1. Geologie
  2. Erosion

Kar, das

Glaziale Talform im Gebirge

Ein Kar bezeichnet in der Geologie eine durch Gletscher­aktivität entstandene kessel­förmige, zum Tal hin offene Hohlform, die zwischen zwei Steilstufen liegt. In den Vertiefungen der Karmulden befinden sich häufig kleine Karseen. Zum Tal hin folgt nach der Karmulde die vom Gletscher rund abgeschliffene Karschwelle. Hinter dieser bricht die steile bis senkrechte Karstufe ab, über die manchmal beeindruckende Wasserfälle hinabstürzen.
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Begriffsklärung

Das Schinderkar in den Tegernseer Bergen. Kare liegen oft auf der Schattenseite, wo die Gletscher eine größere Mächtigkeit erreichen. Denn je mehr ein Gletscher wiegt, umso stärker kann er ein Kar übertiefen.

Im Sprachgebrauch der Bergsteiger werden Kare gelegentlich mit Geröll­feldern oder Schuttreisen gleich­gesetzt. Doch das ist begrifflich falsch. Zwar werden viele Kare von Geröllfeldern umrahmt und mitunter ertrinken sie regelrecht im Geröll, es gibt aber auch Kare auf tief­gründigen, gras­bewachsenen Mergelböden oder auf festem Fels­unter­grund, letztere oft mit den typischen vom Gletscher abgeschliffenen Rundhöckern.Der Begriff Kar steht also für eine vom Gletscher geschaffene Hohlform und hat nichts mit der Beschaffenheit des Untergrunds zu tun.Deshalb existieren Kare nur in glazial überformten Gebirgen, Geröllfelder gibt es auch in anderen.

Entstehung

Der Untere Gaisalpsee in den Allgäuer Alpen. Die sesselartige Form ist typisch für Kare.

Kare sind meist ein Ergebnis kompakter Lokal­gletscher. Denn lange, mächtige Eisströme, wie beispiels­weise der Aletschgletscher, bringen Trogtäler hervor.
Man findet Kare vor allem auf der Schattenseite unter hohen Felswänden und Kämmen, wo im Nährgebiet des Gletschers viel Schnee anfällt und das Eis eine größere Dicke erreichen kann als auf der Sonnenseite. Wenn im Karboden weichere Gesteine als in der Umgebung vorliegen, entstehen besonders ausgeprägte Mulden. Die Schürfwirkung basiert auf dem Gewicht des Gletschers, seiner Fließbewegung und dem mitgeführten Schutt an seinem Grund.

Karseen

Malerisch schmiegt sich der Riederecksee in einen Karkessel zu Füßen des Risserkogels in den Tegernseer Bergen.

Beim Abschmelzen hinterlassen die Gletscher in den Karen kleine Lokalmoränen, die das Wasser aufstauen können. Ton und Schluff des Gletscher­abriebs dichten außerdem den Boden ab und bilden so die Grundlage für Karseen, sofern eine außreichend tiefe Mulde vorhanden ist. Ein großer Teil der hochgelegenen Alpenseen sind auf diese Weise entstanden. Die meist flachen Karseen verlanden durch den steten Eintrag von Sedimenten und je nach Höhen­lage teilweise auch durch Moorbildung vergleichsweise schnell.
Gelegentlich kommen Serien aus mehreren über­einander­liegenden Karen vor, jeweils mit kleinem See, unterbrochen von den steilen, oft felsigen Stufen der ehemaligen Gletscher­brüche, so etwa zu sehen beim Seebensee und Drachensee im Mieminger Gebirge in Tirol.