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Tischoferhöhle

Bärenhöhle im Kaisertal bei Kufstein

Die Tischoferhöhle bei Kufstein im Kaisertal wurde durch die Knochenfunde Hunderter Höhlenbären berühmt. Noch bedeutender sind allerdings die menschlichen Siedlungsspuren, die bis in die Altsteinzeit zurückreichen und als die ältesten in ganz Tirol gelten. Der seltsam anmutende Name der Tischoferhöhle beruht übrigens auf einem Hörfehler. Einheimische bezeichneten sie im Dialekt als d'Schofer Höhle, weil darin Schafe Unterstand fanden.   (aktualisiert am )

Lage und Entstehung

Die Tischoferhöhle (1312/1) liegt bei Ebbs im Kaisergebirge in einer Felswand oberhalb der Sparchenklamm etwa 80 Meter über dem Bachbett. An der Höhle führt ein beschilderter Steig vorbei, der das Wandergebiet um das Duxer Köpfl mit dem Kaisertal verbindet. Man erreicht sie also sowohl von der so genannten Theaterhütte aus als auch über die Sparchenstiege, mit der die Wanderwege ins Kaisertal beginnen.
Bei dem anstehenden Gestein handelt es sich um Hauptdolomit, der wegen seiner Eigenschaften nur selten und meist eher kleine Höhlen beherbergt. Im Kaisergebirge bildet der Hauptdolomit den Sockel, während die hohen Gipfel aus Wettersteinkalk bestehen.Die Höhlenbildung hat ihren Ursprung in einem tektonischen Spalt.Als der Kaiserbach noch auf dem Niveau der Höhle floss, vergrößerte er im Zusammenspiel mit Verwitterungs­prozessen den Spalt zu einer beachtlichen Halle. Gut 40 Meter reicht sie in den Berg. Das Portal ist über 20 Meter breit. Den Boden bedeckt eine meterdicke Schicht aus Höhlenlehm.
Östlich der Haupthöhle existiert außerdem noch die unscheinbare Felsnische der Hyänenhöhle, in der man jedoch kaum aufrecht stehen kann.

Ausgrabungen

Im Jahr 1906 fanden unter der Leitung des Paläontologen Max Schlosser umfangreiche Ausgrabungen statt. Datenquelle: Internet Archive
Seit dem 19. Jahrhundert wurden in der Tischoferhöhle mehrmals Grabungen durchgeführt. Die erste wissenschaftliche Untersuchung unternahm der Naturwissenschaftler Adolf Pichler im Jahr 1859. Der Historische Verein Kufstein organisierte zusammen mit dem Paläontologen Max Schlosser 1906 die bis dato umfangreichste Ausgrabung. Es folgten weitere Forschungen unter anderem im Jahr 1967 durch Werner Kneußl im Rahmen seiner Dissertation an der Universität Innsbruck.
Die Ausgrabungen führten zu interessanten geologischen Erkenntnissen über das Alter und die Entstehung der Höhle, vor allem aber förderten sie paläontologische und archäologische Funde in großer Zahl zu Tage. Neben Knochen von ausgestorbenen Wildtieren wurden auch Haustier­knochen sowie menschliche Skelette geborgen. Die Artefakte aus der Kulturschicht umfassen unter anderem bearbeitete Knochen, Steinwerkzeuge, Knochen­schmuck, Bronzespiralen und eine große Zahl von Keramikscherben.

Winterquartier von Höhlenbären

Schädel eines in der Tischoferhöhle gefundenen Höhlenbären.

