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Burgenwanderungen

Ruinen und Burgställe in den Bayerischen Voralpen

(aktualisiert am )

Vollständig erhaltene Burgen existieren in den Bayerischen Voralpen zwar keine mehr, doch es gibt eine ganze Reihe von Ruinen und Burgställen. Interessant sind diese nicht nur wegen ihrer bewegten Geschichte, sondern auch der Möglichkeit, die Besichtigung mit einer Wanderung oder Bergtour zu verbinden.

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  1. Die Räuber von der Schaumburg
  2. Feuer auf der Hohenburg
  3. Der Zahn der Zeit nagt an der Ruine Kirnstein
  4. Noch mehr Burgenwanderungen

Die Räuber von der Schaumburg

Die Klüfte im Burgfelsen der Schaumburg wurden teilweise künstlich erweitert. Sie könnten als Lager, Kerker oder Zisterne genutzt worden sein.

Hoch über Ohlstadt ragt ein Felssporn aus dem Wald heraus. Archäologische Funde belegen, dass der Ort schon in der Bronzezeit von Menschen genutzt wurde. Die mittelalterliche Schaumburg1, auch Schauenburg oder Schonburg ist seit dem 9. Jahrhundert in den Quellen greifbar.
Wie die steinerne Burg aussah, lässt sich nicht mehr rekonstruieren, da keine Mauern übrig geblieben sind. Mehr als ein Wohnturm, konnte auf dem kleinen Felsplateau kaum Platz gefunden haben.
Beachtenswert ist die in den Fels geschlagene Zugangstreppe. Die Burg musste gut zu verteidigen, aber schwer zu versorgen gewesen sein. Als Verwaltungssitz oder zur Kontrolle der Straße im Tal unten stand sie zu abgelegen. Sie diente wohl eher als sicherer Rückzugsort bei Gefahr.

Belastbare Erkenntnisse zur Geschichte der Schaumburg gibt es nur wenige. Dafür existieren umso mehr Legenden.Vor allem die Klüfte im Burgfelsen regten die Fantasie an.Führen sie zu einer verborgene Schatzkammer oder einem geheimen Fluchtstollen? Wohl eher nicht. Der Heimatforscher Andreas P. Kaiser konnte jedenfalls die Legende vom Fluchtstollen widerlegen.
Sicher belegt ist dagegen, dass sich Anfang des 15. Jahrhunderts auf der damals bereits verlassenen Burg Räuber einnisteten. Der rege Rottverkehr durchs Loisachtal versprach fette Beute. Doch das Räuberglück währte nicht lange. Schneeberger und seine Kumpanen wurden gefangen und in Murnau hingerichtet. Ihr angeblicher Schatz ist verschollen.

Eine schmale Stiege ist der einzige Zugang zum Burgfelsen.
Der Aufstieg von Ohlstadt zur Schaumburg lohnt sich schon allein der Aussicht wegen. Vom Parkplatz am östlichen Dorfrand folgt man zunächst dem Weg Richtung Bärenfleckhütte und Heimgarten. Nach einiger Zeit ist links der Burgstall als Veste ausgeschildert. Wenn man auf dem Rückweg bei den nahe gelegenen Kaltwasserfällen vorbeischaut, ergibt sich eine nette, kleine Wanderung. Wer höher hinaus will, kann von der Schaumburg weiter zum Heimgarten aufsteigen.

Feuer auf der Hohenburg

Die Grundmauern des Bergfrieds auf der Ruine Hohenburg.

Die Hohenburg2 bei Lenggries war 600 Jahre lang das Herrschafts­zentrum des Isarwinkels. Mehrmals wechselten die Besitzer. Im Spätmittelalter gehörte sie der bekannten bayerischen Adelsfamilie der Maxelrainer.

Ab dem 16. Jahrhundert durchlief die Hohenburg den Prozess der Umwandlung vom mittelalterlichen Wehrbau zum repräsentativen Schloss. Burgen verloren damals durch die Entwicklung von Feuerwaffen ihre strategische Bedeutung. Gleichzeitig stieg der Anspruch an den Komfort. Viele Burgen wurden deshalb aufgegeben und verfielen. Andere baute man in wohnliche Burgschlösser um.

