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Schloss Wengwies

Baudenkmal bei Eschenlohe

Das ursprünglich aus zwei kleinen Bauernhöfen bestehende Wengwies entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem Gutshof. Nach mehrmaligem Besitzwechsel erwarb der Augsburger Patrizier Fritz von Stetten die Einöde. Er ließ 1902 von Jack & Wanner das historisierende Schloss Wengwies erbauen. Wenige Jahre danach kaufte der Textilunternehmer Fritz Rechberg aus Bad Hersfeld das Schloss. Es befindet sich bis heute im Besitz der Familie Rechberg.
Stand:

Lage und Ursprung

In der bayerischen Uraufnahme aus dem 19. Jahrhundert sind in Wengwies zwei Bauernhäuser eingezeichnet. Datenquelle: Geoportal Bayern (CC BY-ND 3.0)
Wengwies liegt in der Nähe von Eschenlohe im Eschenlainetal oberhalb der spektakulären Asamklamm und zu Füßen der Osterfeuerspitze inmitten der Kocheler Berge.Erstmals urkundlich erwähnt wurde Wengwies um 1350 im Ettaler Salbuch, also dem Güterverzeichnis des Klosters.Das Kloster war 1330 von dem Wittelsbacher Kaiser Ludwig dem Bayern gegründet worden, der es mit umfangreichen Besitzungen ausstattete. Zu diesen gehörte auch Eschenlohe mit dem Weiler Wengwies, der aus den zwei Höfen Wastl und Hauser bestand. Beide waren Achtelhöfe, also Kleinstanwesen, die früher Sölden hießen.

Herkunft des Namens

Das Bestimmungswort Weng ist eine Variante von Wang und bezeichnet eine Wiese oder eine Weide an einem flachen, sonnigen Hang. Man könnte Wengwies also für eine Tautologie halten, doch in Wirklichkeit bedeutet es Wiese bei Wengen, wobei mit Wengen ein ehemaliger Weiler mit zwei Höfen südöstlich von Eschenlohe gemeint ist, der inzwischen in dem Ort aufging. Wengen muss also die ältere der beiden Örtlichkeiten sein.

Almwirtschaft

Das Gebiet der ehemaligen Pustertalalm im Estergebirge.
In Wengwies konnte wegen der Höhenlage ausschließlich Viehwirtschaft betrieben werden. Zu den Bauernhöfen von Wengwies gehörte die Pustertalalm im Estergebirge, die in den Quellen auch Pusterthalalpe genannt wird. Möglicherweise schloss das Weidegebiet die abgegangene Schellenbergalm am Elferköpfl mit ein. Früher wurden auf der Pustertalalm im Sommer Wanderer bewirtet. Heute ist sie ein Jagdhaus. Auf Grund der schattigen Lage war die Almwirtschaft dort wohl nicht mehr lohnend.
Der ehemalige Triebsteig zur Pustertalalm ist zum Teil verfallen, zum Teil unter einer Forststraße verschwunden. Er verlief über die Örtlichkeit Am Taferl, das Brandeck und ein Stück entlang der Pustertallaine.

Köhlerei

Südöstlich von Wengwies, nahe der Mündung der Hirschlaine in die Eschenlaine, wurden bis ins 19. Jahrhundert Kohlenmeiler betrieben. Vielleicht eine Zuverdienst­möglichkeit der Söldner von Wengwies. In alten Landkarten heißt das Areal Auf der Kohlstadt.
In das Hirschlainetal führten zwei trassierte Wege, die dort hinten endeten und wohl als Ziehwege für den Holztransport zu den Kohlenmeilern zu interpretieren sind. Wo sich das Hirschlainetal zum Eckleitengraben verjüngt, stand eine abgegangene Hütte, vermutlich eine Unterkunft für die Holzknechte. Während von dem unteren Ziehweg kaum mehr etwas übrig blieb, befindet sich der obere noch in einem recht akzeptablen Zustand. Genutzt wird er wohl nur noch für die Jagd, denn die steilen, schwer zugänglichen Wengwieser Wälder sind für die moderne Forstwirtschaft unattraktiv.

Gutshof und Schloss

Das Schloss ist von außen schlecht einsehbar.
Nach der Säkularisation entwickelte sich Wengwies offenbar zu einem Gutshof. Um 1850 war Emeran Kottmüller Gutsherr in Wengwies, um 1870 ein gewisser Forstmeister Joseph Bayer. Ab 1880 lebte der Graf Hermann Stainlein von Saalenstein (1850- 1882) kurzzeitig in Wengwies, danach wohl der Kommerzienrat Gustav Werner.
Um 1900 übernahm der Augsburger Patrizier Fritz von Stetten das Gut und ließ darauf von den Architekten Jack & Wanner das heutige Schloss im Stil des Historismus errichten. Einige Jahre später erwarb der Textilunternehmer Fritz Rechberg aus Bad Hersfeld Schloss Wengwies. Es befindet sich bis heute im Besitz seiner Nachfahren, die es als Wohn- und Jagdsitz nutzen.
Das Areal ist weiträumig eingezäunt und nicht zugänglich, so dass vom Schloss kaum etwas zu sehen ist.