVE. Meistens teilen die Alpenvereinsführer die Gebirgsgruppen nochmals in Untereinheiten auf. Gerade bei diesen kommt es auch immer wieder zu kleineren Veränderungen.
In der Praxis spielt diese Feingliederung nur dann eine Rolle, wenn sie auf alte, gewachsene Bezeichnungen zurückgreifen kann. Der Untersberg oder das Lattengebirge in den Berchtesgadener Alpen sind solche Fälle.
Oft sind die Namen allerdings eher akademischer Natur, so dass sie keinen Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch finden. Bezeichnungen wie die Allgäuer Voralpen westlich der Iller oder die Nordwestlichen Walsertaler Berge sind einfach zu umständlich.

Internationale vereinheitlichte orografische Einteilung der Alpen (SOIUSA)

Die Isar trennt die Wallgauer Alpen vom Mangfallgebirge.

Als Alternative zur AVE versteht sich die Internationale vereinheitlichte orografische Einteilung der Alpen (SOIUSA). Bezüglich der Bayerischen Alpen betrifft der Hauptunterschied die Bayerischen Voralpen. Diese existieren bei der SOIUSA nicht mehr, denn sie zerfallen in die Wallgauer Alpen und das Mangfallgebirge. Aus geografischer Sicht ist die Trennung entlang der Isar gut nachvollziehbar. Das Problem sind aber die neu erfundenen Wallgauer Alpen, welche traditionell eher als Kocheler Berge bekannt sind. Ob sich der neue Name durchsetzen kann, bleibt abzuwarten.

Bei der Definition von Gebirgsgruppen spielt neben der Geografie manchmal auch deren Geschichte eine Rolle. Selbst die SOIUSA kann sich nicht ganz davon lösen.
Das zeigt sich beim Mangfallgebirge und den Brandenberger Alpen. Sowohl geografisch als auch geologisch betrachtet bilden beide eine kompakte Einheit. Die Trennung kann nur mit der Grenze zwischen Bayern und Tirol erklärt werden. Der südliche Teil des Gebiets wurde vom Tiroler Inntal aus erschlossen, die Täler des Mangfallgebirges dagegen von Norden her. Ein Zusammenwachsen wurde durch die politische Grenze verhindert. Beide Gruppen werden bei der SOIUSA nicht nur so beibehalten, sondern sogar zu unterschiedlichen Abschnitten gerechnet.

Der Abschnitt der Bayerischen Alpen bei SOIUSA

Die Bayerischen Alpen werden im Süden von den Nordtiroler Kalkalpen und im Osten von den Salzburger Nordalpen begrenzt.

Neu bei der SOIUSA ist die Gliederungsebene der Abschnitte, in die jeweils mehrere Gebirgsgruppen zusammen­gefasst werden. Der Nutzen dieser zusätzlichen Gliederungsebene ist zweifelhaft, denn es lassen sich keinen geologischen, geografischen oder sonstigen Kriterien erkennen, auf denen die Einteilung beruht.

Für unsere Betrachtung sind drei der Abschnitte relevant, nämlich die Bayerischen Alpen, die Nordtiroler Kalkalpen und die Salzburger Nordalpen. Alle drei fallen in den Sektor der Nördlichen Ostalpen, welchen die AVE auch kennt.

Zu den Bayerischen Alpen zählen folgende Gebirgsgruppen:

Der Name Bayerische Alpen ist nicht glücklich gewählt. Schließlich liegt das Bregenzerwald­gebirge vollständig in Vorarlberg. Außerdem spricht man von den Bayerischen Alpen auch im Sinne desjenigen Teils der Alpen, der sich innerhalb von Bayern befindet.

Die Brandenberger Alpen rechnet die SOIUSA zusammen mit dem Wettersteingebirge und dem Karwendel den Nordtiroler Kalkalpen zu.
Die Berchtesgadener Alpen zählen bereits zum Abschnitt der Salzburger Nordalpen.

Wo enden die Alpen?

Am Kochelsee bildet das Ufer die Trennlinie zwischen Alpen und Alpenvorland.

Innerhalb der Alpen lassen sich die einzelnen Gebirgsgruppen anhand von Tälern und Gewässern meist gut gegeneinander abgrenzen. So trennt beispielsweise die Loisach das Ammergebirge vom Wettersteingebirge und den Bayerischen Voralpen.
Komplizierter ist die Lage zum Alpenvorland hin. Zwar können die Alpen recht abrupt an den voralpinen Seen und Mooren enden, wie etwa beim Kochelsee, doch oft gehen sie auch scheinbar nahtlos in das voralpine Hügelland über.
Geologisch wäre die Linie spätestens dort zu ziehen, wo die Faltenmolasse beginnt. Allerdings wurde diese in der Allgäuer Nagelfluhkette auf mehr als 1800 m aufgefaltet. Ein wenig zu hoch für das Alpenvorland. So wird bei der Nagelfluhkette eine Ausnahme gemacht. Sie gehört zu den Allgäuer Alpen.

Letztlich handelt es sich also um eine Interpretations­frage, die je nach verfolgtem Zweck einen gewissen Spielraum zulässt.
Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) zieht die Grenze eher eng. Es zählt unter anderem den Tegernsee und die Lenggrieser Haglandschaft noch zum Alpenvorland. Bei dieser naturräumlichen Perspektive spielen nach Aussage des LfU ähnliche geologische, morphologische, hydrologische, klimatische und nutzungsbedingte Eigenschaften eine Rolle.
Doch wer sich bei Bad Wiessee am Tegernsee oder in Lenggries umschaut, befindet sich zumindest gefühlt bereits mitten in den Bergen. So sieht das auch der Alpenverein, dem es vor allem um eine sinnvolle Strukturierung von Wandergebieten geht. Er schiebt die Grenze daher lieber ein Stück weiter nach Norden.

Resümee

Wie die aufgeführten Beispiele zeigen, gibt es keine einheitliche Linie für die Untergliederung der Alpen. Die Natur lässt sich eben nur schwer systematisieren. Der Versuch, exakte Grenzen zu definieren, passt nicht zu den fließenden Übergängen in der Natur.
Die SOIUSA ist der AVE in einigen Punkten überlegen, sorgt mit ihrer Namenswahl jedoch zum Teil für Verwirrung. In der Praxis wird die stärker etablierte AVE in jedem Fall weiter Bestand haben.