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Schloss Wengwies

Baudenkmal bei Eschenlohe

Das ursprünglich aus zwei Höfen bestehende Wengwies wurde 1880 vom Grafen Hermann von Stainlein-Saalenstein erworben. Einer der nächsten Eigentümer war der Augsburger Patrizier Fritz von Stetten. Er ließ 1902 von Jack & Wanner das historisierende Schloss Wengwies erbauen. Wenige Jahre danach kaufte der Textilunternehmer Fritz Rechberg aus Bad Hersfeld das Schloss. Es befindet sich bis heute im Besitz der Familie Rechberg.

Lage und Ursprünge der Einöde

In der bayerischen Uraufnahme aus dem 19. Jahrhundert sind in Wengwies zwei Bauernhäuser eingezeichnet. Datenquelle: Geoportal Bayern (CC BY-ND 3.0)
Wengwies liegt in der Nähe von Eschenlohe im Eschenlainetal oberhalb der spektakulären Asamklamm und zu Füßen der Osterfeuerspitze inmitten der beliebten Wanderregion der Bayerischen Voralpen.Erstmals urkundlich erwähnt wurde Wengwies um 1350 im Ettaler Salbuch, also dem Güterverzeichnis des Klosters.Das Kloster war 1330 von dem Wittelsbacher Kaiser Ludwig dem Bayern gegründet worden, der es mit umfangreichen Besitzungen ausstattete. Dazu gehörte auch Eschenlohe mit der Einöde Wengwies, auf der die zwei Höfe Wastl und Hauser standen. Bei diesen handelte es sich um Achtelhöfe, also Kleinstanwesen, die als Sölden bezeichnet werden.

Herkunft des Namens

Das Bestimmungswort Weng ist eine Variante von Wang und bedeutet Wiese oder Weideland an einem flachen, sonnigen Hang. Man könnte Wengwies also für eine Tautologie halten, doch in Wirklichkeit bedeutetet es Wiese bei Wengen, wobei mit Wengen eine ehemalige Einöde südöstlich von Eschenlohe gemeint ist, die inzwischen mit dem Dorf zusammenwuchs. Wengen muss also die ältere der beiden Einöden sein.

Almwirtschaft

Das Gebiet der ehemaligen Pustertalalm im Estergebirge.
In Wengwies konnte wegen der Höhenlage ausschließlich Viehwirtschaft betrieben werden. Zu den Bauernhöfen von Wengwies gehörte die Pustertalalm, die in den Quellen auch Pusterthalalpe genannt wird. Möglicherweise schloss das Weidegebiet die abgegangene Schellenbergalm am Elferköpfl mit ein. Früher wurden auf der Pustertalalm im Sommer Wanderer bewirtet. Heute ist sie ein Jagdhaus. Auf Grund der schattigen Lage war die Almwirtschaft dort wohl nicht mehr lohnend.
Der ehemalige Triebsteig zur Pustertalalm ist zum Teil verfallen, zum Teil unter einer Forststraße verschwunden. Er verlief über die Örtlichkeit Am Taferl, das Brandeck und ein Stück entlang der Pustertallaine.

Köhlerei

Südöstlich von Wengwies, nahe der Mündung der Hirschlaine in die Eschenlaine, wurden bis ins 19. Jahrhundert Kohlenmeiler betrieben. In alten Landkarten heißt das Areal Auf der Kohlstadt. In das Hirschlainetal führten zwei trassierte Wege, die dort endeten und wohl als Ziehwege für den Holztransport zu den Kohlenmeilern zu interpretieren sind. Wo sich das Hirschlainetal zum Eckleitengraben verjüngt, stand eine abgegangene Hütte, vermutlich eine Unterkunft für die Holzknechte. Während von dem unteren Ziehweg kaum mehr etwas zu sehen ist, befindet sich der obere noch in recht gutem Zustand.

Gutshof und Schloss

Nach der Säkularisation entwickelte sich Wengwies offenbar zu einem Gutshof. Um 1850 war Emeran Kottmüller Gutsherr in Wengwies, um 1870 ein gewisser Forstmeister Joseph Bayer. Ab 1880 lebte der Graf Hermann Stainlein von Saalenstein (1850- 1882) kurzzeitig in Wengwies, danach wohl der Kommerzienrat Gustav Werner.
Um 1900 übernahm der Augsburger Patrizier Fritz von Stetten das Gut und ließ darauf von den Architekten Jack & Wanner das heutige Schloss im Stil des Historismus errichten. Einige Jahre später erwarb der Textilunternehmer Fritz Rechberg aus Bad Hersfeld Schloss Wengwies. Es befindet sich bis heute im Besitz seiner Nachfahren.
Das Areal ist weiträumig eingezäunt und nicht zugänglich, so dass vom Schloss kaum etwas zu sehen ist.