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Die Farben der Berge

Rote Wände, schwarze Wälder und weiße Bäche

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Farbbezeichnungen für Berge und Gewässer kommen im alpinen Raum relativ häufig vor. Auf den ersten Blick scheinen diese oft selbsterklärend zu sein. Trotzdem lohnt es sich, den einzelnen Farben einmal auf den Grund zu gehen. Denn warum eigentlich ist eine Felswand rot, ein Berg schwarz oder ein Bach weiß?

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Manch eine Felswand sieht aus wie ein abstraktes Gemälde.

Flurnamen können sich von ihrem Ursprungsort aus über ein größeres Gebiet verbreiten. Treten mehrere Flurnamen mit demselben Farbwort in räumlicher Nähe zueinander auf, stellt sich die Frage, worauf sich die Farbe bezieht. Dazu ein Beispiel: Nördlich der Gruppe von Roß- und Buchstein befindet sich das Schwarzeck1. Nicht weit davon entfernt gibt es ein Waldstück, das sich Im Schwarzlahner nennt. Und unten im Tal steht die Schwarzentennalm neben dem Schwarzenbach. Aber woher stammt das Farbwort denn nun ursprünglich? Vom Bach oder doch vom Berg? Bei der Beantwortung hilft ein Blick in die Bayerischen Landtafeln aus dem 16. Jahrhundert. Dort ist bei Kreuth ein Schwarzwalt eingetragen. Schwarzwälder sind Fichtenwälder. Diese wirken im Vergleich zu anderen Wäldern nämlich besonders dunkel. Die meisten Schwarzenberge lassen sich auf diese Weise erklären.

Farbwörter in Flurnamen sollten möglichst auf Plausibilität hin überprüft werden. In Einzelfällen können vor Ort durchaus Zweifel aufkommen. Die Rotgundspitze2 im Allgäuer Hauptkamm ist so eine Ausnahme. In ihrem Umkreis lässt sich kein rotes Gestein finden. Daher vermutet der Oberstdorfer Heimatforscher Thaddäus Steiner, dass die Kartografen hier wohl etwas verwechselten oder missverstanden.

Tintenstriche und falscher Marmor

Das Felsenbad auf Schloss Hohenschwangau wurde direkt in den bunten Jurakalk geschlagen.
Grautöne sind die dominante Gesteinsfarbe der Nördlichen Kalkalpen. Je nach Reinheit kann Kalkgestein aber auch recht hell sein. Wird helles Kalkgestein zusätzlich noch von der Sonne angestrahlt, sieht es fast blendend weiß aus. An den Gottesacker­wänden gibt es beispielsweise eine Weiße Wand, ebenso am Wendelstein und am Rauschberg.
Liegt eine Wand stattdessen im Schatten und ist häufig feucht, dann gedeihen auf ihr Blaualgen. Oft bilden sich dort, wo das Wasser herabläuft, durch die Blaualgen schwarze oder dunkelbaue Striche. Diese werden als Tinten­striche bezeichnet. Exemplarisch sei hier nur die Schwarzwand3 am Breitenstein erwähnt. Da Tintenstriche sehr verbreitetet sind, gibt es auch viele Schwarzwände. Von Natur aus schwarzes Gestein kommt in den Nördlichen Kalkalpen dagegen eher selten vor. Eine der wenigen Ausnahmen bildet der Alpine Muschelkalk aus der mittleren Trias.
Die farben­prächtigsten Gesteine entstanden im Jura. Teilweise ähneln sie sogar dem echten Marmor. Je nach Herkunft spricht man deshalb traditionell vom Mittenwalder, Tegernseer oder Ruhpoldinger Marmor. Die meist rote Färbung ist auf Eisenoxid zurückzuführen. Bunte Jurakalke fanden in vielen Kirchen und Schlössern als Marmorersatz Verwendung. Die Natursteine in der Barockkirche St. Mang in Füssen etwa stammen unter anderem aus der Rotwand4 am Schwarzenberg.
Seltener, dafür aber umso auffälliger, sind rote Gesteine aus der Trias. In den Berchtesgadener Alpen gibt es einige Aufschlüsse. Bekannt ist vor allem der Rotofen5 im Lattengebirge. Die rötliche Färbung fällt selbst aus einiger Entfernung noch deutlich auf.

Blau und braun als Sonderfälle

Beim Blick durch das Tegernseer Tal nach Süden auf die Blauberge6 wird sofort klar, wie dieses kleine Gebirgsmassiv zu seinem Namen kam. Verantwortlich dafür, dass Berge in der Ferne blau erscheinen, ist die Rayleigh-Streuung. Diese beschreibt den Effekt, dass blaues Licht durch die Luftmoleküle besonders stark gestreut wird. Die Distanz vom Tegernsee zu den Blaubergen reicht für eine sichtbare Wirkung der Rayleigh-Streuung aus. Im Süden gibt es keine Ortschaft, von der ein ähnlich weiter Blick auf die Blauberge möglich wäre. Dass die Benennung von Norden her erfolgte, lässt sich auch aus den Landkarten ableiten. Denn der Name wird seit jeher über der zerklüfteten Nordflanke und nicht etwa über der Südseite eingetragen.
Neben zahlreichen alpinen Flurnamen mit dem Bestimmungswort grün, findet sich gelegentlich auch die Farbe braun. Lawinen können mit ihrer Wucht die empfindliche, alpine Grasdecke leicht aufreißen, so dass sich die Hänge braun färben. Früher war das am Brauneck7 bei Lenggries der Fall. Bedingt durch das Skigebiet passiert das heute nicht mehr.

Farben zur Differenzierung von Flussläufen

Flüsse und Bäche werden meistens von ihrem Unterlauf her benannt. Spaltet sich ein Fluss am Oberlauf auf, werden die beiden zusammenfließenden Arme manchmal anhand von Farben unterschieden. Bei Siegsdorf8 spaltet sich beispielsweise die Traun in die Rote und Weiße Traun auf. Ebenfalls als rot uns weiß werden die beiden Oberläufe der Valepp9 bezeichnet. Üblich sind auch Antonyme wie Schwarzbach und Weißbach. Nun sind bei Zusammenflüssen tatsächlich oft unterschiedliche Färbungen erkennbar. Allerdings können diese wetterbedingt variieren. Darüber hinaus können menschliche Eingriffe durch Regulierungen und Verbauungen zu Veränderungen führen. Ob die heutige Färbung mit derjenigen zur Zeit der Benennung übereinstimmt, lässt sich daher schwer mit Gewissheit sagen. Wahrscheinlich beruht die Schwarz-Weiß-Malerei bei Fließgewässern ohnehin nicht auf einer auffälligen Färbung. Vielmehr diente sie dort, wo kein anderes Bestimmungswort zur Verfügung stand, der einfacheren Unterscheidung. Den etwas schneller fließenden und damit stärker schäumenden Arm bestimmte man vielleicht als weiß. Der andere war damit automatisch schwarz oder rot.

Literatur