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Stolpern, Rutschen, Stürzen

Wie sich Bergunfälle vermeiden lassen

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Allein in Bayern gibt es jährlich 80 bis 100 tödliche Bergunfälle. In Tirol leider noch etwas mehr. Die Zahl der Schwer- und Leichtverletzten geht in die Tausende. Mal abgesehen von den Wintermonaten mit ihrer Lawinenproblematik ist im übrigen Jahr das stinknormale Stolpern und Straucheln für einen beträchtlichen Teil der Unglücksfälle verantwortlich.

Inhalt

  1. Erfahrung schützt nur bedingt vor Fehlern
  2. Mangelnde Konzentration und Ausdauer
  3. Was ist zu tun?
Je schöner das Wochenende, umso mehr Arbeit gibt es für die Bergrettung.
Ärztin (28) stürzt wegen Felsausbruch an der Kreuzspitze tödlich ab. Frau (60) verliert am Rinnkendlsteig das Gleichgewicht und fällt 70 Meter. Mann (47) schwer verletzt nach 30 Meter Sturz am Gaisalphorn.
Sobald die Saison beginnt, häufen sich derartige Meldungen in den Medien. Denn sind viele Wanderer unterwegs, kommt es fast zwangsläufig zu Unfällen. Insgesamt sind diese im normalen Breitenbergsport keineswegs alarmierend hoch. Während die Anzahl der Bergsteiger und Bergwanderer stetig zunimmt, stagnieren die Todesfälle. Das Risiko für den Einzelnen sinkt statistisch gesehen seit Jahren. Dennoch darf man sich nichts vormachen. Am Berg ist es immer und überall gefährlich. Ein kleiner Ausrutscher im Schnee oder ein unglückliches Hängenbleiben an einer Wurzel genügen. Selbst wenn das Gelände nicht besonders steil ist, lässt sich ein Sturz bereits nach wenigen Metern kaum mehr abfangen. Abgesehen davon reicht unter Umständen ein verstauchter Fuß aus, um in Bergnot zu geraten.

Erfahrung schützt nur bedingt vor Fehlern

Trauerarbeit unter Bergkameraden. Derartige Gedenktafeln sind weit verbreitet und sollten als ernste Warnung verstanden werden.
Wer könnte von sich behaupten, er sei noch nie gestrauchelt, abgerutscht oder umgeknickt? Wer hatte noch nie ein lockeres Stück Fels in der Hand, das doch eigentlich Halt geben sollte? Wer verirrte oder verstieg sich noch nie? Und wer geriet noch nie an seine körperlichen Grenzen?
Wir Menschen machen Fehler, überschätzen uns und reagieren in Ausnahmesituationen keineswegs vernünftig und logisch. Oft ist es pures Glück, dass die Konsequenzen glimpflich sind. In Bergsteigerkreisen kann fast jeder seine Geschichte erzählen, von sich oder von Bergkameraden. Nicht wenige kennen jemanden, der sich im Gebirge verletzte oder im schlimmsten Fall sogar tödlich verunglückte.
Der DAV veröffentlicht jährlich eine Unfallstatistik bezogen auf seine Mitglieder. Nach dieser macht es einen signifikanten Unterschied, ob man ein alter Hase oder ein Neuling ist. Als Richtwert gelten 50 Tourentage. Trotzdem unterlaufen selbst ausgereiften Alpinisten verhängnisvolle Fehler. Der tragische Absturz von Kurt Albert im Jahr 2010 geschah durch eine unsachgemäße Sicherung in einem simplen Klettersteig. Letztendlich wären die meisten Unfälle vermeidbar.
Bei unbekannten Bergsteigern sind die mehr oder weniger schweren Unglücksfälle für die Presse allenfalls Randnotizen. Falls die Absturzstelle im eigenen Tourengebiet liegt, sollte man diesen Informationen aber Beachtung schenken und sie bei der eigenen Planung berücksichtigen. Hinweise über einen bei Nässe gefährlichen Steig oder eine Route, auf der sich immer wieder Leute verirren, können sehr hilfreich sein.

Mangelnde Konzentration und Ausdauer

Zu wenig Schlaf, eine lange Anfahrt, monotones Gehen, Flüssigkeitsmangel, Hitze oder Kälte, fehlendes Training, Alltagsstress, Sorgen, Zeitdruck und viele weiter Faktoren können unsere Konzentration und Ausdauer auf der Tour negativ beeinflussen. Doch selbst unter den denkbar besten Bedingungen kann kein Mensch über viele Stunden gleichbleibend aufmerksam und leistungsfähig sein. In der Regel sind wir an heiklen Stellen hellwach und schlendern dafür in scheinbar einfachem Gelände unbeschwert dahin. Daher verunglücken gerade dort mehr Menschen, wo die alpinen Herausforderungen eher gering sind. Der Abstieg wird besonders gerne unterschätzt. Da man jedoch schon eine gewisse Grundgeschwindigkeit in Richtung Tal hat und die Muskeln müde sind, lassen sich Ausrutscher hierbei viel schwer abfangen als beim Bergaufgehen.

Was ist zu tun?

Die beliebte Aussage medienerfahrener Extrembergsteiger vom so genannten kalkulierbaren Risiko ist fragwürdig. Damit sollen in der Regel halsbrecherische Unternehmungen gerechtfertigt werden, deren Risiko keineswegs kalkulierbar ist. Man kann es drehen, wie man will. Alpinsport ist und bleibt gefährlich – egal ob Profi, Normalbergsteiger oder Gelegenheitswanderer. Gute Ausrüstung, Erfahrung und Training verbessern einerseits die Überlebenschancen, animieren aber andererseits mehr zu wagen. Deshalb sollte man sich klare Strategien zurechtlegen und diese strikt befolgen. Hier ein paar Anregungen:

  • In jeder Saison gemächlich anfangen und sich Stück für Stück an schwerere und längere Touren herantasten.
  • Wer sich ins alpine Gelände wagt, sollte bereits trainiert sein. Also nicht fit durch die Berge, sondern fit in die Berge lautet das Motto.
  • Umkehren ist klug und beweist einen starken Charakter. Je größer die Gruppe, umso höher die Gefahr, dass Risiken ignoriert werden.
  • Mindestens eine kürzere und einfachere Alternative bereithalten. Falls das Wetter und die konkreten Verhältnisse vor Ort nicht passen oder man sich unsicher fühlt, fällt es leichter umzudisponieren.
  • Zeitdruck durch eine umsichtige Planung und realistische Selbsteinschätzung vermeiden, so dass man nicht auf Grund hereinbrechender Dunkelheit oder der letzten Talfahrt ins Hetzen kommt.
  • Vor jeder Tour genau über das regionale Wetter informieren. Bei Nässe, Schnee oder schlechter Sicht entsprechend einfache Wege auswählen.
  • Eigene Fehler sollten analysiert und nicht verdrängt werden. Warum bin ich gerutscht oder gestolpert? Wo war ich unachtsam? Wieso habe ich mich verstiegen? Was kann ich nächstes Mal besser machen?