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Initiative Agrarkulturerbe

Sonderbereich: Oberbayerische Almen

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Schon mehr als zwei Jahrtausende werden die Alpen von der Almwirtschaft geprägt und geformt. Dabei wurde eine unvergleichliche Kulturlandschaft geschaffen, die neben der Viehhaltung auch einen bedeutenden ökologischen und touristischen Wert hat. Kaum auszudenken, wie arm unsere Berge ohne die urigen Almhütten und die sonnigen Hochweiden aussähen!

Alte Aufnahme von der Aueralm bei Bad Wiessee unterhalb des Fockensteins. Seitdem wurde viel an- und umgebaut.
Was sich seit der Antike in mehreren Wellen entwickelte, konnte mit der industrialisierten Landwirtschaft schließlich nicht mehr mithalten. In den letzten 150 Jahren ging die Zahl der Almen und der bestoßenen Flächen stark zurück. Viele Gebäude sind inzwischen verfallen. Oft zeugen nur noch Grundmauern von ihrer Existenz. Lägerfluren erinnern vielleicht noch an die Plätze, an denen früher die Kühe lagerten oder gemolken wurden. Sobald der Mensch nicht mehr eingreift, erobert sich unterhalb der Baumgrenze der Wald sein Territorium zurück. Dies ist ein langsamer Prozess, bei dem die Almlichten zunächst verbuschen. Mit den verlassenen Almen geht wertvolles kulturhistorisches Wissen verloren. Ihre Lage gerät in Vergessenheit und die Wege wuchern zu. Auch aus Sicht des Naturschutzes ist das Verschwinden der Almen nicht wünschenswert, da mit dem Vormarsch des Waldes die Artenvielfalt zurückgeht. Es ist also prinzipiell positiv, dass Almen mit staatlichen Fördergeldern unterstützt werden. Leider werden die Gelder auch dazu verwendet, jahrhundertealte Viehtriebe unter öden Kiesstraßen zu begraben. Ein weiteres wichtiges Standbein für den Erhalt der Almen ist der Tourismus. Allerdings kommt es dadurch manchmal zu unsensiblen Um- und Anbauten, die den ursprünglichen Charakter entstellen. Besonders auffällig ist dies in den Skigebieten, in denen die kleinen Almhütten großen Berggasthöfen weichen mussten.

Alte Pfade und kleine Geheimnisse

Die unermüdliche und jahrelange Recherchearbeit von Gerhard Oelkers zur Erfassung oberbayerischer Almen ist daher von unschätzbarem Wert. Seine Ergebnisse dokumentierte er in mehreren Büchern und stellte sie zudem der Initiative Agrarkulturerbe zur Verfügung. Diese Informationen sind höchst interessant und gelten als der umfangreichste(r) Datenbestand dieser Art in Deutschland. Neben der jeweiligen Almgeschichte, der Art der Nutzung und manch netter Anekdote werden vor allem die Gebäude oder Ruinen beschrieben. Hinweise zu Besonderheiten wie beispielsweise einem versteckten Bildstock, einem aufgelassenen Bergwerksstollen oder schönem Baumbestand öffnen den Blick fürs Verborgene. Sogar Kräuter und Gräser werden aufgeführt. All das war nur zu bewerkstelligen, indem Gerhard Oelkers eigens jede Alm aufsuchte. Schade nur, dass bisher keine Fotos eingestellt wurden.
Wanderer, die auf der Suche nach vergessenen Pfaden sind, sollten sich unbedingt die Zustiege und Verbindungssteige näher ansehen. Einige davon sind in keiner Karte mehr verzeichnet und ermöglichen spannende Entdeckungstouren, auf denen man gewiss mutterseelenallein unterwegs ist.
Die Initiative Agrarkulturerbe bittet alle Interessierten, eigenes Wissen beizusteuern und Veränderungen oder Fehler mitzuteilen. Nach meiner Erfahrung wird dies umgehend in die Datenbank eingepflegt. Bleibt nur zu hoffen, dass das Projekt weiterhin betreut und ergänzt wird. Eine großartige ehrenamtliche Leistung! Respekt und vielen Dank an die Beteiligten.