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Gesperrte Wege

Betretungsrecht, Naturschutz und Sicherheit

Es gibt Wege und Steige, die schon seit vielen Jahren oder sogar Jahrzehnten gesperrt sind und trotzdem regelmäßig genutzt werden. Irgendwie bleibt dennoch ein mulmiges Gefühl, wenn da die Worte VERBOTEN, ABSTURZGEFAHR oder LEBENSGEFAHR prangen. Greift hier das freie Betretungsrecht der Flur oder ist das Begehen illegal.

In Deutschland ist das freie Betretungsrecht von Wald und Flur gesetzlich verankert. Bayern hat dieses Recht sogar in die Verfassung aufgenommen. Österreich erlaubt mit der so genannten Wegefreiheit ebenfalls das Betreten von Wald und Bergland, wobei die Wegefreiheit auch abseits der Wege gilt. Die Eigentümer müssen die Wanderer, Kletterer, Skitourengeher, Schwammerlsucher, Geocacher etc. dulden. Komplizierter ist die Regelung für Mountainbiker, die hier nicht erörtert werden soll.
Eine Sperrung für Fußgänger, die tatsächlich ein gesetzliches Betretungsverbot darstellt, kann nur behördlich und aus einem triftigen Grund erlassen werden. Bei Nichtbeachtung droht ein Bußgeld.

Der häufigste Grund für Einschränkungen ist der Naturschutz. Mit Betretungsverboten und Wegegeboten soll Wildtieren ein kleiner Rückzugsraum erhalten bleiben. Höhlen etwa dürfen in der Fledermausschutzzeit (01.10. bis 31.03) nicht befahren werden. An vielen Felswänden darf während der Brutzeit des Wanderfalken nicht geklettert werden. Raufußhühner reagieren im Winter und in der Balzzeit besonders sensibel auf Ruhestörungen. Am Geigelstein werden für sie weite Gebiete gesperrt. Dieses und auch alle anderen Wild- und Naturschutzgebiete sind in den AV-Karten verzeichnet. Aufforstungen müssen Wanderer übrigens grundsätzlich meiden.

Des Weiteren kann aus Sicherheitsgründen eine kurzzeitige Sperrung erfolgen, etwa während Waldarbeiten durchgeführt werden oder wenn ein G7-Gipfel stattfindet.
Dem Wunsch vieler Pistenbetreiber nach einer generellen Sperrung von Pisten für aufsteigende Skitouren- oder Schneeschuhgeher erteilten die Gerichte bereits mehrfach eine Absage. Eine Ausnahme bilden die Zeiten, in denen präpariert wird. Das Unfallrisiko zwischen abfahrenden und aufsteigenden Wintersportlern gilt als vorgeschoben. In Wirklichkeit geht es den Pistenbetreibern um wirtschaftliche Interessen.

Betreten auf eigene Gefahr

Diese Warnung am Brecherspitz soll Ortsunkundige davon abhalten, den Ostgrat abzusteigen. Gebietskenner wissen um die Gefahr und nehmen den Weg ohnehin lieber im Aufstieg.
Nicht jede Sperrung ist amtlicher Natur. Manchmal handelt es sich um ehemals markierte Wege, die aus Kostengründen oder zur besseren Besucherlenkung nicht mehr gepflegt werden. Der Alpenverein, oder wer sonst bisher zuständig war, schließt damit eine Haftung kategorisch aus. Das Betreten erfolgt also auf eigene Gefahr. Allerdings gilt auch auf offiziellen Wanderwegen eine Haftung nur bei grober Fahrlässigkeit, etwa wenn eine Brücke unsachgemäß errichtet wurde und einstürzt. Wer über eine Wurzel stolpert, tut dies immer auf eigene Gefahr.
Aufgelassene Steige sind reizvoll, weil sie weniger frequentiert werden. Ihr Zustand muss nicht unbedingt schlecht sein. Teilweise scheinen die Jäger sogar Reparaturen vornehmen zu lassen. Im schlimmsten Fall heißt es Umkehren, weshalb man sich gegen Ende einer langen Tour auf keine ungewissen Abenteuer mehr einlässt. Informationen aus dem Internet sollten auf ihre Aktualität hin überprüft werden. Ein Steig, der letztes Jahr noch okay war, kann inzwischen durch ein starkes Unwetter unpassierbar geworden sein. Im Zweifelsfall unternehme ich zunächst eine Erkundungstour, um die geplante Abstiegsroute zu sondieren.

Abstieg ins Ungewisse

Der Ferchenbach westlich von Elmau ist ohne Brücke ein echtes Problem.

Es ist sehr riskant, eine gesperrte Strecke abzusteigen, ohne über aktuelle Ortskenntnisse zu verfügen. Seit 2012 fehlt zwischen dem oberen Ende der Partnachklamm und Elmau eine wichtige Holzbrücke über den Ferchenbach. Diese soll laut Auskunft der Bayerischen Staatsforsten leider nicht mehr erneuert werden. Am Königsweg zum Schachen steht ein deutliches Warnschild, das auf den Brückenabbau hinweist. Wer den Ferchenbach nicht kennt, mag den kleinen Bach für kein ernsthaftes Hindernis halten. Auf Grund seines steilen Uferbereichs ist er es aber dennoch. Kurz vorm Ziel ist plötzlich Schluss. Nach einem langen Tag fehlt unter Umständen die Kraft für einen anstrengenden Umweg. Daher musste an dieser Stelle schon die Bergwacht helfen.

In diesem Frühjahr hat Orkan Niklas viel Windbruch verursacht. Muss wegen eines umgestürzten Baumes aber gleich ein Steig gesperrt werden? Ein querliegender Baumstamm ist nun wirklich nichts Ungewöhnliches. In Oberaudorf ließ man sich vorsichtshalber auf kein Risiko ein und informierte zwischen Bichlersee und Wildbarren mit improvisierten Schildern über eine Steigsperrung. Gründe wurden nicht genannt. Die ganze Sache war mir nicht geheuer und ich wollte gerade auf dem Hinweg zurück, als ein Wanderer den verbotenen Steig heraufkam. Ich ließ mir die Situation schildern und konnte so doch zum Bichlersee absteigen. Die umgefallenen Bäume waren leicht zu umgehen.

Auf die Perspektive kommt es an

Das letzte Beispiel zeigt gut die Problematik. Aus Sicht des Einzelnen scheint das Risiko kalkulierbar, dass in einem Windbruch an einem sonnigen, windstillen Tag nichts mehr herabfällt. Die Gemeinde muss hingegen damit rechnen, dass eine Vielzahl an Personen vorbeikommt, was die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls erhöht.
Andere Gefahrenlagen sind noch schwerer einzuschätzen. Das Gebirge wird durch den Klimawandel unberechenbarer. Hitzeperioden schwächen den Schutzwald und tauen in den Hochalpen den Permafrostboden auf. Starkregen erodiert die steilen Bergflanken. Dadurch nehmen Felsstürze und Rutschungen zu. Man denke an den Vilsalpsee (Tannheimer) oder den Hochnissl (Karwendel) – um nur zwei Beispiele der letzten Jahre zu nennen. Die Ignoranz gegenüber dieser schwer greifbaren Gefahr, die nicht zum alltäglichen Erfahrungsschatz gehört, ist durchaus verständlich. Behördliche Sperrungen werden oft flexibel interpretiert. Der Hang wird ja wohl nicht gerade dann abrutschen, wenn ich vorbeilaufe! Handelt es sich um eine beliebte Route und denken Hunderte so, kann das irgendwann schief gehen.