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Gesperrte Wege

Betretungsrecht, Naturschutz und Sicherheit

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Es gibt Wege und Steige, die schon seit vielen Jahren oder sogar Jahrzehnten gesperrt sind und trotzdem regelmäßig genutzt werden. Irgendwie bleibt dennoch ein mulmiges Gefühl, wenn da die Worte VERBOTEN, ABSTURZGEFAHR oder LEBENSGEFAHR prangen. Greift hier das freie Betretungsrecht der Flur oder ist das Begehen illegal.

Inhalt

  1. Betretungsrecht für Wald und Flur
  2. Einschränkungen
  3. Aufgelassene Steige
  4. Abstieg ins Ungewisse
  5. Gefahrenlagen sind schwer einzuschätzen

Betretungsrecht für Wald und Flur

In Deutschland ist das Betreten von Wald und Flur zum Zweck der Erholung gestattet. Die entsprechenden gesetzlichen Regelungen finden sich im Bundeswaldgesetz § 14 und im Bundesnaturschutzgesetz § 59. In Bayern wurde dieses Recht sogar im Artikel 141 der Verfassung verankert.

Österreich garantiert im § 33 des Forstgesetzes die Wegefreiheit im Wald, wobei die Wegefreiheit auch abseits der Wege gilt. Über der Baumgrenze sind dann die einzelnen Länder zuständig. In Tirol gilt das Betreten der Almen und des alpinen Ödlands als Gewohnheitsrecht.

Die Eigentümer müssen die Wanderer, Kletterer, Skitourengeher, Schwammerlsucher, Geocacher etc. also dulden. Komplizierter ist die Regelung für Mountainbiker, die hier nicht erörtert werden soll.
Eine Sperrung für Fußgänger, die tatsächlich ein gesetzliches Betretungsverbot darstellt, kann nur behördlich und aus einem triftigen Grund erlassen werden. Bei Nichtbeachtung droht ein Bußgeld.

Einschränkungen

Der häufigste Grund für Einschränkungen ist der Naturschutz. Mit Betretungsverboten und Wegegeboten soll Wildtieren ein kleiner Rückzugsraum erhalten bleiben.
Höhlen etwa dürfen in der Fledermausschutzzeit (01.10. bis 31.03) nicht befahren werden.
An vielen Felswänden darf während der Brutzeit des Wanderfalken nicht geklettert werden. Manche Felswände sind komplett gesperrt, wie etwa die Luegsteinwand in Oberaudorf, auf der die gefährdete Mauereidechse lebt.
Raufußhühner, also Auerhuhn, Birkhuhn und Schneehuhn, reagieren im Winter sowie in der Balzzeit besonders sensibel auf Ruhestörungen. Am Geigelstein beispielsweise werden wegen der Raufußhühner weite Gebiete gesperrt. Dieses und auch alle anderen Wild- und Naturschutzgebiete sind in den AV-Karten verzeichnet.
Aufforstungen müssen übrigens immer gemieden werden, selbst wenn diese nicht eingezäunt sind.

Aus Sicherheitsgründen können vorübergehende oder auch dauerhafte Sperrung erfolgen. Wald- und Forstarbeiten sind oft ein Grund. Bei der Gefahr einer Rutschung oder eines Felssturzes darf ein Gebiet unter Umständen für lange Zeit nicht mehr betreten werden.
Dem Wunsch vieler Pistenbetreiber nach einer generellen Sperrung von Pisten für aufsteigende Skitouren- oder Schneeschuhgeher erteilten die Gerichte bereits mehrfach eine Absage. Eine Ausnahme bilden die Zeiten, in denen präpariert wird. Das Unfallrisiko zwischen abfahrenden und aufsteigenden Wintersportlern gilt als vorgeschoben. In Wirklichkeit geht es den Pistenbetreibern um wirtschaftliche Interessen.

Aufgelassene Steige

Diese Warnung am Brecherspitz soll Ortsunkundige davon abhalten, den Ostgrat abzusteigen. Gebietskenner nehmen die Route ohnehin lieber im Aufstieg.

Nicht jede Sperrung ist amtlicher Natur. Manchmal handelt es sich um ehemals markierte Wege, die aus Kostengründen oder zur besseren Besucherlenkung nicht mehr gepflegt werden. Der Alpenverein, oder wer sonst bisher für den Weg zuständig war, schließt damit eine Haftung kategorisch aus. Das Betreten erfolgt also auf eigene Gefahr. Allerdings gilt auch auf offiziellen Wanderwegen eine Haftung nur bei grober Fahrlässigkeit, etwa wenn eine Brücke unsachgemäß errichtet wurde und einstürzt. Wer über eine Wurzel stolpert, tut dies immer auf eigene Gefahr.