In der Tischoferhöhle wurden die Knochen von über 380 Höhlenbären (Ursus spelaeus) ausgegraben, einer ausgestorbenen europäischen Bärenart. Die Fundstelle ist eine der bedeutendsten dieser Art. Interessanterweise existiert auf der gegenüber­liegenden Seite des Inntals am Pendling eine weitere Bärenhöhle, allerdings fand man darin lediglich die Reste eines einzigen Tieres.
Das Alter der Knochen aus der Tischoferhöhle liegt zwischen 50 000 und 28 000 Jahre. Von den Tieren war nur etwas mehr als die Hälfte ausgewachsen. Es gab also eine hohe Sterblichkeit bei den Jungtieren.
Neben den Knochen der Höhlenbären kamen auch die von einigen anderen Tieren zum Vorschein, darunter zwei Höhlenhyänen, ein Höhlenlöwe, außerdem einige Wölfe, Füchse, Rentiere, Gämsen und Steinböcke.

Höhlenbären heißen so, weil man ihre Knochen überwiegend in Höhlen entdeckte. Für den Winterschlaf waren sie auf natürliche Höhlen angewiesen. Alte, kranke, schlecht ernährte, aber auch viele Jungtiere überlebten die harte Zeit des Winters nicht, so dass sich im Lauf der Jahrtausende in vielen Höhlen eine beachtliche Menge an Knochen ansammelte.
Vor etwa 17 000 Jahren starben die Höhlenbären aus, wobei ihre Population schon zuvor über einen längeren Zeitraum stetig abnahm. Die Gründe dafür sind unklar. Als klimatische Ursache käme das Kältemaximum gegen Ende der Würm-Kaltzeit in Frage. Wahrscheinlicher ist aber die Konkurrenz durch den Menschen. In der Altsteinzeit beanspruchten die Menschen viele Höhlen für sich und nutzten dasselbe Nahrungsangebot wie die Bären. Es wird vermutet, dass Steinzeitjäger zudem Höhlenbären gezielt erlegten.

Prähistorische Funde und neuzeitliche Nutzung

Zu den archäologisch herausragendsten Gegenständen aus der Tischoferhöhle zählen acht zu Speerspitzen verarbeitete Knochen aus der Altsteinzeit. Vielleicht wurden damit Bären während ihres Winterschlafs getötet. Die Speerspitzen werden der Aurignacien-Kultur zugerechnet und datieren zwischen 36 400 und 33 500 vor heute.Die knöchernen Speerspitzen sind damit das bis dato älteste Zeugnis menschlicher Besiedelung in Tirol.Sehr vielfältige Fund stammen aus der Bronzezeit. Die Gebeine von 27 menschlichen Individuen, vorwiegend Kindern, aus der Zeit von 1900 bis 1500 v. Chr. weisen auf einen Ort für Sonderbestattungen hin. Darüber hinaus diente die Höhle als Werkstatt. Es gab Schmelzen, die Hyänenhöhle beherbergte eine Gießerei.

Über die neuzeitliche Nutzung ist wenig bekannt. Möglicherweise kam sie Schafhirten als Unterstand gelegen, was ihren Namen erklären könnte. Im Tiroler Volksaufstands von 1809 war sie für die Aufständischen angeblich ein Versteck und Versammlungsort. Auch wenn es dafür keine Beweise gibt, so erscheint das durchaus plausibel.

Touristische Bedeutung

Auf der Festung Kufstein werden drei komplette Höhlenbärenskelette sowie weitere Funde aus der Tischoferhöhle ausgestellt.
Trotz ihrer vergleichsweise bescheidenen Ausmaße besitzt die Tischoferhöhle eine große touristische Bedeutung, vor allem dank ihrer günstigen Lage über der sehenswerten Sparchenklamm und am Eingang zum wunderschönen Kaisertal.
Im Rahmen des INTERREG-Projekts Inntaler Unterwelten wurden einige Schautafeln aufgestellt, die einen guten ersten Überblick zu den geologischen Zusammen­hängen und den archäologischen Erkenntnissen bieten.
Am besten kombiniert oder ergänzt man den Ausflug zur Höhle mit einem Besuch im Heimatmuseum auf der Festung Kufstein. Das Museum widmet der Tischoferhöhle einen eigenen Raum, in dem die bedeutendsten Funde präsentiert werden.