Geschichte und Kultur

Historisches aus den bayerischen und Tiroler Bergen

Bischofswiesen  •
Das zwischen dem Lattengebirge und dem Untersberg gelegene Bischofswiesen ist einer der ältesten Orte im Berchtesgadener Land. Das Gebiet befand sich ursprünglich im Besitz des Erzbistums Salzburg, was den Namen erklärt. Im Jahr 1155 wurde es von Erzbischof Eberhard I. an das Augustiner-Chorherrenstift Berchtesgaden übergeben.
Cramer-Klett  •
Der Industrielle Theodor von Cramer-Klett erwarb 1875 die Herrschaft Hohenaschau mit Schloss und umfangreichem Landbesitz. Auch zahlreiche Almen waren dabei. Die Nachkommen mussten vieles wieder verkaufen und können den Rest nur schwer erhalten. Im Priental wird die Familie für ihr Wirken bis heute geschätzt.
Döttenbichl  •
Archäologische Funde an dem kleinen Hügel bei Oberammergau deuten auf einen rätischen Opferplatz der Zeit von 100 v. Chr. bis 50 n. Chr. und eine kriegerische Auseinandersetzung mit den Römern um 15 v. Chr. hin.
Dreisesselberg  •
Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts trafen auf dem Dreisesselberg folgende drei Herrschaftsgebiete zusammen: das Herzogtum Bayern, das Fürsterzbistum Salzburg und die Fürstpropstei Berchtesgaden.
Franzosensteig  •
Im Jahre 1805 gelangten französische Truppen mit Hilfe ortskundiger Mittenwalder über den Franzosensteig nach Tirol, wo sie die Leutascher Schanz in einem Handstreich eroberten. Bayern kämpfte damals im Dritten Koalitionskrieg an der Seite Napoleons gegen Österreich. Das Werdenfelser Land gehörte bereits zu Bayern.
Jugendberg / Jugendtal  •
Die Anhöhe, auf der Neuschwanstein steht, wird als Jugendberg bezeichnet. Der Name geht wohl auf eine junge Waldanpflanzung zurück. Nahe dem Schloss befindet sich noch heute der Aussichtspunkt Jugend. Im 19. Jahrhundert gab es dort eine ausgehauene Bergterrasse – das so genannte Jugend-Kanapee.
Kalvarienberg  •
Die lateinische Übersetzung für den Hügel Golgotha, auf dem Jesus hingerichtet wurde, lautet CALVARIAE. In Anlehnung daran werden katholische Andachtsstätten mit Kreuzweg und Kreuzigungsszene als Kalvarienberge bezeichnet.
Lähn  •
Lähn im Außerfern hieß ursprünglich Mittewald, bis der Ort 1456 von einer Lawine (Lähne) zerstört und an anderer Stelle wieder aufgebaut wurde. Im schneereichen Winter 1689 kam es erneut zu einem Lawinenunglück. Heute sorgen massive Wälle für einen zuverlässigen Lawinenschutz.
Marterl  •
Im bairischen Sprachraum werden religiöse Bildstöcke und Wegkreuze, die an ein Unglück oder eine überstandene Gefahr erinnern, Marterl genannt. Das Wort kommt vom Griech. MARTYROS, einem Blutzeugen, der wegen seiner Glaubensüberzeugung getötet wurde.
Schloss Wengwies  •
Das ursprünglich aus zwei Höfen bestehende Wengwies wurde 1879 vom Grafen Hermann von Stainlein-Saalenstein erworben. Der nächste Eigentümer war der Augsburger Patrizier Fritz von Stetten. Er ließ 1902 von Jack & Wanner das historisierende Schloss Wengwies erbauen. Später wurde Wengwies an den Textilunternehmer Fritz Rechberg aus Bad Hersfeld verkauft. Es befindet sich bis heute im Besitz der Familie Rechberg.
Schnappenkirche St. Wolfgang  •
Der Legende nach steht St. Wolfgang am Schnappenberg dort, wo 1096 Graf Marquard von Hohenstein ermordet wurde. Wahrscheinlich entwickelte sich die einst rege Wallfahrt auf Grund eines Brunnens, dem man Heilkräfte zuschrieb. Die heutige barocke Kirche wurde 1639 fertiggestellt. Rätselhaft ist der Name Schnappen. Das Wort kann vieles bedeuten, wie Waldnessel (Ziest), Armbrust oder Wegelagerer.
Spielleite  •
Auf dem Spielleitenköpfl oberhalb der Spielleite im Westen von Farchant befand sich ein bronze- und eisenzeitlicher Brandopferplatz. Im Zuge mehrerer Ausgrabungen wurde deutlich, dass das Spielleitenköpfl über viele Jahrhunderte kultisch genutzt wurde. Ein Besuch vor Ort lohnt sich nicht, denn auf der dicht bewaldeten Anhöhe gibt es nichts zu sehen.
Tischofer Höhle  •
Der seltsame Name der Tischofer Höhle beruht wohl auf einem Hörfehler. Einheimische bezeichneten sie im Dialekt als d'Schofer Höhle. Vermutlich diente sie gelegentlich als Unterstand für Schafe. Funde belegen, dass die menschliche Nutzung bis in die Altsteinzeit zurückreicht. Davor lebten in ihr Höhlenbären. Es wurden Knochenreste von Hunderten Tieren ausgegraben.
Via Claudia Augusta  •
Die Via Claudia Augusta war eine bedeutende Römerstraße. Sie wurde im ersten Jahrhundert nach Christus angelegt. Von Italien führte sie über den Reschenpass und das Außerfern nach Füssen und von dort weiter bis Augsburg. Auch im Mittelalter blieb sie eine wichtige Verkehrsverbindung. In Abgrenzung zur Unteren Straße über den Brenner wurde sie dann als Obere Straße bezeichnet.
Via Raetia  •
Die Römerstraße von Norditalien über Brenner, Seefelder Sattel und Partenkirchen nach Augsburg wird heutzutage als Via Raetia bezeichnet. Kaiser Septimius Severus ließ die Strecke Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. ausbauen. Die Via Raetia ist kürzer als die ältere Via Claudia Augusta und löste diese als wichtigste Straße durch die Provinz Rätien ab.
Vorderriß  •
Vorderriß besteht aus einem Gasthof, einer stillgelegten Sägemühle, einem Forstanwesen und dem ehemaligen königlichen Jagdhaus. Bekanntheit erlangte der Ort vor allem durch die Kindheits­erinnerungen des Schriftstellers Ludwig Thoma. Sein Vater war Oberförster in der Riß. Damals weilte auch König Ludwig II. häufig im dortigen Königshaus, das sein Vater Maximilian II. hatte errichten lassen.
Wildbad Kreuth  •
Mindestens seit Ende des Mittelalters sind die schwefelhaltigen Heilquellen am Hohlenstein bekannt. Das dort errichtete Wildbad mit Kapelle gehörte bis zur Säkularisation dem Kloster Tegernsee. 1817 erwarb es König Maximilian I. und ließ es zu einem noblen Kurbad ausbauen. Wildbad Kreuth befindet sich bis heute im Besitz der Wittelsbacher.