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Initiative AgrarKulturerbe

Bestandsaufname und Geschichte der oberbayerischen Almen

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Wer sich mit der Almwirtschaft in Bayern befasst, für den ist die Initiative AgrarKulturerbe eine der wichtigsten Quellen überhaupt. Denn sie verfügt über den derzeit umfangreichsten Datenbestand zu den oberbayerischen Almen. Für eine erfolgreiche Recherche sind allerdings einige Punkte zu beachten.

Inhalt

  1. Almwirtschaft im Wandel
  2. Eine Almhütte macht noch keine Alm
  3. Geschichten und Anekdoten
  4. Alte Steige wiederentdecken
  5. Flora, Fauna und Geologie
  6. Bedeutung von Alm- und Bergnamen
  7. Tipps für die Recherche
  8. Mithilfe erwünscht

Almwirtschaft im Wandel

Die verfallene Niederhoferalm an der Maroldschneid im Rotwandgebiet.

Schon mehr als zwei Jahrtausende werden die Alpen von der Almwirtschaft geprägt. Dabei wurde eine unvergleichliche Kulturlandschaft geschaffen, die einen bedeutenden ökologischen und touristischen Wert besitzt.
Was sich seit der Antike in mehreren Wellen entwickelte, konnte mit der industrialisierten Landwirtschaft schließlich nicht mehr mithalten. In den letzten 150 Jahren ging die Zahl der Almen und der bestoßenen Flächen stark zurück. Gerade die uralten, hochgelegenen Almen wurden zuerst aufgegeben. Viele Gebäude sind inzwischen verfallen. Oft zeugen nur noch Grundmauern oder Lägerfluren von ihrer Existenz.

Mit den verlassenen Almen geht wertvolles kulturhistorisches Wissen verloren. Dieses muss rechtzeitig bei der lokalen Bevölkerung abgerufen und schriftlich festgehalten werden. Denn wenn eine Alm nicht mehr genutzt wird, schläft die mündliche Tradierung schnell ein.
Die unermüdliche jahrelange Recherche­arbeit von Gerhard Oelkers zur Erfassung der oberbayerischen Almen ist daher von unschätzbarem Wert. Er suchte eigens jede Alm auf und befragte die Besitzer.

Seine Ergebnisse dokumentierte Oelkers in mehreren Büchern. Darüber hinaus stelle er die Daten der Initiative AgrarKulturerbe zur Verfügung. Diese Informationen gelten als der umfangreichste(r) Datenbestand dieser Art in Deutschland. Über 1500 Almen sind darin enthalten. Negativ fällt aber auf, dass bei der Initiative AgrarKulturerbe keine Fotos oder weiterführenden Links zu den oberbayerischen Almen angeboten werden. Auch Literaturhinweise sind kaum vorhanden.

Das von Gerhard Oelkers zusammen­getragene Wissen ist keineswegs nur für die Geschichte der Almwirtschaft relevant. Auch Flurnamen­forscher, Alpinautoren oder Botaniker finden darin nützliche Informationen, wie wir im Folgenden sehen werden.

Eine Almhütte macht noch keine Alm

Landläufig wird eine Alm oft mit der Almhütte, also dem Kaser, gleichgesetzt. Eine Alm bezeichnet aber in erster Linie eine Bergweide. Auf dieser muss es nicht zwangsläufig eine Hütte geben, obwohl das natürlich meistens so ist. Auf manchen Almen stehen sogar mehrere Kaser. Hinzu kommen oft noch Ställe, Hirtenhütten und Jagdhütten. Die Nutzung der Gebäude kann sich im Lauf der Zeit ändern. Einige ehemalige Kaser dienen heute beispielsweise der Forstwirtschaft als Diensthütten.
Die Beschreibung der Bauten nimmt auf AgrarKulturerbe einen großen Raum ein und ist sehr detailliert. Ob Wasser­versorgung, Bildstock, abgegangene Hütte oder aufgelassener Stollen – nichts bleibt unerwähnt. Oelker lenkt die Aufmerksamkeit gerne auf Besonderheiten, die das ungeübte Auge leicht übersieht. Handelt es sich um mehrere Gebäude, lassen sich diese anhand der Beschreibung vor Ort meistens leicht identifizieren.

Geschichten und Anekdoten

Zur Schlagalm gibt es eine lustige Anekdote: Touristen wurden dort mit dem Schlüssel fürs Schindertor auf den Arm genommen.

Die Angaben zur Geschichte der jeweiligen Almen sind sehr inhomogen. In alten Dokumenten finden Almen meist nur bei Besitzwechsel, Rechts­streitigkeiten oder Grenz­beschreibungen Erwähnung. Erst seit dem 19. Jahrhundert werden die schriftlichen Aufzeichnungen ergiebiger. Hinzu kommen noch mündliche Tradierungen der lokalen Bevölkerung. Letztlich beruht es aber vor allem auf Zufällen und Glück, wenn belastbare historische Informationen verfügbar sind.

Gerade für Alpinautoren können viele der Geschichten und Anekdoten aus jüngerer Zeit eine interessante Fundgrube sein. Dazu ein paar Beispiele:
Grausames wird etwa von der Bernaueralm am Risserkogel berichtet. Ein Bauernbursche ermordete dort 1830 eine Sennerin, die von ihm schwanger war. Zur Vertuschung der Tat zündete er die Almhütte an.
Ein anderes Drama ereignete sich auf der Wenigbergalm, wo 1930 ein Tiroler Wilderer erschossen wurde. Nicht der einzige in den Bayerischen Alpen.
Manchmal besuchten auch noble Gäste die bayerischen Almen. Zur Königsalm in den Tegernseer Bergen soll die russische Zarin Alexandra 1838 mit der Sänfte hinaufgetragen worden sein.

