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Burgenwandern

Ruinen und Burgställe in den Bayerischen Voralpen

Komplett oder zumindest weitgehend erhaltene Burgen existieren in den Bayerischen Voralpen keine mehr. Auch von den Ruinen und Burgställen darf man sich nicht zu viel erwarten. Interessant sind sie trotzdem – natürlich wegen ihrer Geschichte und außerdem wegen der Möglichkeit, die Besichtigung mit einer Wanderung oder Bergtour zu verbinden.

Die Räuber von der Schaumburg

Der Burgfelsen der Schaumburg wird von Klüften durchzogen, die teilweise künstlich erweitert wurden. Welche Funktion sie hatten, ist unklar.

Hoch über Ohlstadt ragt ein Felssporn aus dem Wald heraus. Archäologische Funde belegen, dass der Ort seit der Bronzezeit von Menschen genutzt wurde. An die mittelalterliche Schaumburg1, auch Schauenburg oder Schonburg genannt, erinnern ein paar überwachsene Grundmauern, die sich auf dem Plateau des Felssporns befinden. Ungewöhnlich ist die in den Fels geschlagene Zugangstreppe. Die Burg muss leicht zu verteidigen, aber schwer zu versorgen gewesen sein. Zur Kontrolle der Straße im Tal unten stand sie zu abgelegen. Vielleicht war sie eher eine Fluchtburg. Belastbare Erkenntnisse gibt es kaum, dafür umso mehr Legenden. Sicher dokumentiert ist allerdings, dass sich zu Beginn des 15. Jahrhunderts auf der verlassenen Burg Räuber einnisteten. Der rege Handelsverkehr durchs Loisachtal hatte sich angelockt. Die Räuber wurden in Murnau hingerichtet, ihr angeblicher Schatz ist verschollen.

Der Aufstieg von Ohlstadt zur Schaumburg lohnt sich auf jeden Fall der Aussicht wegen. Vom Parkplatz am östlichen Dorfrand folgt man zunächst dem Weg Richtung Heimgarten. Nach einiger Zeit ist links der Burgstall als Veste ausgeschildert. Wenn man auf dem Rückweg bei den nahen Kaltwasserfällen vorbeischaut, ergibt sich eine nette, kleine Wanderung. Wer höher hinaus will, kann von der Schaumburg weiter zum Heimgarten aufsteigen.

Ein Feuer zerstört die Hohenburg

Der markanteste Teil der Ruine Hohenburg sind die Grundmauern des Bergfrieds.

Im Spätmittelalter verloren Burgen durch die Entwicklung von Feuerwaffen ihre strategische Bedeutung. Gleichzeitig stieg der Anspruch an den Komfort. Burgen wurden deshalb so weit möglich von Wehrbauten in repräsentative, wohnliche Burgschlösser umgebaut. Auch die heutige Ruine Hohenburg2 bei Lenggries durchlief diesen Prozess. Leider überdauerte der stattliche Bau aus dem 17. Jahrhundert nicht bis heute. Im Spanischen Erbfolgekriegs waren auf der Hohenburg einige österreichische Soldaten untergebracht. Wohl aus Unachtsamkeit verursachten die Besatzer im Jahr 1707 einen Brand, bei dem die Hohenburg zerstört wurde. Sie diente fortan als Steinbruch, unter anderem für das neue Schloss, welches in geringer Entfernung zur ehemaligen Burg entstand. Beim Abtragen ging man gründlich vor, so dass nur noch wenige Grundmauern übrig geblieben sind. Ein Verein kümmert sich um den Erhalt und die Erforschung. Schautafeln informieren die Besucher vor Ort. Darüber hinaus widmet sich das Heimatmuseum Lenggries recht ausführlich der Hohenburg.

Die Hohenburg ist vom Bahnhof Lenggries in einem kurzen Fußmarsch zu erreichen. Direkt unterhalb der Ruine liegt ein großer Parkplatz, der Ausgangspunkt vieler Wanderwege ist. Es lassen sich von dort sowohl kleine Spaziergänge als auch anstrengende Bergtouren unternehmen. Interessante Gipfelziele wären beispielsweise der Geierstein oder das Seekarkreuz.

Der Zahn der Zeit nagt an der Ruine Kirnstein

Wie lange können die Außenmauern dem Druck von innen noch standhalten?

Das mächtige Grafengeschlecht der Falkensteiner errichtete im bayerischen Unterinntal eine Reihe von Burgen. Allesamt sind heute Ruinen, wobei sich die Erhaltung recht unterschiedlich darstellt. Verbesserungs­würdig wäre der Zustand der Burgruine Kirnstein3 zu Füßen des Wildbarrens. Sie liegt abseits der üblichen Wanderwege. Vielleicht erfährt sie deshalb wenig Pflege. Das Gelände ist stark überwuchert. Im Inneren ist die Ruine fast völlig verschüttet. Viele Teile sind baufällig. Die notdürftig angebrachten Sicherungen können den fortschreitenden Verfall nicht aufhalten. Einerseits wären Restaurierungs­maßnahmen dringend nötig. Andererseits hat der Ort auch etwas Verwunschenes und Romantisches. Menschen kommen nur selten vorbei. Dabei war Kirnstein einst strategisch überaus günstig gelegen. Denn zwischen dem Wildbarren und dem Kranzhorn zieht sich das Inntal stark zusammen. Als die Burg im Hochmittelalter entstand, beanspruchte der Inn an dieser Stelle noch den gesamten Talboden für sich. Verkehrswege mussten in die Seitenhänge ausweichen. Die Straße dürfte direkt an der Burg vorbeigeführt haben.

Bei einer Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln steigt man am Bahnhof Flintsbach aus. Bis zur Ruine ist es eine gute Stunde zu laufen. Dabei passiert man auch die besser erhaltene Burgruine Unter-Falkenstein4. Autofahrer können im Weiler Kirnstein unterhalb der Ruine parken. Empfehlenswerte Tourenziele in der Umgebung wären der Wildbarren oder der Berggasthof Hohe Asten.