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Dehydratation beim Bergsport

Die unterschätzte Gefahr

Ob Blitzschlag, Nebel, Lawinenabgänge oder Starkregen – die Liste wetterbedingter alpiner Risiken ist lang. Doch auch das schönste Sommerwetter birgt seine Gefahren, wenn man zu wenig trinkt. Und das kommt häufiger vor, als man denkt. Vornehmlich in der Hochsaison darf sich die Bergwacht regelmäßig um dehydrierte Bergsportler kümmern.

Welcher Bergwanderer kennt das nicht! Nach einer langen, anstrengenden Tour könnte man literweise trinken. Der Körper scheint wie ausgetrocknet zu sein, selbst wenn der Tag nicht übermäßig heiß war und man eigentlich genug dabei hatte. Je nach Wetter und Anstrengung verbraucht der Mensch beim Bergsport nämlich einen halben bis einen Liter Schweiß pro Stunde. Im Extremfall sogar noch mehr.
Wer stark schwitzt und zu wenig trinkt, dem droht eine isotone Dehydratation, bei der in gleichem Verhältnis Wasser und Salz fehlen. Wird der Flüssigkeitsverlust nur durch salzarmes Wasser ausgeglichen, besteht die Gefahr einer hypotonen Dehydratation, bei welcher Salzmangel besteht. Im Winter kommt es dagegen eher zu der umgekehrten Situation. Das Schwitzen spielt dann eine untergeordnete Rolle, so dass das Salz im Körper verbleibt. Gleichzeitig geht in der kalten, trockenen Luft viel Flüssigkeit über die Atemluft verloren. Ein Flüssigkeitsmangel ohne Salzmangel wird als hypertone Dehydratation bezeichnet.

Folgen von Dehydratation

Das tut gut und weckt neue Kräfte.
Ausreichend zu trinken ist gerade beim Bergsport enorm wichtig, denn die Konsequenzen eines Flüssigkeitsmangels sind nicht zu unterschätzen. Bereits ab einem Verlust von nur zwei Prozent des Körpergewichts verringern sich Leistungsfähigkeit, Ausdauer und Konzentration spürbar. Damit steigt die Unfallgefahr. Bei manch einem Absturz mag dies eine Rolle spielen. Schon eine geringe Dehydratation kann zu unangenehmen Kopfschmerzen, Herzrasen, Schwindel und Übelkeit führen. Kinder reagieren besonders sensibel. In schlimmeren Fällen treten heftige Schmerzen auf und es kann sogar zum Kreislaufkollaps kommen. Betroffene sind dann nicht mehr in der Lage, die Tour selbstständig fortzusetzen.

Erste Hilfe bei Dehydratation

Wer dehydriert ist, muss viel trinken. Möglichst nicht zu schnell und falls vorhanden ein isotonisches Getränk. Ist es heiß, setzt man sich in den Schatten. Wenn ein kalter Bergbach in der Nähe ist, kann mit nassen Tüchern die überhöhte Körpertemperatur gesenkt werden. Um den Kreislauf zu stabilisieren, die Füße hochlegen.
Im Winter ist die Lage noch kritischer. Es besteht die Gefahr, dass die dehydrierte Person unterkühlt, während sie auf Hilfe wartet. Ein warmer Tee wäre ideal. Salzmangel ist wie gesagt unwahrscheinlich. Das Essen von Schnee wäre das letzte Mittel.

Vorbeugung

Wer viel Wasser mitnehmen muss, spart mit einem Trinksystem Gewicht und Platz.
Zu einer guten Tourvorbereitung gehört, vorab zu klären, ob es unterwegs eine Einkehr gibt oder die Möglichkeit besteht, die Trinkflasche nachzufüllen. Für mehrstündige Touren ohne Nachschub sollten auf jeden Fall zwei bis drei Liter eingepackt werden, was prinzipiell auch für den Winter gilt. Im Sommer außerdem auf isotonische Getränke achten. Oberhalb der Almen kann selbstverständlich bedenkenlos aus jedem Bergbach getrunken werden. Wer ganz sicher gehen möchte, kann zur Wasseraufbereitung beim Wandern Tabletten mit Silberionen zur Desinfektion verwenden. Allerdings beträgt die Einwirkzeit etwa eine halbe Stunde.
Um der Dehydratation vorzubeugen, trinkt man während des Sports idealerweise regelmäßig alle 20 Minuten. Ist der Körper gut versorgt, hat der Urin eine helle Farbe. Wer längere Zeit gar nicht muss, sollte unbedingt mehr Flüssigkeit zu sich nehmen.
Trinksysteme können dabei helfen ausreichend zu trinken. Fast alle Wanderrucksäcke verfügen über ein entsprechendes Innenfach für die Trinkblase. Der Schlauch wird vorne am Schultergurt befestigt. So lässt sich jederzeit bequem ein Schluck nehmen, ohne den Bewegungsrhythmus zu unterbrechen. Als vorteilhaft erweisen sich Trinksysteme auch in sehr steilem Gelände oder beim Klettern, wenn es keine Möglichkeit gibt, den Rucksack abzustellen oder nicht beide Hände frei sind, um die Flasche zu öffnen.
Und noch ein Ratschlag zum Schluss: Den Gipfelschnaps lässt man besser ausfallen. Alkohol erhöht nicht nur die Risikoneigung, sondern dehydriert den Körper zusätzlich.