Leider überlebte der stattliche Bau der Hohenburg aus dem 17. Jahrhundert den Spanischen Erbfolgekrieg nicht. Damals war Bayern von Österreich besetzt und auf der Hohenburg waren ungarische Husaren untergebracht.Wohl aus Unachtsamkeit verursachten die Besatzer im Jahr 1707 einen Brand, bei dem die Hohenburg weitgehend zerstört wurde.Die Ruine diente fortan als Steinbruch, unter anderem für das neue Schloss, welches in geringer Entfernung zur ehemaligen Burg entstand. Bei der Abtragung ging man gründlich vonstatten, so dass heute nur noch wenige Grundmauern übrig geblieben sind.
Der Förderverein Burgruine Hohenburg e. V. kümmert sich liebevoll um den Erhalt und die Erforschung. 2014 wurde ein Lehrpfad mit fünf Schautafeln eingerichtet, die unter anderem über die Baugeschichte informieren und historische Ansichten zeigt. Noch mehr über die Hohenburg lässt sich im Heimatmuseum Lenggries erfahren, das der Burg einen eigenen Raum widmet.

Von der Ruine Hohenburg aus lassen sich schöne Wanderungen durch die Lenggrieser Haglandschaft unternehmen.
Die Ruine Hohenburg ist vom Bahnhof Lenggries in einem kurzen Fußmarsch zu erreichen. Gleich unterhalb der Ruine befindet sich ein großer Parkplatz, bei dem einige Wanderwege beginnen.
Auf jeden Fall lohnend ist es, nach der Burgruine noch nebenan beim Hohenburger Weiher vorbeizuschauen und den Lenggrieser Kalvarienberg zu besuchen. Wer ein paar Stunden Zeit hat, könnte auch bis zur Denkalm oder der Lenggrieser Hütte (DAV) wandern.

Der Zahn der Zeit nagt an der Ruine Kirnstein

Die mächtige Außenmauer der Ruine Kirnstein.

Das mächtige Grafengeschlecht der Falkensteiner errichtete im bayerischen Unterinntal im 12. Jahrhundert eine Reihe von Burgen. Diese sind heute allesamt Ruinen, wobei sich der Erhaltungs­zustand recht unterschiedlich darstellt.
Verbesserungs­würdig wäre insbesondere der Zustand der Burgruine Kirnstein3. Sie liegt abseits der üblichen Wanderwege zu Füßen des Wildbarrens. Vielleicht erfährt sie deshalb wenig Pflege. Das Gelände ist stark überwuchert, die Ruine im Inneren fast völlig verschüttet. Viele Teile sind baufällig. Die notdürftig angebrachten Sicherungen wirken hilflos und können den fort­schreitenden Verfall kaum aufhalten. Einerseits wären Restaurierungs­maßnahmen dringend nötig. Andererseits hat der einsame Ort so auch etwas Romantisches.Kirnstein war einst strategisch überaus günstig gelegen.Genau dort wo Kirnstein steht, verengt sich das Inntal zwischen dem Wildbarren und dem Kranzhorn auf eine Breite von nur noch 500 Metern. Als die Burg im Hochmittelalter entstand, beanspruchte der Inn an dieser Stelle noch den gesamten Talboden für sich. Verkehrswege mussten in die Seitenhänge ausweichen. Die Straße dürfte direkt an der Burg vorbeigeführt haben.

Provisorische Sicherungs­maßnahmen werden zum Dauerzustand.

Bei einer Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln steigt man am Bahnhof in Flintsbach aus. Auf Talwanderwegen geht es dann über Fischbach am Inn zur Ruine Kirnstein. Das dauert eine gute Stunde. Autofahrer können bei dem Anwesen Kirnstein unterhalb der Ruine parken.
Empfehlenswerte Tourenziele in der unmittelbaren Umgebung wären die Hohe Asten oder der Wildbarren.

Noch mehr Burgenwanderungen

Neben den genannten Beispielen gibt es in den Bayerischen Voralpen noch eine ganze Reihe weiterer sehenswerter Burgen.

Viele weitere Burgenwanderungen mit Schwerpunkt Bayern und Tirol findet man auf der Wanderseite Allgäu Ausflüge und auf dem Outdoorblog Luftschubser. Die wichtigste Quelle für verlässliche historische Informationen zu den bayerischen Burgen ist das Haus der bayerischen Geschichte.