Aufgelassene Steige sind reizvoll, weil sie weniger frequentiert werden. Sie müssen sich nicht unbedingt in einem schlechten Zustand befinden. Teilweise scheinen die Jäger sogar Reparaturen vornehmen zu lassen. Im schlimmsten Fall heißt es Umkehren, weshalb man sich gegen Ende einer langen Tour auf kein Abenteuer mehr einlässt. Informationen aus dem Internet sollten auf ihre Aktualität hin überprüft werden. Ein Steig, der letztes Jahr noch okay war, kann inzwischen durch ein starkes Unwetter unpassierbar geworden sein. Im Zweifelsfall ist es ratsam, zunächst eine Erkundungstour zu machen, um die geplante Abstiegsroute zu sondieren.

Abstieg ins Ungewisse

Der Ferchenbach westlich von Elmau ist ohne Brücke ein echtes Hindernis.

Es ist sehr riskant, eine gesperrte Strecke abzusteigen, ohne über aktuelle Ortskenntnisse zu verfügen.
Seit 2012 fehlt zwischen dem oberen Ende der Partnachklamm und Elmau eine wichtige Holzbrücke über den Ferchenbach. Diese soll laut Auskunft der Bayerischen Staatsforsten nicht mehr erneuert werden. Am Königsweg zum Schachen steht ein Warnschild, das auf den Brückenabbau hinweist. Wer den Ferchenbach nicht kennt, mag den kleinen Bach für kein ernsthaftes Hindernis halten. Auf Grund seines steilen Uferbereichs ist er es aber dennoch. Über den Ferchenbach kommt man nicht ohne Brücke. Nach einem langen Tag fehlt unter Umständen die Kraft für einen anstrengenden Umweg. Daher musste dort schon die Bergwacht helfen.

Im Frühjahr 2015 verursachte Orkan Niklas viel Windbruch. Davon war unter anderem der Wildbarren bei Oberaudorf im Inntal betroffen. Ein Windbruch ist sehr gefährlich. Umgestürzte Bäume können unter Spannung stehen, die sich urplötzlich entlädt. Beim Umgehen besteht die Gefahr, in unwegsames Gelände zu geraten. Oberaudorf informierte rings um den Wildbarren mit improvisierten Zetteln über eine Steigsperrung. Gründe wurden allerdings nicht genannt. Die ganze Sache war mir nicht geheuer und ich wollte gerade auf dem Hinweg zurück, als ein Wanderer den verbotenen Steig heraufkam. Ich ließ mir die Situation schildern und konnte so doch zum Bichlersee absteigen. Die umgefallenen Bäume waren kein Hindernis.

Mein Verhalten am Wildbarren ist natürlich nicht empfehlenswert. So läuft es in der Praxis aber normalerweise ab. Schuld daran ist auch, dass Sperrungen oft sehr unprofessionell kommuniziert werden. Damit sie ernst genommen werden, muss klar sein, wer die Sperrung ausspricht und aus welchem Grund. Angaben über Dauer, alternative Wege und eine Telefonnummer für Rückfragen sollten vorhanden sein.

Gefahrenlagen sind schwer einzuschätzen

Aus Sicht des Einzelnen mag das Risiko kalkulierbar erscheinen, eine Sperrung zu missachten. Gefahrenlagen sind schwer einzuschätzen. Sie wirken abstrakt und werden daher nicht ernst genommen oder bagatellisiert.
Das Gebirge wird durch den Klimawandel noch unberechenbarer. Hitzeperioden schwächen den Schutzwald und tauen den Permafrostboden auf. Starkregen erodiert die steilen Bergflanken. Dadurch nehmen Felsstürze und Rutschungen zu. Man denke an den Vilsalpsee in den Tannheimer Bergen oder den Hochnissl im Karwendel – um nur zwei Fälle der letzten Jahre zu nennen.
Die Ignoranz gegenüber dieser schwer greifbaren Gefahr, die nicht zum alltäglichen Erfahrungsschatz gehört, ist durchaus verständlich. Behördliche Sperrungen werden gerne flexibel interpretiert. Der Hang wird ja wohl nicht gerade dann abrutschen, wenn ich vorbeilaufe! Handelt es sich um eine beliebte Route und denken Hunderte so, kann das irgendwann schief gehen.