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Geotope im bayerischen Alpenraum

Lehrpfade, Museen und Literatur

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Bayern besitzt eine geologisch überaus vielfältige Landschaft. Besonders reich an schönen Geotopen sind die Alpen und das Alpenvorland. Mit den hier vorgestellten Exkursionen, Lehrpfaden, Museen und Büchern kann man sich dem Thema auf unterhaltsame Weise nähern. Aktualisiert am

Inhalt

  1. 250 Millionen Jahre Erdgeschichte
  2. Eiszeitliche Geotope
  3. Südostbayerisches Naturkunde- und Mammut-Museum
  4. Naturkundliche Informationszentren
  5. Bayerns schönste Geotope
  6. Geologische Lehrpfade
  7. Literatur und Webadressen

250 Millionen Jahre Erdgeschichte

In der Wimbachklamm bei Berchtesgaden lässt sich die Urgewalt des Wassers hautnah erleben.

Mehrere 1000 m sind die Sedimentschichten mächtig, die bei der Gebirgsbildung aufgefaltet wurden. So blicken uns aus den Felswänden der nördlichen Kalkalpen 250 Millionen Jahre Erdgeschichte entgegen – vom Sandstein der Trias über die bunten Jurakalke bis zur Nagelfluh aus dem Tertiär.

Ihre oberflächliche Gestalt erhielten die Alpen hauptsächlich durch die Vergletscherung. Wo sich die Gletscher zurückziehen, setzt die Kraft des Wassers deren Erosionswerk fort.

Während die Gletscher für die breiten Trogtäler mit ihren aufgesteilten Flanken verantwortlich sind, graben die Gebirgsbäche beeindruckende Schluchten und Klammen. Einige wurden für Besucher erschlossen, wie beispiels­weise die Wimbachklamm bei Berchtesgaden. Diese ist geologisch außerordentlich spannend. Beim Durchqueren der Wimbachklamm taucht man tief in die Erdgeschichte ein. Denn die Gesteine werden nach hinten immer älter.

Eiszeitliche Geotope

Der Gletscherschliff bei Fischbach am Inn wurde beim Autobahnbau freigelegt. Im Hintergrund ist der Heuberg zu sehen.

Seit Beginn des Quartärs vor 2,6 Millionen Jahren befinden wir uns im Eiszeitalter. Die langen Kaltzeiten werden dabei von relativ kurzen Warmphasen unterbrochen. Die letzte Kaltzeit war die Würm-Kaltzeit, welche vor ca. 12 000 Jahren zu Ende ging. Sie hinterließ uns ein einzigartiges Landschaftsbild. Viele der zauberhaften Seen und Mooren am Alpenrand gehen auf ihr Konto.
Die Osterseen südlich des Starnberger Sees etwa entstanden beim Abschmelzen des Isar-Loisach-Gletschers. Sie sind nicht nur ein landschaftliches Juwel, sondern vermitteln auch einen guten Eindruck davon, wie der Rückzug der Gletscher ablief.

Ein bedeutender Teil der Geotope in Südbayern hat direkt oder indirekt mit den Gletschern zu tun. Typische eiszeitliche Relikte sind beispielsweise Toteislöcher, Findlinge oder Gletscherschliffe.
Einen ungewöhnlich gut erhaltenen Gletscherschliff gibt es im Gletschergarten bei Fischbach am Inn zu sehen. Von der Vegetation befreit, vermittelt er den Eindruck, als wäre der Inn-Gletscher erst gestern verschwunden.

Südostbayerisches Naturkunde- und Mammut-Museum

Kunststoffrekonstruktion des Siegsdorfer Mammuts.

Einen hervorragenden Zugang zur Geologie der Bayerischen Alpen und des Alpenvorlands bietet das Naturkunde- und Mammut-Museum Siegsdorf. Sein Schwerpunkt liegt in den Chiemgauer Alpen. Die Hauptattraktion und das Aushängeschild des Museums bildet das Skelett eines 45 000 Jahre alten Mammutbullen.

Der geologische Teilbereich ist weniger spektakulär, aber viel ergiebiger als das Mammut. Erstaunlich ist die Fülle an unterschiedlichen Gesteinsarten, die jeweils unter ganz spezifischen Bedingungen abgelagert wurden. Mehrere Dutzend Gesteinsbrocken sind dazu chronologisch an einer großen Wand angeordnet.
Nebenan wird in der Abteilung für Bodenschätze anschaulich erklärt, wie die südbayerischen Salz-, Erz- und Pechkohle­lagerstätten entstanden. Während Salz noch heute im Berchtesgadener Land gefördert wird, ist fast vergessen, dass früher unter anderem auch Eisen, Blei und Pechkohle eine wichtige Rolle spielten.