Alte Steige wiederentdecken

Wanderer, die auf der Suche nach vergessenen Pfaden sind, sollten sich die Zustiege und Verbindungs­steige der Almen näher ansehen. Dabei stößt man auf Wege, die man in den Karten erst einmal gar nicht beachten würde oder die ohnehin nicht verzeichnet sind.
Zur Reitbergalm klingt das dann zum Beispiel so:

Ab Stuben-Alm zunächst Fahrweg. Ab Moselgraben von diesem abzweigend ein versteckter Jagdsteig. Beginn ohne genaue Karte kaum auszumachen. + Pfadspuren auf den Grat und zum historischen Grenzstein (ehem. Jagdhütte).

Da bekommt man Lust, sich auf spannende Entdeckungs­touren abseits ausgetrampelter Routen zu machen, wobei Misserfolge natürlich nicht ausbleiben. Der Wilderersteig zur Neuhüttenalm am Seeberg beispielsweise wollte sein Geheimnis bisher nicht preisgeben.

Flora, Fauna und Geologie

Auf einer Almweide können leicht mehrere Dutzend unterschiedliche Pflanzenarten zu finden sein. Oelkers listet jeweils die wichtigsten Gräser, Kräuter und Gehölze mit ihren deutschen Namen auf. Man kann also gezielt nach bestimmten Pflanzen suchen und bekommt dann Almen geliefert, auf denen diese wachsen.
Weniger ergiebig sind die Angaben zur Fauna, da nur die üblichen Säugetiere, wie Gämsen, Murmeltiere, Rehe usw. genannt werden.

Für geologisch Interessierte gibt es ebenfalls hilfreiche Daten. Denn fast immer werden die wichtigsten Gesteinsarten erwähnt, über die sich die Almweiden erstrecken. Oftmals sind das die Raibler Schichten, der Hauptdolomit, der Plattenkalk, die Kössener Schichten und der Flysch. Auch weniger bekannte Gesteine, wie die Aptychenschichten, werden nicht ausgelassen. So weit ich feststellen konnte, sind dies Informationen sehr verlässlich. Angesichts der komplexen geologischen Verhältnisse in den Bayerischen Alpen schadet es trotzdem nicht, noch eine zweite Quelle zu konsultieren.

Bedeutung von Alm- und Bergnamen

Bei der Firstalm wird der Almname aus der dachstuhl­ähnlichen Form der Bodenschneid hinter ihr erklärt.
Eher nebenbei werden bei den einzelnen Almbeschreibungen auch Flurnamen erklärt. In der Regel geht es dabei um die Alm selbst oder um einen markanten Berg in der unmittelbaren Umgebung. Bei der Recherche zur Herkunft und Bedeutung von alpinen Flurnamen lohnt es sich deshalb, die Almdatenbank sowie das Glossar der Initiative AgrarKulturerbe zu konsultieren.
Flurnamen spielen aber wirklich nur eine Nebenrolle. Bei den meisten Almen gibt es keine Informationen dazu und wenn doch, dann sehr knapp. Man sollte diese daher lediglich als ersten Hinweis für eine tiefergehende Recherche betrachten. Zur Verifikation müssen auf jeden Fall weitere Quellen herangezogen werden.

Tipps für die Recherche

Auf der Website von AgrarKulturerbe wurde eine Volltextsuche eingebaut, welche für einfache Abfragen gut funktioniert. Die Links zu den Treffern führen immer auf die Übersichtsseite einer Alm. Steht der gesuchte Begriff dort nicht, ist der Link zur relevanten Unterseite markiert.
Eine Schwierigkeit bei den Almnamen stellt ihre uneinheitliche Schreibweise dar. Neben Getrennt- und Zusammenschreibung kommen teilweise auch Bindestriche vor. Manchmal wird selbst ein und dieselbe Alm nicht im gesamten Datenbestand gleich geschrieben. Also am besten nur nach dem Bestimmungswort suchen. Bei Bergen, Talorten oder Flüssen gibt es diese Probleme dagegen kaum.

Spezifiziert man die Suche genauer, muss man schnell feststelle, dass sich komplexere Abfragen auf AgrarKulturerbe nicht durchführen lassen. Das lässt sich aber leicht über eine Suchmaschine realisieren. Dazu schränkt man die Abfrage durch Angabe einer URL auf die gewünschte Seite ein. Mit „site:agrarkulturerbe.de Herkunft Flurname“ etwa lässt sich gezielt nach der Herkunft von Flurnamen suchen. Die Suchfunktion von AgrarKulturerbe liefert dazu keine Ergebnisse.

Mithilfe erwünscht

Die Initiative AgrarKulturerbe bittet alle Interessierten, eigenes Wissen beizusteuern und Veränderungen oder Fehler mitzuteilen. Nach meiner Erfahrung wird dies umgehend in die Datenbank eingepflegt. Bleibt nur zu hoffen, dass das Projekt weiterhin betreut und ergänzt wird. Eine großartige ehrenamtliche Leistung! Respekt und vielen Dank an die Beteiligten.