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Geotope im bayerischen Alpenraum

Erdgeschichte zum Anfassen

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Bayern verfügt auf seiner relativ kleinen Fläche über eine erstaunliche geologische Vielfalt. Man denke nur an die uralten Gesteine im Bayerischen Wald, die dem Erdaltertum entstammen, den Meteoritenkrater im Nördlinger Ries oder den Frankenjura mit seinen Rifffelsen und Karsthöhlen. Besonders reich an Geotopen ist erwartungsgemäß der Alpenraum.

In der Wimbachklamm bei Berchtesgaden lässt sich die Urgewalt des Wassers hautnah erleben.
Mehrere 1000 m sind die Sedimentschichten mächtig, die bei der Gebirgsbildung aufgefaltet wurden. So blicken uns aus den Felswänden der nördlichen Kalkalpen 250 Millionen Jahre Erdgeschichte entgegen – vom Wettersteinkalk der Trias bis zur Nagelfluh aus dem Tertiär. Ihre oberflächliche Gestalt erhielten die Berge hauptsächlich durch die Vergletscherung in den Kaltzeiten des Quartärs. Die Letzte war die Würm-Kaltzeit, welche vor ca. 11 500 Jahren zu Ende ging. Sie hinterließ uns ein einzigartiges Landschaftsbild und ist in zahlreichen Geotopen noch heute omnipräsent. Vielerorts trifft man in Südbayern auf eiszeitliche Relikte wie Moränen, Toteislöcher, Findlinge und Gletscherschliffe. Einen sehr schönen Gletscherschliff etwa gibt es im Gletschergarten bei Fischbach am Inn1 zu sehen. Von der Vegetation befreit, vermittelt er den Eindruck, als wäre der Inn-Gletscher erst gestern verschwunden.
Nach dem Rückgang der Gletscher setzte die Kraft des Wassers deren Erosionswerk fort. Während die Gletscher für die breiten Trogtäler mit ihren aufgesteilten Flanken verantwortlich sind, gruben die Gebirgsbäche beeindruckende Schluchten und Klammen. Eine ganze Reihe davon wurde für Besucher erschlossen. Darunter auch die Wimbachklamm2 bei Berchtesgaden, um nur ein Beispiel zu nennen.

Südostbayerisches Naturkunde- und Mammut-Museum

Kunststoffrekonstruktion des Siegsdorfer Mammuts.
Einen hervorragenden Zugang zur Geologie der Bayerischen Alpen und des Alpenvorlands bietet das Naturkunde- und Mammut-Museum Siegsdorf3. Sein Schwerpunkt liegt in den Chiemgauer Alpen. Die Hauptattraktion und das Aushängeschild des Museums ist das Skelett eines 45 000 Jahre alten Mammutbullen. Der geologische Teilbereich ist weniger spektakulär, aber viel ergiebiger. Erstaunlich ist die Fülle an unterschiedlichen Gesteinsarten, die jeweils unter ganz spezifischen Bedingungen abgelagert wurden. Mehrere Dutzend Gesteinsbrocken sind dazu chronologisch an einer großen Wand angeordnet.
Nebenan wird in der Abteilung für Bodenschätze anschaulich erklärt, wie die südbayerischen Salz-, Erz- und Pechkohlelagerstätten entstanden. Während Salz noch heute im Berchtesgadener Land gefördert wird, ist fast vergessen, dass früher unter anderem auch Eisen, Blei und Pechkohle eine wichtige Rolle spielten.

Bayerns schönste Geotope

Die Steinerne Agnes zählt zur Liste der schönsten Geotope Bayerns.

Das Bayerische Landesamt für Umwelt nimmt nach eigenen Angaben Objekte wegen ihrer Schönheit, Seltenheit, Eigenart oder ihrem hohen wissenschaftlichen Wert in die Liste der schönsten Geotope Bayerns auf. Ein herausragendes Beispiel ist die so genannte Steinerne Agnes4 im Lattengebirge bei Bad Reichenhall. Die kuriose Verwitterungsform aus Ramsaudolomit ist wohl einer der meistfotografierten Felsen in den Berchtesgadener Alpen. Sie ähnelt einer Frauengestalt und regte zur Sagenbildung an. Banal ist dagegen die moderne Erklärung. Die Entstehung basiert auf der unterschiedlichen Festigkeit eng übereinanderliegender Schichten von Dolomitgestein. Am Hals ist das Gestein weicher als am ausladenden Hut.

Etwa zwanzig bekannte und weniger bekannte Objekte im bayerischen Alpenraum zählen zur Liste der schönsten Geotope. Darunter ist auch der bereits erwähnte Gletschergarten bei Fischbach am Inn zu finden. Es lohnt sich, bei der Tourplanung gelegentlich einen Blick auf die Liste zu werfen, denn viele Geotope sind wunderbare Ausflugs- und Wanderziele.

Geologische Lehrpfade

Qualitativ hochwertige Informationstafeln zur Naturkunde sind inzwischen weit verbreitet. Manches würde man ohne sie gar nicht wahrnehmen oder falsch interpretieren. Eine Delle im Boden kann eine Kalkgrube, eine Pinge oder eine Doline sein und ein Wall stammt vielleicht von einer künstlichen Verteidigungsanlage oder ist durch die wellenförmige Ablagerung von Bergsturzmaterial entstanden.
Erfreulicherweise gibt es schon eine ganze Reihe von Lehrpfaden zu denen immer wieder neue hinzukommen. Sehr gelungen und inhaltlich recht anspruchsvoll ist derjenige am Wendelstein5. Bildungstourismus also statt Fun-Tourismus. Das Bayerische Landesamt für Umwelt pflegt eine Übersicht zu den geologischen Lehrpfaden.

Literatur und Webadressen

Eine zentrale Anlaufstelle für geologisch Interessierte in Bayern ist wie gesagt das Bayerische Landesamt für Umwelt. Unter seinen zahlreichen Publikationen sind die beiden folgenden hervorzuheben.

Die Kieselsteine, die sich an den Schotterbänken der Alpenflüsse ablagern, spiegeln den Gesteinsaufbau des Gebirges wider. Die Kieselsteine der Isar haben sogar ihre eigene Seite unter isar-kiesel.de. Mit dem Thema befassen sich auch zwei interessante Büchlein.

  • Günter Grundmann und Herbert Scholz: Kieselsteine im Alpenvorland: Suchen und selbst bestimmen
  • Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege: Salzachkiesel: suchen und bestimmen

Im Werdenfelser Land widmet sich seit Jahren der Garmisch-Partenkirchener Lehrer Andreas P. Kaiser geologischen Exkursionen. In seinen Büchern verbindet er familiengerechte Wanderungen bis teils anspruchsvolle Bergtouren mit gut verständlichen Erläuterungen zum erdgeschichtlichen Hintergrund.