Naturkundliche Informationszentren

Empfehlenswert sind neben dem Mammut-Museum noch die verschiedenen naturkundlichen Informationszentren, welche unter anderem vom Nationalpark Berchtesgaden oder dem Naturpark Nagelfluhkette unterhalten werden. Die zwei wichtigsten sind das Haus der Berge in Berchtesgaden und das Naturparkzentrum im AlpSeeHaus in Bühl am Alpsee. Beide sind museums­pädagogisch hervorragend aufbereitet. Die Geologie spielt allerdings eher eine untergeordnete Rolle, außer es gibt gerade eine entsprechende Sonderausstellung.

Bayerns schönste Geotope

Die Steinerne Agnes zählt zur Liste der schönsten Geotope Bayerns.

Das Bayerische Landesamt für Umwelt nimmt nach eigenen Angaben Objekte wegen ihrer Schönheit, Seltenheit, Eigenart oder ihrem hohen wissenschaftlichen Wert in die Liste der schönsten Geotope Bayerns auf.
Den Gletscherschliff bei Fischbach und die Osterseen wurden bereits erwähnt. Insgesamt umfasst die Liste 100 Geotope, von denen etwa 20 im Alpenraum zu finden sind.

Eines der bekanntesten Geotope auf der Liste ist die Steinerne Agnes im Lattengebirge bei Bad Reichenhall. Sie kann im Rahmen einer dreistündigen Bergwanderung besucht werden. Die kuriose Verwitterungsform aus Ramsaudolomit dürfte das meist­fotografierte Felsgebilde in den Berchtesgadener Alpen sein.
Die Ähnlichkeit mit einer Frauengestalt regte zur Sagenbildung an. Banal erscheint dagegen die moderne Erklärung. Die Entstehung basiert auf der unterschiedlichen Festigkeit eng übereinanderliegender Schichten von Dolomitgestein. Am Hals ist das Gestein weicher als am ausladenden Hut.

Viele Geotope sind wunderbare Ausflugs- und Wanderziele. Es lohnt sich, bei der Tourplanung also auf jeden Fall gelegentlich einen Blick in die Liste zu werfen.

Geologische Lehrpfade

Ansprechend gestaltete Schautafeln zur Naturkunde sind inzwischen weit verbreitet. Manches würde man ohne sie gar nicht wahrnehmen oder falsch interpretieren. Eine Delle im Boden etwa könnte eine Kalkgrube, eine Pinge oder eine Doline sein.

Erfreulicherweise gibt es eine ganze Reihe von Lehrpfaden, zu denen immer wieder neue hinzukommen.
Sehr gelungen, aber inhaltlich recht anspruchsvoll ist der Geopark am Wendelstein mit Geologieweg und Wendelsteinhöhle. Bildungstourismus also statt Fun-Tourismus.
Etwas moderner und unterhaltsamer präsentiert sich der GEOgrenzGÄNGER bei Füssen. Er beschäftigt sich unter anderem mit dem Eisenbergbau und der Marmorgewinnung.
Das Bayerische Landesamt für Umwelt pflegt eine Übersicht zu den geologischen Lehrpfaden.

Literatur und Webadressen

Eine zentrale Anlaufstelle für geologisch Interessierte in Bayern ist wie gesagt das Bayerische Landesamt für Umwelt. Unter seinen zahlreichen Publikationen sind die beiden folgenden hervorzuheben.

Die Kieselsteine, die sich an den Schotterbänken der Alpenflüsse ablagern, spiegeln den Gesteinsaufbau des Gebirges wider. Unter isar-kiesel.de haben die Kieselsteine der Isar sogar ihre eigene Seite. Mit dem Thema befassen sich auch zwei interessante Büchlein.

  • Günter Grundmann und Herbert Scholz
    Kieselsteine im Alpenvorland: Suchen und selbst bestimmen
  • Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege
    Salzachkiesel: suchen und bestimmen

Daneben gibt es auch spezielle geologische Wanderführer. Die beiden folgenden sind besonders empfehlenswert. Sie beschreiben die geologischen Zusammen­hänge auf eine leicht verständliche Art. Von kurzen Exkursionen bis zu schweren Bergtouren ist für jeden etwas dabei.